Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Einreichung, Korrektur, Rigorosum, Disputation, Drucken, Titelführung, Steuern
außerdem auch alles was nach Abschluss der Diss kommt.
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adabsurdum

Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von adabsurdum »

Hallo allerseits,

ich möchte gerne eine Diskussion zum elektronischen Publizieren anstoßen und interessiere mich sehr für eure Erfahrungen und Meinungen. Ich habe mich ernsthaft damit auseinandergesetzt, meine juristische Doktorarbeit elektronisch zu publizieren, statt diese einem Verlag zu überlassen. Mir ist schon klar, dass ich - wenn ich in der "Community" ankommen will - gleichwohl Geld in die Hand nehmen muss, um Exemplare in Eigenregie drucken und binden zu lassen und quer durch die Republik an ausgewählte Personen zu versenden. Ansonsten wird sie sich wohl niemand freiwillig in die Hand nehmen und rezensieren. In vielen Disziplinen ist die elektronische Publikation ja schon üblich, in der Juristerei ist sie m.E. noch nicht angekommen. Haltet ihr das Ganze für sinnvoll? Mir geht es dabei nicht primär um das Geld, denn wenn es um den Druckkostenzuschuss geht, kann man immer noch auf die "günstigen" Verlage zurück greifen, die dann nur wenig bis gar keine Energie in ein entsprechendes Marketing stecken. Mir geht es eher darum, der Nachwelt den freien Zugang auf meine Diss zu ermöglichen. Elektronische Dissertationen findet man ja über jeden Bibliothekskatalog und kann online darauf zugreifen. Habt ihr das Gefühl, das ist die Zukunft, oder stehe ich da allein auf weiter Flur? Gerade im Medienrecht gibt es ja schon einige Doktoranden, die diesen Schritt gewagt haben (insbesondere wenn man sich die Doktoranden am ITM in Münster anschaut).

Ich freue mich über konstruktive Beiträge!

VG
adabsurdum

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DoneXY

Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von DoneXY »

adabsurdum hat geschrieben:Mir geht es eher darum, der Nachwelt den freien Zugang auf meine Diss zu ermöglichen.
Ich weiß nicht, was Du mit Nachwelt meinst. Für mich klingt es nach kommenden Generationen und ferner Zukunft. Deren Interessen an Disserationen unserer Zeit wird vermutlich überwiegend gen Null gehen.

Ohne haben juristische Dissertationen oft nur eine geringe Halbwertzeit, da sie bspw. durch Novellierungen veralten können.
flip
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Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von flip »

Ich halte sehr viel von einer elektronischen Publikationspflicht. Wenn der Sinn einer Dissertation auch die öffentliche Bereitestellung ist, dann soll man bitteschön auch die entsprechenden Medien nutzen. Abgesehen davon war dazu ein sehr schöner Artikel neulich in der ZEIT, der diese Art als eine mögliche Beendigung des Verfalls des "Dr-'Titels'" gesehen hat. Denn 1) sind die Dissertationen jederzeit überprüfbar und 2) wird sich jemand, der eine Schmalspurpromotion anstrebt, sich zwei Mal überlegen, ob er dies wirklich tun will. Dies soll ja in Jura, das ein oder andere Mal vorkommen. Ich erinnere mich jedenfalls noch gut, an den Fall meiner alten Uni (Münster), wo der Jura-Fakultätspreis für die beste Diss an ein Werk ging, das von hinten bis vorne zusammenkopiert wurde. Und der Typ hat auch noch die Dreistigkeit besessen und den Preis vor allen Augen angenommen. So etwas dürfte mit der elektronischen Erfassung vorbei sein.

Wenn ich mich Recht entsinne, geschieht dies auch in anderen Ländern (Schweden?) bereits. Die Halbwertszeit spielt keine Rolle. Die dürfte bei den NaWis teilweise deutlich kürzer sein. Aber zitieren darf man dafür das Werk dann (einfacher). ;)
Sebastian
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Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von Sebastian »

Mein Votum:
Pro Buch, evtl. zusätzlich elektronisch.
Ich halte sehr viel vom haptischen Erlebnis eines Buches - selbst wen es (wie meine eigene Diss) nur im Copyshop erstellt wurde. Die (gedruckte) Diss meines Großvaters könnte ich Dir gleich zeigen, wenn Du möchtest... Sie hat wohl keinen wissenschaftlichen Wert mehr, aber an dem Büchlein erfreue ich mich dennoch sehr.
Es würde mich wundern, wenn man das in 80 Jahren mit einer elektronischen Fassung heutigen Formats auch noch könnte, ohne irgendwelche Konverter benutzen zu müssen.
Das schließt nicht aus, zusätzlich auch noch online zu publizieren, um schnellen Texteverwertern oder Zitateprüfern den Zugriff zu ermöglichen, aber für eine sorgfältige Lektüre nehme ich mir doch immer noch lieber die Papierfassung in die Hand.
Goethe, Faust I hat geschrieben:Denn, was man schwarz auf weiß besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.
Mir ist allerdings klar, dass ich mit dieser Einstellung angesichts bei E-books etc. möglicherweise bald in der Minderheit bin.
Sebastian
Bara
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Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von Bara »

Ich sehe das genauso - auch aus einem pragmatischen Grund: zumindest in meinem Fach haben reine Online-Publikationen einen eher schlechten Ruf. Da lastet das "keinen Verlag gefunden oder nicht für druckenswert erachtet" drauf. Ich kenne aber gute (IT-nahe) Arbeiten, die sowohl im namhaften Verlag als auch online publiziert wurden (zB Julia Gerhards - (Grund)recht auf Verschlüsselung?). Das ist eine Überlegung wert, wenn man eine möglichst weite Verbreitung wünscht (in diesem Fall: Nomos-Verlag und einfache pdf).
flip
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Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von flip »

Klar, ein Büchlein ist schon etwas feines. Aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es noch keine gemeinsame Datenbank für Dissertationen gibt. Man braucht ja nur die Arbeit ebenfalls als .pdf abzugeben, sie wird im System eingepflegt und - falls im Verlag veröffentlicht - mit Notiz dazu. Bliebe nur noch die Rechtslage... ;)
barbershop

Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von barbershop »

Mein Votum: elektronisch publizieren über OPUS. :D
http://elib.uni-stuttgart.de/opus/gemeinsame_suche.php

Einfach, weil ich glaube, das ist ein meinem Fall am einfachsten. Es gibt am Lehrstuhl bereits 2 ehemalige Doktoranden die das gemacht haben. Ich habe wenig Ehrgeiz was Verbreitung oder Rezensionen angeht, will einfach nur fertig werden.
Und ich selbst finde es momentan fein, wenn ich Dissertation etc. online über einen Bibliothekskatalog finden kann.
Bara
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Re: Elektronisches Publizieren; Zukunft oder verpönt?

Beitrag von Bara »

flip hat geschrieben:Bliebe nur noch die Rechtslage... ;)
Na wenn's weiter nichts ist... :D

Lustig und zugleich bezeichnend fand ich, dass ein Verfechter freier Lizenzmodelle und ausgewiesener Kritiker des geltenden Urheberrechts in meinem Bekanntenkreis sich dann doch für einen 3.-Reihe-Verlag anstelle einer Onlinepublikation seiner Diss entschieden hat.
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