Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Anfangen mit der Diss: Abgeschlossene Diskussionen (Doktorvatersuche, Expose...)
myfunnyvalentine

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von myfunnyvalentine »

Hi,

Du scheinst da ein paar Sachen durcheinander zu werfen: (alles ohne Gewähr)
Eigentlich hatte ich vorgehabt, extern zu promovieren, d.h. ich werde mich nicht an betreffender Uni einschreiben.
Ob extern oder intern hat nichts damit zu tun, ob Du dich einschreibst – sondern ob Du am Institut arbeitest oder nicht.
Nun habe ich aber gelesen, dass wenn man nach der Promotion sich ebenfalls habilitieren möchte -mit dem Berufsziel: Professor-, dann wird anscheinend oftmals eine Erfahrung in der Lehre als eine Voraussetzung für die Annahme als Habilitant genannt.
Stimmt schon, aber: Das meint nicht die Zeit vor der Promotion ;) Als ‘Habilitant’ in diesem Sinne gilst Du, wenn das Habil-Verfahren eröffnet ist; also erst am Ende des Prozesses. Zwischen Promotion und Eröffnung des Verfahrens hättest Du also noch Zeit, um zu unterrichten – ich schätze mal 5-6 Jahre :)
Wenn ich allerdings extern promoviere, dann werde ich am Ende meiner Promotion, wenn ich mich für eine Habilitationsstelle bewerbe, logischerweise keine Erfahrung in der Lehre vorweisen können.
Hier liegt der Hase wirklich im Pfeffer – ohne Lehrerfahrung steigen Deine Chancen für eine Post-Doc Stelle nicht gerade.

Alle Klarheiten beseitigt?

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Amalia

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Amalia »

Bei uns können auch externe Doktoranden (ohne WiMi-Stelle am Lehrstuhl, finanziert bspl. über ein Stipendium) Lehrveranstaltungen durchführen. Meistens werden sie sogar vergütet.
Wenn man vorhat, nach der Promotion mit einem Post-Doc / Habilitation weiterzumachen, empfiehlt es sich sehr ein, zwei Veranstaltungen zu machen. Allerdings auch nicht zu viele, denn eine zügige Promotion ist noch wichtiger.
Viel Glück!
A.
Mathilda

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Mathilda »

Wie so oft, ist das sicher auch hier fachabhängig.
Allerdings denke ich, dass es nicht (nur) die Lehrerfahrungen sind, die einen für die akademische Laufbahn empfehlen. Vielmehr lernt man als interner Doktorand die Uni "von innen" kennen; man sollte (wenn man habilitieren möchte) Erfahrungen in Gremien sammeln - die spielen in den Unis eine enorm wichtige Rolle -, die ganze Lehrstuhl-Orga miterleben, politische Entscheidungen innerhalb der Uni verstehen lernen und so weiter. Der Unibetrieb ist ein sehr spezieller, ohne die interne Erfahrung hat man da sicherlich eine völlig falsche Vorstellung von - und wird sicher sehr viel geringere Chancen haben, noch zu habilitieren. Macht aber auch Sinn; wenn man später in den Uni-Betrieb will, sollte man ihn so früh wie möglich kennenlernen.
crêpenoisette

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von crêpenoisette »

ich würde ja wenn man mich ließe!
ich würde ja sogar so nen lausigen Lehrauftrag für 520 € pro Semester annehmen wenn man mich ließe :evil: .

Leider ist die Wimi Stelle bei uns nach völlig undurchsichtigen Kriterien vergeben worden (Vitamin B?)
Gesucht wurde jmd der mindestens 2 romanische Sprachen studiert hat und eine weitere spricht.
Diejenige welche die Stelle hat hat 14 Semester Englisch und Franösisch studiert, spricht auch keine zweite romanische Sprache, geschweige denn einer dritten, und hat in Anglistik alles mit 3 bestanden.
Da kenn ich andere (ja auch ich, auch wenn es arrogant klingt, aber auch ein paar andere die die Stelle gerne gehabt hätten), die ihr Studium in 9 Semestern mit besseren Noten hatten und 4 rom. Sprachen + Zusatzzertifikate mitbringen.

:evil: :evil: :evil:
Amalia

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Amalia »

Ich sehe die Angelegenheit nicht so kritisch wie viele hier. Es ist sicher sehr vieles fachspezifisch. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht wie crêpenoisette. Pro Lehrstuhl gibt es maximal eine WiMi-Stelle. Ob man die bekommt oder nicht hängt deshalb weniger an der Qualifikation als am Abschlussjahrgang. Ist die Stelle erstmal besetzt, haben die nächsten 3-5 Jahrgänge keinerlei Chancen. Für sie ist eine externe Promotion die einzige Möglichkeit!
Hinzu kommt, dass eine WiMi-Stelle ihre Tücken hat. Meist wird der Stelleninhaber so mit Arbeit eingedeckt, dass fast keine Zeit zum Promovieren bleibt. Deshalb brauchen Stelleninhaber für ihre Promotion gewöhnlich mehrere Jahre (!) länger als Externe mit Stipendium. Und nicht selten leidet auch die Qualität unter dem Zeitmangel.
Meiner Meinung nach ist in vielen Geisteswissenschaften eine externe Promotion mit Stipendium oder ein gutes Graduiertenkollege nicht die schlechtere Alternative. Man ist wesentlich schneller damit durch und hat trotzdem die Zeit für ein wirklich umfangreiches Projekt. Man muss sich eben nur selbst aktiv um Anbindung an den Lehrstuhl, Lehrerfahrung, Publikation, Konferenzbesuche und Networking kümmern. Wer das von Anfang an im Blick behält ist nach meiner Meinung als Post-Doc nicht schlechter dran.

Nicht die Rahmenbedingungen der Promotionszeit sind entscheidend, sondern was man daraus macht!
A.
Wierus
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Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Wierus »

myfunnyvalentine hat geschrieben:Als ‘Habilitant’ in diesem Sinne gilst Du, wenn das Habil-Verfahren eröffnet ist; also erst am Ende des Prozesses. Zwischen Promotion und Eröffnung des Verfahrens hättest Du also noch Zeit, um zu unterrichten – ich schätze mal 5-6 Jahre :)
Wenn man sich die Promotions- und Habilitationsordnungen ansieht, dann legen sie diese Schritte indirekt nahe: zur Promotion bedarf es keiner Lehrveranstaltungen, diese sind erst für das Habilitationsverfahren vorgeschrieben.
Ich finde es ohnehin erstaunlich, wie sehr heute auf "Eile" gepocht wird. Nicht selten mit Verweis auf die Praxis in anderen Ländern, etwa den USA, hört man immer mal wieder: "schon mit 24 oder 25 Promotion beginnen", "publizieren von Artikeln am besten schon während des Studiums", "mit 30 zu alt" etc.pp.
Manchmal scheinen nicht wenige Leute einerseits zu vergessen, dass man bald bis 70 wird arbeiten müssen, andererseits aber auch nicht wahrhaben zu wollen, dass eine Dissertation - also wissenschaftliche Forschung - nicht allein deswegen schon gut ist, weil sie von einem besonders jungen Absolventen bewältigt wurde (und nach allem was ich so höre, gilt ohnehin eher das Gegenteil - zumindest soll das Ansehen des PhD in den USA aufgrund dieser Praxis gelitten haben).
Amalia hat geschrieben:
Wenn man vorhat, nach der Promotion mit einem Post-Doc / Habilitation weiterzumachen, empfiehlt es sich sehr ein, zwei Veranstaltungen zu machen. Allerdings auch nicht zu viele, denn eine zügige Promotion ist noch wichtiger.
Hier in diesem Forum hat es auch schon zahlreiche Erfahrungsberichte gegeben, die bestätigen, dass sich das und eine interne Promotion, mit starker Einbindung in den Lehrstuhl, sehr oft ausschließen.
MastaofDissasta

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von MastaofDissasta »

crêpenoisette hat geschrieben:dummerweise gibt es nicht in jedem Fachbereich Doktorandenstellen am Lehrstuhl wie Sand am Meer.
ZB in meinem Fach gibt es eine einzige, die ist immer 2-3 Jahre bestezt bis der/diejenige fertig ist. Die andern 15 oder so gucken in die Röhre.

Es kann aber doch nicht sein, dass diese 15 dann nie mehr ne Chance zur Habil bekommen?
Oder doch :twisted: ?
Ist vermutlich stark vom Fachgebiet abhängig. Wenn es bei Sequitur so ist, müsste er sich vllt. überlegen, sich an anderen Unis nach Lehrstuhlstellen umzugucken. Aber allgemein ist ein renommiertes Stipendium oder ein solches Graduiertenkolleg sicher nicht der schlechteste Weg zur Uni-Karriere - allein schon wegen des Netzwerkes. Manchmal wird fast erwartet, dass man sich mal ein paar Jahre "draußen" umsieht. FH-Professuren z.B. setzen Berufserfahrung außerhalb der Hochschule regelmäßig voraus.
Nino

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Nino »

MastaofDissasta hat geschrieben:FH-Professuren z.B. setzen Berufserfahrung außerhalb der Hochschule regelmäßig voraus.
... und das sind lt. Ländergesetzen idR fünf Jahre Berufserfahrung außerhalb von Uni/Hochschule, die erwartet werden.
Natika

Re: Externe oder interne Promotion (Ziel: Habil.)

Beitrag von Natika »

Hallo Sequitur,
nicht jeder hat das Luxusproblem, sich zwischen einer externen und internen Promotionszeit entscheiden zu müssen ;) Ganz ohne Kontakte zu einem Institut stelle ich es mir allerdings schwer vor, wenn man später eine akademische Karriere anstrebt. Allerdings gibt es ja auch strukturierte Promotionsprogramme/Graduiertenkollege/Doktorandenschulen, innerhalb derer man auch eine Anbindung an ein (manchmal sogar mehrere) Institute hat. Die Form der Promotion, bei der der Kandidat am Lehrstuhl seines Doktorvaters (oder an einem benachbarten Lehrstuhl) als wissenschaftliche Hilfskraft/Mitarbeiter arbeitet, ist nur eine der vielen Möglichkeiten. Einen Lehrauftrag kann man auch als externer Doktorand bekommen. Damit hat man dann die Lehrerfahrung im Sack. In meinem Fachbereich sind Lehrbeauftragte sogar sehr begehrt. Und wenn man erst einmal einen Lehrauftrag ausgeübt hat, dann wird man im nächsten Semester meist gebeten, wieder einen anzunehmen. Das hat nicht zuletzt auch finanzielle Gründe. Natürlich läuft so eine Bewerbung dafür oft über einschlägige Kontakte. Initiativbewerbungen bleiben meist erfolglos. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es in der Geschichte der Menschheit noch nicht vorgekommen ist, dass jemand, der extern promoviert hat, eine Post-Doc-Stelle (Qualifikations-/Habilitationsstelle) bekommen hat. Und das ist nunmal der Weg zum Dr. xy habil. Ob man dann einen Ruf bekommt, ist eh die Frage. Nicht zuletzt klagen viele interne Doktoranden aber auch darüber, dass sie bei knapp 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche kaum noch zum Schreiben ihrer Diss kommen. 20 Stunden sind oft nur graue Theorie. Die Zeit, die sie tatsächlich am Lehrstuhl verbringen, ist meist länger. Man glaubt ja auch, sich unentbehrlich machen zu müssen, wenn man schon so eine heißbegherte Stelle hat. Häng' das mit dem intern und extern nicht zu hoch! Mein Projektkoordinator (altgedienter und sehr erfolgreicher C4 Prof) kannte die Ausdrücke interner und externer Doktorand noch nicht einmal, als wir uns kennenlernten.
Viel Erfolg bei der Dissertation! Natika
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