Unzufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Promotion

daherrdoggda
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Re: Unzufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Promotion

Beitrag von daherrdoggda » 04.12.2016, 08:52

Wir hatten vor Jahren einen Doktoranden, der das magna auch für ungerechtfertigt schlecht hielt. Der erzählte dann immer, dass es nur an formalen Kriteren gelegen hätte (eine Erstautorenpublikation war noch in Revision, noch nicht angenommen). Jahre später hab ich von einem Mitglied des Prüfungskommittees dann erfahren, dass dieser Kandidat aus Sicht der Mehrheit der Prüfer eindeutig kein summa-Fall war, was wohl recht offensichtlich war. Die Eigenwahrnehmung und die Einschätzung anderer kann also durchaus verschieden sein, leider geben halt die Prüfer die Note und nicht man selbst.

Paulchen
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Re: Unzufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Promotion

Beitrag von Paulchen » 04.12.2016, 14:22

Das mag auch so sein. Vielleicht ist meine Arbeit auch keine Summa. Darüber könnte man jetzt streiten. Dazu könnten wir jetzt meine Arbeit lesen und dann die Gutachten. Man findet in jeder Arbeit sicher immer genug, um ein nicht-summa zu begründen. Hätten mich die Gutachten überzeugt, würde ich nicht meckern. Ich habe auch manche Arbeiten gelesen, die wirklich Mist waren, aber mit summa benotet wurden und in einer renommierten Reihe erschienen sind. Dann kamen dazu Rezensionen, die der reinste Verriss waren und dann stellt man fest, dass der Betreuer und der Reihenherausgeber zufällig gut befreundet sind und der betreffende Kollege plötzlich eine der wenigen Dauerstellen hat. So ist das System: Noten suggerieren Objektivität, wo keine ist.

praktikum
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Re: Unzufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Promotion

Beitrag von praktikum » 05.12.2016, 07:18

daherrdoggda hat geschrieben:Wir hatten vor Jahren einen Doktoranden, der das magna auch für ungerechtfertigt schlecht hielt. ... Jahre später hab ich ... dann erfahren, dass dieser Kandidat aus Sicht der Mehrheit der Prüfer eindeutig kein summa-Fall war, was wohl recht offensichtlich war.
Auf solche nachträglichen Aussagen kann man nicht viel geben, weil sie normalerweise nicht mit verhältnismäßigem Aufwand überprüfbar sind.
Bleiben wir beim Threadersteller. Nach welchen Kriterien soll eine Arbeit denn bitte "offensichtlich" cum laude sein? :)

Ich habe Doktoranden für Murks die Bestnote bekommen sehen und andere wurden stiefmütterlich bewertet. Viele Prüfer haben schlicht wenig Lust, sich mit der Materie intensiv zu befassen oder den aktuellen Forschungsstand zu recherchieren. Dann hängt es im Endeffekt am good will bzw. was der DV sagt. Manche Profs geben ihren Doktoranden sogar immer die Bestnote. Das bleibt auch in diesen Fällen normalerweise im Rahmen, aber zwischen benachbarten Notenstufen kann man ewig diskutieren.
Manche Prüfer wollen nicht Schicksal spielen und den Doktoranden unnötig unglücklich machen (z.B. rite). Andere Professoren geben gerne noch ein Basta mit auf den Weg. Letztlich sollte es aber professionell ablaufen, damit die Doktoranden sich nicht noch zusätzlich ärgern.
Paulchen hat geschrieben:Das mag auch so sein. Vielleicht ist meine Arbeit auch keine Summa. Darüber könnte man jetzt streiten. Dazu könnten wir jetzt ...
Lass es sein. Du hast Dich selber nochmal mit der Arbeit beschäftigt und Dir Gedanken gemacht. Das alles wird Dir aber nicht helfen, daher steigere Dich um Deiner selbst Willen nicht mehr in die Angelegenheit hinein.

Paulchen hat geschrieben:Noten suggerieren Objektivität, wo keine ist.
Es bringt Dir gar nichts, nun Alles zu attackieren. Das führt nur zu Frust. Im Endeffekt zweifelst Du selber an der Bestnote. Es kann aus vielerlei Gründen passieren, dass man eine Notenstufe schlechter ist, als erwartet. In Deinem Fall mag das ungerecht gewesen sein, aber Du hast nun schon von vielen anderen gehört, dass Du kein extremer Einzelfall wärest. Mach Dich frei von dem Thema!

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Re: Unzufrieden mit Ablauf und Ergebnis der Promotion

Beitrag von Irgendjemand » 05.12.2016, 13:49

daherrdoggda hat geschrieben:Die Eigenwahrnehmung und die Einschätzung anderer kann also durchaus verschieden sein, leider geben halt die Prüfer die Note und nicht man selbst.
Auch wenn das wohl nciht direkt an mich ging, will ich doch etwas dazu schreiben.
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich denke das gilt auch für viele andere hier: letztendlich ist nicht die Note das, was an mir nagt, sondern der Weg, wie es dazu gekommen ist und die letztendliche Begründung.
Wenn die Aspekte, die ich während meiner Forschung als Kritikpunkte genannt bekommen habe, als Kriterium für die Note genannt worden wären, hätte ich das als sehr streng empfunden, aber ich würde mich jetzt deutlich besser fühlen. Aber für Punkte kritisiert zu werden, die vorher absolut nie auf dem Tisch waren und die auch der Doktorvater vorher noch munter durchgewunken hat, ist eine ganz andere Situation.

Ich bedanke mich jedenfalls bei allen, die hier geantwortet haben. Es ist ein gutes Gefühl, dass es Leute gibt, denen es ähnlich ging.

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