Thesis - Blindzitate

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Thesis - Blindzitate

Beitrag von Dokfrag » 14.02.2020, 10:55

Hallo,

hier schnell zu meiner Frage:

Doktorand entdeckt eine oder 2 Seiten Zusammenfassung von Autor X (in der viele andere Autoren A, B, C, D usw. zitiert werden).
Doktorand findet 'oh passt zu meinem Thema!' Also macht es sich der Doktorand leicht und versucht die Zusammenfassung in anderen Worten zu schreiben, schafft es auch so halb...also manche Wörter ähneln sich. Dabei schaut der Doktorand sich nicht die Orginalarbeiten von Autor A, B, C...an, schreibt die Zusammenfassung von Autor X um aber zitiert ihn nicht, sondern zitiert nur Autor A, B, C, D. Ein Mediziner meinte das wäre ok. Das ist doch falsch und plagiert?
Wäre das nicht blind zitieren? Zumal wäre das ja auch noch die gleiche Literatur...

Jetzt bin ich gespannt....

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Grounded » 14.02.2020, 13:29

So, wie du es darstellst, also Paraphrasieren ohne Quellenangabe, ist es ganz klar ein Paraphrasenplagiat.

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Wierus » 14.02.2020, 15:56

Im Prinzip handelt es sich um ein Plagiat, allerdings müsste man sich den konkreten Einzelfall genauer anschauen und z.B. folgende Fragen klären:
(a) In welchem Umfang gibt der plagiierende Autor die zwei Seiten Fremdtext in seiner eigenen Arbeit wieder?
(b) Wie relevant sind die zusammengefassten Ergebnisse der anderen Autoren für die fragliche Dissertation?

Im günstigsten Fall könnte es sich um eine Grauzone handeln, etwa wenn der Autor die zwei Seiten zu lediglich zwei Zeilen gestaucht hat und die Ergebnisse auch nicht sonderlich wichtig für seine eigene Arbeit sind. Dann könnte man es eventuell - sofern es nur an einer Stelle auftritt - noch als Nachlässigkeit auslegen.

Aber wie gesagt, man müsste den konkreten Fall vorliegen haben um es definitv beurteilen zu können. In einer typischen Medizin-Dissertation von weniger als 50 Seiten schlägt das durchaus gravierender zu Buche als in einer hunderte Seiten dicken Sozialstudie.

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von teilchenphysik196 » 14.02.2020, 16:11

Aus meiner Sicht ein Plagiat. Ist nicht Schavan über sowas gestolpert? Du schreibst sowohl das Zitat als auch die komplette Quellenangabe ab, ohne die Originalarbeiten angesehen zu haben. So kann es dann kommen, dass Fehler mit abgeschrieben werden. So kommt man denn auch solchen Plagiaten auf die Schliche. Würde ich lassen! Es bringt Dich auch fachlich nicht weiter. Gerade, wenn die zitierten Autoren wichtig sind für Deine Arbeit, würde ich mir die Mühe machen und die Originalarbeiten komplett lesen. Es kann auch sein, dass die Zitate nicht das widergeben, was der Autor beabsichtigte zu sagen.

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Nomen Nescio » 14.02.2020, 16:12

Sofern du (noch) keinen Ministerposten besetzt hast, tendiere ich zu Plagiat, ansonsten heisst das "handwerkliche Schwäche" bzw "schlampiges wissenschaftliches Arbeiten". ;) Mediziner sind per se kaum als gute Quelle anzusehen. :twisted:

BTW wird es nicht mehr lange dauern, bis KIs auch Wortumstellungen/-änderungen, nichtwortgetreue Übersetzungen, etc erkennen, aber das nur am Rande.
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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von flip » 14.02.2020, 16:30

Dokfrag hat geschrieben:
14.02.2020, 10:55
Hallo,

hier schnell zu meiner Frage:

Doktorand entdeckt eine oder 2 Seiten Zusammenfassung von Autor X (in der viele andere Autoren A, B, C, D usw. zitiert werden).
Doktorand findet 'oh passt zu meinem Thema!' Also macht es sich der Doktorand leicht und versucht die Zusammenfassung in anderen Worten zu schreiben, schafft es auch so halb...also manche Wörter ähneln sich. Dabei schaut der Doktorand sich nicht die Orginalarbeiten von Autor A, B, C...an, schreibt die Zusammenfassung von Autor X um aber zitiert ihn nicht, sondern zitiert nur Autor A, B, C, D. Ein Mediziner meinte das wäre ok. Das ist doch falsch und plagiert?
Wäre das nicht blind zitieren? Zumal wäre das ja auch noch die gleiche Literatur...

Jetzt bin ich gespannt....
Nja, das sind immer so Anfängerfehler. Der korrekte Weg ist, wenn du die Literatur liest und dann mit deinen eigenen Worten ohne Zuhilfenahme der anderen Quelle das ganze dann aufschreibst. Ich stellt sich auch garnicht die Frage, weil die Quellen ja relevant sind. Also muss man sie auch berücksichtigen. Das ist schließlich Teil der Arbeit.
Das jetzt ein Medziner auf Basis seiner Bachelorarbeit argumentiert, weil er es nicht anders kennt, sei einmal dahingestellt.

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Wierus » 14.02.2020, 17:13

flip hat geschrieben:
14.02.2020, 16:30
Der korrekte Weg ist, wenn du die Literatur liest und dann mit deinen eigenen Worten ohne Zuhilfenahme der anderen Quelle das ganze dann aufschreibst.
Die Frage differenziert halt auch überhaupt nicht zwischen direkten und indirekten Zitaten. Um was geht es genau?

Angenommen, die ursprüngliche Zusammenfassung hat nur "Vgl."-Fußnoten, der beanstandete Text jedoch direkte Zitate aus den Quellen, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Nochmal: Wie deutlich und in welchem Umfang hat sich der (angeblich) plagiierende Autor am Text der Zusammenfassung und der fremden Argumentation orientiert?

Das alles klingt bisserl nach "Ideenklau am Arbeitsplatz". :mrgreen:

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Dokfrag » 14.02.2020, 18:30

Wierus hat geschrieben:
14.02.2020, 17:13
flip hat geschrieben:
14.02.2020, 16:30
Der korrekte Weg ist, wenn du die Literatur liest und dann mit deinen eigenen Worten ohne Zuhilfenahme der anderen Quelle das ganze dann aufschreibst.
Die Frage differenziert halt auch überhaupt nicht zwischen direkten und indirekten Zitaten. Um was geht es genau?

Angenommen, die ursprüngliche Zusammenfassung hat nur "Vgl."-Fußnoten, der beanstandete Text jedoch direkte Zitate aus den Quellen, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Nochmal: Wie deutlich und in welchem Umfang hat sich der (angeblich) plagiierende Autor am Text der Zusammenfassung und der fremden Argumentation orientiert?

Das alles klingt bisserl nach "Ideenklau am Arbeitsplatz". :mrgreen:
Danke Euch alle für die Antworten! Der Mediziner hat mir das genau so wie ich das am Anfang geschildert habe als Beispiel gesagt und, dass das ganz normal in Medizin wäre - ohne die Orginalarbeiten zu lesen, von der Sekundärliteratur (welche der Mediziner in seiner Arbeit nicht erwähnt!) zu zitieren. Bin mir aber ziemlich sicher, dass er das in seiner Arbeit auch so gemacht hat ;). Gut, das weiss ich aber nicht!
bin aber auch der Meinung nur weil man die Sätze umformuliert hat, aber die Primärquelle nicht gelesen hat, ein Blindzitat bzw. Plagiat erschaffen hat. Es geht ja um die eigene Recherche und nicht alle 'Quellen abfischen' und umformulieren - wieviele Seiten oder Sätze auch immer.

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Re: Thesis - Blindzitate

Beitrag von Wierus » 15.02.2020, 14:26

Dokfrag hat geschrieben:
14.02.2020, 18:30
Es geht ja um die eigene Recherche und nicht alle 'Quellen abfischen' und umformulieren - wieviele Seiten oder Sätze auch immer.
Keiner hier redet einem wissenschaftlich unredlichen Arbeiten das Wort. Aber es handelt sich bei deinen Ausführungen immerhin um einen gravierenden und eine potentielle Karriere unrettbar zerstörenden Vorwurf an einen anderen Autor/Kollegen. Da sollte man schon vorsichtig sein und genau wissen um welche Verfehlungen es konkret geht.

Wir reden hier immerhin über den Fachbereich Medizin! Und wenn ich mir überlege, dass ich erst vor Kurzem eine Medizin-Diss von sage und schreibe 25 Seiten Umfang gesehen habe, kann ich mir tatsächlich vorstellen, dass in diesem Fachbereich auch in der Diss auf ganz andere Dinge wert gelegt wird, also z.B. auf "Anamnese", "klinische Beobachtung" oder "Laborarbeit".

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