Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
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Fabilous

Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von Fabilous »

Hallo zusammen,
ich schreibe gerade das Forschungsdesign für meine soziologische Diss. Erforschen will ich einen Wandel bzgl. Arbeit (das genaue Thema lasse ich hier mal weg), es geht um einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, und ich möchte mehrere Personen befragen. Ich habe mich nun für eine Mischung aus einer biographischen Methode (wahrscheinlich narrativ) und episodischen Interviews entschieden. Nun stellt sich mir aber die Frage, retrospektiv oder vergleichend? Biographische Forschung ist ja i.d.R. retrospektiv orientiert, das würde ja auch Sinn machen im Hinblick auf die letzten Jahrzehnte. Andererseits geht es mir ja auch um einen Vergleich früher - heute. Ist es denn möglich, das Forschungsdesign retrospektiv und vergleichend auszurichten, oder schließt sich das aus?
Danke für Antworten :)

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epikur
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Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von epikur »

Kann man machen, habe ich auch gemacht, jedoch quantitativ.

Allerdings sind die Ergebnisse solcher Vergleiche immer mit Vorsicht zu genießen, da grundsätzlich mit Erinnerungsfehlern, wie Retrospektionseffekten (recall bias) zu rechnen ist :!:

Wenn aber aus dem Vergleichszeitraum nun mal keine Daten existieren, sind Zeitzeugenbefragungen immer noch die beste Möglichkeit, die der Sozialwissenschaftler hat.

Frohes Schaffen und ein schönes Wochenende

epikur
Fabilous

Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von Fabilous »

Hallo epikur,

danke für deine Antwort! Also ich bin immer noch am Überlegen - ich werde ja qualitativ forschen und komme nun immer mehr zu dem Schluss, dass es eine biographische Methode sein muss. Ich kann dann ja aber trotzdem mehrere Personen auf Grundlage eine retrospektiven Designs befragen und die Fälle miteinander vergleichen, ohne dass sich dadurch das Forschungsdesign in Richtung einer Vergleichsstudie ändert, oder? Sorry, stehe momentan etwas auf dem Schlauch, ist ja auch schließlich meine erste Diss 8)

Danke!

Fabilous
epikur
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Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von epikur »

Hallo Fabilous,

ich denke zwar, dass Du das kannst.
Aber ich bin kein Experte für qualitative Sozialforschung - und andere Forumsteilnehmer haben diese Frage auch nicht beantwortet.

Ich denke, Du solltest 3 Dinge tun, um dies zu klären:

1. Fachliteratur und Publikationen sichten. Gibt es publizierte Studien mit einer vergleichbaren Vorgehensweise?
2. Bekannte, die sich mit qualitativer Sozialforschung sehr gut auskennen, um Rat fragen. Wie vernetzt bist Du?
3. ist das eine Frage, die Du UNBEDINGT mit Deinem DV klären solltest. Je nachdem, welchen "Draht" Du zu ihm hast, kann ich natürlich verstehen, wenn Du Dich vorher etwas schlauer machen willst.

Ich war damals auch unsicher, habe meinen DV aber sofort angerufen und die Sache in 10 Minuten geklärt. Leider gibt es die Betreuungsqualität nicht immer her, dass das so unkompliziert läuft (aber kein Neid, mein DV hat auch seine "Spezifika"... :wink: )

Schöne Grüße

epikur
Poppy

Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von Poppy »

Weißt du schon, wie du deine Interviews auswerten willst?

Ich promoviere in der historischen Bildungsforschung und habe themenzentrierte Interviews geführt, was du als retrospektiv bezeichnen würdest. Mit der Dokumentarischen Methode habe ich dann die Interviews analysiert und dabei einen Vergleich von DDR und BRD zu einer bestimmten Zeit gemacht. Das geht also durchaus - zumindest bin ich mit den Gutachten, die ich die letzten Tage erhalten habe sehr zufrieden.

Ich stimme aber epikur zu, das solltest du auf jeden Fall mit DV/DM abklären. Ich finde aber immer gut, wenn man vorher schon selbst ein bisschen dran rumgedacht hat und im Gespräch dann auch Vor- und Nachteile besprechen kann.
Fabilous

Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von Fabilous »

Danke erstmal für Eure Antworten!

Ja, ich werde auf jeden Fall meine DM kontaktieren bzw. wenn ich ihr meinen aktuellen Stand schicke (und es dann hoffentlich bald losgehen kann), gebe ich ihr die Anmerkung dazu, dass ich mir nicht sicher bin ob retrospektiv oder vergleichend. Ich wollte außerdem eh um einen Termin in den nächsten Wochen bitten, dann lässt sich sowas ja auch noch mal klären.

Ich tue mich da momentan einfach schwer damit, mich da hineinzudenken - einerseits ist es eben ein Vergleich früher - heute, andererseits ist der Schwerpunkt der Interview biografisch (und das war auch der Vorschlag meiner DM). Vor allem ist die Frage: Was für Konsequenzen hat das für den Forschungsprozess, sich für das ein oder andere Design zu entscheiden? Sind Design + Methode + Auswertung mehr oder weniger zwangsläufig miteinander verbunden?

@ Poppy: Zu der Auswertung: Ich habe mich jetzt dafür entschieden, mit der Grounded Theory auszuwerten, das habe ich zumindest ansatzweise auch schon mal im Studium gemacht und habe das Gefühl, damit dem Material gerecht zu werden. Mit der Dokumentarischen Methode habe ich selbst noch keine Erfahrung - ich schaue jetzt mal, was ich für ein Feedback bekomme, ggfs. wäre das auch noch mal ein Anhaltspunkt für mich!

Liebe Grüße
Poppy

Re: Soz. Forschungsdesign - retrospektiv oder vergleichend?

Beitrag von Poppy »

Ich würde ja immer zuerst Fragen: Was will ich wissen? Was ist meine große Forschungsfrage? Daraufhin kann man dann sagen welche Art von Material man benötigt und welche Auswertungsmethode am sinnvollsten erscheint.
Ich kenne dein Thema ja nicht genau, habe aber leicht den Eindruck, dass du eigentlich zwei Fragen hast, einmal nach dem Vergleich damals und heute. Die zweite biografische Frage scheint mir noch sehr ungenau, weil du dich da immer nur auf die Erhebung von Interviews beziehst.
Hast du mal ne Projektskizze (1-3 Seiten) oder ein Expose geschrieben? Mir ist beim Schreiben selbst einiges viel klarer geworden und kann das daher sehr empfehlen.
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