wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

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Peter25

wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von Peter25 »

Hallo zusammen, ich überlege mir zu promovieren (intern oder extern). Zum einen bin ich nicht gut genug, um für ein Stipendium in Frage zu kommen. Ich habe natürlich auch nicht genug Ersparnisse, um ein Fulltime-Promotionsstudium zu finanzieren. Für mich bieten sich daher zwei Möglichkeiten: Ich arbeite für eine Hochschule (interne Promotion) oder in der freien Wirtschaft (externe Promotion). Nun bin ich mir unsicher, wie das zeitlich zu schaffen ist und was auf mich zukommt.

Ich habe interessante Halbtagsstellen, Dreiviertelstellen und Ganztagsstellen an Hochschulen gesehen. Teilweise auch Halbtagsstellen, die sich noch auf 3/4-Stellen erweitern lassen, wenn man an bestimmten Forschungsprojekten zusätzlich teilnimmt. In der freien Wirtschaft meist nur Ganztagsstellen, aber vielleicht lässt sich auch da der Umfang auf 1/2 Tag oder 3/4 Tag reduzieren. Die Bezahlung liegt nicht weit auseinander, wenn die Stundenzahl identisch ist.

Nun zu meiner Frage: Wie viel Stunden müsst ihr in Lehre, Forschung usw. arbeiten, wenn ihr einen Vertrag über 4h/Tag, 6h/Tag bzw. 8h/Tag an einer Hochschule abgeschlossen habt? Und wie viel Zeit bleibt euch für eure Doktorarbeit? Ich habe eine Studie gelesen, dass "3 1/2 Stunden für Lehre, Forschung und Verwaltung" und "4 1/2 Stunden für die Doktorarbeit" pro Tag der Durchschnitt sei. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dies für jemanden mit einer vollen Stelle genau so zutrifft wie für jemanden mit einer halben Stelle. Andererseits: Wenn man genau die vereinbarte Zeit arbeiten muss und nur in der Freizeit an der Doktorarbeit schreibt, dann könnte ich genau so gut in der Industrie arbeiten oder gleich Bewerbungen für ganze Stellen meiden, weil ich weiß, dass ich nicht viel geschrieben bekomme.

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myfunnyvalentine

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von myfunnyvalentine »

Servus!

Nichts für ungut – aber ich frage mich manchmal, warum hier beim Erstellen neuer Themen notwendige Info nicht genannt wird… 

In Deinem Fall:
Welcher Fachbereich? (Davon hängt etwa ab, wie realistisch etwas anderes als 0.5 Stelle überhaupt ist)
Welchen Karriereweg siehst Du für dich – Uni oder Wirtschaft? (Wichtig u.a. für Entscheidung intern/extern)
Was heißt: Nicht gut genug für ein Stipendium? Wenn die Examensnote für eine Promotion reicht, sollte es durchaus möglich sein, etwas zu finden.

Grüße

MFV
Peter25

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von Peter25 »

Danke erst mal für Deine Antwort!

Es geht um Informatik. Meinen späteren Karriereweg sehe ich eher in der Privatwirtschaft, aber das kann sich ändern. Meine Examensnote steht noch nicht ganz fest (vermutlich 1,5-1,9), da die Masterarbeit noch aussteht.

Mich hätten mal allgemein ein paar Aussagen von anderen interessiert, unabhängig vom Fachbereich, d.h. eine Gegenüberstellung von Stunden im Vertrag und wie viel Zeit für die Doktorarbeit bleibt und wie viel für den Rest...
flip
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Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von flip »

So etwas kann man pauschal nicht sagen. Vor allem nicht "3,5 Stunden pro Tag Diss". Man hat produktive Phasen und mal nicht, wo man sich auch über Lehre und Verwaltung freut. Das selbe gilt fürs Unternehmen (wenn man denn eine abgestimmte Promotion hat).

Die Lehrbelastung ist bei mir sehr gering. Ich habe vertraglich 2SWS, erfülle diese momentan aber nicht. Sprich: Ich habe dieses Semester zwei Veranstaltungen à zwei Stunden gehabt und noch zwei Seminararbeiten. Das ist faktisch garnichts - so wie nächstes Semester. Das Semester davor habe ich eine Übung komplett betreut, wodurch ich eher eingespannt war. Allerdings habe ich auch dort locker mehr als die Hälfte der Zeit in die Forschung investiert.
Peter25

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von Peter25 »

Vielen Dank für die Auskunft. Ich meinte natürlich im Durchschnitt pro Tag (über das ganze Jahr gerechnet). Könntest Du noch dazu schreiben welchen Umfang Deine Stelle hat. Und wenn eine 0,5-Stelle, ob Du noch ein Stipendium bekommen hast?
flip
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Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von flip »

Das ist eine 0,5er WiMa-Stelle, welche durch Drittmittel noch aufgestockt wird.
Die 2SWS dürften Standard sein. Würdest du bspw. eine volle Haushaltsstelle haben, dann wären es 4SWS.

Die Angabe hilft dir aber letztenes nicht weiter, weil es nur auf das ankommt, was im Arbeitsvertrag steht. ;)
Stipendiaten haben in der Regel keine Lehraufträge.

Siehe auch hier (inhaltlich):
viewtopic.php?f=1&t=4914
Mert

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von Mert »

Deine Frage kann man leider nicht pauschal beantworten. Ich selbst promoviere extern. Mein Job ist zwar auch im Bereich Forschung angesiedelt und hat Parallelen zu den Themen, aber nach der Arbeit an der Diss. zu arbeiten ... na ja, erfordert ein höheres Maß an Disziplin und dauert auch länger (mein Eindruck). Ich stehe recht weit am Anfang, aber ich merke, dass alleine die Literaturrecherche nur schleppend vorangeht - vom Lesen spreche ich mal nicht .. Wenn man nur eine 0,5 Stelle hat, dann hat man auch mind. 5 Stunden pro Tag mehr, die man in die Diss. investieren kann.

Ich kenne recht viele Personen, die an Unis intern promovieren. Auch hier kann man keine allgemeinen Antworten geben. Manche haben eine 100% Stelle, müssen für den Lehrstuhl fast nix machen bzw. es wird nicht kontrolliert, was du machst. Manche haben nur eine halbe Stelle, arbeiten trotzdem 100% und kommen nicht zur Diss. Manchmal ist das echt reines Glück.
Peter25

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von Peter25 »

Lieber Mert, danke, das ist eine sehr interessante Feststellung. Ich muss sagen, wenn ich bei einer 0,5-Stelle ganztags arbeiten müsste an Themen, die nicht dem Fortschritt meiner Dr.-Arbeit dienen, dann wäre das für mich ein No-Go (schlechte Bezahlung und kaum Fortschritt). Wenn ich dagegen eine volle Stelle hätte und nur halbtags oder weniger arbeiten müsste und den Rest der Zeit meiner Dr.-Arbeit widmen könnte, dann wäre das traumhaft (gute Bezahlung und guter Fortschritt möglich).
ayla

Re: wie viel Zeit für die Doktorarbeit?

Beitrag von ayla »

Was Mert beschrieben hat, ist allerdings leider Usus in vielen Fällen geworden. Aber wie meine Vorredner gesagt haben, es ist einfach von Fall zu Fall verschieden, es kommt immer auch auf den Betreuer/in an. Und kein Mensch wird dir im Vorfeld sagen, "Tja, ich bezahle Sie zwar nur mit 50% aber ich erwarte schon, dass Sie an 5 Tagen die Stunde mind. 8 Stunden Arbeiten verrichten, die nicht Ihrer persönlichen Weiterqualifizierung dienen." In manchen Fachgebieten ist das Angebot-Nachfrage Verhältnis so schlecht, dass die Unis es sich einfach leisten können, Menschen auszubeuten.
Mal ein paar Beispiele:

Ein Freund von mir, Elektro-Ingenieur, 100%, 5 Jahres-Vertrag, wenig Lehrverpflichtung, er forscht eigentlich zu 90% in der Arbeitszeit für seine Diss. Fährt viel auf Konferenzen, alles vom FB bezahlt.
Bekannter, Bauingenieur, 5 Jahres-Vertrag, jetzt am Ende des 4. Jahr hat er noch keinen einzigen Strich für seine Diss gemacht, weil die Projektarbeit, für die er zuständig ist, nichts mit seinem Thema zu tun hat.
Ich: Hatte 50% Stelle, nach 14 Tagen war klar, dass damit gemeint war 100% Arbeit für ein Drittmittelprojekt, und mir sehr eindringlich davon abgeraten war, aus dieser Arbeit auch eine Dissertation zu machen. Nach 3 Monaten habe ich gekündigt, nachdem ich die Biografien meiner KollegInnne kannte: Mehr oder weniger alles 2 Jahres befristete Verträge (Drittmittelprojekte, 50% Stellen), Dissertation nach 5+ Jahren fertig, in Freizeit und Wochenendarbeit.
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