Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

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LottaLoewe
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Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

Beitrag von LottaLoewe »

Und noch ein Thema...

Für die Publikation, die ich verfasse, meinte ich eine richtig schöne Studie, publiziert in einer renommierten Zeitschrift mit peer review, gefunden zu haben, die ein Screeninginstrument für eine seelische Erkrankung validierte. Die Studie ist von einer in meinem Bereich recht anerkannten Forschungsgruppe und diese Studie wird in vielen Folgepublikationen zitiert. Einzig in einem scoping review fand ich dass dieser Studie ein MMAT von 80% zugeschrieben wurde. Und da ich einen Teil der anderen Studien in dem scoping review kenne, war ich erstaunt, weil sogar welche, die ich nicht so qualitativ hochwertig fand, 100% erhalten hatten.

Da ich auch in meiner Publikation schreiben wollte, wie wichtig es wäre, dass dieses Screeninginstrument auf deutsch validiert wird, aber sichergehen wollte, dass ich nicht etwas übersehen habe, habe ich die Studie einer befreundeten Mathematikerin zugeführt. Und die rief mich Stunden später an, war total entsetzt und meinte, dass die Studie erhebliche methodische Defizite habe.

Ich wollte das nicht glauben und bat die KI die Punkte, die die Mathematikerin zusammengetragen hat, zu prüfen. Dabei zeigte sich, dass es auch einen Schreibfehler bezüglich eines statistischen Verfahrens gab, so dass die KI dieses Korrekturverfahren erst fand, als ich eingab, wie das im Text standen. (Ohne Hinweis auf die Fehlschreibung fand die KI die in diesem Zusammenhang entstandenen Fehler nicht.) Schlussendlich spuckte die KI aus, dass es superviele Fehler gibt und dass hinsichtlich der Ergebnisse/Schlussfolgerungen so erhebliche Mängel bestehen, dass das Instrument eigentlich nicht als Screeninginstrument für die Erkrankung X genutzt werden kann.

Was nun? Ich bin schon seit Stunden total entsetzt und empört. Und erstaunt. Also nicht ich habe das ja entdeckt, sondern eine Mathematikerin, die es liebt irgendwelche Sachen nachzurechnen und zu prüfen, ob Verfahren passen und so. Aber dass sowas passieren kann - peer review, renommierte Zeitschrift, renommierte Forschungsgruppe, oft zitiert etc. :shock:

Und ich frage mich, wie ich nun in meiner Publikation mit dieser Studie umgehen soll. Also gerade weil auch viel bekanntere Leute als ich - aus anderen Ländern - die so anpreisen. In Deutschland gibt es kaum was dazu und ich will die nicht auslassen. Und das Ergebnis kommt mir ehrlich gesagt auch sehr gelegen. Doch ich habe einen Drang zur Wahrheit. Also sowas schreiben wie: "Das Ergebnis der Studie X klingt sehr verheißungsvoll, müsste jedoch noch an einer größeren Stichprobe überprüft werden. XY kam zudem in seinem scoping review zu dem Ergebnis, dass das MMAT der Studie bei 80% liegt. Ggf. sollte daher die Methodik nochmals evaluiert werden."?
Zuletzt geändert von LottaLoewe am 22.08.2026, 09:27, insgesamt 1-mal geändert.
LottaLoewe
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Re: Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

Beitrag von LottaLoewe »

Ich habe Studie und das kritische Ergebnis nun noch bei einer zweiten KI eingespeist mit dem Prompt, zu überprüfen, ob das Ergebnis zutrifft. Und ja: Es trifft zu. Also die Studie hat quasi keine angemessene Aussagekraft.
Hexe3
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Re: Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

Beitrag von Hexe3 »

Hey,

wenn die Studie so zentral ist, würde ich sie wahrscheinlich zitieren und angeben wo und warum ich sie problematisch finde (also kritisch reflektieren). Also wenn "das MMAT der Studie bei 80% liegt" der Fehler der Studie ist dann, behalte deine Antwort bei. Ansonsten (so habe ich das verstanden): Es ist wahrscheinlich, dass methodische Fehler in der Studie bestehen und ihre Aussagekraft nicht angemessen ist (begründen/beschreiben welche Fehler!!!, wie kommst du darauf?; nicht über KI sondern durch Artikel und oder Fachbücher begründen (das wäre auch ein Ergebnis)) Die Studie sollte demnach erneut einer größeren Stichprobe? (wenn das helfen/die Fehler wahrscheinlich beheben würde) geprüft werden.

Ich hoffe es hilft.
Hexe
beyond_the_sea
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Re: Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

Beitrag von beyond_the_sea »

Ich würde zuerst dem Autorenteam schreiben und die entdeckten Mängel benennen, dann sollten sie sich an den Journal-Editor wenden und entweder eine Korrektur veröffentlichen oder den Artikel zurückziehen lassen. Wenn du nach angemessener Wartezeit keine oder nur eine sehr defensive Antwort erhältst, könntest du entsprechend auch dem Journal-Editor direkt schreiben und die Mängel benennen, und kann entsprechende Konsequenzen einleiten. Es klingt so, als wäre es wichtig, dass die Community von den Mängeln erfährt, nicht nur dass du das in deiner eigenen Arbeit ansprichst oder andeutest. Auch schlaue Menschen können Fehler machen. Im besten Fall sind sie dankbar, dass jemand sie darauf hinweist, und korrigieren die Fehler selbst.
LottaLoewe
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Re: Gravierende methodische Fehler in Studie entdeckt - Was tun?

Beitrag von LottaLoewe »

Danke für eure Beiträge.

@Hexe3: Es sind ziemlich viele methodische Fehler. Und weil ich in Statistik eher Basis-Kenntnisse habe und trotz Erklärung der Mathematikerin und der zwei KI nicht 100%ig durchsteige und weil mein Artikel ja nicht darum geht, warum die Studie grottig ist, glaube ich werde ich es bei dem kurzen Verweis u.a. auf das MMAT belassen. Und auf die größere Stichprobe, also in der Hoffnung, dass das eine andere Forschungsgruppe aufgreift oder ein anderes Team und dann zumindest ein paar methodische Fehler nicht mehr vorkommen.

@beyond_the_sea: Das ist eine gute Anregung. Also wenn ich wirklich mal wo draufstoße, wo was gar nicht passt & Schaden verursacht. Das tut es hier nicht. Hier ist es eher so, dass - um einen Vergleich heranzuziehen - es sich so verhält, als wäre das ein Screening auf Glaukom, das eben de facto viel zu oft positiv ausfällt. - Was dazu führt, dass dann untersucht wird, ob wirklich Glaukom vorliegt. Also ich denke hier wird Menschen eher nicht geschadet, sondern dieses Screening führt eher dazu, dass einmal mehr genauer hingesehen wird.
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