Initiativbewerbung Lehrauftrag

Themen, die nicht direkt mit der Doktorarbeit zu tun haben, aber dennoch hier diskutiert werden.
Taavi

Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Taavi »

Hallo liebes Forum,

ich spiele mit dem Gedanken, mich um einen Lehrauftrag zu bewerben. Leider sind an meiner Uni, an der ich auch promoviere, keine Mittel verfügbar, so dass ich überlege, mich an einer anderen Uni zu bewerben. Dazu meine Frage: Hat jemand schon Erfahrungen mit Initiativbewerbungen als Lehrbeauftragter sammeln können? Wie muss man sich eine solche Bewerbung vorstellen? Und macht aus eurer Sicht eine Bewerbung auch dann Sinn, wenn die Unis gerade keine konkreten Stellen ausgeschrieben haben? Vieles wird ja intern vergeben, da hat man es als externer bestimmt schwieriger.

Würde mich über eure Antworten freuen!

Danke schön und viele Grüße
Taavi

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myfunnyvalentine

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von myfunnyvalentine »

Sorry, dass zuerst mal wieder eine Rückfrage von mir kommt (wird offensichtlich langsam zu einer schlechten Angewohnheit von mir...)

Meinst Du einen ‘einfachen’ Lehrauftrag oder eine LfbA-Stelle? Denn die paar € für ersteren sind eigentlich immer übrig...

Aus eigener Erfahrung und aus dem persönlichen Umfeld (über drei Unis verteilt): Es geht eigentlich nur dann, wenn Du bereits einen
Prof., am besten mit Lehrstuhl, kennst und der sich für Dich einsetzt. In dem Fall ist das i.d.R. kein Problem, auch an ‘fremden’ Unis nicht. Ohne bestehenden Kontakt wird es, imho und zu meinem Bedauern, wohl sehr schwierig werden.

Drück Dir aber die Daumen!
Poppy

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Poppy »

Bei uns kann man sich gar nicht direkt selbst bewerben, sondern muss vorgeschlagen werden.
Natika

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Natika »

Hallo Taavi,

ich habe es vor ein paar Jahren mit einer Initiativbewerbung für einen Lehrauftrag versucht. Sie ging an das Institut, an dem ich damals promovierte (allerdings als Externe bei einem pensionierten Prof.) Ich habe bis heute keine Reaktion bekommen. Die Unterlagen wurden nicht zurückgeschickt. Menschlich schwach, weil ich an diesem Institut auch mal SHK war. Ich hätte mir wenigstens eine E-Mail gewünscht. Ich habe die Uni gewechselt und arbeite nun schon im 3. Semester als Lehrbeauftragte. Dieses Arbeitsverhältnis ist aus den Kontakten im Graduiertenkolleg entstanden. Ich muss auch noch einen Irrtum von myfunnyvalantine korrigieren: die paar Euro für einen Lehrauftrag sind eben nicht immer vorhanden. An meinem Institut sind sie es seit diesem SS nicht mehr und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Das heißt, ich habe mal Geld bekommen und bekomme nun keines mehr. Spaß macht es trotzdem und gut für den Lebenslauf ist es auch. Vielleicht gibt es ja auch mal wieder Kohle. Von der freien Wirtschaft wenig/nicht begünstigte Fächer sind eben sehr abhängig von der Hochschulpolitik.

Also: versuch es, aber mach' Dir nicht zu viele Hoffnungen. Die meisten Lehraufträge gehen unter der Hand über Kontakte weg.

Viele Grüße,

Natika
Taavi

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Taavi »

Erst einmal vielen Dank für die Schilderung eurer Erfahrungen!
Natika hat geschrieben:An meinem Institut sind sie es seit diesem SS nicht mehr und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Das heißt, ich habe mal Geld bekommen und bekomme nun keines mehr.
@Natika: Verstehe ich das richtig, dass du jetzt Lehrveranstaltungen machst und gar kein Geld mehr dafür bekommst? :(
Habe natürlich auch ganz kurz darüber nachgedacht, ob ich das meinem Institut hier auch anbieten sollte, da ja anscheinend kein Geld da ist...
Tja, Kontakte sind da, aber kein Geld, ergo (wahrscheinlich) keine Lehrerfahrungen für mich drin. Ich werd's trotzdem mal bei den Uni im Umfeld probieren, mal sehen, was dabei rauskommt. Aber eine Frage noch an Natika: Wie sah deine Bewerbung denn damals aus? Hast du deine Forschungsschwerpunkte genannt und schon konkrete Vorschläge für Proseminare etc. eingereicht?
BertaFrieda

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von BertaFrieda »

Hallo,

auch bei uns sieht es mit dem Geld für Lehrbeauftragte mau aus. Außerdem werden häufig "halbe" Lehraufträge vergeben - das heißt, dass eine der SWS vom Deputat einer angestellten Kraft abgeht und der oder die Lehrbeauftragte nur noch die Hälfte der sowieso sehr niedrigen Vergütung erhält. Natürlich aber alleine das Seminar leitet. Ich habe mich darauf eingelassen. Aber ich habe auch schon ein Seminar ohne Vergütung gehalten.

Der finanzielle Unterschied zwischen einem Seminar ohne Vergütung und einem mit einer "halben" Vergütung ist nicht besonders hoch. Mir wurden die Seminare mehr oder weniger angetragen, ich hätte mich kaum verwehren können, denke ich. Mir macht es aber auch Spaß und die Lehrerfahrung ist mir wichtiger als der finanzielle Ertrag.

Also: Ich würde erstmal versuchen, einen bezahlten Lehrauftrag zu bekommen. Mir hat ein anderer Lehrender, den ich aus dem Studium kenne, der aber nicht der DV ist, außerdem angeboten, mir Kontakte zu einer naheliegenden FH zu vermitteln. Er meinte, dort suchten sie immer Lehrbeauftragte - und dass die FHs sogar besser bezahlten. Vielleicht kannst du deinen Wunsch, irgendwo einen Lehrauftrag anzunehmen, auch unter dir bekannten Lehrenden verbreiten; mit Kontakten und durch persönliche Empfehlungen findest du vielleicht leichter einen Platz. Meiner Erfahrung nach kennen viele Lehrende die Situation als Doktorand/in und verstehen, dass man sich sowohl finanzieren muss als auch Lehrerfahrung (gleich wo) sammeln möchte.

Wenn das aber gar nicht geht, würde ich vielleicht dennoch mal den DV oder die DM fragen, ob man "ehrenamtlich" ein Seminar halten kann. Eigentlich ist es kaum unterstützenswert, dass die Uni umsonst an qualifizierte Lehrkräfte herankommt, aber die Lehrerfahrung ist mir zumindest sehr wichtig. Und hat sich in meinem Fall auch ausgezahlt.

Viel Erfolg wünscht:
BertaFrieda
Jochen

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Jochen »

Taavi hat geschrieben: @Natika: Verstehe ich das richtig, dass du jetzt Lehrveranstaltungen machst und gar kein Geld mehr dafür bekommst? :(
Das ist an sich die Regel. Mich wundert es in meinem Umfeld aber manchmal, wie viele Doktoranden immer noch Geld erwarten für ein Seminar, obwohl es das schon seit Jahren nicht mehr gibt. Überlege dir, ob du es dir finanziell leisten kannst.
Taavi

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Taavi »

Jochen hat geschrieben: Mich wundert es in meinem Umfeld aber manchmal, wie viele Doktoranden immer noch Geld erwarten für ein Seminar, obwohl es das schon seit Jahren nicht mehr gibt.
Ich bin bis jetzt noch nicht so mit den internen Strukturen der Uni vertraut, kenne das alles nur aus der anderen Perspektive, nämlich aus der Zeit des Studenten. Aber das klingt jetzt so, als ob es vollkommen abwegig wäre, für eine Leistung die man erbringt, eine Bezahlung zu erwarten. Nenn es naiv, aber wie soll man Lehrerfahrung sammeln und sich während der Promotion finanzieren, wenn man seine Arbeit nicht vergütet bekommt? An unbezahlte Praktika während des Studiums hat man sich ja schon fast gewöhnt, aber soll das jetzt nach dem Studium auch noch so weitergehen? Tut mir leid, ich finde das momentan alles sehr frustrierend, auch weil ich in meinem Umfeld viele andere Doktoranden kenne, die sich trotz Engagement und Herzblut, Publikationen und Bein ausreißen etc. letztendlich doch gegen die Uni entscheiden, weil man nie auf einen grünen Zweig kommt. Man hat das Gefühl, es ist nie genug: Erst das Studium, dann die Promotion, dann die befristeten Stellen mit Lehre, Verwaltungskram und schlechter Bezahlung...
myfunnyvalentine

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von myfunnyvalentine »

@ Jochen
Das ist an sich die Regel. Mich wundert es in meinem Umfeld aber manchmal, wie viele Doktoranden immer noch Geld erwarten für ein Seminar, obwohl es das schon seit Jahren nicht mehr gibt. Überlege dir, ob du es dir finanziell leisten kannst.
Das ist ganz sicher nicht die Regel; und an sich schon gar nicht!
Du scheinst einen Lehrauftrag mit einem Lehrdeputat zu verwechseln.

@Natika
Ich muss auch noch einen Irrtum von myfunnyvalantine korrigieren: die paar Euro für einen Lehrauftrag sind eben nicht immer vorhanden. An meinem Institut sind sie es seit diesem SS nicht mehr und das wird sich auch nicht so schnell ändern.
OK, da war ich wohl etwas zu pauschal, sorry. Aber: ein Lehrauftrag kostet etwa 400 € im Semester; wenn die Institutskasse leer ist, könnte das auch aus den Lehrstuhlmitteln finanziert werden – und die Lehrstühle, die ich kenne, haben das i.d.R. tatsächlich über – ob sie es aber für einen Lehrauftrag ausgeben wollen ist natürlich eine andere Frage. Das wiederum geht natürlich nur, wenn man einen Prof. hat, der sich für einen einsetzt :)
Jochen

Re: Initiativbewerbung Lehrauftrag

Beitrag von Jochen »

Taavi hat geschrieben:Man hat das Gefühl, es ist nie genug: Erst das Studium, dann die Promotion, dann die befristeten Stellen mit Lehre, Verwaltungskram und schlechter Bezahlung...
Genau das hast du richtig erfasst. Man hangelt sich im Wissenschaftsbetrieb von einer Liane zur nächsten, immer in der Hoffnung, dass es schon bald die bezahlte Stelle sein wird, wenn man doch nur genug Erfahrung und wissenschaftliche Reputation habe. Und dann stellt man mit Mitte 40 fest, dass es seit 15 Jahren nicht besser geworden ist und man immer noch prekär in einer WG und einem alten Volvo vor der Tür lebt. Dann ist es allerdings schon zu spät für den Wechsel in eine aussichtsvolle Position bei einem Unternehmen. Bleibt also wieder nur die Hoffnung, dass man vielleicht mit 50 auf die Stelle kommt, die angemessen bezahlt wird. Nebenbei schielt man dann noch auf die Konkurrenten, mit denen man vor Jahren noch gleich auf war und die auf einmal die Professur bekamen und man selbst eben nicht.

Und da ich das Glück habe, dass das nicht mein Lebenslauf ist, sondern der eines anderen, werde ich diesen Weg auch nicht einschlagen :wink:
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