Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Fragen und Antworten rund um die FH-Professur
amoroso
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Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von amoroso » 26.06.2018, 20:23

Ich mal wieder,

meine Firma fragt, ob ich Sie nach meinem Weggang Richtung FH weiter als Berater unterstützen kann.
Ich kenne mich nicht aus mit möglichen Vertragsmodellen für die Nebentätigkeit, aber da ich nicht als Kopf zählen soll in meiner alten Firma, läuft es sicher auf eine Beratertätigkeit hinaus. Also müsste ich Rechnungen schreiben über eine Anzahl an Stunden.

Jetzt soll ich mir einen Stundensatz ausdenken! Tja...äh...ich habe keine Ahnung! Ich habe ja mein Grundgehalt, also muss ich nicht so kalkulieren wie jemand, der zu 100 % Freiberufler ist und sein Büro, sein Auto etc. über den Stundenlohn kalkulieren muss. Richtig gedacht?

Also wo liegen den FH Professoren im technischen Bereich? 50 € (netto) wie mein Sanitärfachmann oder eher 100 €? Ich steh voll auf dem Schlauch. Ich will weder etwas vernachlässigen und einen zu geringen Stundenlohn angeben noch größenwahnsinnig erscheinen. Wie kalkuliert man denn den eigenen Stundenlohn???

Vielen Dank für euren Input!

Nomen Nescio
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von Nomen Nescio » 26.06.2018, 23:15

Die Preisfindung für die eigene freiberufliche Leistung unterliegt dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, auch wenn dieses dir sicherlich bekannte Prinzip im Allgemeinfall nicht weiterhilft. Üblicherweise ist GULP eine umfassende Analysen liefernde Adresse, die ultimative Korrektheit aussen vor gelassen. Für Hard- und Softwareentwickler liegen Stundensätze derzeit im Bereich von ca 75€ bis ca. 100€ (regionale Unterschiede unberücksichtigt), wobei Dringlichkeit und Marktenge diese Eckdaten leicht zu Makulatur werden lassen können. (Ich habe für 50 und für 120€ gearbeitet, lieber für 120 als für 50, aber ich war jung und brauchte das Geld. :lol: ). O.a. Sätze gelten für die Fakturierung der FB gegenüber ihrem Zuhälter, oftmals euphemistisch als Unternehmensberatung oder auch nur als Vermittler bezeichnet. Diese wiederum schlagen zwischen 15 und 25% bei Rechnungsstellung gegenüber "ihrem" Kunden auf.
Niemanden in der Branche interessiert, wie deine finanzielle Situation aussieht! Ebensowenig wie du automatisch deinen Stundensatz erhöhen kannst, wenn du aus HH anreist und zur Wiesnzeit in M ein Hotel buchen musst oder verringern müsstest, wenn du vor Ort wohnst. Ebensowenig wie dir jemand ernsthaft vorschlagen wird, deinen Satz zu verringern, weil dein Haus schon abbezahlt ist. Kurz wiederholt, interessieren deine Lebensumstände niemanden, denn es geht einzig und allein um den Verkauf einer Dienstleistung.
Trollschutzerklärung: Ich halte mich aus threads mit erhöhtem Trollpotential heraus. Im Fehlerfall möge der Troll bitte "NEIN, ich bin nicht einverstanden." drücken.

xa
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von xa » 27.06.2018, 09:03

Ich kenne das von Beratern mit Tagessätzen (wobei mal so 10 Stunden Arbeitstage angesetzt sind):

- als relativ normaler consultant: ca. 800 Euro
- als Professional / Senior, und dieses Karrierelevel hast du ja in jedem Fall: 1200-1500

Kareem
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von Kareem » 27.06.2018, 09:49

Habe mich auch mal mit dem Thema beschäftigt. Es kommt in erster Linie darauf an, welche Tätigkeiten du ausführst und auf welcher Ebene beim Kunden.
Beispiel: Umstrukturierung eines kleinen Callcenters wird dir mit einem geringeren Tagessatz entlohnt, als ein persönliches Coaching von einem Dax-Vorstand.
Daher die Frage, welche Tätigkeiten wirst du ausführen?
K

amoroso
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von amoroso » 27.06.2018, 16:58

Kareem hat geschrieben:
27.06.2018, 09:49
Daher die Frage, welche Tätigkeiten wirst du ausführen?
Tätigkeiten eines Entwicklungsingenieurs, vorzugsweise Berechnungen oder auch Programmiertätigkeiten.

TomTom
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von TomTom » 28.06.2018, 20:09

Würde mich xa anschließen und mit Tagessätzen arbeiten.

Bei uns in der Finanzbranche sind mittlerweile Tagessätze von 1.600 Euro + MwSt. etabliert,
ohne Berücksichtigung des akademischen Status. Finde ich persönlich irre viel,
aber wenn die Berater eine entsprechende Leistung (sprich Mehrwert) für das
Unternehmen erbringen, warum nicht. Leider ist der Mehrwert nicht immer zu erkennen,
aber das ist ein anderes Thema :lol: :lol:

Ob Deine Branche mit der Finanzbranche eins zu eins vergleichbar ist, weiss ich natürlich nicht.

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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von Zwonk » 28.06.2018, 20:13

@amoroso: Entschuldige die Nachfrage, es ist wirklich nur Neugier: Willst Du als Professor wirklich "Programmiertätigkeiten" auf dem Markt anbieten? Wenn das nicht äußerst spezielle Sachen sind, finde ich das schon etwas seltsam. Ich arbeite in der IT-Branche und habe noch nie einen programmierenden Professor in den Projekten gesehen, weder bei uns noch bei den Wettbewerbern :|

amoroso
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von amoroso » 28.06.2018, 20:32

Zwonk hat geschrieben:
28.06.2018, 20:13
@amoroso: Entschuldige die Nachfrage, es ist wirklich nur Neugier: Willst Du als Professor wirklich "Programmiertätigkeiten" auf dem Markt anbieten? Wenn das nicht äußerst spezielle Sachen sind, finde ich das schon etwas seltsam. Ich arbeite in der IT-Branche und habe noch nie einen programmierenden Professor in den Projekten gesehen, weder bei uns noch bei den Wettbewerbern :|
Es handelt sich eher um physikalische Modellierung bzw. Erstellung von Tools zur Berechnung technischer Systeme. Ist also mit Fokus auf Technik und nicht mit Fokus auf IT.

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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von oclock » 28.06.2018, 23:51

Kleiner Hinweis noch von mir. Als Professor gelten sehr strenge Richtlinien was Nebentätigkeiten betrifft. Du kannst nicht einmal pauschal "Programmier für Fima xy" genehmigen lassen, sondern musst für jedes neue Projekt erneut eine Genehmigung beantragen. Es wird teilweise auch sehr penibel darauf geachtet, dass Du wirklich nur 8 Std. pro Woche Nebentätigkeiten nachgehst (z.B. durch Führen von "Logbüchern").
Wenn Du einen zu hohen Tagessatz verlangst, der Hochschule aber verklickerst, dass Du nur ein paar Std. die Woche dafür arbeitest, dann könnten sie hellhörig werden. Am geschicktesten ist es die geplante Nebentätigkeite vorher mit der entsprechenden Stelle an der Hochschule abzuklären. Wenn Du erst neu anfängst, wird es mit der verfügbaren Zeit für Nebentätigkeiten tendenziell schlecht aussehen, vorallem, wenn es nicht nur Beratertätigkeiten, sondern Entwicklerjobs sind (Fehlersuche kann sich sehr in die Länge ziehen), denn die Dienststelle muß auch die Beanspruchung des Professors durch dienstliche Tätigkeiten bei der Entscheidung über die Genehmigung berücksichtigen. Es kann auch (muß natürlich nicht) an manchen Hochschulen zu Problemen führen, wenn Du Pauschalen (5000 Euro für Projekt xy) verlangst, denn wie kannst Du dann nachweisen, dass der beauftragenden Firma dann auch tatsächlich bewußt war, dass Du "nur" max. 8 Std. pro Woche zur Verfügung hast.
Außerdem mußt Du alles über einem bestimmten Betrag im Jahr an den Dienstherrn abführen (Abführungspflicht), für NRW siehe [1], falls die nebentätigkeit im öffentlichen Dienst ausgeführt wird.
Ein anderer Aspekt ist auch, WO Du diese Tätigkeit ausübst. Bei Dir zuhause? Stellt Dir die Fimra ein Büro? Nutzt Du Hochschulressoucen?

Also mein Tipp: Sprich vorher mit den Verantwortlichen an der Hochschule und erst dann mach Dir Gedanken um die konkrete Umsetzung. Es gibt viele Fallstricke und in der probezeit willst Du sicherlich nicht wegen sowas auffallen ...

[1] https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_det ... _id=381595

Nomen Nescio
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Re: Stundensatz eines FH-Professors als Freiberufler?

Beitrag von Nomen Nescio » 29.06.2018, 00:53

Klärungsfrage an die Juristen und -innen hier:
Ich habe mir @oclock's link zu Gemüte geführt und lese daraus laienhafterweise, dass sich Abführungspflicht ausschliesslich auf Nebentätigkeiten im ÖD bezieht, also bei "gleichem oder ähnlichem" Dienstherrn. Für Arbeiten in der Privatwirtschaft würden "lediglich" Deckelbeträge und -zeiten relevant sein.
Das oft kolportierte "Beamter sucht Nebenjob, auch ganztags" würde mMn nicht in erster Linie an der Abführungspflicht scheitern. ;)
Liege ich mit dem 1. und 2. Satz richtig?
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