Literaturverwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.)

Fragen aus der laufenden Arbeit an der Dissertation.
Literatursuche, Motivationsprobleme, Lehrtätigkeit, Ärger mit dem Prof u.v.m.
Merowinger

Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Merowinger »

[quote] Da wird man ja wahnsinnig, wenn man dann ne Gliederungsebene verschieben muss.
[/quote]

Genau das spricht gegen Word...

Vorab:

Seit ein paar Wochen darf ich mich als "Dr. iur." bezeichnen und stand am Anfang vor genau den gleichen Fragen. Vor allem: Word oder LaTeX.
LaTeX ist auch für Juristen eine ganz tolle Sache!

Ich habe mich für LaTeX entschieden und es zu keinem Zeitpunkt bereut. Gerade, wenn man ohnehin einen Mac hat, bietet LaTeX nochmals kleine Vorteile. Zum einen unterstützt MacOS nativ das PDF-Format, was zu einem nochmals leicht verbesserten Druckbild führt. Zum anderen gibt es für den Mac BibDesk. Damit hat man dann gleich eine mächtige Literturverwaltungssoftware, die nahtlos mit LaTeX zusammenarbeitet. Man kann seine Literatur dort erfassen und diese mit einem \cite-Befehl direkt in das Hauptdokument einbinden. Wenn man so vorgeht, kann es nicht vorkommen, dass man ein Werk zwar zitiert, aber nicht im Literaturverzeichnis aufnimmt oder umgekehrt. Das erspart nervige Arbeit.

An die Verwendung von LaTeX gewöhnt man sich innerhalb von ein paar Tagen bzw. Stunden

Damit einhergehend ist auch die Frage beantwortet, ob man eine Literaturverwaltung benötigt. BibDesk ist quasi notwendig, um die Stärken von LaTeX auf dem Mac voll auszuspielen. Ohne Literaturverwaltung würde ich aber sowieso nicht zu Werke gehen. Ansonsten verliert man zu schnell den Überblick (den hatte z.B. Herr zu Guttenberg nach eigener Aussage auch irgendwann verloren und was dann dabei rausgekommen ist...).

Ansonsten: Datensicherheit ist unbedingt wichtig. Neben dem Time-Machine-Backup hatte ich meinen LaTeX-Ordner noch auf einer weiteren Festplatte, auf einem USB-Stick, auf meinem eigenen Webspace und alle paar Wochen auf DVD gebrannt und auf Papier ausgedruckt in einem Bankschließfach abgelegt.
Ist evtl. etwas übertrieben, aber Speicherplatz kostet heute nichts mehr...

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Bara
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Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Bara »

Hallo Birke!

Die Hinweise auf LaTeX sind sicherlich gut gemeint, aber ich empfehle Dir, hier keine Experimente zu machen, wenn Dir die Arbeit mit Word vertraut ist.

Ich habe vor meinem Jurastudium ein technisches Fach studiert und mir sind Programmiersprachen ganz und gar nicht fremd, trotzdem schreibe ich meine Diss (und alles andere) mit Word (Mac Word 2011). Das liegt einfach daran, dass ich Word mittlerweile völlig auf meine Bedürfnisse angepasst habe. Meine Formatvorlage passt, meine AutoKorrektur umfasst hunderte Begriffe und Wortgruppen, die selbst erstellten Gliederungsebenen wechsle ich mit cmd+Ziffer, den Text formatiere ich wenn nötig beim Schreiben mit cmd+i (kursiv), cmd+u (unterstrichen) oder cmd+b (fett) und im Dokument springe ich mit Tastenkombinationen oder einfach cmd-f umher. Ganze Wörter lösche ich nach Tippfehlern mit alt+backspace. Ich schreiben am MBP mit zehn Fingern und wenn ich mal das Trackpad brauche, muss ich nicht "den Arm umständlich von der Tastatur zur Maus bewegen", sondern meine rechte Hand etwa 5 cm. Da ich nahezu alle Literaturquellen in der Cloud habe, switche ich sowieso ständig von Word zu Skim oder in der Browser (Literaturverwaltung, siehe sogleich), sodass die "reine Arbeit am Text" meistens auch Arbeit an fremden Texten ist. Einen Erleichterung dadurch, das Trackpad nicht nutzen zu müssen, sehe ich nicht.

Überzeugt haben mich bzgl. LaTeX nur Funktionen, die ich als Jurist nicht brauche und die ich auch in keiner juristischen Diss jemals gesehen habe (Darstellung Formeln etc.).

Für die Literaturverwaltung nutze ich zotero als Firefox-Plugin bzw. Button in Word. Sicherungskopien und gescannte Aufsätze, Buchauszüge etc. sind in der Cloud und bei zotero jeweils mit dem Eintrag verknüpft. Zotero (und den Cloudzugang) habe ich auch auf Tablet und Telefon immer zur Hand, ich kann also z. B. einen Aufsatz mit DocScanner einscannen und als PDF in die Cloud schicken, dann in zotero verknüpfen und schon kann ich auch auf dem Mac die Datenbank danach durchsuchen oder auch direkt im Word-Dokument die neue Quelle zitieren, ohne sie noch einmal irgendwo eingeben zu müssen. Verschiedene Zitierstile gibt es für zotero auch (auch einen brauchbaren juristischen), und natürlich generiert zotero ein Literaturverzeichnis aus allen Quellen, die ich im Dokument auch tatsächlich verwendet habe. Darauf würde ich auf keinen Fall verzichten. Zotero kann noch viel mehr, schau einfach mal in die Google-Suche. Und es ist gratis...

Backups: Neben der Cloud TimeMachine (an verschiedenen Orten, Arbeitsplatz, Eltern etc.).
Zuletzt geändert von Bara am 16.12.2013, 08:15, insgesamt 1-mal geändert.
Bara
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Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Bara »

Merowinger hat geschrieben:...auf Papier ausgedruckt in einem Bankschließfach abgelegt.
Ist evtl. etwas übertrieben, aber Speicherplatz kostet heute nichts mehr...
Rein interessehalber: Was kostet denn so ein Schließfach?
Birke

Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Birke »

Danke für euren Input!

@Merowinger: ich möchte allerdings demnächst einen neuen Computer kaufen und dann vom Macbook wieder auf a) Standrechner und b) Windows wechseln. Deshalb ist es für mich nicht sooo interessant, dass LaTeX mit BibDesk gut zusammenpasst. :) Und du hast zwar jetzt viel geschwärmt, aber was genau an LaTeX jetzt so toll ist, weiß ich immer noch nicht. ;-) Ich habe als Vorteil bisher immer nur gehört, dass das Satzbild sauberer sei. Aber da bin ich, ehrlich gesagt, wohl nicht Puristin genug; mir ist Word bisher immer schön genug gewesen.

Vielen Dank für die Erklärungen zu den Literaturverwaltungsprogrammen. Jetzt kann ich es etwas besser nachvollziehen. An die unterschiedlichen Vorgaben der Verlage hatte ich noch nicht gedacht. Mein Institut macht da wohl keine Vorgaben, deshalb hatte ich mich an dem orientieren wollen, was in Jura allgemein üblich ist. "Ebd." werde ich auf keinen Fall verwenden ;) das finde ich als Leserin schon furchtbar. Ich werde immer Kurzzitierweisen verwenden.

Zotero klingt ganz interessant. Ist man für die Arbeit damit auf Internetzugang angewiesen?

Ich merke gerade, ich kann die ganzen Programme sowieso erst auf dem neuen Rechner installieren. Es ist echt zum Haareraufen, meiner ist inzwischen gefühlt für *alles* zu alt. Gefordert wird immer mindestens X.6, und bei Firefox und Word tw. auch jüngere Versionen (ich habe Word 2004… und Firefox 16.0.2 – für neuere Versionen bräuchte ich auch ein neueres OS).

Bzgl. der Datensicherung überlege ich noch, ob ich wieder Dropbox nehme (wie für meinen Privatkram) oder lieber einen anderen (z.B. europäischen?) Anbieter. Wuala oder so.
Bara
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Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Bara »

Für zotero musst Du nicht immer online sein, aber natürlich arbeitet es sich damit online viel besser. Beispiel: Du suchst ein Buch bei amazon oder in Deinem Bibliothekskatalog, schon erscheint ein Buch-Symbol in der Adresszeile vom Firefox. Ein Klick, und das Buch ist in Deiner Datenbank. Du musst NICHTS eingeben. Wenn Du jetzt das Buch zu Hause hast und Notizen schreiben möchtest (auch das geht prima mit zotero - ich schreibe mir da immer Stichpunkte in Notizen, die jeweils mit der Seite anfangen. Suche ich später innerhalb der Datenbank, findet zotero auch alles, was ich dort notiert habe), musst Du dafür nicht online sein. Aber ich möchte ja meine Datenbank synchronisieren, deshalb bin ich ständig online (damit iPad, Mac, iPhone und zur Not auch das Web-Interface von zotero immer aktuell sind).

Offtopic: Wieso um alles in der Welt willst Du vom Mac auf Win wechseln? Probier mal einen aktuellen Mac mit Mountain Lion oder Mavericks aus und schau Dir danach Win 7 oder 8 an, da kommen einem die Tränen.
Merowinger

Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Merowinger »

@ Bara: kommt auf die Größe des Faches an... Meins ist bei einer örtlichen Sparkasse (nicht alle Banken haben noch Schließfächer) und kostet € 60 im Jahr. Ist groß genug für einen großen, vollen A4-Leitz-Ordner und hat dann noch ein paar Zentimeter Platz. Diss., ein kleiner Ordner mit persönlichen Dokumenten und ein paar CDs passen bequem rein.

@ Birke: gerade das sehr saubere Druckbild ist ja ein schlagender Grund für LaTeX. Ich hatte die einzelnen Kapitel (wenn ich etwas vorlegen musste) immer auf rein weißem 90g-Papier auf einem ordentlichen Laserdrucker ausgeben (die eingereichte Arbeit i.Ü. auch) und habe für das doch überdurchschnittliche Erscheinungsbild immer lobende Worte bekommen.
Das liegt nicht nur am Papier oder der nativen PDF-Unterstützung, sondern auch (bzw. insbesondere) ab der Arbeitsweise von LaTeX.
LaTeX basiert auf Boxen. Jeder Buchstabe, jedes Leerzeichen, aber auch jedes Wort und jede Zeile in der Höhe und der Breite "denkt" sich das System als Box. Die Boxen sind flexibel verbunden (quasi mit Gummibändern). Beim setzen des Textes wendet LaTeX einen Algorithmus an und berechnet den optimalen Abstand der einzelnen Boxen (spannt und entspannt die Gummibänder) und damit der Zeichen und Wörter in einer Zeile. Dadurch erscheinen die Abstände der einzelnen Boxen für das Auge immer in einem angenehmen Abstand. Probleme wie weit auseinander gezogene Buchstaben bei einem Wort (Blocksatzlücken) hat man mit LaTeX daher nicht.
Evtl. können die Informatiker hier im Forum eine bessere Erklärung liefern.
Birke

Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Birke »

@Merowinger: danke, die Erklärung finde ich schon sehr plastisch. :-) Vielleicht habe ich irgendwann Gelegenheit, mir mal einen Text in LaTeX anzuschauen und mit einem Word-Dokument zu vergleichen; das würde mich schon interessieren. Mal kucken, ob Google was ausspuckt.

@Bara: Danke für die weiteren Erläuterungen, das klingt wirklich interessant für mich.

Wechseln will ich, weil ich a) mir schlicht einen Mac derzeit nicht leisten kann und weil ich b) festgestellt habe, dass ich ihn auch nicht unbedingt brauche. Die beiden Funktionen, die ich wirklich vermissen werde, sind Spaces und der eingebaute PDF-Converter… Aber virtuelle Desktops kann ich auch unter MS simulieren (dafür gibt es Programme, die man halt einmal selbst installieren muss) und einen PDF-Converter werde ich auch auftreiben. ;-) Na ja, und dann bekomme ich einfach, wenn ich einen Standrechner nehme, auch mehr Speicherplatz, höhere Geschwindigkeiten etc. für weniger Geld. Momentan tendiere ich dazu, mir das Gerät (mithilfe eines guten Freundes) selbst zusammenzustellen. Mal schauen…
Bara
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Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Bara »

Wenn es nur am Geld liegt und Du eh selbst was zusammenstellen willst, bau einen Hackintosh! Zu netten Hardwarekonstellationen spuckt Google viel aus. ;)
Birke

Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Birke »

Äääääääh… nein. ;) Zu aufwändig, zu sehr Grauzone. Ich bin da konservativ, ich nutze auch keine Software-Raubkopien und kaufe meine Musik bei Amazon & Co… Dass ich überhaupt zusammenbaue – FALLS ich zusammenbaue – ist schon ein Zugeständnis und meinem lieben Kollegen/Kumpel geschuldet, der sich da deutlich besser auskennt als ich und schon angeboten hat, mir zu helfen.
Bara
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Re: (Welches) Lit-Verwaltungsprogramm für jur. Diss? (u. a.…

Beitrag von Bara »

Na gut. :)
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