Ok, so gehts nicht (Ärger mit dem Betreuer)

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monkey_island1

Ok, so gehts nicht (Ärger mit dem Betreuer)

Beitrag von monkey_island1 »

(Nachdem ich die erste Version dieses Textes wieder entfernt habe, da sie mir zu emotional und überzogen erschien, will ich es nun doch noch einmal mit einer Version 2 versuchen.)

Mein Betreuer hat mich abserviert. Das tut weh. Genauer: es tut mir nicht Leid um ihn, sondern ich weiß nicht genau, wie es jetzt weitergeht. Der Betreuer war ein Fehlgriff. Edel zu seinesgleichen, schroff zu mir. Das schafft kein Vertrauen. So etwas schafft vielmehr Enttäuschung und Angst. Eine Atmosphäre der Würde- und Wertlosigkeit. Wer mag das schon? Solche Menschen sind keine Betreuer, keine Vorbilder. Um unter ihnen zu promovieren zu können, muss man sich sämtlichen Selbstbewusstseins entledigen - wie ein willenloser Soldat. Jede Laune ertragen, mit notorischer Unzufriedenheit leben, jederzeit mit Schlägen rechnen. Ich war wohl nicht so gut domestizierbar, daher wurde ich ihm lästig.

Ich bin froh, dass er weg ist. Gleichzeitig bin ich deprimiert und stehe ich wieder am Anfang. Ich habe zum Glück nicht viel Zeit verloren, aber ohne neuen Betreuer komme ich nicht weit. Das beschäftigt mich sehr. Aber ich werde nicht aufgeben!

Das hier geht an alle Unterdrückten, an alle, die ihr Dasein unter einem Tyrannen fristen müssen und infolge großer Abhängigkeit jede noch so große Würdelosigkeit ertragen: wie kommt ihr damit klar?

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Garion

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von Garion »

Hallo,

ich komme damit überhaupt nicht klar, und finde Deine Entscheidung daher richtig!
falkner

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von falkner »

Ok, mir geht es ähnlich. Aber was machst du jetzt schon Pläne?
mastermind

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von mastermind »

Ich hatte bisher einige schwere Phasen und ich habe oft gehadert und hadere noch. Allerdings: Am Ende musste ich mir stets eingestehen, dass ich mir mein Los selbst ausgesucht habe. Keiner hat mich zur Promotion gezwungen. Jeder hat die Option jederzeit hinzuschmeißen...
Garion

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von Garion »

mastermind hat geschrieben: Keiner hat mich zur Promotion gezwungen. Jeder hat die Option jederzeit hinzuschmeißen...

Und deswegen darf man in diesem Abhängigkeitsverhältnis ruhig schlecht behandelt werden? Das kann doch wohl nicht gemeint sein. Nur weil die Leute sich mit ihrem freien Willen unterwerfen, bedeutet das nicht, daß es nicht notgedrungen wäre. Man kann ja auch in aller Freiheit verhungern, wenn es danach geht.
Dhanurasana

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von Dhanurasana »

Hey Monkey Island,

kann dich sehr gut verstehen. Genau aus dem Grund habe ich mich für jemand anderes entschieden - weil er mir auf Augenhöhe begegnet ist. Leider kann es sein, dass ich deshalb kein Stipendium bekomme (siehe mein Thread). Aber die Alternative? An meiner Uni gäbe es für mich noch zwei Alternativen: Bei der einen muss man ebenfalls sein Selbstbewusstsein an der Tür abgeben und auf Knien um einen Termin betteln (manchmal auch nicht, je nach ihrer Laune, sehr unberechenbar) und bei dem anderen hat man als Frau ein Problem - außer man steht auf Grabschen und eindeutig-zweideutige SMS... :shock:
monkey_island1

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von monkey_island1 »

Hallo Leute,

danke für euer Feedback. Tja, man sitzt halt am kürzeren Hebel, so ist das. Zur Aufgabe eines Profs zählt es zwar Promotionen zu betreuen, aber eben nicht jede Promotion betreuen zu müssen. Das ist auch richtig so. Leider nutzen einige schwarze Schafe ihre privilegierte Stellung in m.E. unmoralischer Weise aus. Und wie gut man mit Kritik an einen Prof. herankommt, muss ich nicht erläutern. Die lassen sich nicht einmal von ihresgleichen etwas sagen. Nicht vom Dekan. Nicht vom Rektor. Der erste wirklich ernstzunehmende Mensch für sie ist der jeweilige Bundesland-Bildungsminister. Diese humboldtsche Unabhängigkeit des Profs hat ihren Sinn. Aber ich frage mich zunehmend, ob dieses System nicht Menschen hervorbringt, die im Narzissten-Test prima abschneiden und letztlich unserer Gesellschaft schaden.

Warum muss ich jetzt bloß an das Stanford-Prison-Experiment denken?

Das Ergebnis bekommen junge Menschen wie ich zu spüren. Ich habe es sehr schwer. Ich kann im Recht sein, kann Leistung bringen, kann Gutachten und Zeugnisse vorlegen ... alles irrelevant. Wenn ihm eine Locke nicht gefällt, bin ich raus aus seiner Truppe.

Darunter leidet auch der Titel. Mittlerweile frage ich mich bei jedem Dr., dem ich begegne, ob ich da wirklich eine wissenschaftlich kompetente Person vor mir habe oder einen perfekt funktionierenden Kuscher, der seine eigene Meinung längst nicht mehr kennt, aber perfekt darin ist, einen glatten Weg zu finden. Ich bin mir nicht sicher, ob Humboldt das gewollt hätte. Und unserer Gesellschaft tun solche Leute auch nicht gut.

Ich werde meine Chance hoffentlich noch bekommen. Auf jeden Fall gebe ich nicht auf. Nicht wegen so etwas. Nicht wegen dem.
monkey_island1

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von monkey_island1 »

Es gibt Neuigkeiten (weil ich in anderen Threads einmal gelesen habe, dass Leute es bedauern, wenn sich der TO nicht mehr meldet und man nie erfährt, wie eine Geschichte ausgegangen ist):

Ich habe einen neuen Betreuer. Wie kam es dazu? Ich habe mit dem "Vertrauens-Prof" gesprochen. Das war ein gutes Gespräch. Unterm Strich kam raus, dass ich mir selbst an die Nase fassen muss, da ich zu energisch war und es so aussah, als ob ich als Projektleiter meiner Diss meinen Betreuer zum Mitarbeiter machen wollte. Ok, so war das natürlich nie von mir gedacht, denn wie käme ich dazu, aber es ist gut, dass ich weiß, warum mein Ex-Betreuer so launisch und schließlich abweisend war. So gesehen verstehe ich sogar die Entscheidung.

Aber er fügte auch hinzu, dass mein Ex-Betreuer kein guter Konflikt-Manager ist und mich an die Wand hat laufen lassen. Nun ja. Er kann es sich leisten. Er will schließlich nicht promovieren.

Ich finde es schade, dass die Sache so ablief, denn ich hätte ihn verstanden und mich geändert, hätte er nur mit mir darüber geredet. So wusste ich nicht, wie ich auf ihn wirke und machte es wohl täglich schlimmer. Andererseits habe ich die Lektion wohl gebraucht. Als junger Mensch, der gerade mit einer neuen, aufregenden Sache beginnt, ist man manchmal vielleicht doch etwas ... wie nenne ich es ... "übermotiviert" trifft es ganz gut.
dix

Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von dix »

monkey_island1 hat geschrieben:Hallo Leute,

danke für euer Feedback. Tja, man sitzt halt am kürzeren Hebel, so ist das. Zur Aufgabe eines Profs zählt es zwar Promotionen zu betreuen, aber eben nicht jede Promotion betreuen zu müssen. Das ist auch richtig so. Leider nutzen einige schwarze Schafe ihre privilegierte Stellung in m.E. unmoralischer Weise aus. Und wie gut man mit Kritik an einen Prof. herankommt, muss ich nicht erläutern. Die lassen sich nicht einmal von ihresgleichen etwas sagen. Nicht vom Dekan. Nicht vom Rektor. Der erste wirklich ernstzunehmende Mensch für sie ist der jeweilige Bundesland-Bildungsminister. Diese humboldtsche Unabhängigkeit des Profs hat ihren Sinn. Aber ich frage mich zunehmend, ob dieses System nicht Menschen hervorbringt, die im Narzissten-Test prima abschneiden und letztlich unserer Gesellschaft schaden.

Hallo monkey_island,

ich freue mich, daß es Dir wieder besser geht. Wollte nur kurz meine Erfahrung zur Prof Willkür hinzugeben: Bei meiner Promotionsstellensuche damals hatte ein Prof den anderen Kollegen unter Druck setzen wollen, weil ihm meine Absage nicht gefiel. Einem Kommilitonen wurde gesagt, er werde nie wieder in diesem Bereich arbeiten, wenn er gehen würde. Soweit reicht der Arm Einiger und sie glauben auch noch, daß sie im Recht sind und Alles kuscht, weil man sich ja kennt.

dix
Zuletzt geändert von dix am 14.12.2011, 17:33, insgesamt 1-mal geändert.
Sebastian
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Re: Ok, so gehts nicht

Beitrag von Sebastian »

monkey_island1 hat geschrieben:Es gibt Neuigkeiten (weil ich in anderen Threads einmal gelesen habe, dass Leute es bedauern, wenn sich der TO nicht mehr meldet und man nie erfährt, wie eine Geschichte ausgegangen ist):

Ich habe einen neuen Betreuer.
Danke für die Rückmeldung! Und natürlich viel Erfolg mit "dem Neuen"!
Sebastian
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