Wenn Sie sich über die Frage Gedanken machen dürfen, wie Sie Ihre Arbeit am besten veröffentlichen könne, sind Sie schon weit gekommen. Herzlichen Glückwunsch!
Die Promotionsordnungen verlangen in unterschiedlichem Umfang eine Veröffentlichung Ihrer Dissertation. Vielfach ist dies auch ganz oder zumindest auch teilweise im Wege einer Online-Veröffentlichung im Internet möglich. Nicht wenige Promotionsordnungen verlangen weiterhin zumindest eine geringe Zahl an gedruckten Exemplaren - und mit einem solchen Druckerzeugnis in der Hand fühlen sich viele Doktoranden besser als mit dem Hinweis auf eine URL.
Diese Seite befasst sich zum einen mit den verschiedenen Möglichkeiten einer Veröffentlichung und zum anderen mit den Argumenten, die für den einen oder den anderen Weg sprechen können. Was Sie letztlich für Konsequenzen daraus ziehen, bleibt Ihnen überlassen, dafür gibt es keine allgemeingültige Regel.
Ganz unten auf der Seite finden Sie noch eine tabellarische Zusammenfassung.
Bevor Sie Aufträge erteilen: Haben Sie tatsächlich die förmliche Druckfreigabe, das sog. Imprimatur (»es möge gedruckt werden«)? Oder gibt es noch Änderungswünsche Ihrer Gutachter, die Sie noch einarbeiten müssen?
Zunächst muß man sich zwischen den beiden wesentlichen Wegen einer Print-Veröffentlichung für Dissertationen entscheiden: Veröffentlichung in einem größeren Verlag oder aber im Selbstverlag. Zwei weitere Publikationsmöglichkeiten, nämlich die Veröffentlichung als »Print on Demand«, bzw, im Internet als Online-Veröffentlichung werden kurz im Anschluß angesprochen.
Die Publikation einer Arbeit in einem großen Fachverlag steht hinsichtlich der damit verknüpften Repuation sicherlich an erster Stelle. Dieser hohe Anspruch hat aber auch seine Kehrseiten - denn zum einen beruht die Reputation darauf, dass solch ein Verlag nicht alles veröffentlicht, was ihm so zugeschickt wird und zum anderen verursachte die Qualitätssicherung auch Kosten, die teilweise auf den Autor abgewälzt werden.
Neben den jeweils angesagtesten Verlagen ihres Faches gibt es immer auch eine große Zahl kleinerer Verlage bzw. spezieller Dissertationsverlage. Im Vergleich zu den großen Verlagen wird hier meist in allem ein bißchen tiefer gestapelt, sprich: Geringere Kosten, kürzere Bearbeitungszeiten, geringe Anforderungen an die Prüfungsnote etc.
Traditionelle Veröffentlichungsform für Dissertationen dürfte der Selbstverlag sein, im Bibliothekskatalog sind das die sog. Universitätsschriften. Hier geht der Autor mit seinem Manuskript zur Druckerei bzw. zum Copyshop und lässt das Buch nach seinen Vorgaben und auf seine Kosten
Manche Universitäten lassen eine Veröffentlichung im Internet zu. Die Regelungen dazu sind noch völlig uneinheitlich. Wenn Sie interessiert sind, sehen Sie dazu in der für Sie geltenden Promotionsordnung nach. Technisch ist die Veröffentlichung im WWW eine sehr einfache Sache – lassen Sie sich also nicht davon abschrecken, daß Sie bisher nur Ihr Schreibprogramm und den Internetbrowser bedienen können! (So ist z. B. der Verfasser dieser Seiten auf diese Weise auf den Geschmack gekommen und betreibt seitdem doktorandenforum.de ;-)
Bei dem Prinzip Printing on demand (auch: Books on demand) wird das Buch nur auf Nachfrage jeweils einzeln gedruckt. Die entsprechende Datei wird dazu bei dem jeweiligen Anbieter hinterlegt. Der Anbieter vergibt eine ISBN-Nummer und sorgt für die Aufnahme in das Verzeichnis lieferbarer Bücher. Wenn nun ein Interessent das Buch bestellt, so wird es eigens für ihn ausgedruckt, gebunden und versandt. Die genaue Vertragsgestaltung variiert, ebenso wie die Kosten. Dabei müssen Sie darauf achten, daß Sie mit dem Vertrag die Vorgaben Ihrer Promotionsordnung für die Veröffentlichung einhalten. Der Vorteil ist das geringe Risiko bei der Auflage. Leider interessieren sich ja meist doch nicht so viele Menschen für das Buch, an dem man selbst so lange gearbeitet hat: In meinem Bücherschrank stauben z. B. immer noch ca. 20 von 30 Exemplaren meiner Diss zu, die ich mir seinerzeit »gesichert« hatte.
Allerdings machen diese Anbieter nach meiner Kenntnis keine Werbung für das Buch. Gerade Buchbesprechungen in Fachzeitschriften sind aber wichtig, um den Verkauf anzukurbeln. So dürften die Verkaufszahlen dennoch niedrig bleiben.
Zu den Vorgaben der Promotionsordnung berichtet Nutzer Holger:
Die Promotionsordnung verlangt in meinem Fall (wie in vielen anderen), dass das Werk in einer Mindestauflage von 150 Exemplaren erscheint und vom Buchhandel (auch mit dieser Mindestzahl) vertrieben wird. Das Dekanat überprüft diese Voraussetzungen auch anhand des Vertrages.
Um die Genehmigung zur Veröffentlichung bzw. Nachweis der Pflichtexemplare zu bekommen, musste also ein individueller Vertrag gemacht werden, der die Mindestauflage ausdrücklich aufnahm - und damit natürlich auch teurer war, da der Verlag 150 Exemplare drucken muss, aber ggf. wenig verkauft.
Möglicherweise besteht diese Tücke des Print-On-Demand-Verfahrens für die meisten Promotionsordnungen. Das ist nicht weiter problematisch, man sollte aber beim Vertragsschluss darauf achten.
Der Druckkostenzuschuss betrug in meinem Fall (gehobene Ausstattung der Reihe) 500 Euro + Abnahme von 50 Exemplaren zum Ladenpreis, die weiterverkauft werden können. Nur wegen letztgenannter Klausel war das Dekanat übrigens bereit, diese 50 Exemplare noch als »durch den Buchhandel verbreitet« zu akzeptieren.
Anbieter dieser Dienste gibt es inzwischen sehr zahlreich, nicht selten werden die Angebote mit der Veröffentlichung im WWW kombiniert. Man findet sie im Internet z. B. über das Stichwort »Print on demand« oder »Books on demand«.
Weitere Erfahrungsberichte zur Veröffentlichung per »Book on Demand« sind sehr willkommen – mögen Sie etwas dazu beitragen?
Die größere Reputation hat zweifelsfrei die Verlagsveröffentlichung. Insbesondere dann, wenn man in einem für das jeweilige Fach allgemein anerkannten Fachverlag publiziert, impliziert das eine besondere Qualität der Arbeit. Denn diese Verlage nehmen nicht jedes angebotene Werk in ihr Programm auf, sondern lassen sich - z.B. anhand der Gutachten - nachweisen, dass die Arbeit einen gewissen qualitativen Standard hat. Mit einer knapp bestandenen Arbeit kann man also bei einem solchen Verlag nicht ankommen.
Die renommierten Verlage sichern Qualität und Reputation zumindest teilwese auch dadurch, dass sie entsprechende Anforderungen an ihre Autoren stellen, z.B. bei der Formatierung des Manuskripts, mitunter aber auch bei der sprachlichen Gestaltung. Selbst wenn diese Verlage das Manuskirpt später professionell setzen, verlangen sie dafür sauber gestaltete Dateien.
Von dieser Spitzenklasse an gibt es verschiedene Abstufungen nach unten hin - bis hin zu solchen Verlagen, die auf Verdacht alle potentiellen Autoren anschreiben, kostenlos drucken - aber auch keinerlei Qualitätskontrolle durchführen. Das soll soweit gehen, dass Bücher auch mit schweren Tippfehlern im Titel auf dem Buchumschlag erscheinen.
Bei einer Internetpublikation müssen zumeist die technischen Spezifikationen der anbietenden Organisation erfüllt werden. Dafür reicht ein Primitiv-PDF-Druck, der optisch in Ordnung ist, meist nicht aus. Auch hier müssen z.B. die sog. Formatvorlagen ordnungsgemäß benutzt werden, so dass Überschriften nicht nur durch ihre gleiche Optik, sondern auch durch dieselben dahinterstehenden Befehle technisch als solche gestaltet sind.
Bei Verfügbarkeit und Verbreitung dürften die Verlage bzw. die Onlinepublikation gegenüber dem Selbstverlag deutlich die Nase vorn haben. Im Verlag bekommt Ihre Dissertation ohne großen Aufwand eine ISBN-Nummer und wird in das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aufgenommen, über die jedermann die Arbeit in jeder Buchhandlung bestellen kann.
ISBN-Nummer und VLB-Aufnahme können Sie aber - gegen Entgelt - auch für Bücher erreichen, die im Selbstverlag erscheinen.
Große Fachverlage machen zudem professionelle Werbung in den einschlägigen Fachzeitschriften etc. Kleinere »Allerweltverlage« können das oft nicht leisten, so dass bei dort gedruckten Arbeiten wie beim Selbstverlag die Gefahr sehr groß ist, dass die Arbeit schnell in der Versenkung der Universitätsbibliotheken verschwindet. Außerhalb werden solche Publikationen nur zur Kenntnis genommen, wenn man sie selbst verteilt. Ob man bei der selbstorganisierten Werbung dieselben Effekte erzielt, wie der große Verlag mit einer Beilage zur angesagten Zeitschrift, sie dahingestellt. Jedenfalls dürften die Kosten für solche Werbemaßnahmen nennenswert sein.
Wenn es um die Geschwindigkeit bis zur tatsächlichen Veröffentlichung geht, dürfte der Selbstverlag an der Spitze liegen.
Die Druckzeiten der größeren juristischen Fachverlage liegen bei fünf bis acht Monaten. Andere Verlage brauchen sechs bis acht Wochen.
Copy-Shops für den Selbstverlag schaffen ihre Arbeit üblicherweise in ca. zwei Wochen von der Abgabe der Postscript-Datei bis zum kompletten Druck).
Dieser Faktor kann wichtig werden, wenn man am Ende – wie so viele – einfach nur noch fertig werden will oder den Titel für eine Bewerbung o. ä. »braucht«. Viele Promotionsordnungen lassen die Führung des Titels nämlich erst nach der tatsächlichen Veröffentlichung zu. Andere Fakultäten haben diese Problem erkannt und gestatten die Titelführung z.B. schon nach Vorlage eines Verlagsvertrages.
Bitte denken Sie – unabhängig von einem eventuellen Verlagsvertrag – daran, rechtzeitig die Ausschüttung der VG Wort zu beantragen. Das Geld steht Ihnen zu!
| Fachverlag | kleiner Verlag | Print on Demand | Selbstverlag | Onlinepublikation | |
|---|---|---|---|---|---|
| Renommee in Fachkreisen | hoch | geringer | gering | gering | ? |
| Kosten | eher hoch | geringer, teilweise keine | geringer, teilweise keine | gering | unterschiedlich, eher geringer |
| Dauer | Lang (5-8 Monate) für Lektorat u.a. | Etwas kürzer (6-8 Wochen) | Kurz, wenige Tage, teilweise Echtzeit | Kurz, Copyshop braucht max. 2 Wochen | k. A. |
| Arbeitsaufwand des Autors für den Vorgang | Autor muss Manuskript nach technischen Anforderungen setzen, meist strenge Kontrolle | Autor muss Manuskript nach technischen Anforderungen setzen. | Etwas geringer. Autor muss Manuskript nach technischen Anforderungen setzen. | Gering, aber nicht Null: Satz/Layout muss aber für Postscript-Datei gegenüber dem Manuskript oft angepasst werden. | Autor muss Manuskript nach technischen Anforderungen setzen, meist strenge Kontrolle |
| Werbung/ Verbreitung/ Außenwahrnehmung | Mäßig: Große Verlage machen zumindest Sammelwerbung (»Neuerscheinungen«), die auch wahrgenommen wird. Dissertationen sind aber i.d.R. keine Bestseller | Eher gering: Weniger bzw. keine Werbung | Eher gering: Keine bzw. fast keine aktive Werbung des Anbieters | Geringe allgemeine Verbreitung, etwaige Eigenwerbung wird wenig wahrgenommen. Aber praktisch garantierte Verfügbarkeit in Universitätsbiliotheken über den Schriftentausch. | I.d.R. keine Werbung der Anbieter |
| Einnahmen | je nach Vertrag + einmalige VG Wort-Ausschüttung | je nach Vertrag + einmalige VG Wort-Ausschüttung | tendenziell geringe Nachfrage, je nach Vertrag, i.d.R. ab dem ersten verkauften Buch + einmalige VG Wort-Ausschüttung | tendenziell geringe Nachfrage und daher geringe Einnahmen + einmalige VG Wort-Ausschüttung | nur VG Wort (Texte im Internet) |
| Gefühlte Qualität (haptisches Erlebnis) | Eben ein richtiges Buch. | Verschieden | Verschieden, nach Kalkulation des Autors. | Verschieden nach Kalkulation des Autors, Profi-Buchbindequalität wird aber oft nicht erreicht. | Einsen und Nullen… |
| Verfügbarkeit | gut: ISBN-Nummer, Aufnahme in das VLB | gut: ISBN-Nummer, Aufnahme in das VLB | gut: ISBN-Nummer, i.d.R. Aufnahme in das VLB | eher schlecht: ISBN-Nummer und Aufnahme in das VLB können aber beantragt werden | Hoch, mit Unterschieden: Nicht alle Publikationsserver lassen allgemeine Suchmaschinen zugreifen, daher z.T. spezielle Recherche auf gerade dem fraglichen Server erforderlich. |
| Ablieferung | Stückzahl wegen Vertriebs über den Buchhandel gegenüber dem Selbstverlag geringer. | Stückzahl wegen Vertriebs über den Buchhandel gegenüber dem Selbstverlag geringer. | Einordnung als »Vertrieb über den Buchhandel« umstritten, vorher klären. | I.d.R. die höchste Stückzahl (verschieden, meist um die 100 Exemplare). | Verschieden. Teilweise werden trotz Onlineveröffentlichung zusätzlich schriftliche Exemplare verlangt. |
Gefunden bei http://doktorandenforum.de, einem Angebot von Dr. Sebastian Veelken.