Von der Uni in die Privatwirtschaft / Gehaltsverhandlungen

flip
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Re: Von der Uni in die Privatwirtschaft / Gehaltsverhandlungen

Beitrag von flip »

Also, die Spanne oben war schon realistisch bzw. beruhte auf Erfahrungen. Das waren teilweise meine eigenen - teilweise aber auch meine Kollegen. Es geht auch gar nicht darum, über was du genau in welchem Bereich promoviert hast, sondern bei welchem Arbeitgeber du landest. Ein großer Konzern ist näher an der 90 als an der 40. Ich war damals unter anderem bei einem großen Konzern und bin mit ~80k in die Verhandlung gegangen. Zeitgleich war ein Freund von mir bei einem großen Online-Portal und hat 42,5k angeboten bekommen. Ohne Verhandlungsspielraum.... Diese Stellen werden besetzt. Sie werden im Zweifel auch mit Doktoren besetzt, wenn sie ihren

Dann war ich noch bei einem "hippen Startup" (naja, 'Grown Up') wo ich hunderte Bewerber ausgestochen habe (das ist kein Scherz, es waren ca. 350-400) und wurde am Ende nach zig Aussiebrunden abgelehnt, weil ich 65k-70k gefordert habe. Die Stellen waren in jedem Fall speziell, daher bringt dir auch das Umfeld nichts.
caipirinha11085 hat geschrieben: Wenn ihr eine Stelle für einen promovierten Informatiker ausschreibt, wie viele hochqualifizierte, perfekt auf die Stelle passende promovierte Informatiker bewerben sich? Da müsste in dem angeblichen Haifischbecken doch schlagartig mehr Platz sein.
Du verwechselt Qualifikation mit Abschluss bzw. denkst nicht als Unternehmer. Ein Informatik-Bachelor ist auch hochgradig qualifiziert, wenn er auf die Stelle passt. Qualifikation erwirbt man nur bedingt durch akademische Abschlüsse. Ich erwarte aber, dass ein Informatik-Doktor ein sehr hohes Qualifikationslevel hat, für das ich im Unternehmen erst einmal einen Gegenwert schaffen muss. Außer natürlich ich will ihn ausbeuten. In einem großen Konzern mit bspw. eigenen Entwicklungsabteilungen ist das möglich. In einem kleinen Unternehmen ist das überhaupt nicht das Ziel. Daher werde ich Stellen für Promovierte gar nicht erst ausschreiben. Trotzdem kommen dann Bewerbungen von eben jenen Doktoren, die "Development" lesen und das schon irgendwie hinbekommen wollen. Da ist Frustration vorprogrammiert.

Und zum Thema Data Science: Das ist ein hochgradig flexibles Feld und extremst abhängig von der Umgebung, wo es angewendet wird.
Wenn der TO denkt, dass er ein Alleinstellungsmerkmal hat, kann das durchaus wertvoll sein. Sonst wäre ich auch nicht Unternehmer und würde nicht MINT'lern sagen, was sie tun sollen. ;)
Diese Differenzierung gibt es aber auch nur im Elfenbeinturm bzw. bei Konzernbeamten mit zu viel Zeit. Und um es mal ganz hart zu sagen, jemand der wie mein Vorposter permanent auf Gleichheit pocht, aber dann bei jeder Gelegenheit wieder gegen jemanden stichelt um sich zu profilieren ist eher weniger teamfähig/kein gutes Vorbild.

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caipirinha11085
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Re: Von der Uni in die Privatwirtschaft / Gehaltsverhandlungen

Beitrag von caipirinha11085 »

flip hat geschrieben: 31.10.2018, 20:08Du verwechselt Qualifikation mit Abschluss bzw. denkst nicht als Unternehmer.
Ich bekomme den Eindruck, an dieses Thema generell nicht so viele Gedanken verloren zu haben wie du. ;) Ich dachte beim Schreiben schlicht an meine eigene Situation als Jurist, nachdem TE gerne persönliche Erfahrungswerte wollte. Ein Informatik-Bachelor kann so viele juristische Fertigkeiten mit sich bringen, wie er möchte, er wird nie Rechtsanwalt werden, solange er kein Volljurist ist oder die Voraussetzungen für die Zulassung für europäische Rechtsanwälte mit sich bringt. Es gibt nunmal Fachbereiche, in denen du staatliche Zulassungsvoraussetzungen mit unternehmerischem Denken nicht wegzaubern kannst. So erklärt sich meine Wortwahl, als ich auf den generellen Fachbereich verwiesen habe. Ich wollte damit nicht ausschließen, dass es auch auf die konkrete Stelle ankommt.

Mir scheint die Diskussion müßig, denn letztlich sagen wir doch beide dasselbe. TE sollte sich auf Stellen bewerben, für die er/sie qualifiziert ist. Daher auch mein Rat, die eigene Qualifikation - auch durch die Diss - nicht generisch betrachten zu wollen, sondern sich zu überlegen, was man eigentlich in der Diss gemacht hat und wie das mit der jeweiligen ausgeschriebenen Stelle zusammenpasst.
flip
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Re: Von der Uni in die Privatwirtschaft / Gehaltsverhandlungen

Beitrag von flip »

Ja, aber es geht hier ja nicht um Jura. Es ist schon klar, dass man sich ohne Staatsexamina nicht auf Stellen bewerben kann, die einen Volljuristen erfordern. Ich sage ja nur, dass es einen Grund gibt, weshalb man sich als Doktor nicht auf eine Stelle bewerben sollte, wo explizit nur ein Bachelor gefordert ist. Schon klar, dass man dafür im Zweifel auch qualifiziert ist, aber dann kann dann nicht seine 60-70k fordern. Ich glaube, darum ging es dem TO hier. Das ist sind aber eher weniger harte Faktoren als bspw. in der Juristerei wo es, dank klareren Strukturen, ja auch transparenter mit mit Forderungen zugeht.
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Re: Von der Uni in die Privatwirtschaft / Gehaltsverhandlungen

Beitrag von FlimBeam »

Danke nochmals für Eure Rückmeldungen. Hatte heute ein Vorstellungsgespräch und habe in meinen Augen das Maximale gefordert, was in meiner konkreten Situation möglich war. Mein HIntergrund passt zwar sehr, sehr gut auf die Stelle, allerdings ist das ein sehr spezieller thematischer Bereich in dem in D nur 2-3 mittelständische Unternehmen aktiv sind. Aus diesem Grund war die Sache mit Vergleichsportalen eigentlich gar nicht möglich. Die Diskussion hier hat mir aber insofern geholfen, dass ich sicher in das Vorstellungsgespräch gehen konnte und mich bei dem Thema Gehalt nicht rumgedrückt habe.
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