Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

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Jilldiary

Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Jilldiary »

Hallo meine Lieben
Ich plane nach meinem Tiermedizinstudium eine externe Doktorarbeit zu beginnen, habe auch bereis ein Thema das mich Interessiert (sowie die Unterstützung durch eine Stiftung, inhaltlich und organisatorisch). Gestern hatte ich ein Gespräch mit einem Potentiellen Doktorvater, er war auch interessiert meine Arbeit zu betreuen. Allerdings sieht er die Erhebungsmethodik (Es werden qualitative Interviews geführt) als problematisch an, da er sich selbst damit nicht auskennt, und dies auch bisher in der Tiermedizin meines Wissens nach noch nicht gemacht wurde.
Er hat gegen Ende dann gesagt dass er das Thema gerne betreut aber er mir natürlich nicht versprechen kann dass die Arbeit beim Einreichen so bewertet wird dass ich bestehe. Also dass dann im Prinzip die Zeit die ich investiert habe umsonst war.
Jetzt bin ich natürlich sehr verunsichert. An meinem Thema hängt mein Herz bereits, ich hätte wirklich Lust darüber zu schreiben, und kenne auch Doktorarbeiten aus der Humanmedizin in denen diese Erhebungsmethode angewendet wird. Es ist einfach in meinem Fach etwas Neues das Mut erfordert. Wenn der DV absolut keine Chance für dieses Thema sieht, wäre er ja für eine Betreuung nicht so offen und würde Zeit investieren wollen um mich zu betreuen? Ist das also nur eine Aussage im Sinne von "hat es alles schon gegeben"?
Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich dem es vielleicht ähnlich erging.
Viele Liebe Grüße
Jilldiary

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flip
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Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von flip »

Klingt für mich so, als wolltest du auf Teufel komm raus dein Thema nach deinem Willen bearbeiten. Das ist auch erst einmal nicht verwerflich.
Aber, du wirst verstehen, dass ein Prof in diesem Fall skepisch sein muss. Schließlich hat er schon ein paar mehr Jahre Erfahrung und weiß, welche Methodiken aller Wahrscheinlichkeit hilfreich sind und welche nicht.

Die Aussage, dass er dich dann nicht promovieren wird, ist allerdings ein starkes Stück. Ich glaube nicht, dass er das so gemeint hat, sondern dass die Note nicht deinen Wünschen entsprechen wird. Es gibt ja nicht nur "bestanden" und "nicht bestanden".

Im Prinzip kann man durch eine Diss praktisch nicht durchfallen. Bevor jetzt alle wieder mit der Prüfungsordnung kommen - ja man kann durchfallen. Dafür müsste man konsequent alle Ratschläge der Betreuer ignorieren und am Ende eine Arbeit einreichen, die komplett am Thema vorbei ist. Das würde allerdings allein schon daran scheitern, dass das Promotionsverfahren garnicht eröffnet werden würde. Einzige Ausnahme, man will jemanden durchfallen lassen. Insbesondere, wenn der Prof sieht, dass es keinen Sinn mehr ergibt. Das ist also eher eine politische Entscheidung.

Allerdings: Wenn du Doktorarbeiten der Humanmedizin als Beispiel anführst kann ein Prof sich schonmal auf den Schlips getreten fühlen. Das würde nämlich bedeuten, dass dein Maßstab sehr niedrig liegt und du eigentlich nur seine Zeit in Anspruch nimmst. Denn was hat man von jemanden, der ein Themengebiet erforscht, dass nicht seins ist, mit Methoden, die er nicht kennt (ablehnt). Außer Arbeit - eher weniger. Außer, er weiß, dass dabei was herumkommt, dass ihn auch interessieren würde.

Ein zweites Gespräch wäre also angesagt...
Vollkornpizza
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Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Vollkornpizza »

Er hat gegen Ende dann gesagt dass er das Thema gerne betreut aber er mir natürlich nicht versprechen kann dass die Arbeit beim Einreichen so bewertet wird dass ich bestehe. Also dass dann im Prinzip die Zeit die ich investiert habe umsonst war.
Ich denke, dass diese Aussage rhetorisch gemeint war. Ich interpretiere das so, dass er zwar das Thema betreuen würde, aber mit der Methodik nicht einverstanden ist oder dass er es nicht betreuen möchte, wenn du an dieser Methodik festhalten möchtest.

Dass in der Veterinärmedizin qualitative Interviews als Methode unüblich bzw. nicht anerkannt ist, wundert mich nicht. Da deine Interviewpartner ja wohl kaum die Tiere selbst sein werden (hier der Unterschied zur Humanmedizin) kann es ggf. schwer sein, das zu rechtfertigen. Und was die Note betrifft, es ist ja auch nicht ungewöhnlich, dass aus der Perspektive von "harten" Wissenschaften qualitative Methoden als weniger wertig angesehen werden.

Ich sehe daher folgende Optionen:
1) Du suchst erneut das Gespräch mit dem potentiellen DV, bleibst aber offen für Gegenvorschläge zur Methode. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnen kann, bei Fragen der Methodik auf seine(n) Betreuer(in) zu hören.

2) Muss es unbedingt in dr.med.vet sein oder könntest du mit Hilfe einer recht offenen Promotionsordnung das Thema auch aus der Perspektive eines anderen Faches betrachten?

3) Hast du dich schon an anderen Fakultäten, ggf. auch im Ausland mal umgeschaut, es ggf. eine(n) DM/DV geben könnte, der/die mehr Nähe zu der Frage bzw. der Methodik hat?
Jilldiary

Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Jilldiary »

Vielen Dank schonmal für eure Antworten :)
Ich hänge natürlich an meinem Thema, das gebe ich offen zu :D Bin aber natürlich immer Offen für Änderungsvorschläge! Der Doktovater hat sowas einfach schon öfter gemacht und weiß natürlich besser "wie der Hase läuft" als ich ;) Ich habe inzwischen schon neben dem Studium ein Jahr investiert um in das Förderprogramm der Stiftung aufgenommen zu werden, deswegen fände ich es natürlich schade wenn es nun nicht zustande kommen würde.

Mein Eindruck war jedenfalls dass er mich auch gerne mit meiner Methodenwahl betreuen würde, er sich dann aber die abschließende Bewertung nicht zu 100% zu traut, da er sich mit dem Procedere dieser Befragungen ja nicht auskennt.
Auch dabei wäre die Stiftung für ihn sowie mich natürlich eine Unterstützung da diese sich bereits mit der Methodik auskennt und schon Dissertationen dieser Art betreut hat. (Das fand mein Potentieller DV schonmal gut ;) )

Ich bin einfach nur unsicher weil ich mich natürlich mit dem Gesamten Ablauf einer Dissertation bisher nicht auskenne. Also mal angenommen mein DV betreut mich, macht sich mit der Methodik vertraut und die Arbeit wird eingereicht. Der Zweitgutachter befindet sie dann allerdings für "wissenschaftlich unrelevant" (weil er sich vllt auch nicht mit der Datenerhebung auskennt). Was dann?

Mir ist bewusst dass mein Thema/die Art der Datenerhebung für viele wissenschaftlich arbeitenden Menschen weniger repräsentativ ist. Dementsprechend ist mir auch klar dass ich da nicht mit einem "summa cum laude" rausgehen werde :D Mir liegt einfach das Thema am Herzen, ich hätte sehr große Lust darüber eine Arbeit zu schreiben, und finde sowas einfach wichtig. Immerhin muss ich mich im Verlauf auch immer wieder selber motivieren können dran zu bleiben ;)
Vollkornpizza
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Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Vollkornpizza »

Naja, der Zweitgutachter wird ja nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sondern kann idR von dir oder deinem DV mit beeinflusst werden.
flip
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Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von flip »

Jilldiary hat geschrieben: Mein Eindruck war jedenfalls dass er mich auch gerne mit meiner Methodenwahl betreuen würde, er sich dann aber die abschließende Bewertung nicht zu 100% zu traut, da er sich mit dem Procedere dieser Befragungen ja nicht auskennt.
Auch dabei wäre die Stiftung für ihn sowie mich natürlich eine Unterstützung da diese sich bereits mit der Methodik auskennt und schon Dissertationen dieser Art betreut hat. (Das fand mein Potentieller DV schonmal gut ;) )

Ich bin einfach nur unsicher weil ich mich natürlich mit dem Gesamten Ablauf einer Dissertation bisher nicht auskenne. Also mal angenommen mein DV betreut mich, macht sich mit der Methodik vertraut und die Arbeit wird eingereicht. Der Zweitgutachter befindet sie dann allerdings für "wissenschaftlich unrelevant" (weil er sich vllt auch nicht mit der Datenerhebung auskennt). Was dann?
Na, das klingt doch schon einmal nicht so schlimm, wie im ersten Post. Du kannst nicht erwarten, dass sich dein Betreuer in die Methodik einarbeitet. Das ist dein Job, insbesondere dies später verständlich zu kommunizieren. Ein Professor ist nicht jemand, der von allem die Ahnung hat und am Ende entscheidet, was richtig oder falsch ist.

Der Zweitgutachter kam mir auch in den Sinn. Der Ablauf der Diss ist nicht, dass du am Ende einreichst und dann hoffst, dass alles glatt geht, sondern du über die Jahre immer mal wieder den Fortschritt mit dann beiden(!) Betreuern kommunizierst. Sie wissen also was du einreichen wirst bzw. können früh sagen, ob du auf dem falschen Weg bist oder nicht.

Was mich eher ein wenig stutzig machst, ist, dass du letztenedes nur diesen einen Betreuer hast, obwohl du die Zusage von einer Stiftung hast und ziemlich viel Vorarbeitet geleistet hast. Scheint, als wäre das Thema sehr speziell bzw. nieschig. So etwas ist immer schwierig zu verkaufen.
Das man aber gleich vom Worstcase des Nichtbestehens ausgehen sollte, ist sicherlich die falsche Herangehensweise. Wenn du dir zu diesem Zeitpunkt schon darüber Gedanken machst, wird dich dieses Gefühl die ganze Zeit begleiten und dich massiv in der Arbeit beeinflussen.
Wenn du das bei dem Betreuer nicht los wirst, dann direkt abrechen und jemand anderes suchen.
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Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Wierus »

Vollkornpizza hat geschrieben:Dass in der Veterinärmedizin qualitative Interviews als Methode unüblich bzw. nicht anerkannt ist, wundert mich nicht. Da deine Interviewpartner ja wohl kaum die Tiere selbst sein werden (hier der Unterschied zur Humanmedizin) kann es ggf. schwer sein, das zu rechtfertigen.
Die Befragung der Halter/Besitzer dürfte Teil der in der Medizin üblichen "Anamnese" sein. Und ob sich jetzt ein Kranker schlecht erinnert oder der Halter eines kranken Tieres, ist wohl kein allzu großer Unterschied - zumindest was die Problematik qualitativer Analysen angeht. Ohne qualitative Methoden jedenfalls ist Medizin eigentlich nicht denkbar (deswegen zählt sie ja auch nicht zu den "exakten" Wissenschaften).

Ich denke es geht vielmehr um die persönlichen Preferenzen des Profs und seine Meinung zum gesamten Thema. Wenn die Fragestellung zum Beispiel "tierhomöopathisch" ausgerichtet sein sollte, können Methodenprobleme auch nur vorgeschoben sein.

//edit:
Hier findet sich eine vollständige Dissertation aus dem Bereich Tiermedizin einschließlich Ausführungen zur qualitativen Inhaltsanalyse -
https://edoc.ub.uni-muenchen.de/9859/1/Berg_Gregor.pdf
Jilldiary

Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Jilldiary »

Also vielen vielen Lieben Dank an Alle!
Ihr habt mir wirklich weitergeholfen und mich auch ein wenig beruhigt :D
Es steht demnächst ein Zweites Gespräch an, vielleicht sehe ich dann ja etwas klarer :)
Green Goddess

Re: Kann meine Doktorarbeit nach Abgabe "durchfallen"?

Beitrag von Green Goddess »

So schwer es dir (verständlicherweise) fallen mag, die Formulierung deines DV in spe nüchtern zu sehen, er hat keine umwälzende, nur ihm bisher bekannte Weisheit ausgesprochen, denn eine Garantie wird es nie vor Beginn geben. Sieh es positiv, wenn er dich schon im Vorfeld auf mögliche Schwierigkeiten hinweist, so kannst du diese Punkte in deiner Arbeit in den passenden Kontext stellen. ... und kein Prof möchte eine(n) seiner "Schützlinge" durchfallen sehen, denn dies schlägt sich nicht gerade positiv in seiner pers. Statistik nieder. Du kannst ihn (würde ich vorziehen) fragen, ob er einen bestimmten 2.Gutachter (nicht) bevorzugt/empfiehlt, oft gibt es böse formuliert Gutachterseilschaften, Konstellationen, die häufiger zusammenarbeiten, aus durchaus positiv-verständlichen Gründen oder weniger einsichtigen. Ebenso gibt es Feinschaften, die du sicher nicht für deine Diss-Begutachtung aktivieren möchtest. ;) Ansprechen solltest du den Punkt aus meiner Sicht.
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