Gegenleistung für externe Promotion

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flip
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Re: Gegenleistung für externe Promotion

Beitrag von flip »

Zwonk hat geschrieben:@flip: Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich dem DV angeboten hatte, umsonst einen Lehrauftrag anzunehmen, um meinen Lebenslauf zu verbessern (Lehrerfahrung). Der DV hat das abgelehnt, eben mit der Begründung, daß er grundsätzlich verbietet, daß am Institut jemand ohne Bezahlung lehrt, weil sonst die Verwaltung auf dumme Gedanken gebracht wird. Ich konnte also erst unterrichten, als der DV die entsprechenden Mittel zur Hand hatte.
Ja - das ist ja auch richtig so. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder so denkt. Dann brauchen wir ja garnicht mehr bezahlt zu werden!
Zwonk hat geschrieben: Ich weiß aber, daß das nicht überall so ist. Ganz vage erinnere ich mich an eine Geschichte aus Berlin. Da wollte der Senat wohl entscheiden, daß jede Lehrveranstaltung bezahlt werden muß. Aber dann sind die Unis Sturm gelaufen, weil sie mit bezahlten Lehrkräften unmöglich den Lehrbetrieb aufrecht erhalten könnten und dann hat sich das Vorhaben wohl im Sande verlaufen... Jedenfalls habe ich eine verschwommene Vorstellung, daß es so oder zumindest so ähnlich war. Aber auch so kenne ich von anderen Unis genug Leute, die mehr oder weniger subtil dazu gebracht werden, umsonst zu unterrichten.
Ehm, es wird auch jede Lehrveranstaltung bezahlt. Die Lehrstühle sind zu einem gewissen Lehretat verpflichtet, und sie bekommen auch entsprechend die Anzahl von Stellen/Stunden dafür. Wenn das nicht ausreicht, dann muss eine Lehrkraft eingekauft werden. Ich kann ja auch bspw. an der hiesigen FH ne Veranstaltung für ~ 1400€ im Semester übernehmen.
Es ist allerdings interessant, wie es einige hier für selbstverständlich ansehen, dass man doch bitte unentgeltlich arbeiteten soll. Das es eine ganze Uni so sehen soll, finde ich allerdings zu krass.

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Zwonk
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Re: Gegenleistung für externe Promotion

Beitrag von Zwonk »

@flip: Du hast mich falsch verstanden. Ich habe niemals gesagt, daß ich kostenloses Unterrichten gut finde. Im Gegenteil, ich halte das für ein ziemliches Desaster. Ich stand nur subjektiv vor dem Problem, daß meine Stelle keine Lehrverpflichtung beinhaltete, ich aber trotzdem Lehrerfahrung sammeln wollte.

Und daß Unis sich bemühen, die Lehre (und eigentlich alles andere auch) umsonst zu organisieren, ist ja nun wirklich keine Neuigkeit. Letztes Jahr hat z.B. die FAZ einen Artikel im Zusammenhang mit dem Privatdozentenunwesen darüber geschrieben:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/f ... 57573.html

Und auch sonst gibts die merkwürdigsten Konstruktionen - Leute, die über Monate hinweg vom Arbeitsamt bezahlt werden, gleichzeitig und natürlich inoffiziell aber wichtige Arbeit am Lehrstuhl leisten etc.

Ich persönlich finde das schrecklich und habe auch immer gegen die m.E. zu hohe Anzahl an Doktoranden argumentiert, die immer mehr ehemals fest angestellte Wissenschaftler ersetzen und für die die Unis überhaupt keine klaren Zukunftsaussichten bieten. Wie Du darauf kommst, ich würde darauf dringen, daß alle möglichst umsonst arbeiten sollen, verstehe ich nicht.
12. Dec 2016;01. Feb 2017;f;zum neuen Job!
flip
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Re: Gegenleistung für externe Promotion

Beitrag von flip »

Also das PD beispiel ist nun etwa fehl am Platze. Ein Privatdozent tut dies ja nicht wegen des Geldes. Das würde er ja gerne, aber er bekommt sogut wie nichts dafür. Er muss es machen, damit er sich weiter PD nennen darf. Ein Doktorand ohne universitäte Verpflichtungen muss garnichts. Er verliert ja auch nichts.

Ansonsten finde ich die Einstellung "ich finde das zwar blöd, dass ich nicht bezahlt werde, mache es aber trotzdem, weil es mir ja nützt" ziemlich scheinheilig. Das ist mein Kritikpunkt. Denn genau so kommt das System ja auch zustande. Mal angesehen davon, dass sich bei mir durch Lehre nicht die Berufschancen verbessern (sondern verschlechtern), biete ich doch nicht umsonst noch ein öffentliches Gut an, wie man so schön sagt.
DoneXY

Re: Gegenleistung für externe Promotion

Beitrag von DoneXY »

Ich verstehe nicht den generellen Unterschied, den Du zwischen PD und Doktoranden machst. Natürlich gibt es auch Doktoranden, die dringend Lehrerfahrung brauchen, um ihre beruflichen Chancen nicht an die Wand zu fahren.

(Ein Lehrangebot ist kein öffentliches Gut, da Teile der Allgemeinheit davon ausgeschlossen sind, das Angebot anzunehmen.)
flip hat geschrieben:Also das PD beispiel ist nun etwa fehl am Platze. Ein Privatdozent tut dies ja nicht wegen des Geldes. Das würde er ja gerne, aber er bekommt sogut wie nichts dafür. Er muss es machen, damit er sich weiter PD nennen darf. Ein Doktorand ohne universitäte Verpflichtungen muss garnichts. Er verliert ja auch nichts.

Ansonsten finde ich die Einstellung "ich finde das zwar blöd, dass ich nicht bezahlt werde, mache es aber trotzdem, weil es mir ja nützt" ziemlich scheinheilig. Das ist mein Kritikpunkt. Denn genau so kommt das System ja auch zustande. Mal angesehen davon, dass sich bei mir durch Lehre nicht die Berufschancen verbessern (sondern verschlechtern), biete ich doch nicht umsonst noch ein öffentliches Gut an, wie man so schön sagt.
Zwonk
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Re: Gegenleistung für externe Promotion

Beitrag von Zwonk »

flip hat geschrieben:Also das PD beispiel ist nun etwa fehl am Platze. Ein Privatdozent tut dies ja nicht wegen des Geldes. Das würde er ja gerne, aber er bekommt sogut wie nichts dafür. Er muss es machen, damit er sich weiter PD nennen darf. Ein Doktorand ohne universitäte Verpflichtungen muss garnichts. Er verliert ja auch nichts.

Ansonsten finde ich die Einstellung "ich finde das zwar blöd, dass ich nicht bezahlt werde, mache es aber trotzdem, weil es mir ja nützt" ziemlich scheinheilig. Das ist mein Kritikpunkt. Denn genau so kommt das System ja auch zustande. Mal angesehen davon, dass sich bei mir durch Lehre nicht die Berufschancen verbessern (sondern verschlechtern), biete ich doch nicht umsonst noch ein öffentliches Gut an, wie man so schön sagt.
Irgendwie verstehe ich Deine Kritik nicht. Ich habe an keiner Stelle von Verpflichtungen gesprochen. Insbesondere nicht von solchen, die man mir quasi inoffiziell auferlegt hätte. Ich hatte mich freiwillig zur Lehre gemeldet, nicht weil ich sollte, sondern weil ich wollte. Finanziell war ich ja durch meine Stelle abgesichert, hätte es mir also leisten können. Daß im Bezug darauf, daß durch kostenloses Unterrichten die Zahlungsmoral der Unis überhaupt erodiert, so ein Angebot meinerseits schlecht war, weiß ich jetzt auch (damals hatte ich da wenig Einblicke) und würde das auch nicht mehr machen. Aber eben nur deshalb, weil das System sonst so weiterläuft - persönlich hätte ich auch jetzt kein Problem mit einem kostenlosen Seminar. Ich mache das gerne. Und daß Lehrerfahrung die Berufschancen verschlechtert, halte ich für etwas eigentümlich. das ist bei mir garantiert nicht der Fall.
12. Dec 2016;01. Feb 2017;f;zum neuen Job!
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