Pretest auswerten bei qualitattiven Interviews

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Promo88
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Pretest auswerten bei qualitattiven Interviews

Beitrag von Promo88 »

Hallo zusammen,
ich habe einen Interviewleitfaden und führe qualitative Interviews durch.
Wie werte ich Pretests am besten aus?

Noch einen Fragebogen machen mit Fragen zu Verständnisproblemen und diese zusammenfassen und dann den Bogen nur anpassen?
Ergebnisse dann in der Diss darstellen?

Oder hat jemand andere konkrete Vorschläge? Literatur?

Dankeschön

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spirograph
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Re: Pretest

Beitrag von spirograph »

Hi Promo88,

nun, so ein Pretest soll beides schaffen: (1) checken, ob dein Leitfaden praktikabel ist, d.h. ob das Interview zeitlich, vom Verständnis und von den erzielten Inhalten passt. Eben ob deine Fragen zu den abgezielten Inhalten führen. (2) Ob Du mit deinem Leitfaden klar kommst/ Training des Interviews. Insofern musst Du auf beides ein Auge haben. Pre-Tests werden immer mit so 2-3 Leuten durchgeführt und ja, man kann am Ende des Interviews stets fragen, ob Unklarheiten bestanden, was noch gesagt werden sollte usw., man kann also auch über den Fragekatalog fragen, ganz direkt. Dies kann man in der Diss, im Methodenkapitel, thematisieren, und auch die (ggf) Anpassungen vornehmen.

Bei den zu befragenden Personen muss es sich um ähnliche Expert*innen handeln wie später bei dem richtigen Durchlauf. Man checkt häufig schwerpunktmäßig (so meine Erfahrung), ob deine Fragen nicht zu gleichen Antworten führen (Redundanz), ob man ggf zu umständlich formulierte, ob man ggf suggestiv war, schon mit gewissen Unterstellungen arbeitete:

(1) "Sie gehen doch regelmäßig zu Spielen von Dynamo Dresden?" vs. (2) "Wie oft gehen Sie zu Fußballspielen von Dynamo Dresden?"

Bücher: Reinecke, Grundlagen der standardisierten Befragung, aus: Handbuch Methoden der qualitativen Sozialforschung.

Alles klar? :-)

Viele Grüße und alles Gute,

spiro
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Promo88
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Re: Pretest

Beitrag von Promo88 »

Hallo spiro,

vielen Dank. Das war mir soweit klar. Die Frage ist, ob es für die Auswertung der Pretests besondere Vorgaben gibt (Methoden o.ä.). Ansonsten würde ich die Anmerkungen der Probanden einfach sammeln und dann Anpassungen vornehmen.
LG
spirograph
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Re: Pretest

Beitrag von spirograph »

Hi,
Promo88 hat geschrieben: 14.10.2018, 16:16 Die Frage ist, ob es für die Auswertung der Pretests besondere Vorgaben gibt (Methoden o.ä.).
Na, Du musst die Aufnahmen/ Audiodateien mit der gleichen Methoden auswerten, dei Du so oder so vorhattest. Allein an der Methoden, die angewendet wird, wird es bei bspw. Redundanz der Interviewantworten nicht liegen. Typischerweisen werden Interviews mit der Qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring oder Kuckartz) ausgewertet, ist ein kategoriennutzendes Verfahren. Ich plädiere stets f Onkel Kuckartz (Qualitative IA, 2016), der ist da m.E. nicht so aufgebläht bei bspw der induktiven Kategorienbildung "am Material". Statt über reduzierende Paraphrasierungen macht der Kuckartz das janz flott ohne Umwege (bei Fragen hierzu, frage!).

Die Königsklasse wäre es: drei Interviews machen (als Pretest), die transkribieren, in ggf MaxQDA oder eine ähnliche Analysesoftware einpflegen, die methodisch behandeln und - sich ein Bild machen. Plus: Das dann inner Diss galsklar mit einbauen. Toll gemachter ganz safer Zwischenschritt. Das ist ähnlich wie die Frage, ob man "das ganze Interview" transkribieren muss --> Goldstandarte wäre es schon, das einmal vorliegen zu haben (zumindest das), dann sich Teile auszuwählen begründeterweise, um sich dann daran methodisch abzuarbeiten (Analyseeinheiten, Auswahleinheiten, mal b Kuckartz nachlesen).

Noch Fragen? MaxQDA? IA? Ist recht spannend und eine sehr natürliche Methode. Manche meiner Studierenden machen auch Interviews und "werten" die dann aus, ohne irgendwie sich für eine namhafte methodische Schule/Onkel zu entscheiden. Oft ist es dann so, dass ihre Auswertung denen von Kuckartz bspw sehr ähnelt, so natürlich ist das Ganze. Kategorienbildung: Zusammenfassen von ähnlichen thematischen Schwerpunkten, um jene Schwerpunkte dann wieder im Bündel aufzufächern und sich konzentriert anzusehen. Erst bündeln, dann beim Bündel austrüssseln. Tolle Operationen! :-)

Viel Erfolg!

spiro
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Re: Pretest

Beitrag von Promo88 »

Dankeschön,
ich mache Mayring und eine induktive Kategorienbildung. Ist schon mit meiner Doktormutter so abgesprochen.
MAXQDA werde ich nutzen, kenne ich aber noch gar nicht und muss mich da erst einarbeiten :) Allerdings sagt die Literatur ja ca. 10 Pretests?!
Vielleicht melde ich mich dann nochmal.
spirograph
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Re: Pretest

Beitrag von spirograph »

Hi!

Ah, siehste, wusste ich´s doch. Ist so der Klassiker: Interview + IA + MaxQDA ... die Richtformation im Diss-schreiben im weiten sozialwissenschaftlichen Bereich. MaxQDA ist toll intuitiv. die 2-Jahres-Lizens kostet 89 Euro, wenn man Studierendenstatus nachweisen kann. Geht recht unkompliziert. Der Customer-Service dort ist auch super und sehr kundig. Habe da schon oft meine Anliegen hingeschrieben und jedes Mal fix genau angepasste Hilfe bekommen. Meine MaxQDA-Dateien sind derweil sehr groß geworden, 3GB, da lief das nicht mehr so, ich hatte Angst, dass ich das nicht in den Griff bekomme und meine Diss crasht. Aber nein, sie rieten mir zur Stückelung der großen Datei in viele kleinere - kurzum, heute isses wieder glatt und läuft. Gibt auch genug Online-Tutorials zu MaxQDA.

Wenn Du die indukt. Katbildung bei Mayring nicht raffst, dann lies bei Kuckartz (2016) nach. Letzterer kritisiert Mayring auch in einzelnen Kapiteln. Das könnte man in das Methodenkapitel einbauen im Sinne einer "ausgewogenen Diskussion", wo man dann zu einer wirklich krassen "Begründung für ... kommt". :-) So wirds doch gemacht.

Für ne Diss werden so ca. 15-20 Interviews an (je nach Länge) angesetzt. Bei der Größenordnung würde ich 5 Pre-Tests machen. So ein Drittel in etwa. Da hat man genügend Aussagentiefe. Durch die Vorstrukturierung deines Interviews durch die einzelnen Fragen hast Du beinahe automatisch eine gewissen Kategorisierung, von der Du mehr oder minder heuristisch "inspirieren" lassen könntest. Manchmal ist es echt so: Eine Antwort zu einer Frage = bedient/formt eine Kategorie. Ist etwas anderes, wenn man bspw. Texte von Autoren durchcodieren will, weil es da eben keine so starke Vorstrukturierung gibt, sondern eher Abschnitte/Kapitel vom Autor selbst.

:-)

Viel Erfolg Dir!

spiro
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