Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Fragen und Antworten rund um die FH-Professur
vmler
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Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von vmler »

Hallo zusammen

Um sich für eine FH Professur zu qualifizieren braucht Man U.a. in den meisten Bundesländern fünf Jahre Berufserfahrung „nach dem Hochschulstudium“.

Ist damit nach dem Bachelor oder erst nach dem Master gemeint? Ist das einheitlich geregelt oder Auslegungssache?

In meinem konkreten Fall habe ich zwei Bachelor absolviert, und danach den Master, und in meiner Studiumszeit immer viel gearbeitet (eigene Unternehmensgründung, Werkstudent, als Dozent). Wenn ich jedoch nur die Zeit nach dem offiziellen Masterabschluss rechne komme ich noch nicht auf die fünf Jahre.

Ich freue mich über eure Erfahrungen / Einschätzungen

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johndoe
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von johndoe »

Hi,
Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht egal, ob nach dem Bachelor oder nach dem Masterstudium. Es gibt aber ein paar Dinge zu beachten. Zb ob der Beruf vorm master zu den Inhalten der Professur passt, oder ob du dich mit dem Masterstudium beruflich verändert hast. Oder ob der Beruf davor überhaupt auf akademischem Niveau war. Denn letztlich wird einschlägige Berufserfahrung verlangt. Das bringt mich zum nächsten Punkt: Werkstudent oder Dozent zählt nicht als solche Berufserfahrung. Dozent kann man als pädagogische Erfahrungen werten und ist zusätzlich auch wichtig. Gründung allein ist auch noch kein Argument - da wirst du sicher weitere Nachweise liefern müssen.

Und ganz allgemein wieder mein Mantra: arbeite einfach ein paar Jahre richtig, dann erübrigt sich diese Diskussion. Die Studis wollen von praxisorientierten Experten lernen, nicht von Theoretikern, die sich die Vita frisieren.

Viel kritischer ist allerdings, dass du nichts von wissenschaftlichen Kompetenzen schreibst. Weiß ja nicht, auf welche Stelle du es abgesehen hast, aber ohne Promotion o.ä. sehe ich schwarz.
Grounded
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von Grounded »

Der Hochschullehrerbund schreibt: "Die formelle Berufungsfähigkeit erfordert zunächst ein abgeschlossenes Studium in einem Studiengang, das durch Prüfungs- und Studienordnungen geregelt ist und das in der Regel zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führt. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Hochschulstudium an einerstaatlichen, nichtstaatlichen oder an einer Hochschule im Ausland abgeschlossen wurde (Reich
BayHSchPG Rn. 3; Hartmer/Detmer/Detmer Kap. 4 Rn. 44). Ebenso ist unerheblich, ob es sich um einen Bachelor- oder Masterstudiengang handelt."
https://www.hlb.de/fileadmin/hlb-global ... igkeit.pdf
Der BA reicht also aus.
Ansonsten kann ich @johndoe nur beipflichten: Ein Minimum an Praxiserfahrung (das können letztlich 3 Jahre auf einer 50-Prozent-Stelle sein, wenn zwei Jahre Berufspraxis in der Wissenschaft anerkannt werden) reichen formal zwar aus. In der Lehre wird dir die Praxiserfahrung definitiv fehlen.
vmler
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von vmler »

Vielen Dank für eure Rückmeldungen!
Ich befinde mich noch in der Promotion, und habe diese noch nicht abgeschlossen.
Mein Plan war es in jedem Fall, noch mehrere Jahre Berufserfahrung zu sammeln.
Die Frage kam nur daher auf, da plötzlich eine 100% passende Stelle auf dem Markt freigeworden ist.
johndoe
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von johndoe »

vmler hat geschrieben: 27.03.2023, 14:56
Die Frage kam nur daher auf, da plötzlich eine 100% passende Stelle auf dem Markt freigeworden ist.
So ging es bei mir auch los :) einfach probieren, mehr als ablehnen können sie dich nicht.
kmc
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von kmc »

Grounded hat geschrieben: 27.03.2023, 12:20 Ansonsten kann ich @johndoe nur beipflichten: Ein Minimum an Praxiserfahrung (das können letztlich 3 Jahre auf einer 50-Prozent-Stelle sein, wenn zwei Jahre Berufspraxis in der Wissenschaft anerkannt werden) reichen formal zwar aus. In der Lehre wird dir die Praxiserfahrung definitiv fehlen.
Das dachte ich auch immer. In den mittlerweile 3 Berufungsverfahren in denen ich drin bin, habe ich aber festgestellt dass ich mit deutlich mehr als 10 Jahren Berufserfahrung in der Privatwirtschaft ein totaler Exot bin, jedenfalls in meinem Fachgebiet (Informatik). In den BKs sitzen fast durchwegs Profs die letztlich nur das gesetzliche Minimum (also die 3 Jahre außerhalb der Uni) oder vielleicht 2-3 Jahre mehr gemacht haben. Auch sonst gucke ich mir gern die CVs vom Kollegium interessanter Hochschulen bzw. Fakultäten an und da ist das Bild eigentlich durchwegs dasselbe.

Vermute aber dass das in der Informatik besonders ausgeprägt ist, weil der Gehaltsabstieg auf W2 nach längerer Berufserfahrung sehr spürbar ist. D.h. wer eine FH-Professur anstrebt macht das entweder früh in der Karriere oder gar nicht mehr (mit gelegentlichen Ausnahmen).
johndoe
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von johndoe »

kmc hat geschrieben: 31.03.2023, 10:40
Grounded hat geschrieben: 27.03.2023, 12:20 Ansonsten kann ich @johndoe nur beipflichten: Ein Minimum an Praxiserfahrung (das können letztlich 3 Jahre auf einer 50-Prozent-Stelle sein, wenn zwei Jahre Berufspraxis in der Wissenschaft anerkannt werden) reichen formal zwar aus. In der Lehre wird dir die Praxiserfahrung definitiv fehlen.
Das dachte ich auch immer. In den mittlerweile 3 Berufungsverfahren in denen ich drin bin, habe ich aber festgestellt dass ich mit deutlich mehr als 10 Jahren Berufserfahrung in der Privatwirtschaft ein totaler Exot bin, jedenfalls in meinem Fachgebiet (Informatik). In den BKs sitzen fast durchwegs Profs die letztlich nur das gesetzliche Minimum (also die 3 Jahre außerhalb der Uni) oder vielleicht 2-3 Jahre mehr gemacht haben. Auch sonst gucke ich mir gern die CVs vom Kollegium interessanter Hochschulen bzw. Fakultäten an und da ist das Bild eigentlich durchwegs dasselbe.

Vermute aber dass das in der Informatik besonders ausgeprägt ist, weil der Gehaltsabstieg auf W2 nach längerer Berufserfahrung sehr spürbar ist. D.h. wer eine FH-Professur anstrebt macht das entweder früh in der Karriere oder gar nicht mehr (mit gelegentlichen Ausnahmen).
Ich beobachte das an manchen Stellen auch und finde es nicht gut. Klar sind die Kollegen auch nett, aber teils jünger als 30. Wie viel Praxis will man da schon erlebt haben und mit den Studierenden teilen? Ob das dem Charakter einer FH förderlich ist? Ich glaube nicht.

Aber als jmd mit deutlich über 10 Jahren Industrie auf dem Buckel halte ich die Fahne hoch :D
Grounded
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von Grounded »

kmc hat geschrieben: 31.03.2023, 10:40 Das dachte ich auch immer. In den mittlerweile 3 Berufungsverfahren in denen ich drin bin, habe ich aber festgestellt dass ich mit deutlich mehr als 10 Jahren Berufserfahrung in der Privatwirtschaft ein totaler Exot bin, jedenfalls in meinem Fachgebiet (Informatik). In den BKs sitzen fast durchwegs Profs die letztlich nur das gesetzliche Minimum (also die 3 Jahre außerhalb der Uni) oder vielleicht 2-3 Jahre mehr gemacht haben. Auch sonst gucke ich mir gern die CVs vom Kollegium interessanter Hochschulen bzw. Fakultäten an und da ist das Bild eigentlich durchwegs dasselbe.

Vermute aber dass das in der Informatik besonders ausgeprägt ist, weil der Gehaltsabstieg auf W2 nach längerer Berufserfahrung sehr spürbar ist. D.h. wer eine FH-Professur anstrebt macht das entweder früh in der Karriere oder gar nicht mehr (mit gelegentlichen Ausnahmen).
Was diese Beobachtung angeht, hast du sicherlich recht. Und die Zahl der Profs mit wenig Praxiserfahrung nimmt auch in anderen Fachbereichen zu, weil der promovierte Nachwuchs fehlt. Ich bleibe aber dabei: Mehr als drei/ fünf Jahre Praxiserfahrung sind gerade an der Fachhochschule unentbehrlich.
kmc
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von kmc »

Grounded hat geschrieben: 31.03.2023, 19:28 Was diese Beobachtung angeht, hast du sicherlich recht. Und die Zahl der Profs mit wenig Praxiserfahrung nimmt auch in anderen Fachbereichen zu, weil der promovierte Nachwuchs fehlt. Ich bleibe aber dabei: Mehr als drei/ fünf Jahre Praxiserfahrung sind gerade an der Fachhochschule unentbehrlich.
Bin ja ganz deiner Meinung, ich denke auch dass es sonst das Konzept der FH-Professur entwertet. Ich habe die immer so interpretiert: klar, als FH-Prof bist du in der Regel nicht der große Forscher mit der seitenlangen Publikationsliste, wie sie auf Unis für jede noch so miese Stelle erwartet wird. Aber stattdessen hast du echte Praxiserfahrung draußen in der Wirtschaft (und hältst den Kontakt zu dieser Außenwelt dann auch als Prof aufrecht, idealerweise).

In meinen bisherigen Gesprächen konnte ich jedenfalls sehr rasch bemerken, welche Profs in der BK tatsächlich solche Erfahrung hatten - die fragen anders, legen auf andere Dinge Wert. Die lesen auch die CVs der Bewerber anders und mit wesentlich mehr Verständnis - jeder 25jährige Recruiter im britischen Callcenter kann das besser als mancher honorige deutsche Prof. Sehe da auch das Risiko, dass durch diese Leute die Praktiker dann erst recht draußen gehalten werden. Man umgibt sich ja doch bewusst oder unbewusst lieber mit Seinesgleichen.
DrFinance
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Re: Zählt Berufserfahrung nach Bachelor oder nach Master?

Beitrag von DrFinance »

Hallo zusammen,
Ich habe eine Frage zur Berufserfahrung. Hierzu habe ich bisher sehr unterschiedliche Angaben bekommen und auch die Gesetzestexte sind für mich nicht wirklich deutlich.
Wenn man während der Promotionszeit an der Uni angestellt ist, zählt diese Zeit zu den 2 Jahren Berufserfahrung an der Uni? Oder müsste man, wenn man frisch von der Promotion kommt, noch 5 Jahre in der freien Wirtschaft arbeiten (Angenommen man hat bisher noch nicht andersweitig gearbeitet)?
Ich frage dies speziell für NRW.
Viele Grüße
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