Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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LottaLoewe
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Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von LottaLoewe »

Hallo zusammen!

Vorbemerkung: Hier geht es NICHT um eine Promotionsschrift. Sondern um die Publikation von Zeitschriftenartikeln. Mich würde interessieren, wie ähnlich sich zwei Artikel sein dürfen? Also Hintergrund: Vor etwa einem Dreivierteljahr wurde ein Artikel von mir veröffentlicht. Nun wurde ich gebeten auch für ein anderes Buch ein Kapitel zum Thema X zu verfassen. Frage: Kann ich meinen ersten Artikel einfach recyceln? Oder muss ich was komplett Neues schreiben? Oder kann ich Absätze übernehmen, aber eben nicht alles? Muss ich mich selbst zitieren? (Würde ich nur ungern, fände es klänge komisch, wenn da dann drinsteht "vgl. LottaLoewe 2025".)
abcde
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von abcde »

Du sprichtst hier das Thema Selbstplagiate an. Eine gute Übersicht findet sich in https://epub.uni-regensburg.de/51333/. Kurzfassung: Unter Plagiatsgesichtspunkten unbedenklich, da ein Selbstplagiat kein Plagiat ist. Die Frage ist, was das Publikationsorgan erfordert, wenn eine Zeitschrift unveröfftlichte und neuartige Manuscripge ("unpublished and novel") verlangt, kannst Du nicht nochmal das gleiche veröffentlichen. Etwa einen Aufsatz als Kapitel in "Gesammelte Schriften von Mir" zu veröffentlichen geht. Nur kannst Du das dann nicht beides als "peer reviewerd research papers" o. ä. im Lebenslauf anführen.
LottaLoewe
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von LottaLoewe »

Danke, das ist sehr hilfreich!
GeorgHerbert
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von GeorgHerbert »

Abgesehen von der rechtlichen Seite geht es bei dem Thema auch um Kollegialität. Wenn ein Wissenschaftler mehrere Aufsätze zu einem Thema veröffentlicht, gehe ich erstmal davon aus, dass er darin verschiedenes zum Thema sagt, und lese alle diese Aufsätze. Wenn ich dann im Laufe der Lektüre bemerke, dass es sich größtenteils um unmarkierte "Selbstplagiate" handelt, fühle ich mich als Leser ziemlich mies behandelt, auch wenn es rechtlich vielleicht ok ist.
Ich habe mal 3 Aufsätze zu einem Thema gelesen (die nicht digitalisiert waren und die ich mir noch in der Uni-Bibliothek zusammensuchen musste), bei denen sich am Ende herausstellte, dass es einer ist - unter drei verschiedenen Titeln und mit leichten Umstellungen der Absätze.

Auch wenn es in der Wissenschaft viel um publish or perish und Sichtbarkeit geht (und natürlich sehr verständlich ist, dass man einen Aufsatz gerne mehrfach publizieren möchte), ein Aufsatz ist auch (und bestenfalls in erster Linie) ein Arbeitsmittel für Kollegen. Deswegen halte ich einen Hinweis auf Mehrfach-Publikation für den gebotenen guten Stil. "Teile dieses Aufsatzes wurden bereits xxx veröffentlicht", so eine Fußnote tut nicht weh und erspart den Kollegen möglicherweise unnötige Lektüren. Ist vielleicht nicht schön, nichts ganz Neues zu liefern, aber wenn es so ist, bitte macht es transparent!
Aguti
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von Aguti »

Meiner Einschätzung nach kannst/solltest du keine identischen Textpassagen verwenden. Sich selbst ordentlich zu zitieren, ist total üblich, warum nicht?
Oft macht man es so, dass verschiedene Aufsätz zu einem Thema/zu einer Empirie dann etwas unterschiedliche Schwerpunkte haben. Sodass dann auch noch etwas Neues/Mehrwert für die Leserschaft dabei ist, vgl. den Post von GeorgHerbert.
abcde
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von abcde »

Aguti hat geschrieben: 18.08.2026, 09:47 Meiner Einschätzung nach kannst/solltest du keine identischen Textpassagen verwenden. Sich selbst ordentlich zu zitieren, ist total üblich, warum nicht?
Oft macht man es so, dass verschiedene Aufsätz zu einem Thema/zu einer Empirie dann etwas unterschiedliche Schwerpunkte haben. Sodass dann auch noch etwas Neues/Mehrwert für die Leserschaft dabei ist, vgl. den Post von GeorgHerbert.
Ich weiss nicht, ob man das so absolut sagen kann. Wenn es um echte Neuveröffentlichungen geht, die man auch als solche in eine Literaturliste etwa bei einer Bewerbung aufnehmen kann, dann kann man das so sagen (aber Grenzen zu Salamipublikationen und Least Publishabe Unit beachten). Es gibt aber auch Ausnahmen, wo wörtliche Wiederholungen absolut gängig sind. Mir fallen mindestens zwei ein:
- Aufsatzsammlungen: Wenn jemand prominent genug ist, gibt es Aufsatzsammlungen nach dem Muster "Gesammelte Aufsätze von Albert Einstein". Bei den grossen Kalibern vermutlich sogar mehrfach, und auch schon zu lebzeiten. Das sind wörtliche Nachdrucke, und das ist auch legitim.
- Zumindest in meinem Bereich ist es absolut üblich, dass nach Konferenzen manche Teilnehmer eingeladen werden, eine erweiterte Fassung ihres Papers in einem Special Issue zu veröffentlichen. Da gibt es dann eine Bedingung, wie viel neuer Content sein muss (mind. 40% oder so). Der Rest kann wörtlich übernommen werden, wenn es passt (man sollte natürlich Abstract, Conclusion usw. anpassen, damit es zum neuen Inhalt passt). Ein Beispiel hier (nicht von mir): https://link.springer.com/chapter/10.10 ... -40578-0_7 und https://www.sciencedirect.com/science/a ... 2317302204. In diesem Falle muss der Verlag des Ursprungsbeitrags das natürlich erlauben, aber die Verträge haben normalerweise eine entsprechende Klausel.
Übrigens sind nicht nur schriftliche Arbeiten Publikationen (im Ursprungsbeitrag war von Publikationen die Rede), es gibt ja auch z. B. Vorträge, da ist es absolut akzeptiert, das gleiche mehrmals zu erzählen. Es soll auch Wissenschaftler geben, die Radio- oder Fernsehbeiträge machen, auch Publikationen, auch die sind nicht zwangsläufig neu. Sie werden wahrscheinlich nicht wörtlich mit einem Paper identisch sein (das wäre ein urheberrechtliches Problem), aber es gibt grosse Teile der Medienlandschaft wo die "Neuheitsanforderungen", die für "original research papers" gelten, überhaupt keine Rolle spielen.
LottaLoewe
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von LottaLoewe »

Danke, ihr helft mir wirklich sehr!

Das von @GeorgHerbert finde ich auch einen wichtigen Punkt. Sehr wichtig. Wobei ich das Problem eher vom länger zurückliegenden Studium kenne, aktuell habe ich den Eindruck, die Aufsätze, die ich so lese unterscheiden sich schon angemessen trotz gleicher Autor*innen.

Gerade entwickelt sich das eh so, dass mir aufgefallen ist, dass es wesentliche Aspekte gibt, die ich in meiner ersten Publikation nicht ausführlich berücksichtigt habe. Nun wird das eher so, dass ich viel zu diesen Aspekten schreibe und an anderen Punkten eher - nach einer kurzen Übersicht - auf weitere Details in LottaLoewe 2025 verweise. Ich hoffe ich verrenne mich da nicht. Denn z.B. die KI spuckt schon aus, dass die Punkte aus meiner ersten Publikation zentral zu dem Thema sind. Und nun gehe ich eher in die Tiefe bei einzelnen Punkten, die aber nicht jeder vielleicht so wichtig findet, wie den Überblick in Publikation Nr. 1.
GeorgHerbert
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von GeorgHerbert »

- Aufsatzsammlungen: Wenn jemand prominent genug ist, gibt es Aufsatzsammlungen nach dem Muster "Gesammelte Aufsätze von Albert Einstein". Bei den grossen Kalibern vermutlich sogar mehrfach, und auch schon zu lebzeiten. Das sind wörtliche Nachdrucke, und das ist auch legitim.
Ich glaube kaum, dass ein Kaliber, das eine eigene Aufsatzsammlung veröffentlicht, noch in einem Doktorandenforum abhängt und um Rat fragt. Das machen für gewöhnlich (wenn es zu Lebzeiten geschieht) nur altgediente Professoren. Und auch hier gilt: es wird auf den Erstveröffentlichungsort hingewiesen. Solche Sammlungen haben immer zum Schluss im Editorial oder schon unter den Artikeln selbst einen Hinweis darauf. Da können Missverständnisse für gewöhnlich gar nicht aufkommen. Wer da die gesammelten Aufsätze wie Erstpublikationen präsentieren würde, würde sich vor der versammelten Gemeinde lächerlich machen.
Übrigens sind nicht nur schriftliche Arbeiten Publikationen (im Ursprungsbeitrag war von Publikationen die Rede), es gibt ja auch z. B. Vorträge, da ist es absolut akzeptiert, das gleiche mehrmals zu erzählen. Es soll auch Wissenschaftler geben, die Radio- oder Fernsehbeiträge machen, auch Publikationen, auch die sind nicht zwangsläufig neu. Sie werden wahrscheinlich nicht wörtlich mit einem Paper identisch sein (das wäre ein urheberrechtliches Problem), aber es gibt grosse Teile der Medienlandschaft wo die "Neuheitsanforderungen", die für "original research papers" gelten, überhaupt keine Rolle spielen.
Halte ich für eine ganz andere Angelegenheit als (Teil-)Mehrfachverwertung von Aufsätzen. Vorträge werden nicht zitiert, haben oft noch einen eher thetischen Charakter, die Aufsätze, die daraus hervorgehen, sind dann der zitierfähige Beitrag, an den auch entsprechend höhere Ansprüche gestellt werden.
Und Auftritte in den Medien sind nochmal etwas völlig anderes, das gehört in den Bereich Wissenschaftskommunikation. Da kannst du dich so oft wiederholen, wie du willst, denn es ist keine Wissenschaft. Nicht alles, was ein Wissenschaftler sagt und tut, ist Wissenschaft oder wissenschaftlich, auch wenn er sich auf seine Wissenschaft bezieht. Der Doktoren- oder Professorentitel heiligt nicht das gesprochene oder geschriebene Wort.
Die verschiedenen Genres, ihre Funktionen und die damit verbundenen Ansprüche sollte man doch sehr klar auseinanderhalten, gibt genug Studenten, die das bis zum Ende ihres Studiums nicht begriffen haben und Zeitungsartikel zitieren, obwohl Fachstudien zu demselben Thema vorhanden sind.

P.S.: zu
z.B. die KI spuckt schon aus, dass die Punkte aus meiner ersten Publikation zentral zu dem Thema sind
Das kann die KI gar nicht wissen, denn sie denkt nicht. Diese Wertung musst du selbst vornehmen. Ich wäre bei solchen Aussagen einer KI immer vorsichtig und würde die Quellen prüfen. Vielleicht kennt die KI deinen Aufsatz bereits und sagt dir nur deshalb, dass die Punkte daraus zentral sind. Gerade wenn es fachwissenschaftlich wird, hat eine KI oft gar nicht so viele Quellen zur Verfügung, generalisiert aber ihre Aussagen weiterhin.
Ich habe eine Studie zu einem absoluten Nischenthema geschrieben (es gibt dazu praktisch nur meine Studie), und immer wenn ich eine KI nach diesem Thema befrage, antwortet sie mir mit Ergebnissen aus meiner Studie, als ob es sich um Allgemeinwissen handelte. Das würde mich ehren, wenn die KI nicht nur eine Maschine wäre. Also guck gerade bei solchen Wertungen nach, wie die KI zu diesem Schluss kommt. Die Antworten darauf sind oft genug erschreckend ...
Zuletzt geändert von GeorgHerbert am 23.08.2026, 20:59, insgesamt 3-mal geändert.
GeorgHerbert
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Re: Wie ähnlich dürfen sich (eigene) Publikationen sein?

Beitrag von GeorgHerbert »

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