FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

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echolot
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von echolot »

Ich würde auch bei der "Zweiten Wahl" die Probevorlesung machen. Absagen kannst du immer noch. Wenn deine Wunschhochschule dich haben will, dann werden sie versuchen, dich zu kriegen. Auch, wenn du dich parallel anderswo beworben hast.

Es ist ja insgesamt nicht unüblich, dass man sich auf mehrere potenziell passende Stellen gleichzeitig bewirbt. Dass eingeladene Kandidaten nicht erscheinen oder erteilte Rufe nicht angenommen werden, weil sich die Kandidaten anders entscheiden, gehört zum "Geschäft" dazu.

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Bulu
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Bulu »

Hallo zusammen,

da mir dieses Forum so viele nützliche Tipps gegeben hat, möchte ich nun auch meine Erfahrungen beisteuern.

a) Bewerbung 1 -> Große Staatliche Hochschule in einer Metropolregion (15km Distanz zum Wohnort):

Erste Bewerbung im Januar 2021. Ca. sechs Wochen später dann die Einladung zur Probelehrveranstaltung, mit drei Wochen Vorlauf. War in Präsenz geplant, musste dann aber wegen der aktuellen Corona-Situation einen Tag vorher abgesagt werden. Nachholtermin wieder drei Wochen später, fand dann aber online statt.

Danach erstmal Funkstille. Hatte aber nach den Vorträgen und dem persönlichen Gespräch das Gefühl, dass ich besonders durch meine berufspraktischen Beispiele, meinem Netzwerk in der betreffenden Region und durch meine lockere, souveräne Art punkten konnte. Die BK war sehr freundlich und untereinander harmonisch. Nach ein paar Wochen dann ein Anruf der BKV, dass es nicht genügend Kandidaten für die Liste gab und die Stelle neu ausgeschrieben werden muss...

Also wieder beworben, Einladung zur Probelehrveranstaltung erhalten (mit ganz neuen Themen und nun ein Vortrag in Englisch) und im Herbst 2021 erfolgte dann die zweite Runde meiner Vorträge, diesmal in Präsenz. Verlief nach eigenem Bauchgefühl wieder gut. Nach ein paar Wochen gab es eine telefonische Info, dass ich eine Runde weiter gekommen bin und nun die externen Gutachten beauftragt werden. Dann wieder ein Telefonat, bei dem ich über einen Listenplatz informiert wurde. Nach den Gremien Fachbereichsrat und Senat gab es wieder ein kurzes Telefonat. Anfang April 2022 kam dann das Schreiben mit dem Rufangebot.

b) Bewerbung 2 -> Kleine Staatliche Hochschule in der Provinz (350km Distanz zum Wohnort):

Bewerbung im Oktober 2021. Kurz darauf Einladung zur Probelehrveranstaltung, welche im Dezember 2021 terminiert war. Fand auch ganz normal in Präsenz statt, in meinem Fall allerdings mit über einer Stunde Verspätung. In der Wartezeit hat mir dann allerdings die Sekretärin alle möglichen Infos über andere Mitbewerber und den Ablauf des Verfahrens geflötet ("Wenn wir Sie nehmen, kriegen Sie heute Abend schon einen Anruf..."). Der Anruf blieb aus, hatte aber auch kein gutes Gefühl und die BK schien mir zerstritten und uneinig, was den Besetzungswunsch der Professur angeht. Im Januar 2022 dann der Brief des Präsidiums (???), dass die Stelle neu ausgeschrieben werden muss. Habe mich nicht erneut beworben.

____
Eigentlich war die erste Bewerbung als reiner Testballon gedacht, um meine zukünftigen Chancen auszuloten. Meiner Einschätzung nach war das aber mein sehr großer Vorteil. Ich hatte wirklich nichts zu verlieren und konnte dementsprechend locker und unaufgeregt in meine Vorträge gehen. Ausschlaggebend für die Berufung war meiner Meinung nach die Tatsache, dass ich schon vor Ort bin und mir in der Region der Hochschule ein gutes Netzwerk aufbauen konnte.

Geschlecht, Grad der Behinderung etc war gefühlt bei beiden Bewerbungen kein Thema. In dem erfolgreichen Verfahren konnte ich mich sogar gegen die aktuelle Vertretung der vakanten Professur durchsetzen.

Viel Erfolg an alle, die noch Bewerbungen am laufen haben!
Grounded
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Grounded »

Liebe alle,

auch ich bewerbe mich weiter und bin gespannt, was die Black Boxes letztlich ausspucken werden.
Nun ist eine Stelle ausgeschrieben, die sehr gut zu meinem Profil passt. Gleichzeitig gibt es wenig andere Menschen mit Expertise, die zur PV eingeladen werden könnten. Ich müsste also eingeladen werden. An dieser Hochschule lehrt auch meine Doktormutter und ich bin mir fast sicher, dass sie auch in der BK sein wird. Meine Frage: Müsste sie die BK aufgrund Befangenheit verlassen, wenn ich ich zum PV eingeladen werde?
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Im Gegenteil, ich rechne eher damit, dass meine Bemühungen um diese Professur nicht unterstützt.

Viele Grüße
Grounded
Zitroneneis2
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Zitroneneis2 »

Liebe Alle,

ich bin zwar keine Professorin, arbeite aber seit 20 Jahren an Hochschulen.

Zu den Bewerbungsverfahren kann ich Folgendes sagen:

- Die Anzahl der Bewerber auf eine FH-Professor hat sich in vielen Bereichen, insb. im technischen, sehr dezimiert.
- Die Bewerber, sofern sie eingeladen werden können, bereiten sich z.T. nur ungenügend auf die Vorträge bzw. das Gespräch (v.a. didaktisches und Forschungskonzept vor), das Gespräch bleibt so an der Oberfläche.
- Wichtige Info für alle Chefs: An einer FH habt ihr keine eigene Sekretärin, die Assistenten sind zum Teil für über 20 Professor*innen zuständig und können nicht jeder/m zuarbeiten!
- Natürlich gibt es auch mal eine BK, die sich streitet, das macht einen schlechten Eindruck. Geht aber davon aus, dass die BKs einen guten Job machen und sich auch auf das Urteil der Studierenden stützen. Checkt daher die Vorkenntnisse der Studis ab und setzt das Niveau lieber ein bisschen tiefer an. Achtet auf die Studis, wenn die euch fragend anschauen, fragt nach und erklärt.
- Das Niveau für eine FH-Professur ist für den einen oder anderen höher als gedacht, v.a. wenn es um internationale Studiengänge geht, daher bereitet euch gut auf englische Vorträge vor! Weist Lehraufträge nach!
- Warum dauern die Rückmeldungen so lange? Eine staatliche Hochschule ist eine Behörde. Normalerweise steht nach relativ kurzer Zeit die Rangliste fest. Die muss dann aber durch den Senat und den Hochschulrat und danach zum Ministerium. Gewünscht sind eigentlich mind. Dreier-Listen, aber wenn aufgrund weniger Bewerber nur eine Einer-Liste vorliegt, kann diese gekippt werden. Wenn ein Bewerber z.B. auf dem 2. Platz steht, muss er/sie warten, ob der/die Erstplatzierte den Ruf annimmt, das steht erst nach dem Gespräch mit der Hochschulleitung fest. Insgesamt dauert ein Verfahren ca. zwei Monate, wenn Feiertage dazwischen sind, auch drei, für Nachrücker entsprechen länger.

- Macht euch klar, dass ihr zwei bis drei Jahre "zur Probe" Professor seid, fangt daher nicht parallel an, gleich an Industrieprojekten zu arbeiten. Geht zu den Gremienterminen (Kollegengespräch, Fakultätsrat...) und bringt euch ein, das macht einen guten Eindruck.
- Ich weiß, dass der Anfang schwer ist, versucht daher, vom Vorgänger Skripte/Unterlagen zu bekommen, aber bringt auch eure eigenen Unterlagen mit.
- Macht euch auch bewusst, dass ihr die Veranstaltungen (z.B. Mathe 1 oder Einführung in die BWL) jahrelang jedes Semester mit anderen Studierenden lest. Wenn die Studis gut drauf sind, macht das Spaß, wenn nicht, dann wird es schnell fad.

Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg bei eurer Bewerbung! Ihr verfolgt ein gesellschaftlich wichtiges Ziel und ich hoffe, das ist euch auch bewusst!
echolot
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von echolot »

Grounded hat geschrieben: 27.04.2022, 15:08 An dieser Hochschule lehrt auch meine Doktormutter und ich bin mir fast sicher, dass sie auch in der BK sein wird. Meine Frage: Müsste sie die BK aufgrund Befangenheit verlassen, wenn ich ich zum PV eingeladen werde?
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Im Gegenteil, ich rechne eher damit, dass meine Bemühungen um diese Professur nicht unterstützt.
Aus meiner Erfahrung ist nicht damit zu rechnen, dass jemand die BK wegen Befangenheit verlässt. Die Zusammensetzung der BK wird ja vor Sichtung der Bewerbungen festgelegt. Was aber passieren wird (zumindest sollte), dass der/die BK-Vorsitzende/r nach Befangenheit der BK-Mitglieder bzgl. der Bewerber fragt.
Wenn Du davon ausgehst, dass Sie deine mögliche Berufung verhindern will, dann würde ich an deiner Stelle schon im Anschreiben ihren Namen als Doktormutter sehr klar erwähnen, so dass jeder der anderen BK-Mitglieder ihre Befangenheit erkennen kann. Damit müsste sie sich dann bei Abstimmungen, die sich betreffen, enthalten.
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Blau »

echolot hat geschrieben: 28.04.2022, 10:54
Grounded hat geschrieben: 27.04.2022, 15:08 An dieser Hochschule lehrt auch meine Doktormutter und ich bin mir fast sicher, dass sie auch in der BK sein wird. Meine Frage: Müsste sie die BK aufgrund Befangenheit verlassen, wenn ich ich zum PV eingeladen werde?
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. Im Gegenteil, ich rechne eher damit, dass meine Bemühungen um diese Professur nicht unterstützt.
Aus meiner Erfahrung ist nicht damit zu rechnen, dass jemand die BK wegen Befangenheit verlässt. Die Zusammensetzung der BK wird ja vor Sichtung der Bewerbungen festgelegt. Was aber passieren wird (zumindest sollte), dass der/die BK-Vorsitzende/r nach Befangenheit der BK-Mitglieder bzgl. der Bewerber fragt.
Wenn Du davon ausgehst, dass Sie deine mögliche Berufung verhindern will, dann würde ich an deiner Stelle schon im Anschreiben ihren Namen als Doktormutter sehr klar erwähnen, so dass jeder der anderen BK-Mitglieder ihre Befangenheit erkennen kann. Damit müsste sie sich dann bei Abstimmungen, die sich betreffen, enthalten.
Ich verstehe auch nicht, warum die Doktormutter etwas gegen die Berufung haben sollte? Allerdings würde ich mir unter den Umständen ernsthaft überlegen, ob ich mich überhaupt bewerben möchte, da es im Falle einer Berufung zu dauerhaftem Unfrieden kommen könnte. Wenn ich mal zurückdenke, was für Hickhack und Kindergarten ich zwischen Professoren mitbekommen habe, die nicht wirklich miteinander konnten... :roll:
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Grounded »

Zitroneneis2 hat geschrieben: 28.04.2022, 09:42 Liebe Alle,

ich bin zwar keine Professorin, arbeite aber seit 20 Jahren an Hochschulen.
...
Ist das eine allgemeine Hinweissammlung, oder als Antwort auf meine Frage gedacht?
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Grounded »

echolot hat geschrieben: 28.04.2022, 10:54 Aus meiner Erfahrung ist nicht damit zu rechnen, dass jemand die BK wegen Befangenheit verlässt. Die Zusammensetzung der BK wird ja vor Sichtung der Bewerbungen festgelegt. Was aber passieren wird (zumindest sollte), dass der/die BK-Vorsitzende/r nach Befangenheit der BK-Mitglieder bzgl. der Bewerber fragt.
Wenn Du davon ausgehst, dass Sie deine mögliche Berufung verhindern will, dann würde ich an deiner Stelle schon im Anschreiben ihren Namen als Doktormutter sehr klar erwähnen, so dass jeder der anderen BK-Mitglieder ihre Befangenheit erkennen kann. Damit müsste sie sich dann bei Abstimmungen, die sich betreffen, enthalten.
Danke dir für die Infos und den Tipp! Die Bewerbung ist schon versendet, aber ich habe die BK an anderer Stelle auf meine DM hingewiesen.
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Grounded »

Blau hat geschrieben: 28.04.2022, 14:48 Ich verstehe auch nicht, warum die Doktormutter etwas gegen die Berufung haben sollte? Allerdings würde ich mir unter den Umständen ernsthaft überlegen, ob ich mich überhaupt bewerben möchte, da es im Falle einer Berufung zu dauerhaftem Unfrieden kommen könnte.
Du beantwortest dir deine Frage selbst: Möglicherweise hat sie etwas gegen die Berufung, weil sie Unfrieden befürchtet.
Die potenzielle Disharmonie schreckt mich nicht ab. Ich finde die ausgeschriebene Stelle und die Hochschule spannend.
Blau
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch V - ab 2022

Beitrag von Blau »

@Grounded: okay, wenn das für dich akzeptabel ist, dann wünsche ich viel Erfolg :blume:

Ich hatte Ende Januar meine Vorsingen an einer FH. Habe dann zwei Wochen später die Nachricht bekommen, ich wäre in der näheren Auswahl, der Prozess würde aber noch etwas dauern. Jetzt hatte ich nochmal vorsichtig nach dem Stand gefragt und folgende Antwort bekommen: Die Berufungskommission befindet sich momentan in den letzten Abschlussberichten. Hm, was bedeutet das denn jetzt? Ist das der Status noch vor Ruferteilung oder wurde der Ruf schon jemand anderem erteilt und jetzt wird noch alles festgeklopft bevor alle anderen informiert werden?
Ehrlich gesagt mache ich mir nicht mehr viel Hoffnung.
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