FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Fragen und Antworten rund um die Professur an Fachhochschule (FH) bzw. Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)
Grounded
Beiträge: 277
Registriert: 10.06.2018, 19:49
Hat sich bedankt: 14 Mal
Danksagung erhalten: 38 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Grounded »

dns hat geschrieben: 24.01.2026, 18:59 Am besten sieht man das wie den Kauf eines Lottoscheins, mit dem Unterschied dass es Monate oder gar Jahre(!) dauert, bis man das Ziehungsresultat bekommt...
Das ist eine schöne Metapher :D

Überleg dir vorher, ob es den Einsatz (u. a. wochenlange Vorbereitung) wert ist.
Simulant
Beiträge: 9
Registriert: 31.10.2025, 12:54
Status: Dr.
Hat sich bedankt: 10 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Simulant »

Fussel hat geschrieben: 23.01.2026, 09:56 deutlich zu wenig Bewerbungen
Man kann den "Mangel" auch in konkreten Zahlen ausdrücken. Ich arbeite aktuell an einer kleineren FH in der Schweiz, keine internationalen Studierenden, keine englischsprachigen Studiengänge, sondern vorwiegend Leute aus der unmittelbaren Region. Wir hatten im letzten Jahr eine Institutsleitung Maschinenbau und eine Professur Elektrotechnik ausgeschrieben. Die Promotion war nur im ersten Fall Pflicht (wir sind da etwas flexibler als in D), aber als zusätzliche Hürde sollten beide zweisprachig DE/FR sein. Ergebnis: 34 Bewerbungen im Fall 1, 50 Bewerbungen im Fall 2, die allermeisten davon waren passend und hochkarätig.

Bei einer anderen unbefristeten akademischen Stelle, wo ich selbst im Vorstellungsgespräch war und wo auch MINT-Promotion und Mehrsprachigkeit DE/FR/EN verlangt waren, gab es 110 Bewerber:innen. Von einer weiteren Uni, wo ich mich beworben hatte, bekam ich direkt eine Absage, weil bei den >100 Kandidat:innen bessere dabei waren.

In der Industrie sieht es aktuell ähnlich aus: es sind zur Zeit extrem viele sehr gute Leute auf der Suche!
Fussel
Beiträge: 3
Registriert: 23.01.2026, 09:44

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Fussel »

Verrückt, in De sehe ich öfter mal Ausschreibungen für Professuren, die ein zweites mal auftauchen, da in der ersten Runde wohl niemand passendes gefunden wurde. Ich denke die können von 50+ Bewerbungen nur Träumen im Mint Bereich bei kleineren Hochschulen. Aber vielen Dank für das Feedback :)
Simulant
Beiträge: 9
Registriert: 31.10.2025, 12:54
Status: Dr.
Hat sich bedankt: 10 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Simulant »

Aber warum sollte es in D weniger Bewerbungen geben? Das Land ist zehnmal so gross, alle sprechen dieselbe Sprache, und wenn es wirtschaftlich nicht gut läuft, drängt es viele in den sicheren ÖD.

Und dass man "niemanden" gefunden hat, obwohl ICH im Vorstellungsgespräch war, habe ich in beiden Ländern schon erlebt (und auch in der Privatwirtschaft). Meiner Meinung nach handelt es sich hier eher um überzogene Anforderungen als um eine zu geringe Bewerberzahl.
dns
Beiträge: 20
Registriert: 07.04.2025, 07:19
Hat sich bedankt: 7 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von dns »

Das Land ist zehnmal so gross,
Ja, in Deutschland das Dauerargument für alles, was nicht funktioniert... :roll:

Aber mal ernsthaft, wer zieht in Deutschland schon gern mal in ein anderes Bundesland oder auch nur einen anderen Landkreis um? Die 10x Bevölkerung verteilen sich halt auf eine sehr viel größere Fläche. Die Mobilität ist generell eher schwach. Und vor allem, wer zieht aus der Großstadt in irgendein weit entferntes Kaff, in dem eine FH steht, was ja recht häufig so ist? Pendeln ist da auch eine schwache Option. Die vergleichsweise wenigen Großstadt-FHs haben daher mit dem Bewerbermangel weitaus weniger zu kämpfen als die unzähligen FHs auf dem flachen Land, die über die Jahrzehnte errichtet wurden.
alle sprechen dieselbe Sprache, und wenn es wirtschaftlich nicht gut läuft, drängt es viele in den sicheren ÖD.
Die Vergütung im deutschen ÖD ist sehr spürbar schlechter als in den meisten privatwirtschaftlichen Jobs für berufserfahrene MINT-Promovierte. Die Gehaltsdynamik ist dazu quasi nichtexistent: in der Industrie kann ich zumindest davon fantasieren, in der Hierarchie aufzusteigen und irgendwann als VP oder gar Vorstand fett zu kassieren. W2 ist dagegen mehr oder weniger garantierte Endstation bis zum Ruhestand, wenn man nicht in die Hochschulleitung kommt (und W3 ist nun auch nicht soooo umwerfend). Und so nebenbei: das Heiligtum der "Verbeamtung" endet in den meisten Bundesländern mit ca. 50 Jahren Lebensalter, womit sich selbst dieser vermeintliche "Vorteil" dann auch stark reduziert, d.h. ältere Bewerber sind schon mal viel weniger interessiert.

Ja, die Pension ist natürlich ganz schön im Vergleich zur Rente, aber mit der kann ich mir heute kein Haus oder Auto kaufen.

Dazu kommen die ausgesprochen mühseligen, extrem langwierigen und sagenhaft bürokratischen Bewerbungsverfahren und die miese Sichtbarkeit auf dem Jobmarkt (z.B.: kaum eine deutsche Hochschule beauftragt Recruiter, auf LinkedIn nach Kandidaten zu suchen). Und von wegen "alle sprechen dieselbe Sprache": stimmt, kaum ein nicht-deutscher Bewerber verirrt sich an eine deutsche FH als Prof. Der schweizerische Arbeitsmarkt ist generell sehr viel internationaler als der deutsche.
Meiner Meinung nach handelt es sich hier eher um überzogene Anforderungen als um eine zu geringe Bewerberzahl.
Wie gesagt: es wird in der Regel ein Dreiervorschlag gefordert. Also drei formal und nach Einschätzung der BK geeignete Kandidaten, oder genauer gesagt: Kandidat*innen, d.h. ohne wenigstens eine Frau wird es eng.

Diese Spielchen gibt es in der Privatwirtschaft oder in privatwirtschaftlich(er) geführten Hochschulen wie in CH oder AT halt weniger. Ich hatte vor meiner Berufung rund 20 Jahre Erfahrung in "der Industrie" in kleinen bis sehr großen Unternehmen, ich spüre den Unterschied deutlich genug. Man muss das mit der Hochschule schon sehr wollen, weil der Unterschied in Deutschland eben sehr prononciert ist.
Simulant
Beiträge: 9
Registriert: 31.10.2025, 12:54
Status: Dr.
Hat sich bedankt: 10 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Simulant »

dns hat geschrieben: 29.01.2026, 20:02 Die Vergütung im deutschen ÖD ist sehr spürbar schlechter als in den meisten privatwirtschaftlichen Jobs für berufserfahrene MINT-Promovierte.
Die Gehaltsdynamik ist dazu quasi nichtexistent
Das ist in der Schweiz genauso, alles streng nach Tabelle. Man wird nie und nimmer ein mittleres Managergehalt erreichen.
dns hat geschrieben: 29.01.2026, 20:02 kaum eine deutsche Hochschule beauftragt Recruiter, auf LinkedIn nach Kandidaten zu suchen
Doch, obwohl auf meinem Profil klar zu erkennen ist, wo ich bin, wurde ich mehrfach aus Deutschland angeschrieben und zur Bewerbung aufgefordert. Von den Schweizer FHs wurde ich nie angeschrieben, nur einmal hat mir ein guter Bekannter eine Stellenausschreibung zugespielt.
dns hat geschrieben: 29.01.2026, 20:02 Ich hatte vor meiner Berufung rund 20 Jahre Erfahrung in "der Industrie" in kleinen bis sehr großen Unternehmen
Bei mir sind es fast genauso viele Jahre in einem ähnlichen Umfeld, aber als Frau. Ich habe keine Karriere gemacht, sondern musste zusehen, wie Männer, die aus meiner Sicht nichts im Kopf hatten, an mir vorbeibefördert wurden. Ich wurde gezwungen, deren fachlich falsche Anweisungen auszuführen. Ich war häufig "unter Niveau" beschäftigt, habe nicht sonderlich gut verdient (mehr als E13, weniger als ein Prof) und wurde mehrmals entlassen. Ich habe mich unendlich oft und immer überregional auf "höhere" Stellen beworben, aber in den Auswahlgremien sitzen fast nur Männer (ebenso in den Berufungskommissionen). Ich war fast immer die einzige Frau im Raum, hatte nie eine Frau in der Hierarchie über mir. Es hingen Pin-up-Bilder von nackten Frauen im Büro (bei mehreren Firmen). Es gab Sicherheitskleidung nur in Männergrössen. Wenn ich solche Missstände angesprochen habe, wurde immer nur ich zum Problem gemacht. Mobbing, Bossing, Gaslighting, Victimblaming - alles gleichzeitig!

Wenn ich noch einmal von vorne starten könnte, würde ich nicht mehr in diese Richtung gehen, obwohl ich mein eigentliches Fachgebiet immer noch mag. Aber jetzt muss ich das Beste daraus machen, bin bereit umzuziehen und auf Lohn zu verzichten, aber in diesem Umfeld möchte ich nicht mehr arbeiten.
Zuletzt geändert von Simulant am 03.02.2026, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
mashdoc
Beiträge: 140
Registriert: 17.07.2011, 11:20
Status: Student
Hat sich bedankt: 32 Mal
Danksagung erhalten: 6 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von mashdoc »

dns hat geschrieben: 29.01.2026, 20:02 Die Vergütung im deutschen ÖD ist sehr spürbar schlechter als in den meisten privatwirtschaftlichen Jobs für berufserfahrene MINT-Promovierte. Die Gehaltsdynamik ist dazu quasi nichtexistent: in der Industrie kann ich zumindest davon fantasieren, in der Hierarchie aufzusteigen und irgendwann als VP oder gar Vorstand fett zu kassieren. W2 ist dagegen mehr oder weniger garantierte Endstation bis zum Ruhestand,
Sinn der Sache ist nicht, dass vor kurzem Promovierte FH-Prof werden, sondern Berufserfahrene mit bestenfalls 10 Jahren+ Erfahrung. Die haben in der Regel bereits ordentlich verdient und sich ein Finanzpolster aufgebaut. Darauf aufbauend ist W2 (mit ggf. Zulagen) sehr ansprechend. Für die Bereiche Soziale Arbeit usw. sowieso. Zudem dürfte es auf die Arbeitsstunden (nach zwei/drei Jahren) heruntergerechnet geradezu sagenhaft sein.
Das heißt nicht, dass manche FH den einfachen Weg gehen und sich bedienen bei Standort-nahen Instituten mit Leuten, die mit Ach und Krach die Mindesterfahrung zusammenbekommen haben.
dead_souls
Beiträge: 27
Registriert: 04.04.2017, 19:31
Status: Dr. rer pol
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von dead_souls »

mm42 hat geschrieben: 09.08.2025, 11:03
mashdoc hat geschrieben: 08.08.2025, 17:43
dead_souls hat geschrieben: 08.08.2025, 15:22 , eine befristete Professur
Bei manchen Ausschreibungen frage ich mich schon, wer sich darauf bewerben soll. Hier und da war dir ausgeschriebene Professur noch nicht einmal auf fünf, sondern drei Jahre befristet. Wer denkt sich sowas aus?
Ich habe neulich eine auf zwei Jahre befristete 50% Stelle gesehen und - dann auch noch bei so einer McDonnalds-Privat-FH. Die Vergütung liegt bei 30k, also bringt jeder Gymnasiallehrer mehr Patte mit nach Hause.

Background Check: Diese "Hochschule" hat eine hohe Fluktuation in allen (!) Bereichen, von den Hiwis bis hin zu den Profs. Also wer den Ruf als Trophäe braucht, bitteschön :lol: ansonsten habe ich mich echt gefragt, ist es nicht besser, irgendwo eine gepflegte Studienratsstelle zu haben, statt so eine prekäre gewollt-und-kann-nicht Geschichte. Das Arbeiterkind in mir sagt, da würde ich lieber wieder LKW fahren, statt in so einer mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit toxischen Arbeitsumgebung rumlaufen.
Grounded
Beiträge: 277
Registriert: 10.06.2018, 19:49
Hat sich bedankt: 14 Mal
Danksagung erhalten: 38 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von Grounded »

dead_souls hat geschrieben: 30.01.2026, 15:54 Ich habe neulich eine auf zwei Jahre befristete 50% Stelle gesehen und - dann auch noch bei so einer McDonnalds-Privat-FH. Die Vergütung liegt bei 30k, also bringt jeder Gymnasiallehrer mehr Patte mit nach Hause.
Niemand muss sich auf so etwas einlassen. Eine Bekannte hat sich auf eine entsprechende Ausschreibung beworben, die Vergütung verhandelt und den Ruf auf eine unbefristete Vollzeitstelle bekommen (aber nicht angenommen).
dead_souls
Beiträge: 27
Registriert: 04.04.2017, 19:31
Status: Dr. rer pol
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch VII - ab 2025

Beitrag von dead_souls »

Manche Privatunis können das einfach nicht leisten fürchte ich. Das Konzept ist so darauf ausgerichtet, Money zu machen, dass nur der Investor am Ende mit einem Plus raus geht und der Rest hinten runter fällt. Ok, ich gucke auf auf die Kohle, aber doch bitte nicht auf Kosten anderer. Vielleicht habe ich die Story schon mal erzählt, ich hatte mal einen Anruf von einem Headhunter, der sehr geheimnisvoll getan hat - ok, machen solche Leute immer - aber das war in dem Fall schon bemerkenswert.
Für einen "besonderen" Dozentenjob bräuchte man eben neben dem Diplom, einen Doc und schließlich qualifizierte Tätigkeiten außerhalb der Uni, ob ich das alles nachweisen könnte und ob ich da Bock drauf hätte. Klar hätte ich das :lol:

Also gut, einen CV einreichen, soweit so gewöhnlich. Der geheimnisvolle Auftraggeber findet meinen CV gut und lässt mir ausrichten, dass man sich das mit mir gut vorstellen könnte. Ob ich mal telefonieren wollte, um näheres zu besprechen. Klar wollte ich das :lol:
In dem Moment ist der Uni wohl eingefallen, dass ich mich da schon mal beworben hatte und nicht angenommen wurde, weil ich zu viel Geld gefordert hatte. Ich war damals TV-L 13 und wollte ganz gerne auf 14 oder die privatwirtschaftliche Entsprechung aufsteigen. Das war wohl komplett undenkbar für diese Privatuni, sodass man mir beim zweiten Versuch - Jahre nach der ersten Posse - einfach nur schöne Grüße ausrichten lies. :lol:
Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag