Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

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Dhanurasana

Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von Dhanurasana »

Hallo an alle,

mein erster Beitrag im Forum und dann gleich zu einem Thema, das mir großes Kopfzerbrechen bereitet. Ich bin nun gerade mit meinem Ethnologiestudium fertig geworden und habe mich entschlossen zu promovieren. Da die Betreuerin meiner Magisterarbeit nicht auf meine Anfrage reagiert hat und ihre Betreuung während der Magisterzeit sowieso nicht vorhanden war, habe ich mich an einen Dozenten gewandt, der als Privatdozent angestellt ist. Er hat schon ein paar Doktoranden und war sofort Feuer und Flamme für mein Thema. Er hat jede meiner Emails sofort beantwortet, mein Exposé innerhalb kürzester Zeit gelesen und kommentiert und dann sogar einen Extra-Termin außerhalb seiner Sprechzeiten für mich gemacht und mir zugesagt, dass er mein Doktorvater sein wird. So weit, so gut. Er fragte mich dann, wie ich mir vorstelle, die Promotion zu finanzieren. Da ich nebenher noch arbeite, bin ich eigentlich davon ausgegangen, diesen Job noch weiter zu machen (da ich aber jetzt sozialversicherungspflichtig bin, stellt sich mein Arbeitgeber quer - das ist aber wieder ein anderes Thema :? ). Ich sagte ihm dann aber auch, dass ich natürlich versuchen werde, ein Stipendium zu bekommen. Ich bin zwar nicht die perfekte Kandidatin (dagegen sprechen: hohe Semesteranzahl und Alter - dafür: sehr gute Abschlussnote, soziales/gesellschaftliches Engagement während des Studiums, Arbeitserfahrung als Hiwi/Tutorin und gesellschaftlich relevantes Thema der Promotion), aber mein potentieller DV meinte dann, dass keiner seiner Doktoranden bisher ein Stipendium bekommen hat - im Gegensatz zu allen Doktoranden von Professer XY. :shock: Meine Frage daher: Wie sehr kommt es auf den "Ruf" des Doktorvaters an - ein Professor hat in der Unihierarchie natürlich einen höheren Stellenwert als ein Privatdozent, das ist mir schon klar. Aber wie gesagt, ansonsten ist mein potentieller DV ja ziemlich perfekt was die Betreuung angeht. Ich will ihn jetzt eigentlich nicht vor den Kopf stoßen und wechseln. Allerdings steht ohne Stipendium und ohne Job die Promotion auf dem Spiel.

Viele Grüße,

Dhanurasana

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algol
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Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von algol »

Also wie stark sich der Ruf des Profs auswirkt, kann ich schwer beurteilen.
Ein kooperativer DV ist nicht zu unterschätzen. Und das scheint Deiner zu sein.
Wie wichtig ist Dir daher das Stipendium?
Wie engagiert ist Prof XY?
Kannst Du mit Deinem AG noch mal reden?
Was meinst Du mit SV-pflichtig? Arbeitest Du jetzt mehr als früher?
NoNick

Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von NoNick »

Hallo Dhanurasana,

ich kann leider auch keine Einschätzung über den Einfluss des Rufes auf die Stipendienvergabe abgeben.

Aber: Bestünde ggf. die Möglichkeit, Professor XY als formalen Betreuer zu haben, gesetzt den Fall, er sichert ein Gutachten (oder wenigstens die Unterschrift unter eines, das der PD verfasst hat) für ein Stipendium zu, die tatsächliche Betreuung übernimmt aber der PD - und der Prof übernimmt dann am Ende faktisch "nur" noch die Funktion des Zweitgutachters? Das hätte auch den Vorteil, dass, sollte dein PD (man wünscht es ihm) einen Ruf erhalten, er dich auch von einer anderen Uni noch weiter betreuen kann, ohne dass du in Zeitnöte kommst. Ich kenne einen Fall, in dem diese Kombination aus genau dem letzten Grund gewählt wurde - allerdings würde ich mich grundsätzlich mal erkundigen, ob und wie lange dein PD im Fall eines Uniwechsels noch Prüfungen abnehmen darf. Voraussetzung für so ein Modell ist natürlich, dass PD und Prof grundsätzlich miteinander können, sonst sitzt du hinterher zwischen allen Stühlen - das ist anstrengend und unbefriedigend.

Viel Erfolg wünscht

NoNick
Dhanurasana

Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von Dhanurasana »

Hallo algol,

kompetent ist er auf jeden Fall! Eigentlich ein absoluter Glücksgriff... Das Stipendium war mir zunächst nicht so wichtig, da ich eben schon seit Jahren fast 20 Stunden/Woche arbeite und auch wenn durch das Arbeiten mein Studium länger gedauert hat, ich trotzdem das Gefühl hatte, mit der Arbeits- und Studienzeiteinteilung gut klar zu kommen. Ich arbeite bei meinem AG als Werksstudentin mit bezahltem Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - ein super Vertrag, ich bin seit vier Jahren in der Firma, bin eingearbeitet, betreue einen Kunden fast komplett alleine und arbeite gerne dort. Das Problem ist allerdings: Die Firma rangiert seit einer Weile in den roten Zahlen, wurde dann aufgekauft und unsere neue Personalabteilung sieht nur die Zahlen und nicht die Menschen. Meinen Werksstudenten-Vertrag werde ich nicht weiter behalten dürfen (da eben keine Studentin mehr) und eine Festanstellung auf einer Halbtagsstelle ist meinem Arbeitgeber bzw. der Personalabteilung zu teuer. Es ist noch nicht 100% entschieden, aber es sieht nicht so gut aus.

Hallo NoNick,

ja, das ist eine gute Frage! Ich habe ja lange als Hiwi gearbeitet und hatte so einen Blick "hinter die Kulissen". Die Hierarchien sind sehr stark (wobei wahrscheinlich auch nicht schlimmer als anderswo), es wird viel gelästert und geredet und ich glaube der PD ist eher so ein bisschen außen vor während Prof. XY und unsere andere Professorin ihr eigenes Ding machen, mit ihren eigenen Leuten. Es ist schwierig zu erklären, aber ich weiß nicht, ob das so funktionieren würde. Ich bin schon am überlegen, ob ich nicht an eine andere Uni wechseln sollte. Ich glaube zwar nicht, dass die Strukturen dort anders sind, aber wenigstens kenne ich sie nicht so gut!
easterbunny

Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von easterbunny »

Hallo Dhanurasana,
ich würde an Deiner Stelle erstmal nicht wechseln. Meiner Meinung nach ist ein so engagierter Doktorvater, wie Du ihn beschreibst, echt Gold wert und sehr selten anzutreffen. Das würde ich nicht so leicht aufgeben.
Die Chancen einer Stipendienberwerbung kann man meiner Meinung nach sowieso immer schlecht abschätzen, da ja auch die Berwerberzahlen, die Qualität der Bewerber etc. schwankt. Ich hab' mich z.B. um ein Stipendium beworben, von dem mein DV meinte, ich müsste dort ganz gute Chancen haben und von dem ich auch weiß, dass Leute mit schlechteren Vorraussetzungen als meinen es schon bekommen haben. Trotzdem ging es schief, da es diesem Jahr unüblich viele Berwerber gab' und man dann natürlich besser sein muss als sonst. Außerdem stand in der Begründung noch, es hätte in diesem Jahr verhältnismäßig mehr überdurchschnittliche Berwerber gegeben. Der Ruf des Doktorvaters könnte natürlich ein Rolle spielen, aber diese würde ich nicht als allzu entscheidend einschätzen. Weißt Du denn wieviele der Doktoranden deines Doktovaters es überhaupt versucht haben? Evtl. ja gar nicht so viele und vielleicht hatten die ja auch einfach Pech oder zu schlechte Vorraussetzungen.
Was ist eigentlich gemeint mit "alle" Doktoranden von Prof. XY haben ein Stipendium bekommen? Sind wirklich alle Doktoranden bei dem über Stipendien finanziert oder haben nur alle, die sich beworben haben, eines bekommen?
Naja, mein Fazit wäre es trotzdem einfach zu versuchen, mehr als schiefgehen kann es ja nicht. Und ein so engagierter Doktorvater wird Dich sicher auch bei der Suche nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten im Fall des Falles nicht im Stich lassen.
Vielleicht klappt es ja auch doch noch sich mit dem Arbeitgeber zu einigen oder Du findest evtl. eine anderen Job.
Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück,
Gruß easterbunny
barbara
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Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von barbara »

Dhanurasana,

wenn Du seit Jahren 20 h gearbeitet hast, nicht nur gejobbt, dann hast Du etwas sehr wertvolles: Berufserfahrung! Keine Ahnung wie es in Deiner Branche (wahrscheinlich ja eher nicht Ethnologie, so viele Kunden gibt es da vermutlich nicht zu betreuen) aussieht, aber derzeit sind doch die Bedingungen recht gut (jedenfalls bei uns im Süden), was anderes halbtags zu finden!

Eine gute Betreuung würde ich nicht aufgeben. Bewirb Dich um Stipendien, aber suche eben auch Arbeit. Und ich drücke Dir die Daumen, dass Du einen neuen Vertag bekommst ;-)
18. apr 2011;31. Dec 2013;f;hoffentlich klüger!
crêpenoisette

Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von crêpenoisette »

Ich habe auch schon des öfteren gehört, dass nur teilweise objektiv vorgegangen wird: Es bekommt nicht jeder mit dem "richtigen" Doktorvater automatisch das Stipendium, aber wenn er/sie gut ist, ja (vor allem wenn der DV noch Beratungsdozent der entsprechenden Stiftung ist ;).
In meinem Bereich zb gibt es eine Uni in Bayern an der eine sehr gute/rennomierte Professorin forscht. Deren DoktorandInnen haben ALLE ein Stipendium. - komisch?!

Genauso bei Vorträgen auf Tagungen: da versuchen die DVs erstmal, ihre "Schäfchen" unterzubringen. Mit einem weniger eingebundenen DV und als Externer hat man da extrem schlechte Chancen.
Sebastian
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Re: Stipendium nur mit dem "richtigen" Doktorvater?

Beitrag von Sebastian »

Meinen Vorrednern stimme ich insoweit zu, als ein engagierter Doktorvater wirklich sehr viel wert ist, während eine Koryphäe auch nicht zwingend eine Garantie für ein Stipenidum ist.
Gerade in der Ethnologie kommt m.E. hinzu, dass es tendenziell ja doch eher ein Orchideenfach ist, in dem man möglichst keine verbrannte Erde hinterlassen sollte. Wenn Du mit dem PD jetzt einen aufsteigenden Stern hast, bist Du auch in dieser Hinsicht ganz gut bedient - und findest evtl. doch anders noch eine Finanzierung?
Sebastian
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