Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Larrave
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Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von Larrave »

Hallo Leute,

bin neu hier und hoffe, dass ihr mir bei folgendem Problem helfen könnt:

Ich habe mich auf eine Projektstelle (mit Möglichkeit zur Promotion) beworben. Mit dem zuständigen Betreuer bzw. Ansprechpartner hatte ich 2 Telefongespräche, wonach ich zu einem Vorstellungstermin eingeladen wurde. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Betreuer sehr interessiert zu sein schien. Entsprechend hat er seine Hilfe zur Vorbereitung des Vortrags angeboten(über die Präsentation schauen).

Beim Vortrag selbst, durfte ich meine Abschlussarbeit(sei wohl üblich) vortragen. Man muss hierzu wissen, dass ich an dieser Uni bereits mein Studium absolviert habe. Bei Prof. B habe ich meine Abschlussarbeit verfasst.
Anwesend beim Vortrag waren Prof. A (soll der Doktorvater sein) und das Team. Ich wurde hart gechallenged, was aber vollkommen in Ordnung ist. Schlimmer fand ich den Umstand, dass von Prof. A sehr harte Kritik. Beispielsweise hat er die Findings meiner Abschlussarbeit als trivial angesehen.
Es gab auch weitere Statements, die nicht ganz politisch korrekt waren, auf die ich jedoch hier nicht im Detail eingehen möchte.

Meine Vermutung ist, dass aufgrund der Rivalität zwischen Prof. A und Prof. B (beide kennen sich sehr gut - Prof. B ist jünger und genießt mediale Aufmerksamkeit), Prof. A auf mich projiziert hat.

Mit dem Team durfte ich mich dann noch einmal alleine unterhalten. Ich hatte hier weitestgehend einen positiven Eindruck und vermute, dass dies auch von seiten des Teams auch so war.

Ursprünglich war es im Telefongespräch angedacht bzw. im Idealfall würde ich eine direkte Antwort bekommen. Statt dessen hat mein Betreuer die Entscheidung vertagt, mich zur Tür begleitet und hat sich daraufhin noch einmal mit dem Team beraten. Seither warte ich auf eine Antwort.


Ich gehe davon aus, dass dieser Fall keine Seltenheit ist(jedoch habe ich im Forum erstmal nichts nahezu identisches gefunden). Was kann man da jetzt noch machen. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn der Doktorvater sich quer stellt?

Liebe Grüße

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spirograph
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von spirograph »

Hi,

"was kann man tun", "man" also ggf. Du kannst erstmal gar nichts weiter machen. Die Entscheidungsträger sind andere. Du hast doch schon viel Engagement gezeigt, dich beworben, Kontakt gehalten, dort aufgekreuzt und vorgetragen. Solche "Bauernopfer" wie Du dich ggf. siehst, gibt es. Ich habe an Uni in da back ALLES erlebt, Liebschaften, Seilschaften, Vetternwirtschaft, Absprachen noch und nöcher. Mich wundert gar nichts mehr. Nix mehr. Du bist frisch ausm Studium, Du bist hungrig und hast Bock, is klar, so war ich auch, aber mit den Jahren kommt die Erfahrung..., Du hast alles gemacht, deine skillz und guten Willen gezeigt. Suche schon nach was anderem. Jetzt sind soooo viele Stellen ausgeschrieben (siehe: interamt.de / ZEIT stellenangebote die sind gut aufgestellt, bund.de). Immer umtriebig sein, Fühler ausstrecken, so viele Eisen im Feuer haben, dasses EGAL ist, ob einer absagt, Dir n Daumen runter gibt, kaltschnäuzig werden. Hammerhart vier-, fünf-, sechsgleißig fahren. In dem Uni-Bums gibt Dir keiner was, keiner gönnt Dir was, Du musst zeitig zusehen, dass der Rubel rollt. Im Idealfall hast Du was studiert, wo Du easy außerhalb der Uni Arbeit findest, so dass Du ne Grundsouveränität hast. Ich habe Lehramt studiert, werde in Sachsen sofort mit ner A13 verbeamtet, das sind über 3netto. Ob mich ne Uni nimmt oder nicht, hebt mich nicht an. Dementsprechend locker und relaxt ist mir der ganze Kasperkram. Also: Abwarten, Dich auf den o.g. Internetadressen umgucken, Bewerbungen raushauen, auf jeden Fall keine One-itis kriegen, also ne Versteifung auf den einen (!) Bums. Breit reingehen ins Feld, umso mehr können dich die Rivalitäten zw denen. Wenn das nämlich JETZT schon so ist, wird das nicht besser. Die machen dich ggf. noch viel mehr frisch, wennde in einer Projektstelle erstmal mit deinen Daten für die Diss (ggf.) und mit diversen Doktorvätern von denen abhängig bist. Alle Betreuer müssen sich gut kennen und mögen, wenn da einer dem anderen schon jetzt für alle sichtbar ans Bein pisst, wird das nix, weil du von denen abhängig bist. Bei einer Projekstelle, so toll es klingt, gehören die erhobenen Daten den Auftraggebern, ggf. deinem Doktorvater und/oder Chef. Dh wenn du kündigst, gekündigt wirst oder sonst was, bleiben die Daten dort. Du kannst quasi von vorn anfangen. Careful! Würde ich in so einer vulnerablen Situation wie in der Diss-zeit, und dem von dir geschilderten Kontext, und nem ggf. schwer Arbeitsmarktgängigem Studium eher nicht machen. Du wirst aufgerieben. Aufpassen und in Ruhe überlegen.

Dir alles Gute. Entschuldige meine harte Sprache. Deine Situation erinnert mich an Manches. Da kommt was hoch. Aber ich meine es gut.

Bei Fragen fragen. :-)

Dir alles Gute,

spiro
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von flip »

Offensichtlich hast du noch nicht gelernt, wie man mit Kritik umgeht. Das lese ich jedenfalls zwischen den Zeilen.
Denn der Prof war wohl nicht mit deinem Verhalten/mit deiner Argumentation zufrieden. So etwas ist viel wichtiger als die reine Ergebnispräsentation.

Du kannst in der Situation gar nichts machen, außer zu warten.
Larrave
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von Larrave »

flip hat geschrieben: 12.07.2018, 12:46 Offensichtlich hast du noch nicht gelernt, wie man mit Kritik umgeht. Das lese ich jedenfalls zwischen den Zeilen.
Denn der Prof war wohl nicht mit deinem Verhalten/mit deiner Argumentation zufrieden. So etwas ist viel wichtiger als die reine Ergebnispräsentation.

Du kannst in der Situation gar nichts machen, außer zu warten.
Vielen Dank für Deine Antwort.

Ich sehe mich als eine Person, die sehr wohl mit Kritik umgehen kann. Es gab auch berechtigte Kritik bzw. Verbesserungsvorschläge am Vorgehen. Es gab aber auch Kritik, die aus meiner Sicht sehr emotional und persönlich wirkte.

Was ich vergessen habe zu erwähnen: Prof. A hat nach dem Vortrag noch gefragt, ob ich die Abschlussarbeit bei Prof. B verfasst habe. Es gab außer der thematischen Nähe absolut keinerlei Hinweise darüber, dass ich die Thesis bei Prof. B verfasst haben könnte.
Erst dieser Umstand und das darauffolgende Verhalten des Prof. hat mich dazu bewegt diese Hypothese ernsthaft in Betracht zu ziehen.
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von Nomen Nescio »

Larrave hat geschrieben: 12.07.2018, 17:33 Was ich vergessen habe zu erwähnen: Prof. A hat nach dem Vortrag noch gefragt, ob ich die Abschlussarbeit bei Prof. B verfasst habe. Es gab außer der thematischen Nähe absolut keinerlei Hinweise darüber, dass ich die Thesis bei Prof. B verfasst haben könnte.
Je nach Fachrichtung ist "thematische Nähe" evtl. kein zu vernachlässigender Hinweis. ;)
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von spirograph »

Hi,

btw habsch nich rausgelesen, dass der Kollege von oben mit Kritik nicht umgehen kann. Überhaupt nicht. Um noch einmal unverlangt quasi meine Wassersuppe beizugeben. Solche "Kolloquien", Sitzungen, Gesprächsdinger, Vorstellungen, wie sie auch betitelt sind, sind teilweise gewisses Kreuzfeuer, in das man da als vollkommener Newbie eingelassen wird. Dort - und das habe ich selbst zigfach erfahren, aber auch an anderen beobachtet - wird in einem nicht zu leugnendem Umfang auch viel Sch... erzählt. Besonders die Redebeiträge, die ohne Agitation und mit Imputus-Entrüstung nicht auskommen können, sind hoch verdächtig. Meine Erfahrung. Was habe ich da für meine Diss an Bullshit gehört. Um das mal plastisch zu machen: Diss mit ner handelsüblichen qualitativen Studie. Statt 15-20 Interviews sollte ich 70-100 machen. Sowas wurde mir da aufgetischt. Damit ich auch das Feld ja komplett abgedeckt hätte, ich sehe es vor mir, riesige Handbewegunge, Stimme lauter, Brille abgenommen, "so kann das ja gar nicht funktionieren", der O-Ton. Ich war damals n halbes Jahr ausm Studium raus, stellte mein Expose vor, wollte 15-20 Interviews machen, sagte das so nichtsahnend, da ging das Gewitter los...Schluss endlich habe ich mir Hilfe bei einer Methodenberatung der Uni Göttingen (https://www.uni-goettingen.de/de/423526.html) geholt. Für 70Euro habsch dort ne Stunde mitm Pro gesprochen, der mich da offn Pott gesetzt hat. SO und nicht anders habe ich das durchgezogen. In dem Kolloquium, wo die Spinner saßen, habe ich nie wieder vorgetragen. Interessiert mich nicht, deren Meinung. Bam. Immer für Souveränität sorgen und zwar selbst. Wir wissen nicht, wie das bei der Vorstellung vom Kollegen abging mit "Kritik" und nicht jede Blähung, die vom Tisch aus in einer Uni stehend jesarrt wird, ist Gold wert. Manches kann vom Sinnumfang und der emotionalen Aufladung nur als Kritik aufgefasst werden, denn so ging der Sprechakt quasi. Wer was echt konstruktiv meint, sagt das immer ruhig, unaufgeregt und wohltuend - immer. Harte Worte zwar, aber trotzdem Empowerment.

Ich an deiner Stelle würde heute tausend andere Bewerbungen fertig machen. Das, was Du dort erlebt hast, geht locker fruchtig genauso weiter. Wo Sachen grundständig stimmen, hättest Du das gemerkt. Du hättest ein gutes Gefühl. Wohlwollend und einladend. Statt im Unklaren gelassen, verunsichert, zurückgestellt in der Warteschleife. Nur mein Mostrich.

Dir alles Gute.

spiro
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von caipirinha11085 »

Die Frage ist doch auch: Willst du den Prof überhaupt als Betreuer, so wie das aus deiner Sicht gelaufen ist?
Dass er deine Thesen in Frage gestellt hat, finde ich zwar nicht schlimm - von so einer kritischen Herangehensweise kann eine Diss auch profitieren. So wie du das erzählst, ging es aber ja auch auf eine persönliche Ebene und du fandest die Art jedenfalls nicht in Ordnung. Das Betreuungsverhältnis einer Diss sollte auch auf gegenseitigem Vertrauen beruhen; ich fand sehr hilfreich, mit meinem DV auf einer Wellenlänge zu sein.

Ich würde mich auch nach anderen, geeigneten Stellen umsehen. Bei der Suche nach einer Doktorandenstelle habe ich mich allerdings bewusst nicht bei 5 oder 6 Stellen gleichzeitig beworben, da mein Fachgebiet klein ist und sich alle gegenseitig kennen. Mein DV hat beim Bewerbungsgespräch sofort abgeklopft, weswegen ich nicht bei meinem bisherigen Chef promoviere und weswegen ich mich nicht bei Prof XY an meiner alten Uni beworben habe. Mehrfachbewerbungen in meinem Gebiet können sich negativ auswirken. Es ist eine Gratwanderung, da natürlich auch nicht ratsam ist, monatelang ohne Plan B auf eine Antwort zu warten.
flip
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von flip »

Mit "Kritik nicht umgehen" meine ich, dass hier ellenlang nach Gründen gesucht werden muss, um die eigenen Ansichten zu verteidigen. Das kann man gerne tun, aber wir sind in der Wissenschaft und der Prof sitzt so oder so am längeren Hebel. Man kann sich also weiterhin daran aufhalten nach Gründen zu suchen, egal ob sachlich oder emotional, oder man lässt es sein und schaut weiter.

caipirinha11085 hat geschrieben: 13.07.2018, 07:43 Die Frage ist doch auch: Willst du den Prof überhaupt als Betreuer, so wie das aus deiner Sicht gelaufen ist?
Dass er deine Thesen in Frage gestellt hat, finde ich zwar nicht schlimm - von so einer kritischen Herangehensweise kann eine Diss auch profitieren. So wie du das erzählst, ging es aber ja auch auf eine persönliche Ebene und du fandest die Art jedenfalls nicht in Ordnung. Das Betreuungsverhältnis einer Diss sollte auch auf gegenseitigem Vertrauen beruhen; ich fand sehr hilfreich, mit meinem DV auf einer Wellenlänge zu sein.
Das ist der Knackpunkt. Eigentlich ist die Betreuung schon gelaufen und ich hätte mich direkt nach anderen Stellen umgesehen.
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von FerdiFuchs »

Sorry für Off-Topic: Irgendwie ist die Danksagungs-Funktion hier kaputt. Hatte bei spirographs Power-Beiträgen jetzt schon mehr als einmal das Bedürfnis die zu verwenden. :blume:
mantor
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Re: Nicht alle "Stimmen" bekommen. Was kann man tun?

Beitrag von mantor »

Ebenfalls Off-Topic: Ich frage mich ja eher, ob der Stil ernst gemeint ist. Finde es eine echte Anstrengung, das zu lesen …
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