Tja. Einerseits große Erleichterung: Zweimal 1,0 Gutachten in einem abstrakten naturwissenschaftlichen Bereich - kumulativ mit Veröffentlichungen. Früher dachte ich 1,0 würde "summa cum laude" bedeuten und 2,0 "magna cum laude". Würde für mich Sinn ergeben wegen "rite" = "ausreichend" = 4,0. Wenigstens habe ich mich jetzt im Vergleich zu meinem Abitur minimal verbessert.
Spaß beiseite. Ich hatte sehr viel Glück! Einerseits wurden mir Aspekte nicht angekreidet, von denen ich dachte, sie würden mich definitiv Richtung "rite" ziehen. Diese Aspekte wurden übersehen oder ignoriert.
Andererseits wurden mir Aspekte angekreidet, bei denen ich definitiv widersprechen möchte! Bei einem Aspekt X wurde sogar etwas sachlich Falsches in Bezug auf meinen Forschungsgegenstand behauptet. Dabei geht es zwar nur darum, dass ich bei einer meiner Studien etwas hätte zusätzlich angeben sollen, aber diese Angabe ist irrelevant für den Forschungsgegenstand, was in jedem gutem Lehrbuch nachlesbar ist. Der Aspekt X gehört nicht einmal zur Definition der konkreten Sache, die Gegenstand meiner Studie ist!
Was mich wütend macht: Ich hätte das Potential meiner Arbeit nicht voll ausgeschöpft, weil ich meine Ergebnisse zum Schluss nicht angemessen in den Gesamtkontext vorheriger Forschung einordne ... VOR Abgabe war meine Arbeit länger, und ich hatte konkret geschrieben, dass ich Indizien gefunden habe, die sich in die Richtung interpretieren lassen, dass Theorie y aus vorheriger Forschung ... und so weiter ... Aber meine Arbeit war angeblich zu lang und es seien nur ca. zehn Seiten im letzten Unterkapitel vertretbar, und dort solle nicht mehr stehen als in den Diskussionen meiner Veröffentlichungen. Und nun? Hätte ich bloß nichts gekürzt!
Also was nun? Eine Stellungnahme zu den Gutachten schreiben? Macht das überhaupt jemand, bei dem in beiden Gutachten 1,0 steht?
Vielleicht ist das ein Thema für einen anderen Thread in diesem Forum (bin neu hier), aber sind überhaupt Fälle bekannt, in denen die/der
Kandidat/-in bei magna cum laude herumnörgelt und eine Stellungnahme schreibt? Beschwört man damit Ärger herauf? Wie sieht die Textgattung "Stellungnahme" überhaupt aus, und welchen Papierkrieg kann eine Stellungnahme nach sich ziehen?
Ich will nicht undankbar sein, aber das ganze fühlt sich an wie eine Beschwichtigung/ Abspeisung, auch ein Hauch politischer Entscheidung (?). Wir loben die Arbeit, dann muckt der nicht auf und wir sind ihn los. "Summa cum laude" hatten wir ja schon vor ein paar Jahren bei jemand anderem vergeben.
Nach der ersten Erleichterung und Dankbarkeit nun also Frust pur, Schlafstörungen, Dauerkopfschmerzen, Selbstmordgedanken.
Es ist wie bei einem standardisierten Test nur auf 138 zu kommen, obwohl man schon mal zwischen 140 und 150 lag (und andere Menschen sogar über 200) und der eigene Bekanntenkreis einem Werte über 140 zutraut. Ach nein, passt nicht. „Magna cum laude“ nimmt ja ca. 55% aller Urteile ein, also absolutes Mittelmaß, was übertragen dem IQ Bereich von etwa 85 bis 115 entspricht, also noch nicht einmal hochbegabt.
Ein glücklich Gefrusteter