Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
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Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Was man unter dem Aspekt der Glücksvermehrung/Unglücksvermeidung vielleicht auch bedenken sollte vor der Entscheidung für die Diss: Wie gut schafft man es, private Lebenspläne (Partnersuche, Heirat, Familiengründung, Hausbau etc.) oder auch die berufliche Entwicklung für ein paar weitere Jahre aufzuschieben? Wie gut hält man es aus mitanzusehen, dass Leute im eigenen Umfeld diese Schritte gehen - heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen, Karriere machen/gutes Geld verdienen-, während man selbst allein im stillen Kämmerlein an der Diss sitzt und weiter mit einem Studentenbudget auskommen muss? Alternativ: Wie sehr traut man sich zu, das ggf. parallel zur Diss zu stemmen (v.a. die Kinder)?
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Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Guten Abend zusammen,
Wow! - Ich bin richtig beeindruckt über all die Anregungen, Gedanken, unterschiedlichen Sichtweisen und Schattierungen. Und es tut mir sehr gut, Einschätzungen zu dem Thema mal von anderen zu bekommen statt nur vor mich hinzudenken. Also ein dickes Dankeschön an alle, die sich bereits Gedanken gemacht haben und ihren Erfahrungsschatz mit mir teilen!!
Viel antworten möchte ich gar nicht, weil ich lieber euren Gedanken Raum geben und sie auf mich wirken lassen möchte. Nur so viel: Einer der Hauptgründe für mein Unglücklichsein während meiner Masterarbeit war die Tatsache, dass ich mir für diese Zeit alle anderen Verpflichtungen (Ehrenamt, Nebenjobs) „vom Hals geschafft habe“, um mir Zeit frei zu schaufeln und weil ich dachte, dass es mir damit besser geht, wenn ich mich komplett auf den Abschluss konzentriere. Ich habe bereits eine Diplomarbeit (FH) unter völlig anderen Umständen (Nebenjob und regelmäßige/wertschätzende Betreuung durch zwei Professorinnen inkl. Vermittlung von Kontakten) geschrieben – und dabei war ich oft froh, habe mich wohl gefühlt etc. Die Diplomarbeit war eigentlich auch erst der Grund, warum ich den Master an einer Uni dran gehängt habe mit dem Ziel dann eben ohne formale Probleme promovieren zu können... Ehrlich gesagt, sind mir die glücklichen Gefühle während meiner Diplomarbeit völlig entfallen und erst durch eure Gedanken wieder bewusst geworden. Auch dafür Dankeschön!
Ich werde mir auf jeden Fall noch einiges an Zeit gönnen, um in mich zu gehen hinsichtlich meiner veschiedenen Motive für eine Diss und auch den für mich nötigen Rahmenbedingungen, damit es für mich passt/ es sich für mich gut anfühlt.
Weitere Antworten auf meine Frage sind immer noch sehr willkommen!
Gutes Gelingen für euch alle (egal an welchem Punkt ihr steht),
Frida
Wow! - Ich bin richtig beeindruckt über all die Anregungen, Gedanken, unterschiedlichen Sichtweisen und Schattierungen. Und es tut mir sehr gut, Einschätzungen zu dem Thema mal von anderen zu bekommen statt nur vor mich hinzudenken. Also ein dickes Dankeschön an alle, die sich bereits Gedanken gemacht haben und ihren Erfahrungsschatz mit mir teilen!!
Viel antworten möchte ich gar nicht, weil ich lieber euren Gedanken Raum geben und sie auf mich wirken lassen möchte. Nur so viel: Einer der Hauptgründe für mein Unglücklichsein während meiner Masterarbeit war die Tatsache, dass ich mir für diese Zeit alle anderen Verpflichtungen (Ehrenamt, Nebenjobs) „vom Hals geschafft habe“, um mir Zeit frei zu schaufeln und weil ich dachte, dass es mir damit besser geht, wenn ich mich komplett auf den Abschluss konzentriere. Ich habe bereits eine Diplomarbeit (FH) unter völlig anderen Umständen (Nebenjob und regelmäßige/wertschätzende Betreuung durch zwei Professorinnen inkl. Vermittlung von Kontakten) geschrieben – und dabei war ich oft froh, habe mich wohl gefühlt etc. Die Diplomarbeit war eigentlich auch erst der Grund, warum ich den Master an einer Uni dran gehängt habe mit dem Ziel dann eben ohne formale Probleme promovieren zu können... Ehrlich gesagt, sind mir die glücklichen Gefühle während meiner Diplomarbeit völlig entfallen und erst durch eure Gedanken wieder bewusst geworden. Auch dafür Dankeschön!

Ich werde mir auf jeden Fall noch einiges an Zeit gönnen, um in mich zu gehen hinsichtlich meiner veschiedenen Motive für eine Diss und auch den für mich nötigen Rahmenbedingungen, damit es für mich passt/ es sich für mich gut anfühlt.
Weitere Antworten auf meine Frage sind immer noch sehr willkommen!

Gutes Gelingen für euch alle (egal an welchem Punkt ihr steht),
Frida
Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Wieso meinen immer alle, dass man als Doktorand kein Privatleben mehr hat/haben kann/soll/darf?Eva hat geschrieben:Wie gut schafft man es, private Lebenspläne (Partnersuche, Heirat, Familiengründung, Hausbau etc.) oder auch die berufliche Entwicklung für ein paar weitere Jahre aufzuschieben?

Naja, ich seh' das anders. Aus meiner Erfahrung sind die Doktoranden (inklusive mir selbst) am glücklichsten, die sich eben auch noch ein Privatleben "erlauben" und diesem auch den nötigen (zeitlichen) Raum geben und dafür eventuell ein Kauf nehmen, dass die Diss' 1-2 Jährchen länger braucht.
Das muss man dann auch nicht, wenn man sein Privatleben nicht 3-5 Jahre komplett stilllegt.Eva hat geschrieben:Wie gut hält man es aus mitanzusehen, dass Leute im eigenen Umfeld diese Schritte gehen - heiraten, Kinder kriegen, Haus bauen, Karriere machen/gutes Geld verdienen-, während man selbst allein im stillen Kämmerlein an der Diss sitzt und weiter mit einem Studentenbudget auskommen muss?


Ich!!Eva hat geschrieben:Alternativ: Wie sehr traut man sich zu, das ggf. parallel zur Diss zu stemmen (v.a. die Kinder)?

Was soll ich sagen, ich bin glücklich! Sowohl privat, als auch mit der Promotion. Natürlich ist das stressig und man muss sich gut organisieren, aber meine kleine Familie ist der beste Ausgleich den man sich denken kann. Spätestens wenn mich meine Maus freudig anstrahlt und "Mama" ruft, wenn ich sie aus der Kita abhole, dann sind alle Probleme mit der Diss' bis zum nächsten Morgen vergessen. Außerdem hab' ich damit einen Anker, der mich daran hindert in ein tiefes Loch zu fallen, wenn die nächste Diss'krise kommt (und die kommt bestimmt, das wissen ja alle hier

Fazit: Liebe (unglückliche) Doktoranden da draußen, ihr dürft ein Privatleben haben!! Die Welt und euer Leben steht nicht für 3 Jahre still!

Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Also ich schließe mich mal Easterbunny an
Auch ich bin - aus ähnlicher Motivation heraus - während der Diss geplant schwanger geworden. 2 mal
Habe zwei wunderbare Kinder und einen tollen Mann (der glücklicherweise auch viel Elternzeit nehmen konnte/wollte und insofern die Betreuung auch immer kein schwieriges Thema war) - und das war zwar zugegeben in der Endphase wirklich heftig (zahnend-kranke Kinder und Endspurt sind nicht sehr kompatibel
) aber insgesamt auch bei mir DER Anker zum normalen Leben, wenns mal mit der Diss nicht lief. Ich bereue es nicht, auch wenn ich nun (für die Informatik) unsägliche gute 5 Jahre gebraucht habe. Ich kann mich nur anschließen: man kann mal "heiße Phasen" führen, vor ner Deadline oder im Endspurt, wo wirklich ein paar Wochen lang Diss Prio 1A ist. Aber das geht imho keinesfalls während der gesamten Promotion und sollte es auch nicht müssen. Will heißen: ich plädiere auch stark dafür dass Doktoranden ein Recht auf Privates haben UND sich dafür stark machen sollten! 




Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Hallo Frida,
Neben den Dingen die die anderen schon geschrieben haben, war für mich die Abwechsulung zwischen meiner Diss und meiner Arbeit wichtig. Wenn du dein Thema aus deiner Arbeit heraus entwickelst, könntest Du auch viel Energie aus dem Wechsel zwischen Arbeiten und Schreiben entwickeln. Weiterhin hat mich mein Thema bis zum Schluss interessiert und begeistert.
Viel Erfolg bei deiner Entscheidung ...
Ich hatte/ habe gleiche Vorraussetzungen, nur in einem Ingenieurwissenschaftlichen Bereich und ich bin, kurz vor Ende, sehr glücklich mit meiner Promotion und der vergangenen 3 Jahre geworden. Ich kann auch nicht sagen, dass ich mich sozial über die Maßen eingeschränkt habe, denn ich habe geheiratet, ein Kind bekommen, mich für einen neuen Job beworben und ziehe aktuell in eine neue Stadt mit einem neuen Job nach meiner Promotionszeit.Zurzeit habe ich einen vollzeit Job in der verwaltung, aus dem heraus ich vermutlich auch mein Thema entwickeln werde. Eine Reduzierung meiner Arbeitszeit ist möglich, einen betreuer habe ich bereits im auge, ausreichend ehrgeiz/ leistungswillen sind vorhanden, ebenso wie leidensfähigkeit und durchhaltevermögen.
Neben den Dingen die die anderen schon geschrieben haben, war für mich die Abwechsulung zwischen meiner Diss und meiner Arbeit wichtig. Wenn du dein Thema aus deiner Arbeit heraus entwickelst, könntest Du auch viel Energie aus dem Wechsel zwischen Arbeiten und Schreiben entwickeln. Weiterhin hat mich mein Thema bis zum Schluss interessiert und begeistert.
Viel Erfolg bei deiner Entscheidung ...

Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Puh, das ist in der Tat eine fiese Kombi! Ich hoffe, wir haben bis zu meiner Endphase nächstes Jahr das Milchgebiss vollständig.Meggy hat geschrieben:zahnend-kranke Kinder und Endspurt sind nicht sehr kompatibel![]()


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Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Ich habe auch während der Dissphase geplant zwei Kinder bekommen, die mich sehr glücklich machen. Ich sehe die Kombi Kind & Promotion aber weniger rosig als meine Vorrednerinnen, da bei mir auch einige Umstände anders waren. Kinder zu haben IST einfach eine große Zusatzbelastung in der Promotionsphase. Meine Diss habe ich eingereicht, aber es hat lange gedauert und es waren sehr harte Jahre (nicht nur wegen der Diss, aber auch). Ich liebe mein Thema, bin stolz auf meine Arbeit und finde meine Forschung spannend. Ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe, aber ich weiß nicht, ob ich die Entscheidung für die Diss noch mal treffen würde.
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Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
@easterbunny: Ich habe nicht gesagt, dass man während der Diss private Pläne aufschieben MUSS, geschweige denn dafür plädiert, das so zu tun! Für viele Doktoranden ist das aber Realität, und zwar eine, die durchaus an einem nagen kann (mir ging es so), deshalb fand ich wichtig, das als mögliches Problem zu erwähnen. Nicht jeder hat die Energie, mehrere Großprojekte parallel zu stemmen. Mir ist z.B. während der Diss-Zeit klar geworden, dass ich Diss und Kind nicht gleichzeitig hinkriege. Da die Diss schon da war, hieß das eben, dass der Kinderwunsch warten musste. Du hattest das sicher nicht beabsichtigt, aber ich fühle mich von der Absolutheit deines Beitrags etwas angegriffen. Es ist ja schön, dass das für dich alles klappt, aber das heißt nicht, dass andere nicht doch ein Problem mit dem Thema Vereinbarkeit von Diss und privaten Plänen haben.
Es ist wohl auch hier eine Typfrage, mit wie vielen Bällen man gleichzeitig jonglieren kann.

Zuletzt geändert von Eva am 03.12.2014, 17:23, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Seid ihr glücklich mit eurer Promotion?
Und bedenklicherweise auch eine - so blöd es klingen mag - Schicksalsfrage. Das Leben hält schließlich nicht immer nur Erfreuliches bereit, da kann die Energie auch schon mal drastisch nachlassen.Eva hat geschrieben:Es ist wohl auch hier eine Typfrage, mit wie vielen Bällen man gleichzeitig jonglieren kann.
Der Vorstellung von Vereinbarkeit von Kind und "Karriere" (was auch immer das sein soll

Aber schön, dass es positive Erfahrungen zu dem Thema gibt.

Davon abgesehen spielen in meine Augen auch Fach und DV/DM eine Rolle, wie weit man sich voll und ganz der Wissenschaft widmen muss oder soll, um das Projekt Diss. erfolgreich abschließen zu können. Zahlreiche Artikel in einschlägigen Zeitungen geben ja ein Bild von diesen Abhängigkeiten.
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