Richtig zitieren

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GeorgHerbert
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von GeorgHerbert »

LottaLoewe hat geschrieben: 29.08.2026, 10:38 Aber wenn ich mir die Studie gar nicht besorge?
Dann kannst du sie auch nicht paraphrasieren. Du müsstest schreiben: "Besserwisser stellte 2025 fest, dass Schlauemeier in seiner 2020 publizierten Studie zu dem Ergebnis kam, dass dies und das so und so ist."
Es kann ja immer noch sein, dass Besserwisser etwas falsch verstanden oder wiedergegeben hat. Wenn die Aussage von Schlaumeier für dich wichtig ist, musst du dir die Studie besorgen und daraus zitieren.
Ganz einfach: Es muss im Text (nicht erst in den Fußnoten, schon im Text) ganz klar sein, was du selbst gelesen hast, auf wen genau du dich beziehst. Also entweder "Paraphrase von Schlaumeier + Literaturangabe Schlaumeier" oder "Paraphrase von Besserwisser + Literaturangabe Besserwisser". Das ist nicht "viel zu gründlich", sondern gute wissenschaftliche Praxis. Anders geht's eben nicht.
LottaLoewe hat geschrieben: 29.08.2026, 10:38 Also ich glaube, dass das mit meiner Diss nichts wurde liegt daran, dass ich die Sache einfach sehr ernst nehme.
Naja, viele Promovierte haben ihre Sache auch sehr ernst genommen, die Diss aber nicht abgebrochen. Versteh mich nicht falsch, ich finde nicht, dass man eine Diss unbedingt bis zum Ende durchziehen muss und es gibt tausend gute Gründe, sie abzubrechen. Aber wissenschaftliche Sorgfalt als Grund dafür zu nennen, die Diss abzubrechen, unterstellt im Umkehrschluss denjenigen, die die Doktorarbeit zuende bringen, doch eine gewisse Schlampigkeit ... Zu wissenschaftlich für die Wissenschaft? :roll:
LottaLoewe hat geschrieben: 29.08.2026, 10:38 Ich habe nun begonnen, von einer KI (wechselweise ChatGPT oder Claude, teils auch beide zum Gegenprüfen) die Studien, die ich zitiere zunächst mal hinsichtlich ihrer Qualität und Methodologie prüfen zu lassen (sofern ich das nicht schon selbst erkenne...) und habe nun bisher einmalig eine Zusammenfassung erstellen lassen und die nur leicht verändert in den Text übernommen. Wie genau mache ich nun kenntlich, dass die Passage i.W. von einer KI (konkret: Claude) stammt?
Ah, KI! Hilf, Jesus, hilf! Im Ernst: Du kannst eine KI gar nicht zitieren, solange du ihre "Ergebnisse" nicht überprüft hast, bei denen es sich auch um blanken Unsinn handeln kann. (Ansonsten kann ich bei dem Thema nicht helfen. Nur auf einen Thread zu dem Thema vom letzten Jahr verweisen: viewtopic.php?t=8470 Wierus kann ich in allem nur zustimmen.)
deen_everstin
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von deen_everstin »

Bezüglich deiner Frage mit der KI-Kennung: Ich habe vor wenigen Tagen erst einen Beitrag in einem Journal veröffentlicht und dort stand in den Richtlinien, dass man die KI-Nutzung mit einem kurzen Passus kenntlich machen muss, der da bei mir wie folgt lautete:

"Transparenzhinweis zum Einsatz generativer KI
Bei der Erstellung dieses Manuskripts wurde ein KI-System (Claude, Anthropic) unterstützend eingesetzt, insbesondere zur Recherche und Verifikation von Literaturangaben, zur redaktionellen Strukturierung sowie zur Formulierung des Abstracts. Die inhaltliche Verantwortung für Thesen, Argumentation und Schlussfolgerungen liegt vollständig beim Autor."

So steht es jetzt auch am Ende im Paper. Bei Abschlussarbeiten, die ich in letzter Zeit betreut habe, geht aus der Prüfungsordnung hervor, dass man KI-Nutzung bei der Erstellung der Bachelorarbeit im Rahmen der Eigenständigkeitserklärung folgendermaßen kenntlich zu machen hat:

"Hiermit versichere ich,

- dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und andere als die angegebenen Quellen und KI-basierten Hilfsmittel nicht verwendet habe. Die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen (direkte oder indirekte Zitate) und Abschnitten habe ich gemäß wissenschaftlichem Standard als solche kenntlich gemacht.

- dass ich beim Einsatz von KI-basierten Hilfsmitteln, die zum Zeitpunkt der Abgabe meiner Arbeit von der Anzeigepflicht nicht ausgenommen waren (whitelist), diese in der Rubrik „KI-Verzeichnis“ mit Produktnamen, meiner Bezugsquelle (z.B. URL), dem Zweck der Nutzung, Angaben zu den betroffenen Teilen der Arbeit sowie meine formulierten Eingaben (Prompts) vollständig aufgeführt habe. Zusätzlich habe ich die KI-Nutzung in den jeweiligen Abschnitten im Fließtext kenntlich gemacht.

Mir ist bewusst,

- dass die wörtliche oder sinngemäße Wiedergabe von fremden Texten oder Textpassagen aus z.B. Büchern, Zeitschriften, Zeitungen oder dem Internet ohne Quellenangabe oder die Verwendung von KI-Tools ohne Kennzeichnung wie oben geregelt als Täuschungsversuch gewertet wird und zu einer Beurteilung der Arbeit mit „ungenügend (0 Punkte)“ führt. Sollte ich die Arbeit anderweitig zu Prüfungszwecken eingereicht haben, sei es vollständig oder in Teilen, habe ich die Prüfer/innen und den Prüfungsausschuss hierüber informiert.

- dass KI-Tools keine wissenschaftlichen Quellen darstellen und daher nicht als solche zitiert werden können.

- dass KI-Tools nicht den eigenen Denkprozess ersetzen, und dass ich, sofern ich zur Erstellung dieser Arbeit KI-basierte Hilfsmittel verwendet habe, die Verantwortung für eventuell durch die KI generierte fehlerhafte oder verzerrte (bias) Inhalte, fehlerhafte Referenzen sowie Verstöße gegen das Datenschutz- und Urheberrecht oder Plagiate trage."

Dazu gibt es dann noch Tabellen mit den jeweils verwendeten Prompts zur besseren Nachvollziehbarkeit. Ich geh stark davon aus, dass das den Rahmen deines Beitrags sprengen würde, da es sich nicht um eine Abschlussarbeit handelt (korrigier mich sonst gern!). Von daher würde ich sagen, dass ein kurzer Passus bei dir reicht bzw. es bestimmt auch Richtlinien gibt, an die du dich im Zweifel halten kannst/solltest.

Du hast quasi nebenbei erwähnt, dass du deine Diss nicht zuende schreiben wirst und auch wenn es etwas offtopic ist, wollte ich dich fragen, wie es dir mit dieser Entscheidung ergangen ist (natürlich nur, wenn darauf überhaupt eingehen möchtest)? Offensichtlich bleibst du ja dem akademischen Betrieb irgendwie erhalten und hast auch selbst gesagt, dass du eher zu akribisch bist als dass es an anderen Dingen gelegen hätte, was ich doch recht selten so als Grund mitbekommen habe. Hast du denn manchmal second thoughts oder stehst du zu deiner Entscheidung? Hast du alternative Pläne, die du derzeit verfolgst?
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von LottaLoewe »

@GeorgHerbert:
- Danke für deine Einschätzung zum Zitieren von "Schlaumeier/Besserwisser".
- KI: Natürlich "zitiere" ich keine KI (und habe die Zusammenfassung der KI überprüft, aber das zu tun ist für mich selbstverständlich). Es ging mir nur darum, wie ich das transparent machen kann.

@deen_everstin:
- Danke, deine Infos zu KI/Transparenz helfen mir sehr weiter.
- Meine Diss habe ich vor über zehn Jahren abgebrochen. Nicht zuletzt daher finde ich es ein ziemliches Ärgernis, wenn ich dann Leute erlebe, die auf Lehrstühlen sitzen und deren Qualifikationsarbeiten und wissenschaftlichen Publikationen qualitativ nicht ganz so hochwertig sind, wenn ich das dann mal genauer unter die Lupe nehme. Vgl.: viewtopic.php?t=8580
Meinerseits arbeite ich nun seit Jahren in einem Job, dessen eine Hälfte man inhaltlich ausführen könnte, sobald man die 4. Grundschulklasse erfolgreich abgeschlossen hat. Doch erfreulicherweise gibt es da auch noch die andere Jobhälfte, in der es mir möglich ist, einen DeepDive in die Forschung und Wissenschaft zu unternehmen und mit ausreichend Zeit, finanzieller Absicherung und ohne Konkurrenzdruck tätig zu sein. Ich bin froh, dass im Bereich der Gesundheits- und Sozialforschung zunehmend stärker gefragt wird, wie lebensnah und für die Betroffenen relevant Forschung ist und auch die Finanzierung von Forschung sich zunehmend stärker an diesen Parametern orientiert. Ich erlebe in der Gesundheits- und Sozialforschung immer noch eine große Schere zwischen dem, was in akademischen Elfenbeintürmen geforscht wird und dem, was in der Praxis relevant ist. Und obwohl ich Forschung wichtig finde und sie mich interessiert wollte ich noch nie in einem Turm sitzen. Ich bin ja nicht Rapunzel. So gesehen passt es für mich wie es nun ist.
GeorgHerbert
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Re: Richtig zitieren

Beitrag von GeorgHerbert »

offtopic: Das
LottaLoewe hat geschrieben: 30.08.2026, 12:48 Nicht zuletzt daher finde ich es ein ziemliches Ärgernis, wenn ich dann Leute erlebe, die auf Lehrstühlen sitzen und deren Qualifikationsarbeiten und wissenschaftlichen Publikationen qualitativ nicht ganz so hochwertig sind, wenn ich das dann mal genauer unter die Lupe nehme.
kann ich sehr gut verstehen. Auch in der Wissenschaft hängen Karrieren leider von sehr viel mehr ab als von wissenschaftlicher Exzellenz, und andere Faktoren (Beziehungen, softskills) können bei den entscheidenden Schritten sogar über mangelnde Exzellenz hinweghelfen. Wie in allen anderen Karrieresystemen auch. Wissenschaft im Sinne von Wissenschaftlichkeit ist ein Ideal, dem nicht überall entsprochen wird. Peinlich für die Karrieristen, nicht für die Idealisten ... (und peinlich fürs Karrieresystem Wissenschaft, in dem die Ansprüche (z. B. hoher Output) nicht selten mit den Ansprüchen (Gewissenhaftigkeit) kollidieren)
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