FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Fragen und Antworten rund um die FH-Professur
Quest
Beiträge: 19
Registriert: 02.05.2019, 21:27
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 0

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von Quest » 28.03.2020, 12:32

Hallo zusammen,

ich versuche, hier mal wieder etwas Leben rein zu bringen.

Bei mir ist derzeit Stillstand, d.h. es gibt keine neuen Absagen oder Einladungen. In dieser Zeit natürlich verständlich, ich merke auch ganz klar, dass in den Bundesländern, wo ich über academics immer nach Professuren suche, seit Anfang des Jahres eigentlich nichts mehr für meinen Bereich veröffentlicht wird.

Vielleicht mag ja eine der Personen, die es geschafft haben, nochmal ein paar Einblicke geben? Mich und sicher auch die anderen würden die folgenden 3 Punkte interessieren :D:

1.) Selbstbestimmung direkt nach der Einstellung
Klar, am Anfang hält man sich immer zurück und tut das, was von einem verlangt wird. Aber wie war es bei euch? Mit wem habt ihr am Anfang zusammengesessen? Wie wurde festgelegt, welche Module ihr übernehmen durftet? Gab es Mitsprache-Recht von eurer Seite? Wurde ggfs. sogar klar gesagt "hier sind die alten Folien, bitte erstmal daran orientieren" (was ja nicht schlecht sein muss)

2.) Probezeit
Wie sind eure Erfahrungen: Kann man da verhandeln? Ist das Ländersache und kann tatsächlich nicht verhandelt werden? Ich gehe grundsätzlich von einer staatlichen Hochschule aus.

3.) Was genau lässt sich neben den Bezügen verhandeln?
In der Industrie eine ganze Menge, von Home Office über die Ausstattung, Firmenwagen, Fortbildungen, Einzelbüro, flexible Arbeitszeiten, Zulagen ... Wie läuft das an einer Hochschule ab? Oder sind es rein die Bezüge und das war es?

Wie immer, vielen Dank :blume:

schommes
Beiträge: 40
Registriert: 19.03.2017, 07:59
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 6 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von schommes » 28.03.2020, 14:20

1. Direkt nach der Einstellung ist es mit Selbstbestimmung meist eher mau, da die Hochschule den Neubewerber ja in der Regel schon Monate vor seiner "Ankunft" verplanen muss. Bei uns findet z.B. die Lehrplanung für das Ende September beginnende Wintersemester im April statt. Zum Thema Büro: Doppelbesetzungen sind natürlich ärgerlich und sollten bei einer Professur eigentlich undenkbar sein, aber sie kommen aus Gründen der Raumnot leider immer wieder mal vor. Ich würde jedenfalls auf eine Zusicherung bestehen, dass das kein Dauerzustand ist. Wie soll man in so einer Situation z.B. Einzelprüfungen abhalten? Zum Thema Lehrmaterialien: Alte Folien werden einem nicht einfach so zufliegen. Das ist immer ein sehr individuelles und heikles Thema. Da gibt es keine pauschale Strategie oder Handhabung, sondern nur den Tipp, sehr diplomatisch vorzugehen. Ich bezweifle aber auch, dass die Folien einer anderen Person wirklich nützlich sind. Jeder von uns hat seine eigenen Vermittlungsstrategien.

2. Professur auf Probe oder Zeit sind in der Tat in manchen Landeshochschulgesetzen und auch beim Bund erlaubt bzw. geregelt. Das ist dann auch nicht verhandelbar. Allerdings gibt es mitunter auch Ausnahmevorschriften. So ist die Berufung auf Zeit beim Bund z.B. nur bei Erstberufungen möglich. Nach herrschender Meinung sind indes die betreffenden Zeit- und Probe-Regelungen alle verfassungswidrig. Die Gründe dafür würden den Rahmen dieses Postings sprengen. Es gibt dazu aber reichlich Fachliteratur. Siehe z.B. den Fachartikel von Yvonne Dorff in der Festschrift zum 30-jährigen Bestehen der HS (damaligen FH) Bund oder den einschlägigen Artikel von Battis/Grigoleit. Jeder, der aktuelle auf Probe oder Zeit berufen wird und Zeit, Geld und Nerven hat, dagegen zu klagen, kann sich gerne direkt bei mir melden.

3. Ich bezweifle, dass sich im Rahmen einer FH-Professur überhaupt irgendetwas verhandeln lässt. Auch die Besoldung einschließlich der Berufungsbezüge folgen an den meisten HAW in der Regel vorgegebenen Schemata. Auch die - an den HAW ja ohnehin eher schmale - sachliche (und in seltenen Fällen personelle) Ausstattung ist meist standardisiert. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber in der Regel nur dann, wenn der/die Berufene aufgrund eines hohen wissenschaftlichen Standings eine starke Verhandlungsposition hat. Beratung in Fragen der Berufungsverhandlungen bietet übrigens der HLB an, dem man zu diesem Zweck im Vorfeld der Berufungsverhandlungen beitreten kann und sollte.

Bei mir hat es jetzt im Übrigen geklappt. Nachdem ich bereits 2011 auf Lebenszeit an die HS Osnabrück berufen wurde, hat es ca. 50 Bewerbungen und 20 Probevorlesungen und ein Konkurrentenstreitverfahren bis zum Bundesverfassungsgericht gebraucht, bis ich jetzt einen Ruf der HS Bund nach Berlin und damit endlich an den Wunschort erhalten habe. Wer eine FH-Professur anstrebt, braucht Zähigkeit, Disziplin, ein hohes Maß an Frustrationstoleranz und vor allem die Einsicht, dass es letzlich keine Garantie gibt, dass es irgendwann klappt.

Beste Grüße, Thomas Elbel

johndoe
Beiträge: 93
Registriert: 31.12.2018, 12:57
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von johndoe » 28.03.2020, 21:55

Quest hat geschrieben:
28.03.2020, 12:32

Bei mir ist derzeit Stillstand, d.h. es gibt keine neuen Absagen oder Einladungen. In dieser Zeit natürlich verständlich, ich merke auch ganz klar, dass in den Bundesländern, wo ich über academics immer nach Professuren suche, seit Anfang des Jahres eigentlich nichts mehr für meinen Bereich veröffentlicht wird.
Bei mir ähnlich. Hab 2 Bewerbungen laufen und war in freudiger Erwartung bzgl Einladung, habe jetzt aber auf Nachfrage hin erfahren, dass die Verfahren derzeit ruhen. Da hilft wohl nur abwarten...

johndoe
Beiträge: 93
Registriert: 31.12.2018, 12:57
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 9 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von johndoe » 14.05.2020, 18:24

Hi an alle, die derzeit eine Bewerbung laufen haben!

Wie schaut's bei euch aus? Gibt es schon Lebenszeichen seitens BKs?

Ich finde das Verfahren aktuell noch nebulöser als es standardmäßig eh schon ist. Auf Nachfrage erhalte ich nur neutrale Antworten. Nicht mal einen Hinweis, ob oder wann die Verfahren weiterlaufen. Ich kann praktisch nicht beurteilen,ob ich überhaupt im Rennen bin oder nicht.

Grounded
Beiträge: 157
Registriert: 10.06.2018, 19:49
Status: Eingereicht
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von Grounded » 15.05.2020, 12:55

johndoe hat geschrieben:
14.05.2020, 18:24

Wie schaut's bei euch aus? Gibt es schon Lebenszeichen seitens BKs?
Aktuell sind bei mir drei Bewerbungen offen, auf die ich bislang außer der Eingangsbestätigung keine Rückmeldung bekommen habe. Das Ende der Bewerbungsfrist liegt allerdings noch nicht allzu lange zurück. Außerdem habe ich von mehreren Seiten gehört, dass so ein Verfahren locker ein Jahr dauern kann. Deshalb bin ich recht entspannt und harre der Dinge, die da kommen.

Quest
Beiträge: 19
Registriert: 02.05.2019, 21:27
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 0

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von Quest » 05.06.2020, 23:23

Hallo zusammen,

ich hätte da eine Frage zum www.hlb.de:

Ich gehe davon aus, dass alles vertraulich behandelt wird. Trotzdem habe ich Bedenken, was dass Beitrittsverfahren bzw. das Beitrittsformular angeht. Vermutlich kommen meine Bedenken aus der Industrie: Wenn der Arbeitgeber mitbekommt, das man gewerkschaftlich organisiert ist, ist das schon mal ziemlich schlecht.

Und der HLB fragt ja direkt nach vorauss. Hochschule inklusive Fachbereich und Lehrgebiete. Natürlich möchte ich schon sehr gerne die https://www.hlb.de/ziel-professur/berufungsberatung mitnehmen, aber wie wird sichergestellt, dass mein Beitrittsformular nicht beim Landesverband landet, wo dann wieder Professoren sind, die direkt an der Hochschule sind? Worst case: Die Information landet direkt bei einem Mitglied der Berufungskommission :stressed:

Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Gedanken, oder :?:

SSCI
Beiträge: 72
Registriert: 23.11.2018, 11:30
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 13 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von SSCI » 06.06.2020, 19:16

Das ist die gleiche Angst, die das ganze deutsche Wissenschaftssystem für viele so unerträglich macht.

Nomen Nescio
Beiträge: 1292
Registriert: 31.05.2018, 17:29
Status: Dr. No
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von Nomen Nescio » 07.06.2020, 21:09

Quest hat geschrieben:
05.06.2020, 23:23
Wenn der Arbeitgeber mitbekommt, das man gewerkschaftlich organisiert ist, ist das schon mal ziemlich schlecht.
Und für wen soll es besser sein, wenn der AG mitbekommt bzw davon ausgehen kann, dass niemand gewerkschaftlich organisiert ist?
Trollschutzerklärung: Ich halte mich aus threads mit erhöhtem Trollpotential heraus. Im Fehlerfall möge der Troll bitte "NEIN, ich bin nicht einverstanden." drücken.

Quest
Beiträge: 19
Registriert: 02.05.2019, 21:27
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 0

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von Quest » 08.06.2020, 19:40

Ich möchte hier gar nicht in die Tiefe gehen. In der Industrie kann es definitiv schädlich sein, wenn der AG es weiß. Karriere macht man meist als ATler, und die sind dann auch nicht mehr gewerkschaftlich organisiert. Der Abteilungsleiter wird nämlich von der Firma geschult und fragt nicht mehr den Betriebsrat oder die Gewerkschaft, wenn er ein Problem hat.

Vielleicht kann ich meine Frage ja auch vereinfachen: Laut eigener Aussage hat der HLB ca. 8000 Mitglieder. bei ca. 22.000 FH-Professuren keine schlechte Quote. Falls hier Professor(innen) schreiben, die Mitglied sind: Geht ihr offen damit um? Wissen eure Kollegen das?


Nachtrag:
Warum ich übrigens jetzt mit diesem Thema ankomme: Vor ca. 2 Wochen kam dann doch überraschenderweise der Ruf per Post und jetzt geht es in die Verhandlung.

abc
Beiträge: 2
Registriert: 13.05.2020, 11:32
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch II - ab 2019

Beitrag von abc » 09.06.2020, 09:48

Warum ich übrigens jetzt mit diesem Thema ankomme: Vor ca. 2 Wochen kam dann doch überraschenderweise der Ruf per Post und jetzt geht es in die Verhandlung.
Gratuliere! Die Traumhochschule?

Ich hatte bei dem Gespräch mit dem HLB null Bedenken in dieser Hinsicht. Die Leute die eventuell in Frage kommen, Deinen Antrag da zu sehen, sind ja selbst dort mit dabei. Speziell das Vorgespräch wird auch mit einer/einem MitarbeiterIn aus dem Bereich Rechtsberatung geführt.

Meiner Meinung nach lohnt sich das Gespräch, auch wenn Du vermutlich auch nicht allzu viel Neues lernen wirst. Falls es bei einer konkreten HS jedoch Besonderheiten / Spielräume gibt, dann wissen die das i.d.R. Außerdem bekommst Du einen schönen Überblick, was Dich so erwartet und Du kannst Dir im Vorfeld schon ein paar Punkte zum Nachfragen Überlegen.

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag