Anekdoten über Abgänge (Aufgabe der Professur)
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johndoe
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Re: Anekdoten über Abgänge
Hmm wie gesagt, bei uns klappt das auch nur so flexibel im Wahlpflicht-Bereich. Und da steht es einem frei, Module zu streichen oder neu zu entwickeln. Oder was ich auch gern mache: mit Prüfungsformen spielen, denn nicht immer passt ne Klausur, manchmal aber schon... Das ist aber manchmal erst klar nach dem ersten Durchlauf. Und dann passe ich es fürs nächste Mal an.Cybarb hat geschrieben: 04.05.2024, 20:55
Es war aber unmöglich, zu sagen: Ich finde Thema XYZ total spannend, es fügt sich super in den Studiengang ein, also biete ich das im kommenden Semester an. Dazu hätte ich schon ein komplett neues Modul erfinden und dafür ein anderes aus dem Studienplan werfen müssen - was mir nur als Studiengangsverantwortlicher möglich gewesen wäre, und das war ich nicht. Und auch dann hätte das vermutlich von irgendeinem Gremium abgesegnet werden müssen.
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neuling2018
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Re: Anekdoten über Abgänge
Pendelst Du täglich diese 4h?! Wow..DrNo hat geschrieben: 05.05.2024, 17:02 Sehr interessante Beiträge bislang. Mich wundert es, dass die Pendelei bislang nocht nicht als Ursache für einen Abgang genannt wurde. Ich hatte die damit verbundene Belastung definitiv unterschätzt auch wenn ich häufig den Zug nehme und die Zeit zum Arbeiten nutze. Von Haustür zu Haustür sind es bei mir 4h.
Re: Anekdoten über Abgänge
Nein das ist ein Missverständnis. Täglich würde ich mir das nicht antun, zumal eine Strecke 4h sind.neuling2018 hat geschrieben: 19.05.2024, 14:26Pendelst Du täglich diese 4h?! Wow..DrNo hat geschrieben: 05.05.2024, 17:02 Sehr interessante Beiträge bislang. Mich wundert es, dass die Pendelei bislang nocht nicht als Ursache für einen Abgang genannt wurde. Ich hatte die damit verbundene Belastung definitiv unterschätzt auch wenn ich häufig den Zug nehme und die Zeit zum Arbeiten nutze. Von Haustür zu Haustür sind es bei mir 4h.
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dead_souls
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Re: Anekdoten über Abgänge
Oh, das klingt nach meiner FH.Cybarb hat geschrieben: 04.05.2024, 09:45 Na, dann erzähle ich mal die Anekdote von meinem eigenen Abgang.![]()
Hintergrund:
- kleine, private und noch recht junge FH mit einem starken fachlichen Fokus
- Erst- (und vielleicht auch Letzt-)Berufung
- Profil eindeutig wissenschaftlich, weniger praktisch ausgerichtet, allerdings wurde ich für ein Fach berufen, das seiner Natur nach sehr theorielastig ist
Ich habe den Ruf angenommen, weil ich da schon länger drauf hingearbeitet habe und immer schon Prof. werden wollte. Vorbehalte, der Standort ist etwas provinziell. Das Prestige und die eigene Eitelkeit haben mich gelockt
Mein fachlicher Hintergrund war eher theoretisch, aber immer auch praktisch veranlagt, weil vom Hilfsarbeiter zum Prof. ist immer für eine Story gut. An meiner alten Hochschule war ich für viele Studies eine Art Lieblingsdozent, in den Evaluationen stand, dass man bei mir immer was neues lernt und dass ich eben auch ein ganz witziger Typ sei.
Nun habe ich genau das erlebt, im Kollegium herrscht so eine "der Kunde ist König" Mentalität vor, es wurde der Dekanin aus einer Art "Spitzelnetzwerk" berichtet, dass ich keine Textzusammenfassungen (!!!) für die Studies geschrieben hätte und man sich jetzt mir inhaltlich arbeiten müsste. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, ein offizielles Evaluationsergebnis abzuwarten, um mir ASAP eine "Kritik" reinwischen zu können. Jede Stunde in der 12. Klasse ist anspruchsvoller als dieses "Studium." Es muss so grottig sein, damit jeder, der die Studiengebühren auf den Tisch legt in der Regelstudienzeit mit einem BA raus geht. Wenn jemand durchfällt, wird der Fall im Fachbereich diskutiert.
Nun werde ich im Kollegium abgewertet, ich habe z.B. gesagt, dass ich für Publikationen eher Honorar bekommen habe und "pay to play" Content ablehnt und dass ich wüsste, dass die anderen für ihre "Focus Top voice" awards - oder wie sie alle heißen - rund 5K auf den Tisch legen müssten, dass ich "pay to play" ablehne etc.
Es häufen sich jetzt spitze Kommentare mir gegenüber a la "es gibt ja auch Leute, die wissenschaftlich arbeiten."
Nun hatte ich gestern ein aufschlussreiches Gespräch im Freundeskreis, ob es nicht vielleicht besser sei, Mr. Zwo in einem guten Umfeld zu sein als Prof. an so einer Schrott-FH, zumal in meiner Heimatstadt der Typ bei Starbucks hinter der Theke eine längere Veröffentlichungsliste hat als manche Profs an diesen privat-FHs?
Einerseits habe ich den Job angenommen. Andererseits denke ich mir, dass da war dran ist: lieber ein Loser in der Metropole als in der Provinz versauern.
Should I stay or should I go?
Re: Anekdoten über Abgänge
Meine persönliche Motivation für die Professur (großstädtische, staatliche FH) war Freiheit und ein gewisses Maß an "Scheißdrauf, ich mache es wie ich es für richtig halte". Ich wollte keinen klassischen Chef mehr über mir. Das war mir auch einen spürbaren Einkommensverlust wert. Ich arbeite kaum weniger als zuvor, aber viel selbstbestimmter. Ich habe viel privatwirtschaftliche Praxis (mehr als ca. 90% der Fakultät, konservativ geschätzt) und auch genug Führungserfahrung, dafür nach der Diss kaum wissenschaftlich gearbeitet. Andere haben ein anderes Profil, das macht die Vielfalt aus und ist gut. Im Kollegium besteht ein stilles Verständnis, dass man jeden so arbeiten lässt, wie er will - weil man ja selbst diese Freiheit will. Zum Glück. Evaluationen gibt es, sie werden besprochen, aber das ist allenfalls eine Art "Peer Review" mit Betonung auf "Peer".
Also die Antwort auf deine Frage: Unter den von dir beschriebenen Umständen würden mich keine 10 Pferde halten.
Warum du dich in Alternativszenarien als "Loser" betrachtest, kann ich nicht nachvollziehen.
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dead_souls
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Re: Anekdoten über Abgänge (Aufgabe der Professur)
Ehrlich gesagt meine Eitelkeit. Ich muss jetzt allen Leute sagen, dass ich kein Prof mehr bin und warum
Die Sachebene spricht klar gegen den Verein. Heute morgen erst wieder eine Mail bekommen, wie chaotisch das alles läuft, die große Cheffin ist voll die Karen, die sich fragt, ob sie noch schnell in den Skiurlaub soll oder einen Spontantrip ans Meer machen, während ich Mails kriege, dass unser Department ja auch mal wieder einen Prof zu den Veranstaltungen der Hochschule schicken könnte
Meine Exitstrategie ist bei meiner zweiten Einrichtung mehr Stunden raus zu schlagen und das Gehalt nachzuverhandeln, dann kann ich allen sagen, dass ich eben der geldgeile HuSo von nebenan bin und deshalb der Posten an der Hochschule für mich einfach nicht lukrativ genug war. Dann schreibe ich die verkackte Professur als Vertretungsposten in meinen CV. Booom!

Die Sachebene spricht klar gegen den Verein. Heute morgen erst wieder eine Mail bekommen, wie chaotisch das alles läuft, die große Cheffin ist voll die Karen, die sich fragt, ob sie noch schnell in den Skiurlaub soll oder einen Spontantrip ans Meer machen, während ich Mails kriege, dass unser Department ja auch mal wieder einen Prof zu den Veranstaltungen der Hochschule schicken könnte
Meine Exitstrategie ist bei meiner zweiten Einrichtung mehr Stunden raus zu schlagen und das Gehalt nachzuverhandeln, dann kann ich allen sagen, dass ich eben der geldgeile HuSo von nebenan bin und deshalb der Posten an der Hochschule für mich einfach nicht lukrativ genug war. Dann schreibe ich die verkackte Professur als Vertretungsposten in meinen CV. Booom!
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