FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?

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DocMarti
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FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?

Beitrag von DocMarti »

Servus miteinander,

ich bewerbe mich aktuell auf einige FH-Professuren im Bereich Maschinenbau. Da mein Wohnort (süddeutsche Kleinstadt) ortsgebunden ist und es im direkten Umkreis nichts Passendes gibt, werden die künftigen Hochschulen etwas weiter entfernt liegen. Die Fahrzeit mit der Bahn wird sich voraussichtlich zwischen 1 und 4 Stunden pro Richtung bewegen.

Daher treibt mich aktuell die Frage um, wie realistisch und Alltagstauglich ein solches Pendelmodell auf Dauer ist und wie sich die Präsenz vor Ort möglichst effizient strukturieren lässt. Es geht mir nicht darum, Lehre einzusparen, sondern den Alltag als Pendler realistisch und tragfähig zu gestalten.

Mich würden vor allem eure Erfahrungen zu folgenden Punkten interessieren:

- Stundenplan-Komprimierung: Wie viele SWS Lehre an einem Tag sind praxistauglich? Ist ein Modell mit z. B. 2 sehr langen Präsenztagen (inkl. einer Übernachtung vor Ort) realistisch durchzuhalten?
- Format-Optimierung: Wie flexibel zeigen sich eure Studiendekanate bei Blockveranstaltungen, Praktika-Blöcken oder Flipped-Classroom-Modellen, um die Vor-Ort-Tage im Semester zu bündeln?
- Deputatsreduzierung: Welche Stellschrauben (Drittmittel/Forschung, Betreuung von Promotionen/Masterarbeiten, Laborleitung, Selbstverwaltung) nutzen die Pendler unter euch konkret, um die Präsenztage zu reduzieren?
- Forschung: lässt sich so sinnvoll forschen? Vieles ist in meiner Branche ortsunabhängig möglich, und bei entsprechenden Projekten gäbe es dann ggf. auch die Möglichkeit, Doktoranden einzustellen.
- Schulferien (Kinder): wie realisitisch ist es, in den Schulfereien (Ostern, Herbst, Pfingsten) etc. dann überhaupt verreisen zu können? Ist das überhaupt möglich? Liegt es in meinem Ermessen, LVs in dieser Zeit z.B. digital anzubieten, eine Vorlesung entfallen zu lassen, den Stoff nachzuholen, durch entsprechende Hausarbeiten (z.B. CAD-Design, Programmierung) einen Ausgleich zu schaffen? Mit schulpflichtigen Kindern ist das doch sehr relevant.

Gibt es hier Kolleginnen und Kollegen in einer ähnlichen Situation, die von ihren Modellen und "Lessons Learned" berichten können?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen und den Austausch!

Viele Grüße

Martin
FHNRW
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?

Beitrag von FHNRW »

Hallo,

Stundenplan-Komprimierung: Als Neuberufener ist das eher schwierig, so besondere Stundenplanwünsche durchzusetzen. Es sei denn, man ist extrem gefragt und kann das bereits in den Berufungsverhandlungen vereinbaren. Eine Bündelung der Lehre auf drei Tage (mit zwei Übernachtungen) ist aber meist möglich. Man muss auch bedenken, dass die An- und Abreise mit der Bahn nicht wirklich zuverlässig ist. Lange Tage mit 8 bis 10 Stunden Lehre sind aus meiner Erfahrung nicht dauerhaft die Lösung, da sehr anstrengend.

Format-Optimierung: das ist sehr von der jeweiligen Hochschule abhängig. Vollständig frei gestalten lässt sich der Stundenplan in der Regel nicht.

Deputatsreduzierung: Die Anrechnung von Abschlussarbeiten ist häufig auf 2 SWS gedeckelt. Was zusätzlich anngerechnet werden kann und in welchem Umfang, lässt sich der Lehrverpflichtungsverordnung (des Bundeslandes) entnehmen und zusätzlich hochschulinternen Regelungen. Realistisch sind aus meiner Erfahrung dann um die 14 Stunden Lehre pro Semester. Größere Reduktionen ergeben sich erst, wenn man wichtige Aufgaben in der Selbstverwaltung übernimmt (z.B. Dekanposten), das ist dann abe roft mit sehr viel Präsenzanteil verbunden.

Schulferien: da habe ich keine Erfahrung

Lessons Learned: Ich würde das Pendelmodell nicht auf zwei perfekt planbare Präsenztage aufbauen, sondern realistischerweise mit drei Tagen und gelegentlichen zusätzlichen Terminen rechnen. Die Semesterferien sind nach meiner Erfahrung aber wirklich komplett ohne Präsenz planbar. Eventuelle Termine werden dann in der Regel online oder hybrid durchgeführt.

Viel Erfolg bei den Bewerbungen!
DrNo
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Re: FH-Professur (Maschinenbau) als Pendler (2–4h Bahn): Präsenzzeiten optimieren, Schulferien, Deputatsreduktion?

Beitrag von DrNo »

Hallo,

ich werde hier bewusst etwas Salz in die Suppe streuen:

Eine Professur lässt sich meiner Meinung nach nicht sinnvoll als Zwei-Tage-Job ausfüllen. Wer versucht, 14 bis 18 SWS in zwei Tagen abzuhaken, wird zwar formal seine Lehrveranstaltungen halten können – eine gute Professur entsteht daraus aber noch lange nicht. Selbst bei hervorragend vorbereiteten Vorlesungen ist dieses Pensum enorm. Auf Dauer leidet entweder die Qualität oder die eigene Freude an der Tätigkeit. Wahrscheinlich beides.

Hinzu kommt, dass eine Professur eben nicht nur aus Lehre besteht. Der Dreiklang lautet Lehre, Forschung und Selbstverwaltung. Gerade im Maschinenbau wird Forschung inzwischen keineswegs nur als freiwillige Zugabe betrachtet. Wer kaum vor Ort ist, wird es außerdem schwer haben, Forschungsaktivitäten aufzubauen, Mitarbeitende anzuleiten, Labore zu nutzen und sich sinnvoll mit dem Kollegium zu vernetzen.

Natürlich kann man Teile der Forschung im Homeoffice erledigen. Aber eine Hochschule lebt vom persönlichen Austausch. Viele gute Ideen, Kooperationen und Projekte entstehen nicht in einer Videokonferenz, sondern auf dem Flur, im Labor oder im Gespräch mit Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitenden.

Viele Hochschulen formulieren diese Erwartung inzwischen auch ausdrücklich. Im Rahmen der Ernennung wird teilweise schriftlich verlangt, während des Semesters an vier Tagen pro Woche vor Ort zu sein und den Wohnort in angemessener Entfernung zur Hochschule zu wählen. Ob eine solche Erklärung im Ernstfall konsequent durchgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Botschaft ist dennoch eindeutig: Gewünscht ist keine Wochenend- oder Pendelprofessur, sondern eine tatsächlich präsente Professorin oder ein tatsächlich präsenter Professor.

Und das ist nicht nur nach der Berufung relevant. Bereits im Berufungsverfahren wird sehr genau darauf geachtet, ob jemand glaubhaft vermitteln kann, künftig ausreichend präsent zu sein. Bei uns wurden mehrfach hervorragend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber nicht auf die Liste gesetzt, weil daran erhebliche Zweifel bestanden.

Mein ehrlicher Rat wäre daher: Die Entfernung und die notwendige Präsenz nicht kleinreden. Das kann im Berufungsverfahren zum Ausschlusskriterium werden – und selbst wenn es mit der Berufung klappt, später zu einem dauerhaft unbefriedigenden Arbeitsmodell führen.

Viel Erfolg!
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