Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

... und die Fragen, die sich davor und dabei ergeben.
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Jamilyn
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Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Jamilyn » 06.05.2019, 15:14

Hallo allerseits,

hier eine kurze Beschreibung meiner Situation:
Ich habe 2012 als Doktorand in Biotechnologie angefangen. Mein Projekt waren quasi unbeantwortete "Restfragen" von anderen Projekten, für die es teils noch keine Methoden gibt. Daher bestehen meine Ergebnisse aus "A ist ein Hinweis auf B", "C deute darauf hin dass"... also es ist im Prinzip nichts wirklich schlüssig belegt.
Im Jahr 2016 bin ich an Depression erkrankt (aus privaten Gründen, aber die Arbeit hat es nicht besser gemacht). Ich war fast fünf Monate arbeitsunfähig und teils stationär aufgenommen. Dazu noch Monate, in denen ich anwesend, aber nicht wirklich leistungsfähig war.

Kurz: meine Daten und Ergebnisse kann man nur wohlwollend als mittelmäßig bezeichnen.
Dann war das Geld für meine Stelle zu Ende. Naja, nach vier Jahren nicht ungewöhnlich. Also habe ich mir neue Arbeit gesucht und nebenher geschrieben, was fast zwei Jahre gebraucht hat. Geschrieben, was eben aus den Daten herauszuholen war. Ich wusste, dass das keine Höchstleistung wird. Die drei Gutachten waren dann auch 2.7/2.7/3.0 :(

Jetzt bereite ich mich auf die Verteidigung vor. Und mein DV lässt Bemerkungen fallen wie "das muss jetzt aber wirklich ausgezeichnet werden, sonst haben Sie ein ernsthaftes Problem". Und das macht mir natürlich große Sorgen. Ich tue natürlich mein bestes, aber ich habe eine Riesenangst, dass ich durchfalle.

Kennt jemand hier Fälle, die bei der Verteidigung durchgefallen sind? Haben die dann den zweiten Versuch bestanden?
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von flip » 06.05.2019, 16:28

Ok, einmal der Holzhammer, um deine Psyche ein wenig aufzuhellen! :)

1. Denkst du bitte überhaupt nicht darüber nach, dass du durchfallen könntest. Besinne dich mal auf deine Therapie zurück und was das Wichtigste... - DAS WICHTIGSTE - damals gewesen ist, dass du gelernt hast. Nämlich: Positiv denken. Du machst dir gerade über etwas Gedanken, das gar nicht eintreten wird (durch den Zweitversuch fallen). Wozu? Du bist erst einmal im hier und jetzt.
2. Du hast zwei Gutachten, die dir eine 2.7 gegeben haben, also die bessere Note. Folglich ist dein Ziel die Erwartungen dieser beiden Gutachten zu erfüllen und nicht einfach nur zu bestehen. Du bist in einer guten Ausgangsposition, siehst aber nur das Schlechte. Umdenken!
3. Wenn die Daten schlecht waren liegt das an den Daten und nicht an dir. Das heißt, die Kommission berücksichtigt das natürlich und dreht dir keinen Strick daraus. Sonst hättest du drei Mal die schlechteste Note bekommen oder es wäre gar ein negatives Gutachten dabei gewesen.
4. Schon einmal daran gedacht, dass dein Prof meinen könnte, dass du dich richtig anstrengen sollst, um die bessere Note zu bekommen und nicht um durchzufallen?
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Nomen Nescio » 06.05.2019, 18:22

Es gibt für Disputationen bzw das Bestehen selbiger 1 eherne Regel:
1. Es geht nur um das wie, nicht um das ob!

Die genaue Prozentzahl zu Regel 1 kannst du selbst ausrechnen: Lt. Statistischem Bundesamt sind 2017 von gut 28.000 Prüflingen und Prüflinginnen 7 bei Disputationen/Rigorosa durchgefallen, etwas unter 1/4 pro mille. Um den Bogen zu deiner Frage zu schlagen, muss ich zugeben, dass ich keine(n) der 7 kenne und nichts über deren evtl. Zweitversuche in 2018 weiss. ;)
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von daherrdoggda » 07.05.2019, 03:27

Ich hab bisher nur 2 Geschichten aus 2. Hand gehoert, wie manche tatsaechlich durchgefallen sind. In einem Fall hatte jemand eine Panikattacke und konnte nicht sprechen, und deshalb weder den Vortrag halten, noch Fragen beantworten, und hat die ganze Zeit nur gezittert. Da konnten sie keine guten Noten geben, und mussten durchfallen lassen, weil einfach keine Pruefungsleistung da war. Das solltest du also zumindest vermeiden. Der andere Fall war mit einem boeswilligen Pruefer, der am Ende sogar die Aufgabe gestellt haben soll, einen Zug an die Tafel zu malen. Danach soll der Pruefer gefragt haben, ob man denn weiss, was das fuer ein Zug sei - es war der, der gerade abgefahren war. Die anderen Pruefer fanden das entsprechend unangebracht, aber offenbar ist die Person durchgefallen. In beiden Faellen hat aber der 2. Versuch geklappt.

Unabhaengig von Anekdoten zeigt aber die Statistik, wie oben schon erwaehnt, dass nur sehr wenige durchfallen. Such doch mal hier deinen Fachbereich und/oder deine Uni raus und schau dir die Zahlen an: http://www.forschungsinfo.de/promotions ... php?ct=det
Insgesamt sind 2014-16 an allen Unis in allen Fachbereichen zusammen 28 von 82659 endgueltig durchgefallen (0.03%).
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Jamilyn » 07.05.2019, 08:56

flip hat geschrieben:
06.05.2019, 16:28
Ok, einmal der Holzhammer, um deine Psyche ein wenig aufzuhellen! :)
(...)
Danke für die ehrlichen Worte, und den verbalen Tritt in den Hintern, nicht so negativ zu denken.
Nomen Nescio hat geschrieben:
06.05.2019, 18:22
Die genaue Prozentzahl zu Regel 1 kannst du selbst ausrechnen: Lt. Statistischem Bundesamt sind 2017 von gut 28.000 Prüflingen und Prüflinginnen 7 bei Disputationen/Rigorosa durchgefallen, etwas unter 1/4 pro mille.
Danke für den Realitätscheck!
Ich hatte woanders gelesen, dass ca 1% ein Gutachten mit rite bekommt, und 1% durchfällt, und mein Hirn ist mit dieser Fehlinfo gleich mal Achterbahn gefahren. :oops:
daherrdoggda hat geschrieben:
07.05.2019, 03:27
Ich hab bisher nur 2 Geschichten aus 2. Hand gehoert, wie manche tatsaechlich durchgefallen sind. In einem Fall hatte jemand eine Panikattacke und konnte nicht sprechen, und deshalb weder den Vortrag halten, noch Fragen beantworten, und hat die ganze Zeit nur gezittert. Da konnten sie keine guten Noten geben, und mussten durchfallen lassen, weil einfach keine Pruefungsleistung da war. Das solltest du also zumindest vermeiden.
Das krieg ich hin. Ich werd bestimmt den ein oder anderen Flüchtigkeitsfehler haben, aber ganz sprachlos war ich bisher bei fachlichen Dingen nie.

Übrigens, die Story mit dem Zug können wir, glaube ich, unter Urban Legend verbuchen. An meiner Uni heißt es, das wäre in einem Staatsexamen Pharmazie passiert. Meine Mutter hat im Studium gehört, das war ein Vordiplom Mathe. Meine Oma sagt, zu ihrer Unizeit wäre das eine Geschichte über ein Examen in Medizin gewesen.

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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Wierus » 07.05.2019, 21:28

Das Schlimmste, was am Tag der Disputation passieren kann, ist: Nicht hinzugehen.

Von daher Augen zu und durch! :wink:
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von teilchenphysik196 » 14.05.2019, 11:26

Liebe(r) Jamilyn, lass Dir gesagt sein - auch mit mangelhaftem Wissen kommt man durch die Disputation. Bei mir war es so, dass ich einige Dinge, auf die die Prüfer Bezug nahmen, nicht kannte. Materialien für meinen Vortrag, die ich mitgebracht hatte, durfte ich plötzlich nicht benutzen - das hätte mir aber auch angekündigt, hieß es (dem war aber so nicht). Manches aus meiner Diss hatte ich schlicht vergessen. Insgesamt, so meine ich, habe ich kein gutes Bild abgegeben, bin aber nicht durchgefallen! Und nimm die Sache mit den Daten nicht so schwer. Das kommt doch oft vor den Naturwissenschaften, dass man schreiben muss "Test X weist darauf hin, dass" und nicht "Test X beweist, dass". Klopf Dir mal auf die Schulter! Du hast eine Diss gemeistert! Und das unter sehr widrigen Umständen! Ich drücke Dir die Daumen und wünsche gutes Gelingen.
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Grounded » 14.05.2019, 15:51

Jamilyn hat geschrieben:
07.05.2019, 08:56
Danke für die ehrlichen Worte, und den verbalen Tritt in den Hintern, nicht so negativ zu denken.
Ich bin zwar eher für positive Formulierungen zu haben, aber ich schließe mich mal der Formulierung von @flip an und sage: Trittst du dir bitte nicht verbal in den Hintern bzw. bedankst dich auch noch für solche Tritte.

Sei ein wenig wohlwollender zu dir und bestärke dich in dem, was du kannst. Sei freundlich zu dir, du hast es verdient. :blume:

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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Jamilyn » 15.05.2019, 08:17

Danke, teilchenphysik196, für deine aufmunternden Worte. Ich bin momentan daran, nochmal etliches von meiner Literaturliste zu lesen, wonach gefragt werden könnte. Verwenden darf ich dann nur die Diss selbst, keine weiteren Materialien.

Und danke für die Blumen, Grounded.
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Re: Panische Angst, in der Verteidigung durchzufallen

Beitrag von Jamilyn » 26.05.2019, 18:26

Gute Neuigkeiten... ich habe bestanden!
Der Vortrag war gut, in der Diksussion hatte ich ein paar Lücken, aber insgesamt hat es noch für ein cum laude gereicht.

Jetzt soll ich in den nächsten Tagen noch eine Liste mit Auflagen für die Veröffentlichung/ das Bibliotheksexemplar bekommen. Also bin ich immer noch nciht fertig, aber eine große Hürde ist geschafft.
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