Semesterferien vs Schulferien (NRW

Fragen und Antworten rund um die FH-Professur
neuling2018
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von neuling2018 »

Danke für die Diskussion und die kontroversen Sichtweisen. Als jemand der sich mit dem Thema Professur schon lange beschäftigt und Bewerbungen versendet.. Es ist spannend die verschiedenen Punkte zu sehen! Ich denke es kommt wahrscheinlich auf den Job in der freien Wirtschaft an, aber bei einem Großkonzern sind einige Punkte von Biene durchaus valide m.E.

Gehalt: Konzern > Prof
Urlaubsplanung: Konzern > Prof
Örtliche Flexibilität/HomeOffice: Konzern > Prof (sicherlich vom Konzern abhängig)
Selbstständigkeit: Konzern < Prof
ABER: "Wenn ich nicht da bin, kümmert sich jemand anderes": Konzern > Prof
Freie Gestaltung Arbeitsinhalte: Konzern < Prof
Stellensicherheit: Konzern = Prof
Rente/Pension: Konzern = Prof (sicherlich vom Konzern abhängig)
johndoe
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von johndoe »

mashdoc hat geschrieben: 02.04.2024, 06:53 dass in der Industrie mehr Freiraum herrsche als bei W2, hat mit der Realität nichts zu tun.
Wie so oft ist es eine Frage der Definition und, wie bereits gesagt, eine Frage der individuellen Prioritäten.

Du kannst ja versuchen, dir bei all dem Freiraum mal 2 Wochen über Ostern Urlaub zu nehmen. Oder mal spontan im Ausland verlängern und einfach remote arbeiten. Oder Aufgaben an deine Mitarbeiter delegieren. Wenn das die Definition von Freiheit/Freiraum ist, dann hat die FH-Professur einfach Nachteile.

Wenn die Definition aber ist, viele freie bzw frei zu gestaltende Tage zu haben und keinen Chef und überhaupt quasi Narrenfreiheit bei allen Entscheidungen in Lehre und Forschung, ja dann schlägt natürlich die Professur jeden Konzernjob.

Und zum Thema Rente: ich weiß ja nicht, welche Bescheide ihr so bekommt, aber ich liege seit meinem Berufseinstieg über der Beitragsbemessungsgrenze und wäre mit meiner Rentenerwartung deutlich unterhalb der Pensionsansprüche. Hinzu kommt, dass die bisher geleisteten Rentenbeiträge nicht verfallen, sondern ontop ausgezahlt werden zur Pension. Es gibt hier kein entweder/oder. Also gerade dem Alter sehe ich finanziell sehr entspannt entgegen.
kmc

Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von kmc »

neuling2018 hat geschrieben: 02.04.2024, 08:58 Stellensicherheit: Konzern = Prof
Diese Einschätzung kann ich absolut nicht nachvollziehen. Und ich war vor meiner FH-Berufung fast 20 Jahre in kleinen Firmen sowie internationalen und "urdeutschen" Konzernen tätig, habe also wirklich einiges gesehen.

Gerade im mittleren/gehobenen Management wird man irgendwann zu teuer und leicht austauschbar, und dann gibt's schon mal den Golden Handshake. Weil einfach wieder mal Kosten gesenkt werden, weil der neue CEO sich profilieren und umbauen muss, weil der neue Eigentümer aus China oder den USA andere Sitten kennt.

Spätestens Ü50 wird dann die Jobsuche zur echten Herausforderung: ganz besonders für die treuen Seelen, die wirklich nur ihrem "eigenen" Konzern jahrzehntelang gedient haben. In meinem Alter sieht und hört man diese Einschläge immer näher kommen, alte Wegbegleiter werden plötzlich und unfreiwillig zu selbständigen Consultants.

Nichts dergleichen droht dem FH-Professor.
Rente/Pension: Konzern = Prof (sicherlich vom Konzern abhängig)
Das ist vor allem von einer etwaigen Betriebsrente abhängig. Viele, die aus "dem Konzern" in die FH wechseln, werden wohl deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze verdient haben, und da ist die gesetzliche Rente nun mal traurig und die Pension attraktiver.

Was die vielzitierte Freiheit betrifft sehe ich natürlich auch gewisse Probleme bei der Terminflexibilität an der FH. Aber sonst? Ich hatte als Teamleiter in der Wirtschaft viel Verantwortung, aber wenig Autorität bei wirklich wichtigen Entscheidungen. Ständiger Erfolgsdruck und auf Abruf bereit sein, wenn es brennt (ja, auch mal im Urlaub). Ein Meeting jagt das andere, es sind Berichte abzugeben, Mitarbeiter zu beurteilen, um Budgets zu streiten, Konflikte zu schlichten, Kunden zu beschwichtigen, und ein bisschen Networking muss auch immer sein, damit die Karriere nicht stagniert.

Klar, irgendwo mag es noch diese kuscheligen Konzernjobs mit viel Sicherheit und wenig Stress geben, aber der raue Wind bläst auch in Deutschland mittlerweile in diese gemütlichen Ecken.
neuling2018
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von neuling2018 »

johndoe hat geschrieben: 02.04.2024, 09:54 Und zum Thema Rente: ich weiß ja nicht, welche Bescheide ihr so bekommt, aber ich liege seit meinem Berufseinstieg über der Beitragsbemessungsgrenze und wäre mit meiner Rentenerwartung deutlich unterhalb der Pensionsansprüche. Hinzu kommt, dass die bisher geleisteten Rentenbeiträge nicht verfallen, sondern ontop ausgezahlt werden zur Pension. Es gibt hier kein entweder/oder. Also gerade dem Alter sehe ich finanziell sehr entspannt entgegen.
Danke für deine differenzierte Sicht!

Gerade bei der Rente, habe ich gelesen dass hier entsprechende Rentenzahlungen auf die Pension angerechnet werden usw. Ich hatte mich vor einiger Zeit damit befasst und kam dann mit "meinen" Zahlen auf keine wesentlich höheren Zahlungen im Vergleich zu gesetzlicher Rente + betriebliche Altersversorgung (im üppig ausgestatteten Großkonzern)
neuling2018
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von neuling2018 »

kmc hat geschrieben: 02.04.2024, 13:29 Diese Einschätzung kann ich absolut nicht nachvollziehen. Und ich war vor meiner FH-Berufung fast 20 Jahre in kleinen Firmen sowie internationalen und "urdeutschen" Konzernen tätig, habe also wirklich einiges gesehen.
...
Klar, irgendwo mag es noch diese kuscheligen Konzernjobs mit viel Sicherheit und wenig Stress geben, aber der raue Wind bläst auch in Deutschland mittlerweile in diese gemütlichen Ecken.
Danke auch für deinen Beitrag. Ich muss fairerweise zugeben, dass Ü50 bei mir noch etwas hin ist... daher habe ich hier vielleicht eine zu optimistische Sichtweise. Bisher hatte ich immer das Gefühl ohne Probleme jederzeit eine Stelle zu bekommen. Wie sich das mit den Jahren entwickelt ist natürlich in der freien Wirtschaft unsicherer als im Beamtentum. Da stimme ich Dir zu.

Wenn ich meine Führungskräfte so ansehe, scheinen die sich zum Teil auf den von dir dargestellten stressigen Karrierepfaden zu bewegen. Ich sehe aber auch "Fachexperten", die gehaltlich nicht wesentlich schlechter dastehen als die ebengenannten Führungskräfte, sich aber dafür den Alltag wesentlich entspannter gestalten können. Zum einen, da keine Karriereambitionen (damit meinte ich fachbereichsfremd) - damit fällt das erzwungene Networken weg - zum anderen weil man einfach wenn man im Fachbereich bleiben will nur wenig Möglichkeiten zur Entwicklung hat. Die sehen es dann auch sehr entspannt mit Verfügbarkeit - Urlaub ist Urlaub und Wochenende ist Wochenende, Handy ist aus und es gibt praktisch keine Verfügbarkeit. Finde ich jetzt persönlich im Sinne von Work Life Balance auch in Ordnung.
kmc

Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von kmc »

Zum einen, da keine Karriereambitionen (damit meinte ich fachbereichsfremd) - damit fällt das erzwungene Networken weg - zum anderen weil man einfach wenn man im Fachbereich bleiben will nur wenig Möglichkeiten zur Entwicklung hat.
Naja. Auch das hilft nicht ewig. Ich kann dir von unglaublich kompetenten Fachexperten erzählen, deren Jobs wegfielen, weil diese Jobs in Europa gar nicht mehr existieren: die Entwicklung findet hier nicht mehr statt, die gibt's nur mehr in Asien. Ich rede von zwei einst glanzvollen europäischen High-Tech-Konzernen, die heute nur mehr ein Schatten ihrer selbst sind, und deren Niedergang ich streckenweise miterleben durfte.

Ich mag nicht allzusehr darauf herumreiten, aber zumindest im MINT-Bereich kann man einfach nicht Sicherheit erwarten. Kein Schwein weiß, was in 10 oder 20 Jahren sein wird. Ja, GenAI ist derzeit (zu)viel Hype, aber irgendwas wird sich damit auch verschieben. Dass man in Deutschland derzeit trübsinnig von Deindustrialisierung spricht, ist auch nicht nur Schwarzmalerei der bösen Opposition.

Deinen bisherigen Postings nach haderst du ja ein bisschen mit der Entscheidung, ob eine FH-Professur für dich Sinn macht. Da kann ich auch nicht groß helfen, aber nur ein paar Anekdoten liefern. Eine davon: Ich habe eine Lehrveranstaltung zu einem Thema übernommen, das mich in der Frühzeit meiner Bildungslaufbahn sehr begeisterte; später habe ich damit kaum mehr zu tun gehabt. Und nun stelle ich fest, dass ich das Thema immer noch unglaublich spannend finde, dass mein Vorgänger (aus meiner Sicht) gar keine gute Lehrveranstaltung geliefert hat, und dass ich das viel besser machen möchte. Und das darf ich auch, weil es meine Entscheidung ist. Ich ärgere mich über veraltete Medientechnik, über Bürokratie in der Beschaffung an der FH und generell in Deutschland (wie oft ich schon dieselben Dinge in Formularen ausgefüllt habe!). Ich freue mich dann aber wieder irrsinnig über Studierende, die mich nach der LV noch eine halbe Stunde lang ausfragen, weil es sie ehrlich interessiert.

Dann ärgere ich mich wieder über Erstsemester, die in der Lehrveranstaltung stören, obwohl keine Anwesenheitspflicht besteht und sie verdammtnochmal einfach zuhause oder in der Mensa bleiben können, statt ihre Mitstudierenden und mich zu nerven. Und dann sage ich denen das auch geradeheraus, weil es meine LV ist und ich nicht übertrieben diplomatisch zu meinen "Kunden" sein muss, selbst wenn sie sich wie Arschlöcher benehmen. Was ich in meinem vorigen Job musste. Geil.

Wenn ich dann meine "Bezügemitteilung" damit vergleiche, was ich im Konzern kassiert habe, habe ich sehr gemischte Gefühle. Aber dieses Gefühl, doch vor allem mein eigener Chef zu sein, ist einiges wert.

Wird mir das in 10 Jahren noch immer so gehen? Keine Ahnung. Aber vielleicht kann eine Nebentätigkeit ein bisschen trösten. :wink:
mashdoc
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von mashdoc »

Zitat: "oder in der Mensa bleiben können, statt ihre Mitstudierenden und mich zu nerven. Und dann sage ich denen das auch geradeheraus, weil es meine LV ist und ich nicht übertrieben diplomatisch zu meinen "Kunden" sein muss, selbst wenn sie sich wie Arschlöcher benehmen. Was ich in meinem vorigen Job musste. Geil."

Da musste ich schmunzeln. Das ist nämlich in der Tat geil. Mache ich auch.
donkeydoeshisphd

Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von donkeydoeshisphd »

Spannende Diskussion. Ich möchte noch zwei Pro-Prof Argumente ergänzen:

1. Du hast keinen Chef. Konkret: Ich hatte einen Konflikt mit jemandem hoch in der Verwaltungshierarchie. Dem habe ich klar gesagt, dass er mir nicht sagen kann, was ich zu tun habe. Punkt. Diskussion beendet. Im Konzern wär mir das evtl sehr auf die Füsse gefallen.

2. Gehalt. Entspricht in den meisten Bundesländern netto dem Angestelltenbrutto von ca 90.000 Euro und da ist der Pensionsvorteil noch nicht einkalkuliert. Dazu kommt aber noch,dass das Gehalt durch Rückverhandlung nochmal gesteigert werden kann und dass es sehr interessante Möglichkeiten des Nebenerwerbs gibt (Beratungsaufträge/Gutachten/tw gut bezahlte Vorträge z.b.) Damit komme ich insgesamt in den Bereich eines 100k Angestelltengehalts, Kollegen mit mehr Zeit auf mehr. In meiner Konzernzeit waren das schon recht stressige (wenn klar, auch fachlich reizvolle und spannende Jobs), die weit weg von 9 to 5 waren.

Was für mich noch ein Nachteil einer Professur ist, ist,dass man ziemlicher Einzelkämpfer ist. Im Konzern waren wir ein Team,das gemeinsam gekämpft und gewonnen oder verloren hat.
mashdoc
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von mashdoc »

Die Gehaltsdiskussion habe ich ohnehin nie verstanden. Auf die umgelegt ca. 90.000 Euro exkl. PA komme ich auch. Im Konzern hatte ich brutto etwas mehr, auf die Stunde umgelegt jedoch deutlich weniger (wie du schreibst, 9-5 ist nicht).
neuling2018
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Re: Semesterferien vs Schulferien (NRW

Beitrag von neuling2018 »

Um auf den Kommentar eines Vorposters zu antworten. Ja, ich persönlich hadere mit einer FH Professur, habe sogar einen Ruf abgelehnt, weil es nicht passte. Klar ist die Freiheit sein eigener Chef zu sein und keine vermeintlich inkompetenten Chefs mehr zu haben verlockend, auch die Tatsache, dass man selber fast nicht angewiesen werden kann, aber selbst doch etwas "Macht" hat Veranstaltungen so zu gestalten, wie es einem passt und auch mal etwas sagen darf, wenn Studierende sich daneben benehmen, ohne gleich seine Karriere zerstört zu haben (wie es so im Konzern sein kann).

Auf der anderen Seite ist man eben als Fachexperte im Großkonzern auch bei 100k+ EUR Gehalt und ich denke mir immer.. Als FH Prof bist Du zwar frei, aber mind 40-50h am arbeiten; für das gleiche Gehalt kann man im Konzern vermutlich in Teilzeit gehen und 25-30 Stunden pro Woche arbeiten. Was erfüllender ist, weiß ich noch nicht :D 25-30h "für andere Arbeiten", dafür mehr freie Freizeit oder 40-50h "für sich arbeiten". Aber solche Gedanken treiben mich um. Mir wird nur immer klarer, dass man sich aus bestimmten Konstellationen kommend nicht unter Wert verkaufen und jede Professur "blind" annehmen sollte, sondern auch hier durchaus maximal verhandeln muss!
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