Das Land ist zehnmal so gross,
Ja, in Deutschland das Dauerargument für alles, was nicht funktioniert...
Aber mal ernsthaft, wer zieht in Deutschland schon gern mal in ein anderes Bundesland oder auch nur einen anderen Landkreis um? Die 10x Bevölkerung verteilen sich halt auf eine sehr viel größere Fläche. Die Mobilität ist generell eher schwach. Und vor allem, wer zieht aus der Großstadt in irgendein weit entferntes Kaff, in dem eine FH steht, was ja recht häufig so ist? Pendeln ist da auch eine schwache Option. Die vergleichsweise wenigen Großstadt-FHs haben daher mit dem Bewerbermangel weitaus weniger zu kämpfen als die unzähligen FHs auf dem flachen Land, die über die Jahrzehnte errichtet wurden.
alle sprechen dieselbe Sprache, und wenn es wirtschaftlich nicht gut läuft, drängt es viele in den sicheren ÖD.
Die Vergütung im deutschen ÖD ist
sehr spürbar schlechter als in den meisten privatwirtschaftlichen Jobs für berufserfahrene MINT-Promovierte. Die Gehaltsdynamik ist dazu quasi nichtexistent: in der Industrie kann ich zumindest davon fantasieren, in der Hierarchie aufzusteigen und irgendwann als VP oder gar Vorstand fett zu kassieren. W2 ist dagegen mehr oder weniger garantierte Endstation bis zum Ruhestand, wenn man nicht in die Hochschulleitung kommt (und W3 ist nun auch nicht soooo umwerfend). Und so nebenbei: das Heiligtum der "Verbeamtung" endet in den meisten Bundesländern mit ca. 50 Jahren Lebensalter, womit sich selbst dieser vermeintliche "Vorteil" dann auch stark reduziert, d.h. ältere Bewerber sind schon mal viel weniger interessiert.
Ja, die Pension ist natürlich ganz schön im Vergleich zur Rente, aber mit der kann ich mir heute kein Haus oder Auto kaufen.
Dazu kommen die ausgesprochen mühseligen, extrem langwierigen und sagenhaft bürokratischen Bewerbungsverfahren und die miese Sichtbarkeit auf dem Jobmarkt (z.B.: kaum eine deutsche Hochschule beauftragt Recruiter, auf LinkedIn nach Kandidaten zu suchen). Und von wegen "alle sprechen dieselbe Sprache": stimmt, kaum ein nicht-deutscher Bewerber verirrt sich an eine deutsche FH als Prof. Der schweizerische Arbeitsmarkt ist generell sehr viel internationaler als der deutsche.
Meiner Meinung nach handelt es sich hier eher um überzogene Anforderungen als um eine zu geringe Bewerberzahl.
Wie gesagt: es wird in der Regel ein Dreiervorschlag gefordert. Also drei formal und nach Einschätzung der BK geeignete Kandidaten, oder genauer gesagt: Kandidat*innen, d.h. ohne wenigstens eine Frau wird es eng.
Diese Spielchen gibt es in der Privatwirtschaft oder in privatwirtschaftlich(er) geführten Hochschulen wie in CH oder AT halt weniger. Ich hatte vor meiner Berufung rund 20 Jahre Erfahrung in "der Industrie" in kleinen bis sehr großen Unternehmen, ich spüre den Unterschied deutlich genug. Man muss das mit der Hochschule schon sehr wollen, weil der Unterschied in Deutschland eben sehr prononciert ist.