Richtig zitieren

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LottaLoewe
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Richtig zitieren

Beitrag von LottaLoewe »

Also in einem Artikel (sagen wir mal Schlaumeier 2023), den ich wegen meiner Publikation lese (die ich gerade schreibe), steht:

"Studies have shown that some dogs bark loudly (Müller 2000), others quietly (Maier 2002), and some not at all (Schulze 2005)."

Wie zitiere ich das nun richtig? Also vielleicht:

In Studien zeigte sich, dass manche Hunde laut, andere leise und manche gar nicht bellen. (Vgl. Schlaumeier 2023)

Und wie geht es weiter, wenn ich noch die Studie von Snoopy 2025 finde, in der steht: "Some dogs bark at a normal volume."

Kann ich dann schreiben:

In Studien zeigte sich, dass manche Hunde laut, andere leise, manche normal laut und manche gar nicht bellen. (Vgl. Schlaumeier 2023; Snoopy 2025) - ?

In manchen Texten, die ich lese, sind pro Satz fünf Quellenangaben. Oder am Ende eines Absatzes kommt dann: Vgl. Müller 2000, S. 30; Maier 2002, S. 5; Schulze 2005, S. 78 - Wie soll ich denn dann den Inhalt aus dem Absatz zitieren?

Aktuell versuche ich (oft) noch an das Original ranzukommen und zu prüfen, ob das da tatsächlich so drinsteht. Aber ich gehe unter zwischen Studien. Bei meiner (einzigen) Publikation der letzten 10 Jahre, in der ich Quellen nutze, fand ich eine Primärquelle nicht und habe das dann daher gemacht wie im Studium gelernt: Schmitt 1978, zit. nach Schlepper 2002, S. 6 - Beim Lektorat flog dann das "zit. nach Schlepper 2002" einfach raus, die meinten so mache man das nicht mehr.

Kann mir vielleicht jemand Tipps geben, wie Zitieren im Jahr 2026 geht?
abcde
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von abcde »

Puh, also hier scheint einiges im Argen zu liegen. Ich versuche mal ein paar Sachen aufzudröseln:
- "zitiert nach" geht nur bei wörtlichen Zitaten, das ist 2026 so und war schon immer so. Also Du hast ein Buch, "Meier, Deutsche Geschichte, München 1967", in der wird zitiert "Marx schreibt 'Proletarier aller Länder vereinigt euch' (Marx, Das kommunistische Manifest, ...)". Dann kannst Du schreiben "Proletarier aller Länder vereinigt euch" (Marx, Das Kommunistische Manifest, zitiert nach Meier, Deutsche Geschichte, München 1967). Ob man das gehäuft machen sollte, ist eine andere Frage, aber so ist es korrekt. Es wäre nicht korrekt, das Zitat Meier zuzuschreiben, es wäre auch nicht korrekt, so zu tun, als hättest Du das kommunistische Manifest gelesen.
- Wenn Schlaumeier 2023 schreibt "Studies have shown that some dogs bark loudly (Müller 2000), others quietly (Maier 2002), and some not at all (Schulze 2005)" kannst Du schreiben "In der Literatur werden Hunde in laut, leise und gar nicht bellend unterschieden (Schlaumeier 2023)". Du entlastest Dich dadurch, dass Du ein Studie verwendest. Das ist nicht nur nicht ehrenrührig, sondern sogar geboten, solange es nicht der Kern Deiner Arbeit ist. Du kannst Ergebnisse von andern verwenden. Nicht korrekt (2026 ebenso wie früher) wäre es hier ein "Müller, Maier, Schulze, zitiert nach Schlaumeier 2023" zu machen. Das "Zitiert nach" ist für wörtliche Zitate. Die Syntheseleistung stammt ja von Schlaumeier, und den gibst Du an.
- Sollte Schlaumeier einen Fehler gemacht haben und das steht bei den dreien gar nicht, ist es nicht Dein Problem (jedenfalls nicht, wenn es nicht gehäuft auftritt, dann ist es aber kein Zitierproblem, sondern Du hast offenbar gehäuft unseriöse Literatur verwendet).
- Du könntest die drei Ursprungsautoren raussuchen und die zitieren. Allerdnigs wäre das ein Strukturplagiat, Du verwendest die Syntheseleistung von Schlaumeier, verschweigst ihn aber. Fällt bei einem Mal nicht auf und ist schwer nachzuweisen (vielleicht kannstest Du Schlaumeier wirklich nicht), aber die Dissertation sollte nicht nur aus "nachgebauter" Argumentation andere bestehen.
- Primär- und Sekunderliteratur ist noch mal was anderes. Alles, wovon wir hier sprechen, ist Sekundärliteratur (ok, Marx eher nicht). Auch wenn es aus irgendwelchen Gründen verbreitet ist, ist das eine Falschverwendung.
- Was Dein "Lektorat" gemacht hat, war falsch. Wenn Du Schmitt nicht in der Hand hattest, kannst Du ihn nicht als Quelle angeben, vielleicht zitiert Schlepper ja falsch. Wenn das aber nicht wörtlich war, dann ist das "zitiert nach" auch falsch. Noch ein Beispiel: Es gibt eine "Einführung in Freud" von Meier. Auf S. 85 steht "... Daraus folgt die Unterscheidung von Es, Ich und Über-Ich (Bedeutendes Werk von Freud, ...) ...". Dann kannst Du schreiben "Freud unterscheidet Es, Ich und Übe-Ich (Meier, Einführung in Freud, S. 85)". Zitiermässig ist dass korrekt. Ob es für die Arbeit angemessen ist, ist eine andere Frage. Wenn Dein Thema "Die rolle des Über-Ich bei Freud" ist, musst Du an die Arbeiten von Freud ran. Ist das nur ein Nebenaspekt (Thema ist irgendwie "Das Menschenbild bei Aristoteles" oder so und Freud ist nur ein Vergleichspunkt), dann reicht es, eine Darstellung zu zitieren. Mit Zitierregeln hat das aber nichts zu tun, in beiden Arbeiten wäre es technisch korrekt.
- Literatur anzugeben, die man nicht in Händen hatte, ist immer falsch. Siehe Plagiatsdiskussionen über prominente Dissertationen.
- "In Studien zeigte sich, dass manche Hunde laut, andere leise, manche normal laut und manche gar nicht bellen. (Vgl. Schlaumeier 2023; Snoopy 2025)" wäre korrekt, Dein Satz ist eine Synthese von Schlaumeier und Snoopy, woher die das Wissen, gibst Du nicht an, wer will, kannn nachschauen. Aber: Lass dieses "vgl." weg. Was soll das? Was bringt das? Ich frage mich immer, welcher Idiot das aufgebracht hat. Ja, Juristen machen es auf jeder Seite tausendmal. Es ist trotzdem Blödsinn. "vgl." generell weglassen.
Ich muss aber sagen, wer als Doktorand damit Schwierigkeiten hat, dem fehlen die Grundlagen. Gibt es bei Euch keine "EInführung ins wissenschaftliche Arbeiten" oder so? Oder vielleicht (nochmal) das Proseminar für Erstsemester besuchen? Ist vielleicht besser, als etwas falsch zu machen.
LottaLoewe
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von LottaLoewe »

Magst du vielleicht erläutern, was "im Argen" liegen soll, @abcde?

Ich möchte mich rückversichern, um wirklich alles richtig zu machen. Und du schreibst, dass so wie ich das vorhabe schon passt. Wo liegt da nun was im Argen?

Das was du sonst noch geschrieben hast weiß ich und danach habe ich nicht gefragt. Und bezüglich "vgl." - schau dir doch das mal an: https://studi-kompass.com/richtig-zitieren/vgl - Und es gibt noch zahlreiche andere Referenzen, die das Gleiche besagen.

Zum Thema Lektorat: Ich nehme an, du schreibst Lektorat in Anführungsstrichen, weil du dieses Lektorat für kein richtiges Lektorat hältst. Aber doch, war es. Und zwar von einem großen Fachbuchverlag.

Und zum Thema Doktorand: Wo habe ich geschrieben, dass ich Doktorand bin?

Nachdem ich meinen Beitrag oben verfasst habe, hatte ich diesen Thread entdeckt: viewtopic.php?t=8323
So wie auch dort geschehen halte ich es für zielführend & kollegial mit den Fragen anderer respektvoll umzugehen. Ich sehe es als Stärke, zu fragen, wenn man sich unsicher ist.
GeorgHerbert
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von GeorgHerbert »

Hallo LottaLoewe,

da dies ein Doktorandenforum ist, würde ich auch davon ausgehen, dass die Schreibenden auf der akademischen Leiter mindestens Doktoranden sind und man entsprechend schon einiges aus dem Studium voraussetzen kann.

Du scheinst von dem Lektorat, das dein "zit. nach" rausgeschmissen hat, ziemlich verunsichert worden zu sein. Ich würde aber auch sagen, dass hier das "Lektorat" einen Fehler gemacht hat, sofern du die Primärquelle wörtlich zitiert hast. Ich schreibe "Lektorat" auch in Anführungszeichen, weil die Redaktionen in Zeitschriften (um die es hier wohl geht) und Fachbuchverlagen oft nicht so toll sind, wie man vielleicht denkt (eigene Berufserfahrung) und vor allem selber nicht viel Zeit in einen Text investieren können und daher auch mal Fehler einbauen, wenn etwas falsch verstanden wurde. Deswegen würde ich auch raten, in so einem Fall durchaus selbstbewusst aufzutreten, das eigene Vorgehen zu begründen (Primärquelle nicht auffindbar) und vom Lektorat eine Erklärung zu erbitten, warum das plötzlich falsch sein soll.
In manchen Texten, die ich lese, sind pro Satz fünf Quellenangaben. Oder am Ende eines Absatzes kommt dann: Vgl. Müller 2000, S. 30; Maier 2002, S. 5; Schulze 2005, S. 78 - Wie soll ich denn dann den Inhalt aus dem Absatz zitieren?
Indem du dich fragst, welche Aussage du zitierst: Die der Studien oder die des Autors, der die Studien zusammenfasst. Es dürfte ja meistens letzteres der Fall sein, d. h. der Autor zitiert nur so viele Studien, um eine eigene Aussage zu beweisen, und diese Aussage zitierst du. Dann musst du nicht mehr alle Quellen selber nachverfolgen und zitieren (sonst müsstest du ja konsequenterweise auch die Quellen zitieren, die die Quellen verwendet haben, und die Quellen der Quellen der Quellen etc. pp). Dass der Autor selber korrekt zitiert hat, muss man oft eben voraussetzen und darauf vertrauen. Sonst würde Wissenschaft ja gar nicht funktionieren. Nur wenn Aussagen allzu gewagt wirken oder irgendetwas daran irritiert, ist ein Blick in die Quelle der Quellen sicher sinnvoll.
Ich finde auch, dass du es schon richtig gemacht hast. Und wüsste nicht, was an "vgl." schlecht sein sollte, ich habe das nie anders gesehen.

Es gibt nicht "richtiges Zitieren 2026", es gibt nur wissenschaftlich korrekt (d. h. bis zur Quelle nachvollziehbar und wort- bzw. sinngetreu) oder nicht korrekt - der Rest ist Mode und Fachkultur. Früher schrieb man in Endnoten "a.a.O.", heute steht in Stylesheets oft, dass das NICHT erlaubt ist - die Verlage weisen noch immer darauf hin, obwohl es schon lange aus der Mode ist, denn wenn es jemand heute macht, ist das nicht automatisch falsch oder unwissenschaftlich. Nur eben icht mehr erwünscht. Und da unterscheiden sich die Wünsche auch von Fach zu Fach, von Zitierstil zu Zitierstil.
Wer einen bestimmten Zitierstil von dir will, soll dir einen Leitfaden/ein Stylesheet geben. So etwas haben eigentlich alle seriösen Zeitschriften und Verlage. Wenn du das nicht bekommst, gilt einfach, was du im Studium gelernt hast.
LottaLoewe
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von LottaLoewe »

Zu meinem "Hintergrund": Mein Studium ist einfach Jahrzehnte her. Obwohl mich Forschung und wissenschaftlich Arbeiten immer reizte, bin ich nach dem Studium in die Praxis gegangen, weil eine Verbindung zwischen Praxis und Forschung in meinem Bereich in Deutschland nicht möglich war (und leider immer noch nicht ist; obwohl ich mir denke, dass es in meinem Fachbereich sicherlich sehr fruchtbar wäre, wenn z.B. ein*e Professor*in auch mal selber als Lehrerin in einer Klasse steht und nicht nur ein schlaues Buch nach dem nächsten dazu verfasst, was Lehrer*innen besser machen könnten). Erfreulicherweise ist es nun seit kurzem so, dass ich angefragt werde wegen wissenschaftlicher Beiträge. Aufgrund meiner langjährigen praktischen Erfahrungen.

Da Recherchieren zu Zeiten meines Studiums auch noch anders ging habe ich kürzlich einen Kurs dazu besucht. Und nachdem es im Schneckentempo voranging und es ewig dauerte bis die Studis verstanden hatten, woran man erkennt, ob eine Quellenangabe zu einer Zeitschrift oder einem Buch gehört, hoffte ich, dass ich hier einfach konkret nachfragen kann, wenn ich mir unsicher bin.

Ich gehöre noch zu der Generation, die mindestens einmal während des Studiums dazu angehalten wurde, für eine Seminararbeit wirklich alle Quellen bis zur "Ur-Quelle" zu checken. Und seitdem ich in den Katakomben einer Uni-Bibliothek herumkroch und Originale in Sütterlin von achtzehnhundert-irgendwas las weiß ich, dass es in der Wissenschaft bisweilen zugeht wie bei der Flüsterpost. Ob Wissenschaft funktioniert würde ich daher mal offenlassen. Erst gestern postete ich ja den Beitrag zu der Studie mit den vielen Fehlern.

Doch zurück zum Thema: Parallel zu meiner Publikation Nr. 1 ist ein scoping review zum gleichen Thema erschienen. D.h. viele der darin angeführten Studien kenne ich im Original und zitiere die auch in meiner jetzigen Publikation aus dem Original. Andere Studien beschaffe ich mir, um sie nach dem Prüfen auch direkt zu zitieren. Doch gehe ich richtig der Annahme, dass ich Studien, die ich mir nicht besorge, dann so anführe: In seiner 2020 publizierten Studie stellte Schlaumeier fest, dass dies und das so und so ist (vgl. Besserwisser 2025, S. 3) - ?
abcde
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von abcde »

Mir ist Deine letzte Frage nicht ganz klar. Studien, die Du Dir nicht besorgst, d. h. nicht in der Hand hattest, kannst Du gar nicht zitieren. Ich kann mir auch keinen Fall vorstellen, wo Autor A mit Autor B belegt wird, so wie in Deinem Beispiel: "Schlaumeier findet ... (Besserwisser ...)". Wenn die Aussage von Schlaumeier kommt, muss eine Referenz auf Schlaumeier hin, nicht auf irgendjemanden sonst. Aber vielleicht ist mir die ganze Situation unklar. Möglich wäre höchstens eine Konstruktion nach dem Muster "Laut Besserwisser sagt Schlaumeier ... (Besserwisser ...)". Aber das scheint mir unschön, ich glaube, das wird oft als unbeholfen wahrgenommen werden. Wenn es wirklich so wichtig ist, dass genau Schlaumeier das sagt und nicht sonstwer, dann muss die Schlaumeier-Veröffentlichung her.
Bezüglich vgl.: Zunächst stimmt es keinesfalls, dass das immer und überall gängig wäre. In den Naturwissenschaften macht es überhaupt niemend, und auch in den Geisteswissenschaften ist es keinesfalls universell. Ich habe gerade den letzten Aufsatz in der HZ (der Geschichts-Zeitschrift in Deutschland) genommen (https://www.degruyterbrill.com/document ... -0019/html im open access), zumindest die Fussnoten bis 7 (weiter habe ich nicht geschaut) haben kein vgl. Vor allem: Was soll das bringen? Was gewinnt man, wenn am Beginn jeden Literaturverweises vgl. steht? Warum schreibt man nicht gleich überall blablub hin? Ernsthaft, was bringt es? Hat sich mir noch nie erschlossen und konnte mir auch noch nie jemand erklären. Wenn es verlangt wird, bitte, wenn es jemanden glücklich macht, aber von mir aus würde ich es nicht machen, weil es einfach Buchstaben ohne jegliche Funktion sind.
abcde
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von abcde »

Ich habe mal die KI nach dem vgl. befragt. Ergebnis ist "Fazit: Warum wird der Unsinn beibehalten?" - aber seht selbst:

warum setzen manche leute ein vgl. vor die literaturnachweise? Was soll das bringen?

Das Kürzel „vgl.“ (steht für vergleiche) vor einem Zitat oder Literaturverweis zeigt an, dass die genannte Quelle die Aussage nicht wortwörtlich belegt, sondern inhaltlich ähnlich ist oder einen Vergleich anbietet. Man nutzt es bei indirekten Zitaten (Paraphrasen), um zu sagen: Schauen Sie dort nach für einen ähnlichen Gedanken.
Sinn und Zweck von „vgl.“
Ehrlichkeit: Es zeigt, dass es nicht der exakte Wortlaut des Autors ist.
Hinweis auf Ähnlichkeit: Es macht klar, dass die Quelle den Punkt von einer anderen Seite beleuchtet oder stützt.
Unterschied zum direkten Zitat: Ohne „vgl.“ denkt der Leser oft, es folgt ein wörtliches Zitat mit genau diesen Worten.
Wann man es nutzt
Bei einer eigenen Zusammenfassung von fremden Ideen.Wenn eine Quelle die gleiche Meinung vertritt wie im Text geschrieben.Wenn ein Gedanke aus dem Buch auf den eigenen Text übertragen wurde.
Soll ich dir ein Beispiel zeigen, wie man „vgl.“ im Text und im Literaturverzeichnis richtig anwendet?

Direkte Zitate haben "", alles andere kann kein direktes Zitat oder wörtliche Wiedergabe sein. Dieses Argument ist doch Unsinn, auch wenn man es oft liest.

Du hast völlig recht, rein logisch ist dieses Argument schwach. Anführungszeichen sind im wissenschaftlichen Arbeiten das klare und eindeutige Signal für ein direktes Zitat.
Dass der Verweis auf den Unterschied zu direkten Zitaten dennoch so oft wiederholt wird, liegt an einer tief verwurzelten Tradition im deutschsprachigen Raum und dem Wunsch nach einer zusätzlichen optischen Trennung.Die eigentlichen Gründe für „vgl.“ bei indirekten Zitaten
Signal für Paraphrasen: Das „vgl.“ signalisiert dem Leser sofort im Fließtext (ohne dass er nach Anführungszeichen suchen muss), dass der folgende Abschnitt eine sinngemäße Zusammenfassung mehrerer Sätze oder Seiten ist.
Abgrenzung von reinen Belegen: Manche Institute verlangen „vgl.“ nur dann, wenn die Quelle den Gedanken nicht eins zu eins enthält, sondern ihn nur stützt oder eine ergänzende Perspektive bietet.
Tradition und Richtlinien: Viele Lehrstühle haben alte Zitierleitfäden, die das Kürzel strikt vorschreiben. Studenten nutzen es daher oft nicht aus logischer Überzeugung, sondern um Punktabzüge zu vermeiden.
Der moderne Trend: Verzicht auf „vgl.“
In vielen Fachbereichen (besonders in den Natur- und Sozialwissenschaften) gilt das Kürzel heute tatsächlich als veraltet und überflüssig. Internationale Standards wie APA oder Harvard nutzen überhaupt kein „vgl.“ (bzw. „cf.“ im Englischen) für normale indirekte Zitate. Dort gilt:Keine Anführungszeichen = Indirektes Zitat.Der Quellenname im Text reicht als Beleg völlig aus.

"Es zeigt, dass es nicht der exakte Wortlaut des Autors ist" und "Es macht klar, dass die Quelle den Punkt von einer anderen Seite beleuchtet oder stützt" schliesen sich gegenseitig aus. Ebenso "Signal für Paraphrasen" und "Abgrenzung von reinen Belegen", wenn das eine gehen soll, scheidet das andere aus.

Du legst den Finger genau auf die Wunde der deutschen Zitierexpedition. Die Argumente schließen sich logisch gegenseitig aus, weil das Kürzel „vgl.“ in der akademischen Praxis im deutschsprachigen Raum inkonsistent und für völlig widersprüchliche Zwecke verwendet wird.
Das Problem entsteht, weil es keinen einheitlichen Standard gibt. Verschiedene Disziplinen und Lehrstühle definieren die Funktion von „vgl.“ komplett gegensätzlich.
Hier ist die Auflösung, warum diese Widersprüche existieren:
Widerspruch 1: Paraphrase vs. Perspektivenwechsel
Lager A (Reine Paraphrase): Hier gilt die Regel: Jedes indirekte Zitat (jede sinngemäße Wiedergabe) muss ein „vgl.“ bekommen. Es dient rein als technischer Marker für „Nicht wörtlich“.
Lager B (Ergänzender Vergleich): Hier gilt die Regel: Wenn ein Text die Quelle sinngemäß wiedergibt, schreibt man kein „vgl.“, sondern nur den Beleg (z. B. Müller 2020, S. 5). Ein „vgl.“ wird nur dann gesetzt, wenn der Leser die Quelle heranziehen soll, um eine ähnliche, kontrastierende oder weiterführende Argumentation zu prüfen.
Das logische Dilemma: Wenn man System A folgt, verliert „vgl.“ seine semantische Bedeutung („vergleiche“). Wenn man System B folgt, ist das Argument „Es zeigt, dass es kein direktes Zitat ist“ hinfällig. Beides gleichzeitig zu behaupten, ist unlogisch.
Widerspruch 2: Signal für Paraphrasen vs. Abgrenzung von Belegen
Wenn „vgl.“ pauschal vor jede Paraphrase gesetzt wird, kann es nicht mehr gleichzeitig als Sonderzeichen für einen „reinen Beleg“ oder eine „Ergänzung“ dienen.
Wer „vgl.“ als reinen Paraphrasen-Marker nutzt, entwertet die eigentliche Kernbedeutung des Wortes „vergleiche“ (was eine Aufforderung an den Leser ist, zwei Dinge nebeneinanderzulegen).
Fazit: Warum wird der Unsinn beibehalten?
Die Germanistik und die Rechtswissenschaften hängen stark an der Tradition des „vgl.“ für jede Paraphrase. Die angelsächsisch geprägten Wissenschaften (wie Wirtschaft, Psychologie, Naturwissenschaften) haben diesen Widerspruch erkannt und das Kürzel für normale indirekte Zitate komplett abgeschafft. Dort nutzt man das englische „cf.“ (confer) nur noch in seiner echten, logischen Bedeutung: „Vergleiche dazu eine andere Meinung in Quelle X“.
Schreibst du gerade an einer Arbeit, bei der du dich an die Vorgaben deines Instituts halten musst, obwohl sie unlogisch sind, oder suchst du nach Argumenten, um in deiner Arbeit komplett darauf zu verzichten?
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