PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
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Bobo87
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PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Bobo87 »

Hallo Leute,

das DFG Stipendium wirkt ja ganz attraktiv, vor allem, da man damit ins Ausland kann. Vielleicht hat ja jemand Erfahrungen damit, daher die Fragen:

- Wisst ihr, wie hoch die Zusage-Quote dort ist?

- Muss, wenn man ins Ausland will, das Forschungs-Thema mit diesem Land zu tun haben?

- Allgemein: Kann man einfach irgendeine*n Prof an irgendeiner Uni anschreiben, ob man dort für die PostDoc Phase mit Stipendium andocken kann? Oder ist es eher üblich, dass man schon die Kontakte zu einer Uni (im Ausland) haben sollte?

- Laut Internet werden vergleichsweise wenige Projekte der Geisteswissenschaft über dieses Stipendium gefördert. Sind die Geisteswissenschaften bei der DFG weniger gern gesehen oder bewerben sich einfach weniger aus dem Bereich?

Würde mich über Hilfe sehr freuen. Danke schon mal :)

Viele Grüße

Bobo

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daherrdoggda
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von daherrdoggda »

Zusage-Quote: "Die Bewilligungsquote für Anträge bei der DFG liegt ca. zwischen 30 und 40 % in der Einzelförderung (inkl. Anträge auf Forschungsstipendien und die Eigene Stelle)."

Thema und Land: Als NaWi kann ich dazu nur vermuten: Wenn es in deinem Zielland eine Gruppe gibt, die dich aufnehmen wird, und du in deren Thema arbeiten willst, ist es vollkommen egal, ob das Thema zum Land passt. Das ist ja bei NaWi/Ingenieur/Medizin-Themen auch nicht der Fall.

Allgemein: "Im Vorfeld der Beantragung muss eine gastgebende Einrichtung identifiziert werden, die Sie aufnimmt. Dies muss bereits bei Antragstellung von der Einrichtung zugesichert werden"
Bobo87
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Bobo87 »

Hey,

super, danke für die Antwort :) Dann schaue ich nochmal, ob und wie ich den Auslandsaufenthalt begründe.

LG
Muenze
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Muenze »

Hat jemand hier jemand schon persönlich Erfahrung mit dem Walter-Benjamin-Programm gesammelt?
Das auf-eine-Entscheidung-warten ziiiieht sich :-tomate:
Meruem
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Meruem »

Zur Ergänzung würde ich noch hinzufügen, dass die Förderquote beim Walter Benjamin-Programm höher ist, als in der allgemeinen Einzelförderung. Von 1038 Anträgen zwischen 2018-2021 wurden 636 gefördert, was also einer Quote von über 60% entspricht (Quelle: https://www.dfg.de/foerderung/einzelfoe ... index.html). Zur Bearbeitungszeit: Die DFG selbst gibt durchschnittlich 6 Monate an. Ich warte aktuell selbst auf eine Entscheidung und habe meinen Antrag Oktober 2022 eingereicht. Anfang April 2023 hat sich der Status meines Antrages von "Begutachtung" zu "Entscheidungsprozess" geändert. Der Bearbeitungsstatus ist übrigens auch hier: https://www.dfg.de/download/pdf/foerder ... ant_de.pdf beschrieben. Laut meiner Sachbearbeiterin sollte ich bis mit Mitte Mai 2023 mit einer Entscheidung rechnen können (ohne Gewähr). Bei mir wären es dann also knapp 7 Monate.

Kommt alles natürlich stark auf das jeweilige Fachgebiet und die verfügbaren Gutachter an. Je spezieller das Thema ist, desto schwerer wird es wohl sein, einen geeigneten Gutachter zu finden.
daherrdoggda
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von daherrdoggda »

Bei mir hat es damals 24.5 Wochen gedauert :D
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Wierus »

Auch wenn der Thread schon etwas her ist, blieb eine interessante Frage bisher unbeantwortet:
Bobo87 hat geschrieben: 29.07.2022, 09:44Laut Internet werden vergleichsweise wenige Projekte der Geisteswissenschaft über dieses Stipendium gefördert. Sind die Geisteswissenschaften bei der DFG weniger gern gesehen oder bewerben sich einfach weniger aus dem Bereich?
Ich würde sagen, es liegt eher an den Bewerbern. Wer in Geistes-, Sozial-, Sprach- oder Kulturwissenschaften forscht, möchte wohl lieber in Ruhe sein Forschungsmanuskript bearbeiten, als durch die Welt zu reisen. Und mit Pech verlangt die gastgebende Universität ein hohes Lehrpensum.

Es klingt natürlich verlockend, über 3.000 Euro im Monat zu kassieren, um innerhalb von 1-2 Jahren sein Forschungsprojekt abzuschließen.

Ich konstruiere jetzt einmal einen hypothetischen Fall:
Ein Politologe forscht zur aktuellen Lage in Indien mit Fokus auf die Beziehungen zu China. Dazu würde er gerne einmal nach Indien reisen um die nördliche Region zu erkunden und sich ein Bild vor Ort zu machen. Auf Anfrage bei der Chandigarh University erhält er eine positive Rückmeldung. DFG gewährt ihm dazu ein 12monatiges Stpiendium und er reist also nach Indien. Dort angekommen, muss er sich erst einmal zurechtfinden, die Universität verlangt von ihm Lehre sowie administrative Unterstützung -etwa Anwesenheit bei diversen Veranstaltungen. Zum Schreiben kommt er nicht und über mehrere Tage am Stück auf eigene Faust durch die Gegend zu ziehen wird auch schwierig. Am Ende kommt er aus Indien zurück und hat sehr viele Leute kennen gelernt - ist aber mit seiner Forschung kaum weiter gekommen.

Imho eine Horrorvorstellung.
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von daherrdoggda »

Nach 2 Jahren ist zwar das Stipendium vorbei, aber wenn man dirt weiter finanziert wird oder ein neues Stipendium findet, kann man dort bleiben.
Nur wenige Projekte werden in meinem Gebiet in nur 2 Jahren fertig, es sei denn, alle sind mit einem Salami-paper einverstanden :D
Meruem
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Re: PostDoc Stipendium DFG/ Walter Benjamin

Beitrag von Meruem »

Wierus hat geschrieben: 13.04.2023, 15:36 [...]
Bobo87 hat geschrieben: 29.07.2022, 09:44Laut Internet werden vergleichsweise wenige Projekte der Geisteswissenschaft über dieses Stipendium gefördert. Sind die Geisteswissenschaften bei der DFG weniger gern gesehen oder bewerben sich einfach weniger aus dem Bereich?
Ich würde sagen, es liegt eher an den Bewerbern. [...]
Dem würde ich zustimmen. Laut https://www.dfg.de/download/pdf/foerder ... ogramm.pdf wurden 2020 insgesamt 213 Anträge nach dem Walter Benjamin-Programm gefördert. 113 bei den Lebenswissenschaften, 66 bei den Naturwissenschaften, 22 bei Geistes- und Sozialwissenschaften und 12 bei den Ingenieurwissenschaften.

Ich gehöre tatsächlich zu den Ingenieurwissenschaften. Aus meiner Perspektive bleiben da sowieso die wenigsten in der Forschung oder es besteht wenig Interesse einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Die Bewilligungsquote selbst ist wohl bei allen Bereichen ähnlich.
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