Überhaupt promovieren ?

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machenodernicht
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Überhaupt promovieren ?

Beitrag von machenodernicht »

Hallo zusammen,
ich stehe vor einer wirklichen Zwickmühle. Aktuell stehe ich vor dem Abschluss meines Masterstudiums und bin am überlegen, eine Promotion zu beginnen. Dies bezüglich habe ich bereits mit einem meiner Professoren Rücksprache gehalten, dieser war auch sehr angetan von der Idee und Thema und hat direkt ein Förderstipendium beantragt, welches seiner Aussage nach zu hoher Wahrscheinlichkeit auch genehmigt wird.
Allerdings bin ich noch stark am überlegen, dass Stipendium wirklich anzunehmen. Einerseits ist das Thema wirklich interessant, aber doch sehr theoretisch und vor allem sehr bioinformatisch, was mich (etwas) abschreckt.
Hinzu kommt der Punkt, dass ich wohl Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten habe, allerdings Themen wie Statistik, IT etc. wenig abgewinnen kann, was in einer Promotion unausweichlich ist. Ein weiterer Punkt, der dagegen spricht sind die finanziellen EInbußen, welche eine Promotion erstmal mit sich bringt.

Eine spätere Karriere in der Wissenschaft ist für mich ausgeschlossen. Die Jobs welche ich mit diesem Abschluss bekommen könnte sind aktuell alle mit verhältnismäßig jungen Menschen besetzt. Bei einem Teil der Jobs wird eine Promotion teilweise vorausgesetzt, bzw. alle Personen dieser Stellung haben eine.
Was mich aktuell beschäftigt ist die Frage, ob ich es später eventuell bereuen würde nicht promoviert/ die Chance genutzt zu haben. Ich habe bereits mit einigen Doktoranten des Lehrstuhl gesprochen, diese sprachen von einer sehr angenehmen und hilfreichen Arbeitsatmosphäre, allerdings intensiven Thematik.

Eine für mich aktuell schwierige Entscheidung über meinen weiteren Lebensweg, was mir zwischendurch schlaflose Nächte bereitet.

Was sind eure Meinungen zu dem Sachverhalt ?

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daherrdoggda
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von daherrdoggda »

machenodernicht hat geschrieben: 17.01.2023, 09:24 Eine spätere Karriere in der Wissenschaft ist für mich ausgeschlossen.
Das ist die Antwort ;)
Wierus
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Wierus »

machenodernicht hat geschrieben: 17.01.2023, 09:24Einerseits ist das Thema wirklich interessant, aber doch sehr theoretisch und vor allem sehr bioinformatisch, was mich (etwas) abschreckt.
Hinzu kommt der Punkt, dass ich wohl Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten habe, allerdings Themen wie Statistik, IT etc. wenig abgewinnen kann, was in einer Promotion unausweichlich ist. Ein weiterer Punkt, der dagegen spricht sind die finanziellen EInbußen, welche eine Promotion erstmal mit sich bringt. [...]

Was sind eure Meinungen zu dem Sachverhalt ?

Kommst du aus der Biologie oder einem damit eng verwandten Forschungbereich? Wenn ja, wirst du fast promovieren müssen, denn hier gilt das eigentlich als Regelabschluss, ohne den es ansonsten sehr schwer wird, eine vernünftige Anstellung zu finden.

Zu bedenken gebe ich außerdem, dass sich "Bioinformatik" nach einem absolut zukunftsträchtigen Forschungsbereich anhört.

Aber ohne eine ausgeprägte intrinsische Motivation würde ich ebenfalls von einer Promotion abraten.
flip
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von flip »

Irgendwie lese ich nichts zur Alternative...?
johndoe
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von johndoe »

flip hat geschrieben: 18.01.2023, 19:33 Irgendwie lese ich nichts zur Alternative...?
Valider Punkt. Aus meiner Sicht kritisch für die Entscheidung.

Also mein Eindruck ist, dass die Diss absolut unnötig ist in deiner Situation. Du brennst nicht fürs Thema, quantitative Forschung schreckt dich ab, du denkst eher an kurzfristige Gehaltsoptionen und du willst eig gar nicht langfristig im akademischen Umfeld arbeiten. Einen richtigen Grund pro Promotion hast du eig gar nicht genannt, außer dass (zufällig?) die Option besteht.

Was mir auch komisch vorkommt: du schreibst erst, dass du dem Prof ein Thema vorgeschlagen hast, später aber, dass dir das Thema eig gar nicht gefällt. ??? Wie kann das denn passieren???
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Wierus »

Ich kenne drei Biologen. Zwei davon haben promoviert, einer hat es vergeblich versucht und arbeitet jetzt bei Siemens in der Datenverarbeitung. Daraus leite ich ab, dass an dem Gerücht, für Biologen sei die Promotion der Regelabschluss, tatsächlich etwas dran ist.

Was bleibt dann jenen nicht-promovierten Biologen übrig? Hm. Ich denke, der Quereinstieg ins Lehramt könnte sich je nach Bundesland relativ einfach gestalten.
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Denkerin »

daherrdoggda hat geschrieben: 17.01.2023, 21:50
machenodernicht hat geschrieben: 17.01.2023, 09:24 Eine spätere Karriere in der Wissenschaft ist für mich ausgeschlossen.
Das ist die Antwort ;)
Ist auf jeden Fall ein Punkt. Aber eine Promotion kann ja nicht nur sinnvoll sein, wenn man in der Wissenschaft bleiben will. Auch in der Wirtschaft hat das Vorteile. Und was auch zu oft vergessen wird: Es ist natürlich schon auch persönlichkeitsbildend und man erlernt im besten Fall während der Arbeit an der Diss automatisch Fähigkeiten, die einem bei jeder Art Arbeit weiterhelfen (Pragmatismus, Zeitmanagement, selbstbestimmtes Handeln, Methodik...).

Ich würde dir gerne zu einer Promotion raten, aber auch für mich klingt es eher so, als würdest du dich nur etwas scheuen, eine Möglichkeit auszuschlagen. Deine anderen Punkte sprechen ja eher gegen eine Promotion. Vielleicht erstmal mit einer Pro- und Contra-Liste anfangen, sodass du dir alle Argumente visualisierst?
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Newhaven »

Das kommt drauf an...
in welchem Bereich Du tätig bist.
In vielen Bereichen (Chemie z.B.) geht ohne Promotion fast nichts (weder in der Wissenschaft noch in der Industrie).

Wenn dein Prof da schon den Weg des Förderstipendiums eröffnet hört sich das (für mich) erstmal gut an - damit wären doch auch die finanziellen Einnahmen geklärt oder? Von einem Stipendium von i.d.R. ca. 1800 Euro pro Monat (steuerfrei) kann man schon eine Zeit lang gut leben.

Eine Alternative während evtl. eine Promotion berufsbegleitend bzw. als externer Promovierender - aber auch das hat Vor- und Nachteile.

Lange Rede kurzer Sinn: Wenn es in deinem Bereich üblich ist (bezogen auf die Industrie) her nur promovierte Personen einzustellen, dann würde ich promovieren.
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Newhaven »

PS: "Eine später Karriere in der Wissenschaft ist für mich ausgeschlossen" - ich weiß nicht wie alt du bist, aber meine Erfahrung zeigt mir: sag niemals nie.
Ich dachte auch nicht das ich mal das mache was ich heute mache... Dinge, Lebensumstände, Prioritäten etc. verändern sich im Laufe eines (Berufs)Lebens
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Re: Überhaupt promovieren ?

Beitrag von Vollkornpizza »

Hallo zusammen,

ich möchte auch ein wenig Senf beitragen:

1. Man kann auch promovieren, ohne in die Wissenschaft zu wollen (war bei mir/für mich schon immer klar). Dann ist es allerdings hilfreich, Lust aufs Thema zu haben bzw. Lust auf die Promotion. Für mich war das einfach ein Projekt für ein paar Jahre, das ich gerne machen wollte. Aber ich stimme meinen Vorredner*innen zu: Ohne intrinsische Motivation (egal aus welcher Bezugsquelle) wird es nicht gehen. Dafür ist es einfach zu hart und zu lang.

2. Auch wenn Wierus und ich zusammenlegen, werden wir zwar nicht auf eine respräsentative Stichprobengröße kommen, aber ich habe gerade auch in meinem Bekanntenkreis einmal nachgezählt. Ich kenne 5 Biolog*innen. Zwei davon nicht promoviert, davon arbeitet einer als Versicherungsvertreter und einer als Skilehrer. Drei davon promoviert, davon: 1* Teamleiterin Öffentlicher Dienst, 1* Post Doc an staatl. Institut, 1* Pharmareferentin.

Vielleicht gibt es irgendwo aber auch empirische Erkenntnisse dazu.

Viele Grüße
VP
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