Uni-Promotion mit 34 beginnen?

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Stefan90
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Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Stefan90 »

Hallo zusammen,

ich studiere aktuell ein MINT-Fach im Master, voraussichtliche Abschlussnote wird 1,2-1,4 sein. Mein Bachelorabschluss war 1,7.
Leider bin ich aus persönlichen Gründen beim Abschluss bereits 34, ohne wirklich Berufserfahrung (bis auf 3 Praktika, davon 2 in der Branche, in der ich langfristig arbeiten möchte) zu haben.
Macht in meiner Situation eine Promotion an einer Uni noch Sinn (danach wäre ich vermutlich 38) oder sollte ich direkt den Berufseinstieg in der freien Wirtschaft versuchen und evtl. extern promovieren?
johndoe
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von johndoe »

Ob eine Promotion sinnvoll ist, kann man nicht ausschließlich am Alter festmachen. Ich denke aber, je älter man ist beim Start, desto eher sollte man sich über den Zweck Gedanken machen, denn man konkurriert beim Berufseinstieg mit Leuten Mitte/Ende 20. Willst du perspektivisch dauerhaft in der Wissenschaft arbeiten? Erfordert es die Industrie? Etc.

Externe Promotion kann ich nicht empfehlen, die Doppelbelastung ist immens.
Wierus
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Wierus »

Ich stimme johndoe zu: Es ist sehr schwer, eine hilfreiche Antwort auf solch eine Frage zu formulieren. Vor allem kann dir niemand sagen, ob du es zehn oder fünfzehn Jahre nach deiner Entscheidung bereuen wirst (nicht) promoviert zu haben. Es gibt viele Leute, die trotz guter Karriere und Topverdienst der verpassten Chance zur Promotion hinterhertrauern. Und dann gibt es natürlich auch so einige, die ihre Entscheidung zur Promotion verfluchen (darunter vor allem die Abbrecher).

Niemand hat eine Glaskugel, aber es gibt eine Faustregel, der wohl die allermeisten Promovierten zustimmen dürften: Dein Alter ist viel weniger ausschlaggebend als deine Motivation.
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Aguti »

Wie die anderen schon gesagt haben, ist das natürlich total individuell. Ich persönlich hätte Bauchschmerzen dabei, mit Ende 30 noch keinerlei Berufserfahrung vorweisen zu können und würde eher den Weg Berufseinstieg + externe Promotion gehen (habe selbst auch extern promoviert).
Hängt natürlich auch vom Fach/Themengebiet ab. Manche Dinge gehen extern schwer, weil man die Uni-Infrastruktur (Labor etc.) braucht.
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von teilchenphysik196 »

In einem MINT Fach extern promovieren, stelle ich mir sehr schwierig bis unmöglich vor. Man ist auf jeden Fall von den Themen her eingeschränkt. Und als Berufseinsteiger wird es sich auch schwierig gestalten, gleich die Arbeitszeit zu reduzieren wegen der Diss. Jetzt gilt es erst mal , den Master fix der Blitz abzuschließen. :dr)
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von deen_everstin »

Hi Stefan,

ich hab vor etwas über zwei Jahren mit 34 ein externes Promotionsstudium im medienpädagogischen Bereich begonnen und bin bisher sehr froh, dass ich den Weg gewählt habe. Es stimmt zwar, dass die Doppelbelastung deutlich spürbar ist, gleichzeitig erfüllt mich das Thema der Diss aber immens und es ist darüber hinaus mit meiner beruflichen Tätigkeit verwoben. Daher würde ich mich Aguti anschließen und dir trotz der zusätzlich Belastung ebenfalls die externe Promotion empfehlen bzw. dir ein möglichst praxisorientiertes Thema für dein Promotionsvorhaben empfehlen. Du bist meiner (vorbelasteten :p) Meinung nach auf keinen Fall *zu* alt, um noch mit der Promotion zu beginnen. Ja, es gibt jüngere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Ja, es ist nicht leicht. Und trotzdem denke ich - ähnlich wie Wierus - dass du dir sonst die "was wäre, wenn"-Frage immer wieder stellen wirst und es führt nur ein Weg daran vorbei, die loszuwerden: probier es. :)
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Wierus »

teilchenphysik196 hat geschrieben: 14.06.2024, 12:35 In einem MINT Fach extern promovieren, stelle ich mir sehr schwierig bis unmöglich vor.
Mag sein, aber gilt die "Industriepromotion" denn nicht als eine Variante der externen Promotion?

Im übrigen kann ich mir vorstellen, dass eine Promotion in Mathematik oder in theoretischer Physik durchaus über weite Strecken so ablaufen kann wie in den Geisteswissenschaften: Jahrelange Arbeit im stillen Kämmerlein.
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Denkerin »

Ich bin auch von der Fraktion "Externe Promotion". Ich bin zwar keine MINTlerin, aber habe auch deine Sorge geteilt, nach einem rein akademischen Weg von BA, über MA zum Dr. aus dem Wissenschaftsbetrieb zu kippen (was ja absolut realistisch ist). Ich habe nach dem MA noch ein paar Jahre Vollzeit gearbeitet in der Wirtschaft und dann die externe Promotion begonnen. Klar ist anstrengend, klar ich neide manchmal den Leuten, die sich voll und ganz ihrer Diss widmen können. Aber ich habe keine Ängste bzgl. meiner beruflichen Zukunft, weil ich in der Praxis bleibe und finanziell kann ich mich selbst halten. Hat alles sein Für und Wider und ich glaube, hier gibt es einfach keine Seite, die mehr wiegt.
teilchenphysik196 hat geschrieben: 14.06.2024, 12:35 Und als Berufseinsteiger wird es sich auch schwierig gestalten, gleich die Arbeitszeit zu reduzieren wegen der Diss.
Es gibt auch einfach einige Stellen,die von vornherein mit 20h oder jedenfalls weniger als 40 ausgeschrieben sind. Dann kann man sich gezielt darauf bewerben. Hab ich bspw. so gemacht, weil mein alter Arbeitgeber nicht reduzieren wollte.

Es gibt viel mehr Möglichkeiten als man denkt. Wenn du dir eine Diss vorstellen kannst, die Qualifikation mitbringst und vielleicht schon eine grobe Themenrichtung hast, dann solltest du es angehen. Das Alter finde ich absolut kein Argument dagegen. Kenne jemanden, der geht jetzt mit Mitte 50 noch seine Habil an, einfach weil er sich dafür begeistert.
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Re: Uni-Promotion mit 34 beginnen?

Beitrag von Sebastian »

Stefan90 hat geschrieben: 11.06.2024, 18:28 Macht in meiner Situation eine Promotion an einer Uni noch Sinn (danach wäre ich vermutlich 38) oder sollte ich direkt den Berufseinstieg in der freien Wirtschaft versuchen und evtl. extern promovieren?
Die Sinnfrage wirst Du Dir - wie die anderen hier ja auch schon sagen - selbst beantworten müssen bzw. deutlicher sagen müssen, was für Dich diesen Sinn ausmacht. Willst Du Du aus Freude an wissenschaftlicher Arbeit und dem Inhalt forschen oder weil Du meinst, mit dem Doktorgrad später bestimmte Stellen besser erreichen/ausfüllen zu können?
Ich selbst sehe allerdings derzeit - und mit steigender Tendenz in den nächsten Jahren - einen krass leergefegten Arbeitsmarkt, auf dem die qualifizierten Arbeitnehmer aktuell deutlich den Ton angeben können. Darum verlieren die alten Ablehnungsgründe von Arbeitgebern momentan m.E. deutlich an Bedeutung, der Einstieg dürfte daher deutlich leichter werden.
Im Bereich von Aufstiegspositionen im Beruf könnte es evtl. etwas anders aussehen. Wenn es bei den angestrebten Tätigkeiten auf Berufserfahrung ankommt - z.B. bei Mitarbeiterführung oder wegen der Vernetzung auf der konkreten Position oder sonstigen Fähigkeiten, die man an der Uni oder extern eher nicht erwirbt - dann könnte es evtl. etwas länger dauern, bis man solche Positionen erreicht, weil man das ja dann noch irgendwie nachholen muss.
Da sich das Personalkarussel allerdings so spürbar beschleunigt, könnte ich mir vorstellen, dass auch dort die Ansprüche abgesenkt werden, sprich: Die Zeiten an erwarteter Vorerfahrung auch kürzer werden.

Sebastian
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