[Gliederung] Text vor Untergliederung?

Jahresarchiv
Gesperrt
MoonKid
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

[Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von MoonKid » 14.06.2012, 09:03

Beispiel:
1. Überschrift
Text Einführung blabal
1.1 Unterpunkt
Text
1.2 Unterpunkt
text
1.3 Unterpunkt
text
Was fällt euch hierzu ein?
Ein akademisch bewanderter Freund meint (für mich auch sinnvoll), dass zwischen 1. und 1.1 kein Text stehen darf.
Meine Dozentin meint gerade, dass dies sogar zwingend notwendig sei, um die folgenden Unterpunkte überhaupt einzuführen bzw. zu erläutern ("roter Faden").
Mein Argument, dass man diese "Einführung" ja selbst als Unterpunkt (1.1) setzen kann, lässt sie nicht gelten.

Was meint ihr?

Gibt es hierzu klare Regeln, oder ist das ne Korrektor-Stil-Frage, die man vor jeder Arbeit klären sollte?

Anzeige:

easterbunny
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von easterbunny » 14.06.2012, 09:23

Ich glaub' kaum, dass es hierzu irgendwelche Konventionen gibt.

Ich hab' bis jetzt immer (in Studien- und Diplomarbeit, beide mit 1,0 bewertet) die Variante mit Text zwischen 1. und 1.1 gewählt und das kam bei meinen Prof (inzwischen mein DV) wohl auch gut an, deshalb wird's in der Diss auch so gemacht. :wink: Da stand dann eben 'ne kurze Einführung, so in der Art: "In der folgenden Abschnitten geht es um ... In Kapitel 1.1 werden die mathematischen Grundlagen bereitgestellt, welche hauptsächlich auf ... basieren. Diese werden weiterführend in Kapitel 1.2 auf ... angwendet. usw." "Roter Faden" halt.

Wenn's deine Dozentin so haben will, dann mach's auch so. Sie ist schließlich diejenige dies es später bewertet und nicht dein "akademisch bewanderter" Freund.

DoneXY
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von DoneXY » 14.06.2012, 11:21

MoonKid hat geschrieben:Ein akademisch bewanderter Freund meint (für mich auch sinnvoll), dass zwischen 1. und 1.1 kein Text stehen darf.
Ist vielleicht auch von Fachbereich zu Fachbereich verschieden, doch das habe ich noch nie gehört. Erscheint mir auch völlig unsinnig, dass da kein Text stehen dürfe.

Wie easterbunny bin auch ich der Meinung, dass jeder Unterpunkt kurz eingeführt werden sollte, um so einen roter Faden herzustellen.

Zwei Überschriften in der direkter Folge empfinde ich als einen unschönen Telegrammstil und sollte m.M.n. daher auch in den Fällen, in den eine Überleitung von X. zu X.1. verzichtbar scheint, vermieden werden. Da eine zweite Gliederungsebene ohnehin nur Sinn macht, wenn diese aus mindestens zwei Unterpunkten besteht, sollte sich eine Einführung, die den Lesenden an die Hand nimmt, finden lassen.

Dr. Natalie Struve
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von Dr. Natalie Struve » 14.06.2012, 12:35

Gehört habe ich das zwar schon des öfteren, aber ich kann mich meinen Vorrednern bzw. -schreibern und Deiner Dozentin nur anschließen: Das ist Unsinn.

Typographisch sind zwei Überschriften nacheinander in der Tat unschön und schon deshalb nach Möglichkeit zu vermeiden; aber auch inhaltlich versteht sich das doch eigentlich von selbst: (Direkt) Unter 1. schreibst Du, was es da zu schreiben gibt, und erst daraus ergibt sich doch regelmäßig die weitere Untergliederung!

Entsprechend gibt es sogar nach dem letzten Unterpunkt wieder Text, der nur zu Punkt 1. gehört: nämlich das Ergebnis Deiner Ausführungen, so man dafür nicht einen eigenen Unterpunkt bildet (z. B. bei Juristen sehr beliebt, aber auch dort nicht zwingend nötig).

Zeigt nur einmal mehr, daß man nicht jeden Unsinn glauben darf, der gerade zum wissenschaftlichen Schreiben im Umlauf ist. Selbst denken, hinterfragen und eine eigene Meinung bilden; macht eh mehr Spaß. Außerdem sind wir doch Wissenschaftler, das ist unser Job...

DoneXY
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von DoneXY » 14.06.2012, 13:52

Dr. Natalie Struve hat geschrieben:Entsprechend gibt es sogar nach dem letzten Unterpunkt wieder Text, der nur zu Punkt 1. gehört: nämlich das Ergebnis Deiner Ausführungen, so man dafür nicht einen eigenen Unterpunkt bildet (z. B. bei Juristen sehr beliebt, aber auch dort nicht zwingend nötig).
Jetzt, wo ich's lese: Einen abschließenden Unterpunkt Zusammenfassung würde ich i.d.R. ebenfalls empfehlen. Einführungen und Zusammenfassungen mögen gerade bei kurzen Unterpunkten verzichtbar erscheinen, doch erhöhen sie die Lesefreundlichkeit und erleichtern das selektive Lesen. Letzteres ist in der Wissenschaft üblich und sollte daher bereits durch die Gliederung unterstützt werden.

Dr. Natalie Struve
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von Dr. Natalie Struve » 14.06.2012, 14:21

DoneXY hat geschrieben:Einführungen und Zusammenfassungen mögen gerade bei kurzen Unterpunkten verzichtbar erscheinen, doch erhöhen sie die Lesefreundlichkeit und erleichtern das selektive Lesen. Letzteres ist in der Wissenschaft üblich und sollte daher bereits durch die Gliederung unterstützt werden.

[Hervorhebung von mir]

Das kann man so gerade nicht sagen: Denn ein Standard-Gliederungs-Unterpunkt "Einführung" und ein weiterer "Ergebnis" zu wirklich jedem Gliederungspunkt (und genau das habe ich schon mehr als einmal gesehen!) ist alles andere als lesefreundlich, stattdessen einfach nur ermüdend. Eigentlich selbstverständlich, aber oft mißachtet: Natürlich sollte schon der Titel jedes Gliederungspunktes möglichst aussagekräftig sein. Darüber hinaus sollte man aber seine Kollegen nicht für beschränkt halten: Die wissen auch so, daß sie am Anfang des jeweiligen Punktes zu suchen haben, wenn sie wissen wollen, worum es geht. Wo denn sonst? Hingegen kann ein separater Unterpunkt für das Ergebnis angezeigt sein, wenn das für den schnellen Überblick notwendig ist; aber sicher nicht für jeden Gliederungspunkt, auch einen solchen von zwei oder drei Seiten (ebenfalls schon häufig vorgekommen!).

Und was "in der Wissenschaft [welcher?] üblich" ist oder nicht, ist erstens sehr von Ort, Zeit und Fach abhängig; zweitens sagt es vor allem noch gar nichts darüber, ob das alles so auch sinnvoll ist: siehe nur die derzeit hierzulande übliche Anhäufung von schon einzeln unlesbaren Sätzen in oftmals nicht stringenten Texten. Mein Rat: genau anschauen, was es da draußen so gibt; reflektieren, was welchem Zwecke wie gut dient oder nicht; dann konsequent besser machen!

DoneXY
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von DoneXY » 14.06.2012, 15:11

Dr. Natalie Struve hat geschrieben:nicht für jeden Gliederungspunkt, auch einen solchen von zwei oder drei Seiten (ebenfalls schon häufig vorgekommen!).
Natürlich nicht für jeden Gliederungspunkt (das wäre ein infiniter Regress), sondern jede zweite Gliederungsebene (Beispiel im Ausgangsposting) sollte m.M.n. durch eine Zusammenfassung abgeschlossen werden. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist kein Dogma, sondern eine Daumenregel.
Dr. Natalie Struve hat geschrieben:Und was "in der Wissenschaft [welcher?] üblich" ist oder nicht, ist erstens sehr von Ort, Zeit und Fach abhängig; zweitens sagt es vor allem noch gar nichts darüber, ob das alles so auch sinnvoll ist: siehe nur die derzeit hierzulande übliche Anhäufung von schon einzeln unlesbaren Sätzen in oftmals nicht stringenten Texten. Mein Rat: genau anschauen, was es da draußen so gibt; reflektieren, was welchem Zwecke wie gut dient oder nicht; dann konsequent besser machen!
Das ist ein Witz, oder? Selektives Lesen ist in der Wissenschaft nicht üblich? Gibt es wirklich Disziplinen in denen Artikel und Monografien vollständig gelesen werden? Dass mein Posting als Aufforderung gelesen werden kann "einzeln unlesbare[...] Sätze[...] in oftmals nicht stringenten Texten" zu schreiben, wundert mich.

myfunnyvalentine
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von myfunnyvalentine » 15.06.2012, 09:17

Das ist ein Witz, oder? Selektives Lesen ist in der Wissenschaft nicht üblich? Gibt es wirklich Disziplinen in denen Artikel und Monografien vollständig gelesen werden? Dass mein Posting als Aufforderung gelesen werden kann "einzeln unlesbare[...] Sätze[...] in oftmals nicht stringenten Texten" zu schreiben, wundert mich.
Da scheint mir doch ein Problem selektiven Lesens offensichtlich zu werden: Missverständnisse sind vorprogrammiert ;)

Niemand hat behauptet - weder explizit noch implizit - dass Dein Post eine solche Aufforderung enthielte.
Natalie meint lediglich, dass Konventionen - in diesem Fall: unlesbare Sätze in nicht stringenten Texten (vulgo: ‘klassisches’ Wissenschaftsdeutsch) stets auch kritisch hinterfragt werden sollen.

:coffee:

Daishima
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: [Gliederung] Text vor Untergliederung?

Beitrag von Daishima » 15.06.2012, 10:54

Ich glaube mich zu erinnern, in mehreren Richtlinien zum Verfassen von Abschlussarbeiten gelesen zu haben, dass kein Text zwischen Hauptüberschrift und Gliederungspunkt stehen darf. Das ergibt dann oft "technisch" anmutende und den Lesefluss (und die Leselust) hemmende Strukturen.
1. Einleitung
1.1. Das Grundproblem
(und als Krönung dann eventuell noch 1.1.1)
Ich habe hier eine entsprechende Diss. aus dem Peter Lang Verlag vorliegen.

Ein Blick in die Arbeiten meiner Gutachter zeigte mir aber, dass diese sehr schöne und lesbare Kapiteleinführungen den ersten Unterpunkten voranstellen. Eine Methode, welche m.E. im angelsächsischen Bereich, üblich ist.
So halte ich es dann auch.

Gesperrt
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag