FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Servus miteinander,
ich bewerbe mich aktuell auf einige FH-Professuren im Bereich Maschinenbau. Da mein Wohnort (süddeutsche Kleinstadt) ortsgebunden ist und es im direkten Umkreis nichts Passendes gibt, werden die künftigen Hochschulen etwas weiter entfernt liegen. Die Fahrzeit mit der Bahn wird sich voraussichtlich zwischen 1 und 4 Stunden pro Richtung bewegen.
Daher treibt mich aktuell die Frage um, wie realistisch und Alltagstauglich ein solches Pendelmodell auf Dauer ist und wie sich die Präsenz vor Ort möglichst effizient strukturieren lässt. Es geht mir nicht darum, Lehre einzusparen, sondern den Alltag als Pendler realistisch und tragfähig zu gestalten.
Mich würden vor allem eure Erfahrungen zu folgenden Punkten interessieren:
- Stundenplan-Komprimierung: Wie viele SWS Lehre an einem Tag sind praxistauglich? Ist ein Modell mit z. B. 2 sehr langen Präsenztagen (inkl. einer Übernachtung vor Ort) realistisch durchzuhalten?
- Format-Optimierung: Wie flexibel zeigen sich eure Studiendekanate bei Blockveranstaltungen, Praktika-Blöcken oder Flipped-Classroom-Modellen, um die Vor-Ort-Tage im Semester zu bündeln?
- Deputatsreduzierung: Welche Stellschrauben (Drittmittel/Forschung, Betreuung von Promotionen/Masterarbeiten, Laborleitung, Selbstverwaltung) nutzen die Pendler unter euch konkret, um die Präsenztage zu reduzieren?
- Forschung: lässt sich so sinnvoll forschen? Vieles ist in meiner Branche ortsunabhängig möglich, und bei entsprechenden Projekten gäbe es dann ggf. auch die Möglichkeit, Doktoranden einzustellen.
- Schulferien (Kinder): wie realisitisch ist es, in den Schulfereien (Ostern, Herbst, Pfingsten) etc. dann überhaupt verreisen zu können? Ist das überhaupt möglich? Liegt es in meinem Ermessen, LVs in dieser Zeit z.B. digital anzubieten, eine Vorlesung entfallen zu lassen, den Stoff nachzuholen, durch entsprechende Hausarbeiten (z.B. CAD-Design, Programmierung) einen Ausgleich zu schaffen? Mit schulpflichtigen Kindern ist das doch sehr relevant.
Gibt es hier Kolleginnen und Kollegen in einer ähnlichen Situation, die von ihren Modellen und "Lessons Learned" berichten können?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und den Austausch!
Viele Grüße
Martin
ich bewerbe mich aktuell auf einige FH-Professuren im Bereich Maschinenbau. Da mein Wohnort (süddeutsche Kleinstadt) ortsgebunden ist und es im direkten Umkreis nichts Passendes gibt, werden die künftigen Hochschulen etwas weiter entfernt liegen. Die Fahrzeit mit der Bahn wird sich voraussichtlich zwischen 1 und 4 Stunden pro Richtung bewegen.
Daher treibt mich aktuell die Frage um, wie realistisch und Alltagstauglich ein solches Pendelmodell auf Dauer ist und wie sich die Präsenz vor Ort möglichst effizient strukturieren lässt. Es geht mir nicht darum, Lehre einzusparen, sondern den Alltag als Pendler realistisch und tragfähig zu gestalten.
Mich würden vor allem eure Erfahrungen zu folgenden Punkten interessieren:
- Stundenplan-Komprimierung: Wie viele SWS Lehre an einem Tag sind praxistauglich? Ist ein Modell mit z. B. 2 sehr langen Präsenztagen (inkl. einer Übernachtung vor Ort) realistisch durchzuhalten?
- Format-Optimierung: Wie flexibel zeigen sich eure Studiendekanate bei Blockveranstaltungen, Praktika-Blöcken oder Flipped-Classroom-Modellen, um die Vor-Ort-Tage im Semester zu bündeln?
- Deputatsreduzierung: Welche Stellschrauben (Drittmittel/Forschung, Betreuung von Promotionen/Masterarbeiten, Laborleitung, Selbstverwaltung) nutzen die Pendler unter euch konkret, um die Präsenztage zu reduzieren?
- Forschung: lässt sich so sinnvoll forschen? Vieles ist in meiner Branche ortsunabhängig möglich, und bei entsprechenden Projekten gäbe es dann ggf. auch die Möglichkeit, Doktoranden einzustellen.
- Schulferien (Kinder): wie realisitisch ist es, in den Schulfereien (Ostern, Herbst, Pfingsten) etc. dann überhaupt verreisen zu können? Ist das überhaupt möglich? Liegt es in meinem Ermessen, LVs in dieser Zeit z.B. digital anzubieten, eine Vorlesung entfallen zu lassen, den Stoff nachzuholen, durch entsprechende Hausarbeiten (z.B. CAD-Design, Programmierung) einen Ausgleich zu schaffen? Mit schulpflichtigen Kindern ist das doch sehr relevant.
Gibt es hier Kolleginnen und Kollegen in einer ähnlichen Situation, die von ihren Modellen und "Lessons Learned" berichten können?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und den Austausch!
Viele Grüße
Martin
Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Hallo,
Stundenplan-Komprimierung: Als Neuberufener ist das eher schwierig, so besondere Stundenplanwünsche durchzusetzen. Es sei denn, man ist extrem gefragt und kann das bereits in den Berufungsverhandlungen vereinbaren. Eine Bündelung der Lehre auf drei Tage (mit zwei Übernachtungen) ist aber meist möglich. Man muss auch bedenken, dass die An- und Abreise mit der Bahn nicht wirklich zuverlässig ist. Lange Tage mit 8 bis 10 Stunden Lehre sind aus meiner Erfahrung nicht dauerhaft die Lösung, da sehr anstrengend.
Format-Optimierung: das ist sehr von der jeweiligen Hochschule abhängig. Vollständig frei gestalten lässt sich der Stundenplan in der Regel nicht.
Deputatsreduzierung: Die Anrechnung von Abschlussarbeiten ist häufig auf 2 SWS gedeckelt. Was zusätzlich anngerechnet werden kann und in welchem Umfang, lässt sich der Lehrverpflichtungsverordnung (des Bundeslandes) entnehmen und zusätzlich hochschulinternen Regelungen. Realistisch sind aus meiner Erfahrung dann um die 14 Stunden Lehre pro Semester. Größere Reduktionen ergeben sich erst, wenn man wichtige Aufgaben in der Selbstverwaltung übernimmt (z.B. Dekanposten), das ist dann abe roft mit sehr viel Präsenzanteil verbunden.
Schulferien: da habe ich keine Erfahrung
Lessons Learned: Ich würde das Pendelmodell nicht auf zwei perfekt planbare Präsenztage aufbauen, sondern realistischerweise mit drei Tagen und gelegentlichen zusätzlichen Terminen rechnen. Die Semesterferien sind nach meiner Erfahrung aber wirklich komplett ohne Präsenz planbar. Eventuelle Termine werden dann in der Regel online oder hybrid durchgeführt.
Viel Erfolg bei den Bewerbungen!
Stundenplan-Komprimierung: Als Neuberufener ist das eher schwierig, so besondere Stundenplanwünsche durchzusetzen. Es sei denn, man ist extrem gefragt und kann das bereits in den Berufungsverhandlungen vereinbaren. Eine Bündelung der Lehre auf drei Tage (mit zwei Übernachtungen) ist aber meist möglich. Man muss auch bedenken, dass die An- und Abreise mit der Bahn nicht wirklich zuverlässig ist. Lange Tage mit 8 bis 10 Stunden Lehre sind aus meiner Erfahrung nicht dauerhaft die Lösung, da sehr anstrengend.
Format-Optimierung: das ist sehr von der jeweiligen Hochschule abhängig. Vollständig frei gestalten lässt sich der Stundenplan in der Regel nicht.
Deputatsreduzierung: Die Anrechnung von Abschlussarbeiten ist häufig auf 2 SWS gedeckelt. Was zusätzlich anngerechnet werden kann und in welchem Umfang, lässt sich der Lehrverpflichtungsverordnung (des Bundeslandes) entnehmen und zusätzlich hochschulinternen Regelungen. Realistisch sind aus meiner Erfahrung dann um die 14 Stunden Lehre pro Semester. Größere Reduktionen ergeben sich erst, wenn man wichtige Aufgaben in der Selbstverwaltung übernimmt (z.B. Dekanposten), das ist dann abe roft mit sehr viel Präsenzanteil verbunden.
Schulferien: da habe ich keine Erfahrung
Lessons Learned: Ich würde das Pendelmodell nicht auf zwei perfekt planbare Präsenztage aufbauen, sondern realistischerweise mit drei Tagen und gelegentlichen zusätzlichen Terminen rechnen. Die Semesterferien sind nach meiner Erfahrung aber wirklich komplett ohne Präsenz planbar. Eventuelle Termine werden dann in der Regel online oder hybrid durchgeführt.
Viel Erfolg bei den Bewerbungen!
Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Hallo,
ich werde hier bewusst etwas Salz in die Suppe streuen:
Eine Professur lässt sich meiner Meinung nach nicht sinnvoll als Zwei-Tage-Job ausfüllen. Wer versucht, 14 bis 18 SWS in zwei Tagen abzuhaken, wird zwar formal seine Lehrveranstaltungen halten können – eine gute Professur entsteht daraus aber noch lange nicht. Selbst bei hervorragend vorbereiteten Vorlesungen ist dieses Pensum enorm. Auf Dauer leidet entweder die Qualität oder die eigene Freude an der Tätigkeit. Wahrscheinlich beides.
Hinzu kommt, dass eine Professur eben nicht nur aus Lehre besteht. Der Dreiklang lautet Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Gerade im Maschinenbau wird Forschung inzwischen keineswegs nur als freiwillige Zugabe betrachtet. Wer kaum vor Ort ist, wird es außerdem schwer haben, Forschungsaktivitäten aufzubauen, Mitarbeitende anzuleiten, Labore zu nutzen und sich sinnvoll mit dem Kollegium zu vernetzen.
Natürlich kann man Teile der Forschung im Homeoffice erledigen. Aber eine Hochschule lebt vom persönlichen Austausch. Viele gute Ideen, Kooperationen und Projekte entstehen nicht in einer Videokonferenz, sondern auf dem Flur, im Labor oder im Gespräch mit Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitenden.
Viele Hochschulen formulieren diese Erwartung inzwischen auch ausdrücklich. Im Rahmen der Ernennung wird teilweise schriftlich verlangt, während des Semesters an vier Tagen pro Woche vor Ort zu sein und den Wohnort in angemessener Entfernung zur Hochschule zu wählen. Ob eine solche Erklärung im Ernstfall konsequent durchgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Botschaft ist dennoch eindeutig: Gewünscht ist keine Wochenend- oder Pendelprofessur, sondern eine tatsächlich präsente Professorin oder ein tatsächlich präsenter Professor.
Und das ist nicht nur nach der Berufung relevant. Bereits im Berufungsverfahren wird sehr genau darauf geachtet, ob jemand glaubhaft vermitteln kann, künftig ausreichend präsent zu sein. Bei uns wurden mehrfach hervorragend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber nicht auf die Liste gesetzt, weil daran erhebliche Zweifel bestanden.
Mein ehrlicher Rat wäre daher: Die Entfernung und die notwendige Präsenz nicht kleinreden. Das kann im Berufungsverfahren zum Ausschlusskriterium werden – und selbst wenn es mit der Berufung klappt, später zu einem dauerhaft unbefriedigenden Arbeitsmodell führen.
Viel Erfolg!
ich werde hier bewusst etwas Salz in die Suppe streuen:
Eine Professur lässt sich meiner Meinung nach nicht sinnvoll als Zwei-Tage-Job ausfüllen. Wer versucht, 14 bis 18 SWS in zwei Tagen abzuhaken, wird zwar formal seine Lehrveranstaltungen halten können – eine gute Professur entsteht daraus aber noch lange nicht. Selbst bei hervorragend vorbereiteten Vorlesungen ist dieses Pensum enorm. Auf Dauer leidet entweder die Qualität oder die eigene Freude an der Tätigkeit. Wahrscheinlich beides.
Hinzu kommt, dass eine Professur eben nicht nur aus Lehre besteht. Der Dreiklang lautet Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Gerade im Maschinenbau wird Forschung inzwischen keineswegs nur als freiwillige Zugabe betrachtet. Wer kaum vor Ort ist, wird es außerdem schwer haben, Forschungsaktivitäten aufzubauen, Mitarbeitende anzuleiten, Labore zu nutzen und sich sinnvoll mit dem Kollegium zu vernetzen.
Natürlich kann man Teile der Forschung im Homeoffice erledigen. Aber eine Hochschule lebt vom persönlichen Austausch. Viele gute Ideen, Kooperationen und Projekte entstehen nicht in einer Videokonferenz, sondern auf dem Flur, im Labor oder im Gespräch mit Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitenden.
Viele Hochschulen formulieren diese Erwartung inzwischen auch ausdrücklich. Im Rahmen der Ernennung wird teilweise schriftlich verlangt, während des Semesters an vier Tagen pro Woche vor Ort zu sein und den Wohnort in angemessener Entfernung zur Hochschule zu wählen. Ob eine solche Erklärung im Ernstfall konsequent durchgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Botschaft ist dennoch eindeutig: Gewünscht ist keine Wochenend- oder Pendelprofessur, sondern eine tatsächlich präsente Professorin oder ein tatsächlich präsenter Professor.
Und das ist nicht nur nach der Berufung relevant. Bereits im Berufungsverfahren wird sehr genau darauf geachtet, ob jemand glaubhaft vermitteln kann, künftig ausreichend präsent zu sein. Bei uns wurden mehrfach hervorragend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber nicht auf die Liste gesetzt, weil daran erhebliche Zweifel bestanden.
Mein ehrlicher Rat wäre daher: Die Entfernung und die notwendige Präsenz nicht kleinreden. Das kann im Berufungsverfahren zum Ausschlusskriterium werden – und selbst wenn es mit der Berufung klappt, später zu einem dauerhaft unbefriedigenden Arbeitsmodell führen.
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mashdoc
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Dem ist nichts hinzuzufügen.DrNo hat geschrieben: 04.08.2026, 17:44 Hallo,
ich werde hier bewusst etwas Salz in die Suppe streuen:
Eine Professur lässt sich meiner Meinung nach nicht sinnvoll als Zwei-Tage-Job ausfüllen. Wer versucht, 14 bis 18 SWS in zwei Tagen abzuhaken, wird zwar formal seine Lehrveranstaltungen halten können – eine gute Professur entsteht daraus aber noch lange nicht. Selbst bei hervorragend vorbereiteten Vorlesungen ist dieses Pensum enorm. Auf Dauer leidet entweder die Qualität oder die eigene Freude an der Tätigkeit. Wahrscheinlich beides.
Hinzu kommt, dass eine Professur eben nicht nur aus Lehre besteht. Der Dreiklang lautet Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Gerade im Maschinenbau wird Forschung inzwischen keineswegs nur als freiwillige Zugabe betrachtet. Wer kaum vor Ort ist, wird es außerdem schwer haben, Forschungsaktivitäten aufzubauen, Mitarbeitende anzuleiten, Labore zu nutzen und sich sinnvoll mit dem Kollegium zu vernetzen.
Natürlich kann man Teile der Forschung im Homeoffice erledigen. Aber eine Hochschule lebt vom persönlichen Austausch. Viele gute Ideen, Kooperationen und Projekte entstehen nicht in einer Videokonferenz, sondern auf dem Flur, im Labor oder im Gespräch mit Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitenden.
Viele Hochschulen formulieren diese Erwartung inzwischen auch ausdrücklich. Im Rahmen der Ernennung wird teilweise schriftlich verlangt, während des Semesters an vier Tagen pro Woche vor Ort zu sein und den Wohnort in angemessener Entfernung zur Hochschule zu wählen. Ob eine solche Erklärung im Ernstfall konsequent durchgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Botschaft ist dennoch eindeutig: Gewünscht ist keine Wochenend- oder Pendelprofessur, sondern eine tatsächlich präsente Professorin oder ein tatsächlich präsenter Professor.
Und das ist nicht nur nach der Berufung relevant. Bereits im Berufungsverfahren wird sehr genau darauf geachtet, ob jemand glaubhaft vermitteln kann, künftig ausreichend präsent zu sein. Bei uns wurden mehrfach hervorragend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber nicht auf die Liste gesetzt, weil daran erhebliche Zweifel bestanden.
Mein ehrlicher Rat wäre daher: Die Entfernung und die notwendige Präsenz nicht kleinreden. Das kann im Berufungsverfahren zum Ausschlusskriterium werden – und selbst wenn es mit der Berufung klappt, später zu einem dauerhaft unbefriedigenden Arbeitsmodell führen.
Viel Erfolg!
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Aguti
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Ich weiß ja nicht, wo in Süddeutschland du lebst, aber in Baden-Württemberg ist der Zugverkehr momentan eine absolute Katastrophe, vor allem im Großraum Stuttgart. Viele Züge fallen aus, verspäten sich etc. Damit kann man schwer zuverlässig pendeln bzw. viele Personen fahren vorsichtshalber einen Zug früher. Das wäre vielleicht in deinen Überlegungen auch noch zu berücksichtigen ...
Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Hallo,
vielen Dank für Eure ausführlichen, kritischen und realistischen Rückmeldungen! Ist doch etwas ernüchternd, dass so ein Ansatz schwierig sein könnte. Pendelt hier tatsächlich jemand regelmäßig über größere Distanzen und hat nebenbei Familie oder lebt Ihr in der Nähe der Hochschule (wäre tatsächlich auch mein Ziel)?
Viele Grüße
Martin
vielen Dank für Eure ausführlichen, kritischen und realistischen Rückmeldungen! Ist doch etwas ernüchternd, dass so ein Ansatz schwierig sein könnte. Pendelt hier tatsächlich jemand regelmäßig über größere Distanzen und hat nebenbei Familie oder lebt Ihr in der Nähe der Hochschule (wäre tatsächlich auch mein Ziel)?
Viele Grüße
Martin
Zuletzt geändert von Sebastian am 08.08.2026, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Freigegeben am 08.08. 9:07 h - nach dem Folgebeitrag.
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taocp
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Ich möchte Dir gerne auch auf einige Fragen antworten und dann aber auch meine ehrliche Meinung dazu geben.
Der Stundenplan lässt sich nicht auf extreme individuelle Wünsche anpassen, weil da die Pläne der Studenten, der anderen Professoren und der verfügbaren Räume und Labore dran hängen. Bei uns ist es so, dass versucht wird, dass jeder einen Tag in der Woche frei bekommen kann. Nur in Ausnahmefällen kann einem bestimmten Wunsch hier entsprochen werden. Und für Studenten ist es auch nicht geil, an mehreren Tagen von 8 bis 19 Uhr beschallt zu werden.
Das Problem mit Block-Veranstaltungen ist, dass man diese entweder auf Wochenenden legen muss, auf die kein Student scharf ist; oder in die kurze Zeit zwischen Vorlesungsende und Prüfungszeit, was die Prüfungsvorbereitung stört. Während des Semesters sind die Studenten stundenplanmäßig durchgetaktet. Und mal ehrlich: das kann nur eine Notlösung sein. Didaktisch ist das grenzwertig, weil nur wenige Studenten in der Lage sind, so viel komprimiertes Wissen aufzunehmen.
Dem Flipped/Inverted-Classroom stehe ich auch kritisch gegenüber. Nicht, weil es didaktisch keinen Mehrwert liefern würde. Sondern weil es nicht über die vielen Lehrveranstaltungen der Studenten skaliert. Wenn das jeder Prof. macht, kriegen die Studis das doch niemals in ihrer (ehemaligen) Freizeit unter. Das ist also auch unfair gegenüber den anderen Professoren, weil die Studenten dann gezwungen sind, für Deine Lehrveranstaltung zu Hause etwas vorzubereiten, für anderes aber keine Zeit/Energie mehr haben.
Deputatsreduzierung: eine Laborleitung scheidet bei Deinem Modell praktisch aus, genauso auch Dekanats-Poste oder Studiengangleitungen. Dazu muss man hinreichend häufig vor Ort sein. Die Betreuung von Abschlussarbeitungen ist bei uns auch auf 2 SWS gedeckelt -- und die muss man ja auch erstmal regelmäßig kriegen. Die Nachfrage kann sehr schwanken. Blieben nur noch Drittmittel/Forschung, aber auch das ist gedeckelt.
Forschung ließe sich damit noch am ehesten betreiben. Hängt halt davon ab, ob man an Labore/Geräte gebunden ist.
Zu den Schulferien: wir sind schon jetzt in der exklusiven Position, dass wir unverhältnismäßig viel freie Zeit haben. Im Frühjahr 7 Wochen (klar, mit Prüfungen) und im Sommer nochmal 12 Wochen (klar, mit Prüfungen). Dazu noch der eine freie Tag pro Woche. So viel erhältst Du in keinem anderen Job. Dass jetzt einige Schulferien nicht darunter fallen, ist zwar blöd, aber ein Trade-off, den man eingehen muss. Auch wenn man technisch gesehen Veranstaltungen Remote durchführen kann, ist das für die Studenten dann immer blöd, weil sie sich schon in der Hochschule befinden. Die Aufmerksamkeit ist auch eine andere, als bei Präsenz. Außerdem beeinflusst es den Urlaub doch auch nicht ganz unerheblich. Ich mache das nicht. Veranstaltungen entfallen zu lassen geht gar nicht. Die Studenten haben Anspruch auf die vollen 15 Wochen. Und es auf sie mittels Hausarbeiten zu verlagern, damit ich meinen Urlaub abhalten kann, halte ich für moralisch mehr als fragwürdig.
Meine Meinung: ich kann zwar Deine persönliche Situation und das daraus entstehende Dilemma nachvollziehen. Aber sein Lebensmodell über die Studenten und Kollegen zu stellen, halte ich für grundfalsch. Eine Professur ist nicht dazu gedacht, dass sich ein Professor mit minimaler Investition das Maximum an Freizeit herausholt. Sondern dass wir in Lehre, Forschung und Selbstverwaltung das Maximum herausholen. Die Lehre würde unter Deinem Modell sehr leiden, Selbstverwaltung praktisch ausscheiden. Und das muss wieder von allen anderen Kollegen entsprechend aufgefangen werden.
Würde ich in unseren Berufungskommissionen nur den kleinsten Verdacht hegen, dass ein Kandidat mit diesen Gedanken spielt, wäre er für mich raus.
Der Stundenplan lässt sich nicht auf extreme individuelle Wünsche anpassen, weil da die Pläne der Studenten, der anderen Professoren und der verfügbaren Räume und Labore dran hängen. Bei uns ist es so, dass versucht wird, dass jeder einen Tag in der Woche frei bekommen kann. Nur in Ausnahmefällen kann einem bestimmten Wunsch hier entsprochen werden. Und für Studenten ist es auch nicht geil, an mehreren Tagen von 8 bis 19 Uhr beschallt zu werden.
Das Problem mit Block-Veranstaltungen ist, dass man diese entweder auf Wochenenden legen muss, auf die kein Student scharf ist; oder in die kurze Zeit zwischen Vorlesungsende und Prüfungszeit, was die Prüfungsvorbereitung stört. Während des Semesters sind die Studenten stundenplanmäßig durchgetaktet. Und mal ehrlich: das kann nur eine Notlösung sein. Didaktisch ist das grenzwertig, weil nur wenige Studenten in der Lage sind, so viel komprimiertes Wissen aufzunehmen.
Dem Flipped/Inverted-Classroom stehe ich auch kritisch gegenüber. Nicht, weil es didaktisch keinen Mehrwert liefern würde. Sondern weil es nicht über die vielen Lehrveranstaltungen der Studenten skaliert. Wenn das jeder Prof. macht, kriegen die Studis das doch niemals in ihrer (ehemaligen) Freizeit unter. Das ist also auch unfair gegenüber den anderen Professoren, weil die Studenten dann gezwungen sind, für Deine Lehrveranstaltung zu Hause etwas vorzubereiten, für anderes aber keine Zeit/Energie mehr haben.
Deputatsreduzierung: eine Laborleitung scheidet bei Deinem Modell praktisch aus, genauso auch Dekanats-Poste oder Studiengangleitungen. Dazu muss man hinreichend häufig vor Ort sein. Die Betreuung von Abschlussarbeitungen ist bei uns auch auf 2 SWS gedeckelt -- und die muss man ja auch erstmal regelmäßig kriegen. Die Nachfrage kann sehr schwanken. Blieben nur noch Drittmittel/Forschung, aber auch das ist gedeckelt.
Forschung ließe sich damit noch am ehesten betreiben. Hängt halt davon ab, ob man an Labore/Geräte gebunden ist.
Zu den Schulferien: wir sind schon jetzt in der exklusiven Position, dass wir unverhältnismäßig viel freie Zeit haben. Im Frühjahr 7 Wochen (klar, mit Prüfungen) und im Sommer nochmal 12 Wochen (klar, mit Prüfungen). Dazu noch der eine freie Tag pro Woche. So viel erhältst Du in keinem anderen Job. Dass jetzt einige Schulferien nicht darunter fallen, ist zwar blöd, aber ein Trade-off, den man eingehen muss. Auch wenn man technisch gesehen Veranstaltungen Remote durchführen kann, ist das für die Studenten dann immer blöd, weil sie sich schon in der Hochschule befinden. Die Aufmerksamkeit ist auch eine andere, als bei Präsenz. Außerdem beeinflusst es den Urlaub doch auch nicht ganz unerheblich. Ich mache das nicht. Veranstaltungen entfallen zu lassen geht gar nicht. Die Studenten haben Anspruch auf die vollen 15 Wochen. Und es auf sie mittels Hausarbeiten zu verlagern, damit ich meinen Urlaub abhalten kann, halte ich für moralisch mehr als fragwürdig.
Meine Meinung: ich kann zwar Deine persönliche Situation und das daraus entstehende Dilemma nachvollziehen. Aber sein Lebensmodell über die Studenten und Kollegen zu stellen, halte ich für grundfalsch. Eine Professur ist nicht dazu gedacht, dass sich ein Professor mit minimaler Investition das Maximum an Freizeit herausholt. Sondern dass wir in Lehre, Forschung und Selbstverwaltung das Maximum herausholen. Die Lehre würde unter Deinem Modell sehr leiden, Selbstverwaltung praktisch ausscheiden. Und das muss wieder von allen anderen Kollegen entsprechend aufgefangen werden.
Würde ich in unseren Berufungskommissionen nur den kleinsten Verdacht hegen, dass ein Kandidat mit diesen Gedanken spielt, wäre er für mich raus.
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Dem möchte ich voll zustimmen. Mit sowas macht man sich bei den Kollegen unbeliebt (aber manchen Leuten scheint das egal zu sein).taocp hat geschrieben: 08.08.2026, 07:43 Meine Meinung: ich kann zwar Deine persönliche Situation und das daraus entstehende Dilemma nachvollziehen. Aber sein Lebensmodell über die Studenten und Kollegen zu stellen, halte ich für grundfalsch. Eine Professur ist nicht dazu gedacht, dass sich ein Professor mit minimaler Investition das Maximum an Freizeit herausholt. Sondern dass wir in Lehre, Forschung und Selbstverwaltung das Maximum herausholen. Die Lehre würde unter Deinem Modell sehr leiden, Selbstverwaltung praktisch ausscheiden. Und das muss wieder von allen anderen Kollegen entsprechend aufgefangen werden.
Mir ist übrigens nicht klar, wie "Inverted Classroom" zur Verringerung der Präsenz-Zeit des Profs genutzt werden kann. Ich kenne es so, dass die Präsenz-Zeit dabei fast nur für Übungsaufgaben verwendet werden soll, weil man davon ausgeht, dass die Studis die Theorie sich als Hausaufgabe bereits erarbeitet haben.
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Das meiste wurde schon gesagt, daher eine Ergänzung: Du könntest auch in Teilzeit anfangen, und das ehrlich kommunizieren. Wenn Du z.B. 10 von 18 LVS machst, sind auch weniger Tage in Präsenz vonnöten. Und Kinder werden schnell groß, so dass der Zeitraum der Teilzeit auch überschaubar bleibt. Viele Hochschulen brüsten sich mit dem Siegel der Familienfreundlichkeit, das können sie damit ja unter Beweis stellen.DocMarti hat geschrieben: 03.08.2026, 12:52 Servus miteinander,
ich bewerbe mich aktuell auf einige FH-Professuren im Bereich Maschinenbau. Da mein Wohnort (süddeutsche Kleinstadt) ortsgebunden ist und es im direkten Umkreis nichts Passendes gibt, werden die künftigen Hochschulen etwas weiter entfernt liegen. Die Fahrzeit mit der Bahn wird sich voraussichtlich zwischen 1 und 4 Stunden pro Richtung bewegen.
Daher treibt mich aktuell die Frage um, wie realistisch und Alltagstauglich ein solches Pendelmodell auf Dauer ist und wie sich die Präsenz vor Ort möglichst effizient strukturieren lässt. Es geht mir nicht darum, Lehre einzusparen, sondern den Alltag als Pendler realistisch und tragfähig zu gestalten.
Mich würden vor allem eure Erfahrungen zu folgenden Punkten interessieren:
- Stundenplan-Komprimierung: Wie viele SWS Lehre an einem Tag sind praxistauglich? Ist ein Modell mit z. B. 2 sehr langen Präsenztagen (inkl. einer Übernachtung vor Ort) realistisch durchzuhalten?
- Format-Optimierung: Wie flexibel zeigen sich eure Studiendekanate bei Blockveranstaltungen, Praktika-Blöcken oder Flipped-Classroom-Modellen, um die Vor-Ort-Tage im Semester zu bündeln?
- Deputatsreduzierung: Welche Stellschrauben (Drittmittel/Forschung, Betreuung von Promotionen/Masterarbeiten, Laborleitung, Selbstverwaltung) nutzen die Pendler unter euch konkret, um die Präsenztage zu reduzieren?
- Forschung: lässt sich so sinnvoll forschen? Vieles ist in meiner Branche ortsunabhängig möglich, und bei entsprechenden Projekten gäbe es dann ggf. auch die Möglichkeit, Doktoranden einzustellen.
- Schulferien (Kinder): wie realisitisch ist es, in den Schulfereien (Ostern, Herbst, Pfingsten) etc. dann überhaupt verreisen zu können? Ist das überhaupt möglich? Liegt es in meinem Ermessen, LVs in dieser Zeit z.B. digital anzubieten, eine Vorlesung entfallen zu lassen, den Stoff nachzuholen, durch entsprechende Hausarbeiten (z.B. CAD-Design, Programmierung) einen Ausgleich zu schaffen? Mit schulpflichtigen Kindern ist das doch sehr relevant.
Gibt es hier Kolleginnen und Kollegen in einer ähnlichen Situation, die von ihren Modellen und "Lessons Learned" berichten können?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und den Austausch!
Viele Grüße
Martin
Die übrigen LVS werden in der Regel von Lehrbeauftragten übernommen. Dein eingespartes Gehalt kann die Fakultät in der Regel auch dafür einsetzen.
Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?
Zu dieser Frage: Mein Weg ist ca. 1.5 Stunden, das ist machbar aber nicht ideal. Es gibt Leute, die längere Wege haben - ab einer gewissen Grenze geht das aber nur mit Übernachtung vor Ort.DocMarti hat geschrieben: 08.08.2026, 07:25 vielen Dank für Eure ausführlichen, kritischen und realistischen Rückmeldungen! Ist doch etwas ernüchternd, dass so ein Ansatz schwierig sein könnte. Pendelt hier tatsächlich jemand regelmäßig über größere Distanzen und hat nebenbei Familie oder lebt Ihr in der Nähe der Hochschule (wäre tatsächlich auch mein Ziel)?
Je nach Bundesland muss man auch 4 Tage vor Ort sein. Eine Weile davon abzuweichen, z.B. um in der Nähe was zu finden, ist sicher möglich aber auf Dauer wird das schwierig. Im Prinzip müssen andere ja das übernehmen was Du nicht machen willst und das läuft dann in der Regel auf Kompromisse hinaus.
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