Private Krankenversicherung oder freiwillig in der gesetzlichen KV bleiben?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
oclock
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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von oclock » 30.12.2017, 16:27

flip hat geschrieben: Wenn du immer nur von schlechtesten ausgehst, wirst du nie zufrieden sein. ;)
Da mag was wahres dran sein :-) Manchmal kann ich nicht über meinen eigenen Schatten springen. Andererseits wundere ich mich manchmal über Leute, die solche Entscheidungen ohne nachzudenken treffen. Das Optimum ist wohl irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Es gab hier mal einen Thread von jemandem der Professor wurde und dann schnell wieder aus dieser Hölle raus wollte, weil das absolut nicht sein Ding war und es ihn schwer belastete. Alles ist möglich.

itsme
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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von itsme » 30.12.2017, 20:33

Um mal mit einem Mythos aufzuräumen, der sich hartnäckig hält: Die Leistungen der GKV sind mitnichten schlechter als die der PKV. Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen: In der PKV gibt es -nach Schätzungen- 14.000 unterschiedliche Tarife, weil da eben die Versicherungsverträge weitgehend frei ausgehandelt werden können. Da die GKV aber alles medizinisch Notwendige abdeckt, geht es eher um die "Add-Ons": Chefarzt-behandlung, Naturheilverfahren, etc. Kann man -wenn man's unbedingt nutzen will- auch privat zusatzversichern oder direkt bezahlen. Dagegen gibt es Leistungen, die sind in der GKV Pflicht, in der PKV aber per Vertrag Ermessensentscheidungen. Eltern-Kind-Kuren, z.B. Dazu kommt: Die PKVen können ihre Leistungen leichter unbemerkt kürzen, weil die Verträge so undurchsichtig sind. Merkt man dann erst, wenn's nach dem Unfall keine Krücken oder Reha gibt. Und dann gibt es keine Sozialgerichte, vor denen man klagen könnte. Und schliesslich: Die Zukunft ist für die PKV schlechter kalkulierbar. Kann sein, das mit dem demografischen Wandel die GKV für die aktiven Beitragszahler teurer und die Leistungen für alle schlechter werden. Der Handlungsdruck für die Politik ist dann aber auch grösser. In der PKV ist es schwieriger, wenn die eigene PKV die Altersrückstellungen unterkalkuliert hst und der Dienstherr den Beihilfeanspruch kürzt (und das kann er). Papieraufwand und Vorleistungen sind in der GKV wesentlich geringer als bei PKV plus Beihilfe, da Vollversicherung mit Karte.

Kurz: Der finanzielle Unterschied zwischen GKV und PKV schmilzt, wenn man wirklich alles berücksichtigt (z.B. die sehr viel höheren Zuzahlungen, wenn man z.B. Kinder hat, die Physiotherapie brauchen). Der Grund ist aber nicht der Unterschied zwischen GKV und PKV, sondern, dass der Beamtenstatus gar nicht sooo attraktiv ist.

Sebastian
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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von Sebastian » 30.12.2017, 22:58

Ich bedanke mich auf jeden Fall einmal im Namen vieler potentieller Leser für die tolle Ausarbeitung von oclock, denn in der Tat hat der (erste) Wechsel von der GKV in die PKV seine Tücken, und die werden in dem Beitrag auch für andere Fallkonstellationen hervorragend ausgearbeitet*.

Für Dich selbst, oclock, scheint mir flips Kurzversion der klügste Ansatz zu sein.
oclock hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Nach meinem Grundverständnis tritt das "große" Problem mit diversen Sperren aber doch nur auf, wenn man von der PKV wieder in die normale (Pflicht-)Versicherung zurückwill, oder?
Genau. Ein Wechsel von der PKV in die GKV ist nicht so ohne weiteres möglich. Es gibt Ausnahmen, z.B. wenn ich als Beamter aus dem Staatsdienst ausscheiden würde, noch jünger als 55 Jahre wäre und bei dem anschließenden Job ein regelmässiges Einkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2018: 59.400 Euro Brutto) hätte. Dann würde automatisch die Versicherungspflicht eintreten und die GKV wäre verpflichtet mich zu nehmen.
Ist das für Dich als freiwillig versichertes Mitglied der GKV noch von Bedeutung?
Weniger verdienen als heute willst Du doch vermutlich freiwillig nicht mehr, oder?
Wenn ich es richtig sehe, gelten für Dich als freiwillig Versicherten doch ohnehin "nur" normale Kündigungsfristen, aber keine Ausschlussfristen. D.h. mit ein paar Monaten Verzug kannst Du ggf. auch später noch wechseln (natürlich keine Lücken entstehen lassen o.ä.).
Erst dann ziehst Du versicherungsmäßig die Hürden für einen weiteren Wechsel hoch bzw. musst eben von diesem neuen Standpunkt aus weiter verhandeln.
Richtig ist allerdings dann, dass dieser vermeintlich "höhere Standard" leistungsmäßig - wenn Du nur auf Beihilfeniveau absichern willst - gar nicht so wahnsinnig viel höher ist als Dein momentaner.
Es hat schon seinen Grund, weshalb Beamte - wenn sie freiwillig aussteigen - nur in Posten mit erheblich höherem Gehalt einsteigen. Mit Deinem Beitrag wird deutlich, dass umgekehrt der Einstieg in das Beamtenverhältnis für ein paar Euro netto mehr auch nicht unbedingt lohnen muss.
Ein gutes Händchen bei Deiner Entscheidung wünsche ich Dir!
Sebastian

* Zwei OT-Ergänzungen hätte ich auch noch:
Im Alter: Das Beihilfe/Vorleistungsprinzip setzt voraus, dass man auch entweder selbst in der Lage ist, die Rechnungsbearbeitung und Abrechnung mit zwei Partnern (Beihilfe + Versicherung) abzuwickeln, und dass man das entweder sehr zügig macht, oder dass man entsprechend liquide ist. Jedes Rezept, und jeder beteiligte Arzt müssen einzeln bar bezahlt werden (im Krankenhaus z.B. auch für Röntgen, Labor, ggf. Chefarzt => vier bis sechs Rechnungen für einen Standard-Aufenthalt... ).
Das kann z.B. bei Pflegebedürftigkeit oder langen Krankenhausaufenthalten ein echtes Thema werden, v.a. wenn man keine Familie hat, die diese Abwicklung kostenlos übernehmen kann. Von vier eingereichten, jeweils satt vierstelligen Beihilfeabrechnungen waren in dem mir sehr, sehr, sehr gut bekannten Beispielsfall drei falsch, natürlich alle zum Nachteil des Berechtigten und insgesamt über mehrere tausend Euro. Zum Teil erst auf zweite und dritte Intervention hin hat die Beihilfestelle korrigiert - und ich rede nicht von schwierigen Beurteilungen oder streitigen Anerkennungen, sondern von einfacher Mathematik und einfacher Gesetzesanwendung (Wortlaut!).
GKV'ler werden demgegenüber einfach versorgt... In einem Jahr waren insgesamt Beträge durchzuschleusen, die doppelt so hoch waren wie das Jahresnettoeinkommen.
Kinder: Es steht bei oclock schon im Text, aber in Patchworkfamilien ohne und mit Trauschein können sich blöde Konstellationen und Hemmnisse ergeben, wenn man z.B. nicht heiraten "sollte", weil sonst das gemeinsame Kind aus der GKV fliegt und beim Höherverdiener in die PKV muss.

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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von oclock » 31.12.2017, 03:43

itsme hat geschrieben:Um mal mit einem Mythos aufzuräumen, der sich hartnäckig hält: Die Leistungen der GKV sind mitnichten schlechter als die der PKV. Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen: In der PKV gibt es -nach Schätzungen- 14.000 unterschiedliche Tarife,
Ich habe das Gefühl, dass es weit mehr sind :D

Man müsste jetzt konkret die Leistungskataloge abklappern und 1 zu 1 vergleichen, aber ich glaube, dass es tendenziell schon so ist, dass PKV Tarife mehr bieten, als die GKV. Nur der "Basistarif" lehnt sich an die Mindestleistungen der GKV an, alle anderen Tarife sollten darüber liegen. Es gibt aber auch bei der PKV keinen Tarif, der alles zu 100% abdeckt. Man muß sich entscheiden, was man haben möchte und im Einzelfall kann es sicherlich auch eine schlechtere Leistung als bei der GKV geben. Deswegen ist es ja so wichtig, sich vor Vertragsabschluß genau zu überlegen was man irgendwann mal benötigen könnte. Gesunden sind die Leistungen der KV egal, interessant wird es erst, wenn man mal krank wird. Wenn man dann den falschen Versicherungstarif gewählt hat, dann kann das teuer werden.

Ein Beispiel für das ich nicht überprüft habe, ob es der Wahrheit entspricht, soll aber auch nur der Veranschaulichung dienen:
Eine bei Beamten ziemlich beliebte PKV bietet Psychotherapien nur für 30 Tage/Jahr an. Den meisten Kunden wird das egal sein, aber die häufigste Ursache einer Dienstunfähigkeit sind psychische Gründe (Depressionen, Burnout und was weiß ich noch). Sollte der Fall also mal eintreten, dann wird man mit 30 Sitzungen im Jahr nicht weit kommen. Von daher ist man bei dieser KV im Ernstfall ziemlich schlecht abgesichert.

Ich glaube das in diesem Fall die GKV besser wäre, als dieser konkrete Tarif der PKV.

Da die GKV aber alles medizinisch Notwendige abdeckt,
Du verwechselst hier etwas. Auch die PKV zahlt zur das, was medizinisch notwendig ist.

Der Unterschied ist:

GKV: Alle Untersuchungen und Behandlungen, die medizinisch notwendig, wirtschaftlich und wirksam anerkannt sind werden bezahlt. Das wiederum definiert ein Bundesausschuss.

PKV: Meistens (abhängig vom Vertrag) werden all Kosten übernommen für Leistungen, die der Arzt für medizinisch notwendig hält.

Die GKV zahlt somit nicht notwendigerweise die "Beste" Behandlung, sondern nur die Günstigste, die gerade noch zum Erfolg (Heilung) führt. Überspitzt formuliert: Während der GKV Patient beim Chirurg regelrecht aufgeschnitten wird, weils günstiger ist, kommt der PKV Patient in den Genuss einer moderneren "Schlüsselloch"-Operation, die kaum Narben hinterlässt. Das medizinische Resultat mag identisch sein, aber für den Patienten kann das einen erheblichen Unterschied in der Lebensqualität nach der OP machen, ob er ne große Narbe am Oberkörper hat oder nur ein paar Einstichstellen.

Große Unterschiede gibts auch beim Zahnarzt. Als GKV Patient bekommst Du ne Amalgamfüllung gratis, während der PKV Patient freie Auswahl hat. Auch hier funktioniert Amalgam, aber nicht jeder ist heutzutage glücklich damit und zahlt aus eigener Tasche "gerne" etwas für Keramik oder Kunststoff dazu. Professionelle Zahnreinigungen werden von der GKV prinzipiell nicht gezahlt (einige Versicherungen bieten das als "Bonus" an), in der PKV bekommst man das oft gezahlt (natürlich wieder je nach Tarif).

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin mein Leben lang in der GKV und habe mich damit arrangiert, aber ich habe auch schon viel aus eigener Tasche gezahlt (Medikamente, Zahnarzt-Kram, Verbandmaterial nach einer OP etc.). Das kann auch ganz schön ins Geld gehen. Wäre die GKV "günstig", würde ich auch nicht meckern, aber die Beiträge steigen auch dort jährlich und die Leistungen werden immer weiter gekürzt. In der PKV dürfen die vertraglich vereinbarten Leistungen jedoch nicht gekürzt werden. Daher steigen dann nur die Beiträge, um höhere Kosten abzufangen ...
geht es eher um die "Add-Ons": Chefarzt-behandlung, Naturheilverfahren, etc.
Die sind mir ehrlich gesagt wurscht :-)
Die PKVen können ihre Leistungen leichter unbemerkt kürzen, weil die Verträge so undurchsichtig sind.
Wie oben geschrieben dürfen in der PKV vertraglich vereinbarten Leistungen jedoch nicht gekürzt werden. Das eigentliche Problem ist: Bei so vielen Tarifen, so viel kleingedrucktem, so viel Fachchinesisch und einer unendlichen großen Menge an Informationen blickt eigentlich ein Normalsterblicher gar nicht durch und weiß schlimmstenfalls gar nicht, was ihm zusteht oder nicht und was er da nun konkret abgeschlossen hat.
Daher benötigt man meiner Meinung nach kompetente Hilfe und ziemlich genaue Vorstellungen von dem was man eigentlich absichern möchte.
Einen PKV Vertrag (der prinzipiell ein Leben lang gilt) schliesst man nicht mal eben so am Sonntagnachmittag am Küchentisch ab, sondern nach intensivem Studium der verschiedenen Tarife und Beratung durch "Experten".

Kurzes Off-Topic:
Apropo Beratung. Mittlerweile habe ich auch gelernt, dass es drei Typen von Beratern gibt, an die man sich wenden kann:

1. Versicherungsvertreter: Arbeiten für eine Versicherung und kennen deren Tarife am besten und haben zum Ziel, dass Du mit ihrem Versicherungsunternehmen einen Vertrag abschließt. Mit diesen Leuten hat man Kontakt, wenn man sich direkt an ein Versicherungsunternehmen wendet und sich beraten lässt.

2. Versicherungsmakler: Sind prinzipiell unabhängig, bekommen vom Versicherungsunternehmen, für das sie einen Vertrag abschließen, eine saftige Provision. Ihr Interesse ist der Vertragsabschluß, mit welchem Unternehmen ist ihnen (fast) egal. Habe gelesen, dass einige Versicherungen höhere Provisionen als andere zahlen. Man denke sich nun seinen Teil über die Motivation der Makler und welchem Versicherungsunternehmen sie den Vorzug geben :-) Vorteil: Sie können auch vieles erklären, was man nicht verstanden hat. Der Kunde muß nix zahlen und sie können bei Vorerkrankungen "Risikovoranfragen" bei den Unternehmen stellen, um den Risikozuschlag abschätzen zu können, bzw. um herauszufinden, ob die Versicherung überhaupt bereit ist, den Kandidaten aufzunehmen. Stellt man selber Probeanträge, kannd as nachteilig sein. Adressen von Maklern muß man meist nicht suchen. Man muß nur Threads wie diesen in Internetforen starten und wird dann automatisch von ihnen kontaktiert :-)

3. Versicherungsberater: Werden vom Kunden bezahlt (Pauschal oder auf Stundenbasis). Sie sind unabhängig, haben keine Anteile an den Versicherungsunternehmen (und umgekehrt haben Versicherungsunternehmen auch keine Anteile an dem Beratungsunternehmen) und empfehlen auch Unternehmen, die bei den Maklern nicht auf der Liste stehen (einige Versicherungsunternehmen zahlen Maklern keine Provision, also werden sie auch nicht von ihnen empfohlen...). Adressen findet man z.B. beim "Bundesverband der Versicherungsberater". Teilweise sind sie auch in Internetforen aktiv, machen die Leute mit ihrem Wissen heiß und dann sagen sie "Wenn Du mehr wissen willst, dann bezahl mich erst" :-) (ist mir nicht passiert, kann man aber in älteren Threads nachlesen :))

On-Topic:
und der Dienstherr den Beihilfeanspruch kürzt (und das kann er).
Stimmt, aber die Leistungen der Beihilfe orientieren sich -soweit ich weiß- an den Leistungen der GKV. Und bei der PKV kann man einen Beihilfeergänzugstarif (BERT) abschließen, der diese Lücke (falls man es denn als Lücke empfindet), schließt. Dazu sollte man aber verstehen was genau die Beihilfe leistet (->Beihilfeverordnung des Landes, auch im Vergleich zur GKV) und welche Lücke BERT schließt und erst dann entscheiden, ob man diesen BERT will.
Papieraufwand und Vorleistungen sind in der GKV wesentlich geringer als bei PKV plus Beihilfe, da Vollversicherung mit Karte.
Korrekt. Wobei man bei sehr teueren Behandlungen (z.B. teurer OP) nicht in Vorleistung gehen muss. Das wird dann direkt mit der PKV/Beihilfe abgerechnet, wenn ich richtig informiert bin.
Kurz: Der finanzielle Unterschied zwischen GKV und PKV schmilzt, wenn man wirklich alles berücksichtigt (z.B. die sehr viel höheren Zuzahlungen, wenn man z.B. Kinder hat, die Physiotherapie brauchen).
Aber das verdeutlich doch genau mein Problem. Man kann nicht in die Zukunft blicken. Es kann viel passieren oder eben nicht. Das man sich für das eine oder das andere System entscheiden muß ist kacke, weil man gar nicht genügend Informationen besitzt, um eine fundierte Entscheidung für den Rest des Lebens zu treffen. Man kann einfach nicht alle Eventualitäten berücksichtigen. Eigentlich könnte ich auch einen Würfel nehmen und ihm die Entscheidung überlassen.

Der Grund ist aber nicht der Unterschied zwischen GKV und PKV, sondern, dass der Beamtenstatus gar nicht sooo attraktiv ist.
Sag ich Dir, sobald ich verbeamtet wurde :D
Zuletzt geändert von oclock am 02.01.2018, 01:00, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von oclock » 31.12.2017, 17:40

Sebastian hat geschrieben: Für Dich selbst, oclock, scheint mir flips Kurzversion der klügste Ansatz zu sein.
oclock hat geschrieben:Nach meinem Grundverständnis tritt das "große" Problem mit diversen Sperren aber doch nur auf, wenn man von der PKV wieder in die normale (Pflicht-)Versicherung zurückwill, oder?
Der gute Flip bringt es immer auf den Punkt :D
Ist das für Dich als freiwillig versichertes Mitglied der GKV noch von Bedeutung?
Weniger verdienen als heute willst Du doch vermutlich freiwillig nicht mehr, oder?
Prinzipiell hast Du Recht, aber wenn ich wieder ein bisschen schwarz malen darf:
* Falls mich das Professor sein sehr belasten würde, dann habe ich es schon schwer genug überhaupt wieder aus diesem System auszusteigen (welcher Arbeitgeber möchte einen ehemaligen Professor einstellen?). Je nachdem wie groß der Leidensdruck ist, würde ich evtl. auch einen schlechter bezahlten Job annehmen, nur um schnell wieder klar denken zu können (siehe Thread von dem User, der wieder aussteigen wollte).
* Bzgl. des Verdienstes ist die Frage, wie viel mehr müsste ich verdienen, ob die Verluste durch die PKV auszugleichen? Worst-case: Ich müsste in der Vollversicherung derzeit ca. 600 Euro zahlen, Ehefrau ebenfalls, 1-2 Kinder vielleicht nochmal 200 Euro, also 1400 Euro/Monat bzw. ca. 1100 Euro/Monat nach Abzug des AG Zuschuß. Bei jährlichen Teuerungsraten zwischen 3-5% kann man sich ja schnell ausrechnen, wie viel man dann im Alter für die PKV berappen müsste. Der höher dotierte Job müsste dann schon sehr gut bezahlt sein, um das alles auszugleichen.

Klar, das ist alles "Worst-case", aber wir sind ja hier, um zu diskutieren :D

Im Best-case gewinne ich ein paar Millionen im Lotto und alles ist gut, diese Betrachtung bringt mich aber nicht wirklich weiter.

Den Average-case kann ich nicht definieren, aber was würde er aussagen? Meiner Meinung bringt hier einem nur eine Worst-case Betrachtung weiter. Wenn man in diesem Fall noch genug Geld über hat, dann kann man es wagen, wenn nicht, sollte man lieber die Finger davon lassen. Wobei natürlich niemand in die Zukunft sehen kann. Daher sollte man verschiedene Szenarien durchspielen.
Wenn ich es richtig sehe, gelten für Dich als freiwillig Versicherten doch ohnehin "nur" normale Kündigungsfristen, aber keine Ausschlussfristen. D.h. mit ein paar Monaten Verzug kannst Du ggf. auch später noch wechseln (natürlich keine Lücken entstehen lassen o.ä.).
Als Pflichtversicherter kann man sogar schneller wechseln, wegen Statuswechsel.
Als freiwillig Versicherter hat man eine zweimonatige Kündigungsfrist. Das ist also nicht das Problem.

Aber: Wegen Vorerkrankungen (von denen ich bisher immer dachte, dass sie "lächerlich" sind), könnte es sein, dass ich Risikozuschläge zahlen müsste. Das muß ich noch mit einem Makler ausloten. Von daher wird die Öffnungsaktion wieder interessant, die aber nur auf die ersten 6 Monate beschränkt ist. D.h. in dieser Zeit sollte ich mich entscheiden und wechseln, wenn ich es wirklich will.
Es hat schon seinen Grund, weshalb Beamte - wenn sie freiwillig aussteigen - nur in Posten mit erheblich höherem Gehalt einsteigen. Mit Deinem Beitrag wird deutlich, dass umgekehrt der Einstieg in das Beamtenverhältnis für ein paar Euro netto mehr auch nicht unbedingt lohnen muss.
Da ist was wahren dran, wobei 1. ich trotz GKV trotzem noch mehr Netto über haben werde und 2. die Freiheiten des Berufs auch sehr attraktiv sind. Ich hoffe niemand will Professor/Beamter werden, um in die PKV einzusteigen. Das wäre die denkbar schlechteste Motivation.
Ein gutes Händchen bei Deiner Entscheidung wünsche ich Dir!
Danke schön! Ich werde jetzt erstmal in der GKV bleiben und mich beraten lassen und dann 2-3 Monate nach Dienstantritt entscheiden, was ich machen werde.
Kinder: Es steht bei oclock schon im Text, aber in Patchworkfamilien ohne und mit Trauschein können sich blöde Konstellationen und Hemmnisse ergeben, wenn man z.B. nicht heiraten "sollte", weil sonst das gemeinsame Kind aus der GKV fliegt und beim Höherverdiener in die PKV muss.
Das ist sehr sehr richtig. Man muss vieles Bedenken, bevor man in die PKV wechselt. Nicht Heiraten kostet aber übrigens auch Geld (Zuschläge bei der Besoldung, Lohnsteuerklasse, ...).

Ich wünsche Dir und allen anderen einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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Re: Private Krankenversicherung oder freiwillig in der gesetzlichen KV bleiben?

Beitrag von Kareem » 05.01.2018, 10:36

Ich empfehle die Hilfe eines Honrarberaters in Anspruch zu nehmen. Wie bereits erwähnt kostet der etwas, verdient aber nicht an den Vermittlungsprovisionen. Hiermit wird versucht die Informationsasymmetrie auszuschalten.

Ob PKV oder GKV besser ist, lässt sich nur am Ende eines Lebens bewerten - also gar nicht zum Zeitpunkt des Eintritts in die jeweilige Kasse. Alle Variablen lassen sich in den vorherigen Posts entnehmen und diese lassen sich kaum verlässlich vorhersagen.
Ich kann für mich sagen, dass ich es sehr genieße in der PKV zu sein. Habe ich ein Problem, rufe ich beim Arzt an und habe in der gleichen Woche oder spätestens in der Woche danach einen Termin. Meine Frau (GKV) musste 6 Wochen auf einen Termin beim gleichen Arzt warten. Es war kein Notfall, aber es hat sie schon beeinträchtigt. Klar kann man zu jedem beliebigen Arzt gehen, aber wenn man zu einem Spezialisten will, muss man Zeit mitbringen.
Falls jemand weitere Details braucht zum Thema PKV, kann gerne die PN-Funktion nutzen. Ich kann dann lediglich persönliche Erfahrungen weitergeben.
Grüße
Kareem

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Re: Private Krankenversicherung oder freiwillig in der gesetzlichen KV bleiben?

Beitrag von Basti1234 » 28.01.2018, 14:05

wie hast du dich am ende entschieden?

itsme
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Re: Private Krankenversicherung

Beitrag von itsme » 29.01.2018, 08:45

oclock hat geschrieben: Prinzipiell hast Du Recht, aber wenn ich wieder ein bisschen schwarz malen darf:
* Falls mich das Professor sein sehr belasten würde, dann habe ich es schon schwer genug überhaupt wieder aus diesem System auszusteigen (welcher Arbeitgeber möchte einen ehemaligen Professor einstellen?). Je nachdem wie groß der Leidensdruck ist, würde ich evtl. auch einen schlechter bezahlten Job annehmen, nur um schnell wieder klar denken zu können (siehe Thread von dem User, der wieder aussteigen wollte).
* Bzgl. des Verdienstes ist die Frage, wie viel mehr müsste ich verdienen, ob die Verluste durch die PKV auszugleichen? Worst-case: Ich müsste in der Vollversicherung derzeit ca. 600 Euro zahlen, Ehefrau ebenfalls, 1-2 Kinder vielleicht nochmal 200 Euro, also 1400 Euro/Monat bzw. ca. 1100 Euro/Monat nach Abzug des AG Zuschuß. Bei jährlichen Teuerungsraten zwischen 3-5% kann man sich ja schnell ausrechnen, wie viel man dann im Alter für die PKV berappen müsste. Der höher dotierte Job müsste dann schon sehr gut bezahlt sein, um das alles auszugleichen.

Klar, das ist alles "Worst-case", aber wir sind ja hier, um zu diskutieren :D
Realistische Betrachtung ist aber nicht "worst-"/"best-"-case, sondern Szenario*Eintrittswahrscheinlichkeit. Lottogewinn wäre toll, ist aber bekanntermassen eher unwahrscheinlich. Die "Hölle Professur" ist ebenfalls nicht besonders wahrscheinlich, vor allem, weil man als Prof ja doch einen erheblichen Gestaltungsspielraum hat. Deshalb ist der worst-case hier zwar theoretisch ganz interessant, sollte aber nicht handlungsleitend sein. Soll heissen: Gutes Gelingen und herzlichen Glückwunsch! :blume:

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Re: Private Krankenversicherung oder freiwillig in der gesetzlichen KV bleiben?

Beitrag von oclock » 30.08.2018, 04:58

Basti1234 hat geschrieben:
28.01.2018, 14:05
wie hast du dich am ende entschieden?
Ich bin freiwillig in der GKV geblieben.

* Ich kann der PKV und diesem dualen System in Deutschland nix abgewinnen.
* Ich möchte mich nicht für den Rest meines Lebens mit einem Privatunternehmen verbinden. Ich hasse solche Zwänge. Es ist leichter sich von Ehefrau und Haus zu trennen, als von einer PKV. Wo gibts denn sowas?
* Die angeblichen besseren Leistungen sind mir relativ egal. Die GKV ist, ausser bei Zähnen, nicht wirklich schlecht (für mich). Hatte bisher nie Probleme damit eine Behandlung/OP etc. zu bekommen. Da hätte ich eher die Befürchtung bei der PKV die falsche Symbiose eingegangen zu sein.
* Wenn ich den Beamten-Status mal aufgeben sollte (warum sollte ich mich jetzt für das nächste 1/4 Jahrhundert festlegen?), dann gute Nacht was die Kosten betrifft. Ich würde jetzt mit Beihilfe bei DER Beamten PKV mit 360 Euro und 50% Beihilfe einsteigen (und Zuschlag wegen Vorerkrankungen). Bei einer 100% Versicherung käme ich auf 700-800 Euro. Heute! Bei angenommenen 4% Steigerung bin ich mit 67 bei über 2000 Euro. Da hört das Leben dann aber (hoffentlich) noch nicht auf. Ich könnte dann zwar die Selbstbeteilung erhöhen oder in den verkorksten Basistarif wechseln, aber dann muss ich bei Krankheiten ne Menge zuzahlen. Gerade im Alter kommen doch die Wehwehchen und dann hätte ich gerne die besseren Leistungen.
* Bei Dienstunfähigkeit ist auch ein gewisses Risiko gegeben (kleine Minipension + verhältnismäßig hohe PKV Beiträge).
* Die GKV wird mir nicht die Haare vom Kopf fressen. Zwar erhöhen sich auch hier die Beiträge stetig, bei mir vorallem durch Erhöhung der Beitragsbessungsgrenze, aber der Beitrag orientiert sich letztendlich immer prozentual am Gesamteinkommen. Wenig Geld=Wenig GKV Beitrag, viel geld=viel Beitrag. Finde ich persönlich fair. Habe immernoch genug Geld über, um meinen Porsche zu finanzieren.
* In NRW gibt es eine Kostendämpfungspauschale von 450 Euro für die Beihilfe. D.h. bis zu diesem Betrag bekommt man von der Beihilfe nichts zurück. Das sind, bei entsprechend hohen Rechnungen, nochmal ~40 Euro, die vom Nettogehalt abgehen. Ein Kind kostet nochmal ~30 Euro extra. D.h. meine Gesamtersparnis gegenüber der GKV würde heute monatlich ca. 300 Euro betragen.
* Klar kann ich jetzt sparen und davon dann im Alter davon zehren, falls nötig, aber dann sind 300 Euro pro Monat u.U. zu wenig. D.h. ich müsste evtl. noch drauf legen, um das Privileg zu haben, in der PKV zu sein und für den Fall der Fälle abgesichert zu sein. Lieber bleibe ich in der GKV und zünde mir meine Zigaretten nicht mehr mit 100 Euro Scheinen an, als das ich zur PKV gehe wegen 300 Euro Ersparnis 8)
* Habe mehrere PKV Versicherte befragt (Polizisten, Ärzte, Angestellte): Viele kotzen bzgl. des Papierkrams. Mehrere hatten schön öfters mal Probleme bzgl. Erstattungen, falschen Rechnungen etc. Gerade die Älteren, nicht mehr so fitten, haben Schwierigkeiten bei fehlerhaften Rechnungen ihr Geld zurück zu bekommen. Im Alter fällt halt alles schwerer. Will ich wirklich mit 70 meine Freizeit opfern, um zwischen PKV, Arzt und Beihilfe zu vermitteln und meinem Geld hinterher zu rennen, evtl. wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht? Nö! Diesbzgl. ist die GKV für Beamte purer Luxus: Goldene GKV Karte auf den Tisch und den Rest erledigen meine Sachbearbeiter bei der GKV. Das muss man sich leisten können! :lol: :lol:
* Einer meiner Fachärzte hat mir sogar von der PKV abgeraten: Schlechte Erfahrungen im Familienkreis (Beamte), die trotz Beihilfe Probleme mit den Beiträgen haben.

Insgesamt bewert ich die Situation für mich so, dass die gesparten 300 Euro das potentielle Risiko im Alter oder bei Dienstunfähigkeit nicht wert sind. Die einzige lohnenswerte Variante: Ich bleibe für immer Beamter und werde nicht vorzeitig Dienstunfähig. Dann rechnet sich die PKV ohne wenn und aber. Alles andere ist mit Nachteilen verbunden. Natürlich trauere ich dem Geld etwas hinterher, aber so schlafe ich ruhiger. Die 300 Euro sollte man übrigens immer in Relation zum Einkommen sehen. Jemand der 5000 Netto hat verschmerzt die 300 Euro eher, als jemand, der nur 1000 Euro hat.

Ich finde, Beamte sollten eine echte Wahl haben, ob sie Beihilfe bekommen möchte oder einen Zuschuss zur GKV.

Eine Alternative zum Zuschuss wäre, dass die GKV Beihilfe-Tarife anbietet. Das sollte eigentlich leicht möglich sein. Man kann sich bei der GKV in den Kostenerstattungstarif umstellen lassen. Dann zählt man als Privatpatient und bekommt vom Arzt Rechnungen, die man bei der GKV einreichen kann. Wenn hier jetzt einfach nur 50% erstattet würden (bei 50% Beiträgen) und der Rest kommt von der Beihilfe...

Jedenfalls bewegt sich auch etwas in der Politik. Hamburg macht es vor und ein Antrag, um Beamtinnen und Beamten auf Bundesebene den Weg in die gesetzliche Krankenversicherung zu erleichtern ist auch schon beim Ausschuss für Inneres und Heimat [1]. Ich hoffe innständig, dass die Politiker die Courage haben was zu ändern und die Benachteiligung von Beamten ein Ende findet.

Amen!

[1] https://www.bundestag.de/dokumente/text ... mte/551150
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daherrdoggda

Sebastian
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Re: Private Krankenversicherung oder freiwillig in der gesetzlichen KV bleiben?

Beitrag von Sebastian » 30.08.2018, 20:33

oclock hat geschrieben:
30.08.2018, 04:58
* Habe mehrere PKV Versicherte befragt (Polizisten, Ärzte, Angestellte): Viele kotzen bzgl. des Papierkrams. Mehrere hatten schön öfters mal Probleme bzgl. Erstattungen, falschen Rechnungen etc. Gerade die Älteren, nicht mehr so fitten, haben Schwierigkeiten bei fehlerhaften Rechnungen ihr Geld zurück zu bekommen. Im Alter fällt halt alles schwerer. Will ich wirklich mit 70 meine Freizeit opfern, um zwischen PKV, Arzt und Beihilfe zu vermitteln und meinem Geld hinterher zu rennen, evtl. wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht? Nö! Diesbzgl. ist die GKV für Beamte purer Luxus: Goldene GKV Karte auf den Tisch und den Rest erledigen meine Sachbearbeiter bei der GKV. Das muss man sich leisten können!
Diesen Teil habe ich in den letzten drei Jahren im eigenen Familienumfeld durchexerziert. Die (vorzufinanzierenden) Aufwendungen waren doppelt so hoch wie das gesamte Jahresnetto. Es musste immer alles bei zwei "Gegnern" (PKV + Beihilfe) geltend gemacht werden. Irgendeiner hat immer rumgezickt und bei der Beihilfe waren drei von vier Abrechnungen falsch - allerdings kein einziges Mal zu Gunsten der Versicherungen. Dafür aber zum Teil mehrere tausend Euro zu ihrem Nachteil. :evil:
Und solche Aktionen wie die der Rheinischen Versorgungskassen, die sich mit der Einführung eines neuen EDV-Systems mal eben für mehrere Monate komplett aus dem Geschäft geschossen haben und in dieser Zeit null Leistungen erbracht haben.
Kann man nur durchhalten, wenn man Kinder (oder andere Betreuungspersonen) hat, die dranbleiben, ansonsten schmiert man damit finanziell ab.

Einziger Lichtblick:
Bei den Pflegeaufwendungen leistet die Beihilfe bei nachgewiesenen Aufwendungen derzeit 1.000 EUR/Monat mehr als die GKV (§ 5a Abs. 1 S. 4 Beihilfeveordnung NRW). Aber ob das ewig so bleibt - und wir hoffen doch alle, dass wir das nicht benötigen werden.

Sebastian

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