Promovieren in Deutschland

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Promovieren in Deutschland

Beitrag von Flowerpotgirl » 14.11.2016, 16:18

Hallo,

ich habe mich u.a. auf eine Promostelle in Deutschland beworden und bin sehr ueberraschend zu einem Vorstellungsgespraech eingeladen worden. Da ich seit Jahren nicht mehr in Deutschland wohne wuerde ich mich freuen wenn ihr mir ein paar Tipps geben koennt.

Was fuer Fragen kann man einem Prof in Deutschland stellen? Ich moechte auf jeden Fall wissen wie seine Art der Betreuung aussieht, vielviel Zeit seine Promovendie im Allgemeinen brauchen, was seine Filosofie zum Thema Veroeffentlichungen ist (kleine Stueckchen forschen und veroeffentlichen oder alles am ende) und wie er zur Teilname von internationalen Kongressen steht. Und natuerlich auch wie schnell er sich entscheidet da ich bereits eine Zusage habe und die zweite erwarte.

Die Stelle ist mit E13 75% ausgeschrieben. Kann jemand was dazu sagen? Was wird dabei im Allgemeinen erwartet: 100% Forschen und zusaetzlich an Lehrveranstaltungen teilnehmen? Was ist die Relevanz von Stufe 1-5?

Wie sieht das an deutschen Unis mit dem Lernen von neuen Fertigkeiten die ich fuer das Projekt brauche aus? Kann ich Kurse an der Uni dafuer belegen, z.B. eine Einleitung zum Programmieren mit R, Statistische Analyse fuer Dummies, bestimmte Apparate bedienen, usw?

Und ganz allgemein: wie normal sind etwas aeltere Promovierende in Deutschland?

Lieben Dank fuer eure Antworten.

Dell
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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von Dell » 14.11.2016, 16:42

Fach?

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von Flowerpotgirl » 14.11.2016, 16:55

Tut mir leid, ich sage nur Naturwissenschaften. Viel mehr waehre zu erkennbar.

rerx
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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von rerx » 14.11.2016, 19:47

Was fuer Fragen kann man einem Prof in Deutschland stellen? Ich moechte auf jeden Fall wissen wie seine Art der Betreuung aussieht, vielviel Zeit seine Promovendie im Allgemeinen brauchen, was seine Filosofie zum Thema Veroeffentlichungen ist (kleine Stueckchen forschen und veroeffentlichen oder alles am ende) und wie er zur Teilname von internationalen Kongressen steht. Und natuerlich auch wie schnell er sich entscheidet da ich bereits eine Zusage habe und die zweite erwarte.
Das sind alles Fragen, die du ihm stellen können solltest. Wenn er das negativ auffasst, würde ich mir überlegen, ob du echt langfristig mit ihm zusammenarbeiten willst.

Du solltest auf jeden Fall auch mit seinen Mitarbeitern und früheren Doktoranden reden!
Die Stelle ist mit E13 75% ausgeschrieben. Kann jemand was dazu sagen? Was wird dabei im Allgemeinen erwartet: 100% Forschen und zusaetzlich an Lehrveranstaltungen teilnehmen?
Das ist vollkommen arbeitsgruppenabhängig. Bei uns z.B. macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ein Doktorand auf 75% E13. 50% E13 oder nur einer 10h WHK-Stelle zusätzlich zum Stipendium sitzt. Von jedem wird erwartet, dass er eine Übung pro Semester hält und gelegentlich zusätzliche Aufgaben übernimmt. Das kann anderswo ganz anders sein: Also konkret nachfragen.
Was ist die Relevanz von Stufe 1-5?
Die Einstufung steigt mit den Anstellungsjahren und führt zu Gehaltssteigerungen. Wenn du es geschickt anstellst und Glück hast, wird dir bisherige Berufserfahrung vielleicht schon angerechnet und du fängst auf Stufe 2 oder 3 an. Zur Orientierung:
http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/re ... 016&zv=VBL
Wie sieht das an deutschen Unis mit dem Lernen von neuen Fertigkeiten die ich fuer das Projekt brauche aus? Kann ich Kurse an der Uni dafuer belegen, z.B. eine Einleitung zum Programmieren mit R, Statistische Analyse fuer Dummies, bestimmte Apparate bedienen, usw?
Da kannst du mehr oder weniger Glück haben, also ältere Doktoranden und Chef fragen. Ich habe keine besonderen Kurse belegt, aber habe ein paar fortgeschrittenere Vorlesungen gehört. Anderswo gibt es Graduiertenschulen und jeder muss eine gewisse Zahl Kurse belegen -- das kann dann auch unangenehm sein, wenn es nur noch irrelevante Angebote gibt.

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von Flowerpotgirl » 14.11.2016, 20:12

Lieben Dank fuer deine Antwort, rerx
Das sind alles Fragen, die du ihm stellen können solltest. Wenn er das negativ auffasst, würde ich mir überlegen, ob du echt langfristig mit ihm zusammenarbeiten willst.

Du solltest auf jeden Fall auch mit seinen Mitarbeitern und früheren Doktoranden reden!
Ja, stimmt. Bis jetzt habe ich das bei meinen anderen Bewerbungen auch getan um ein gutes Gefuehl zu bekommen ob ich mit dem Prof auskomme. Ich habe noch einen ganzen Berg anderer fragen. Nur kann ich natuerlich nicht das ganze Gespraech lang nur fragen stellen :D Ich werde wohl auch noch die eine und andere Frage selber beantworten muessen :lol:
Das ist vollkommen arbeitsgruppenabhängig. Bei uns z.B. macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ein Doktorand auf 75% E13. 50% E13 oder nur einer 10h WHK-Stelle zusätzlich zum Stipendium sitzt. Von jedem wird erwartet, dass er eine Übung pro Semester hält und gelegentlich zusätzliche Aufgaben übernimmt. Das kann anderswo ganz anders sein: Also konkret nachfragen.
Danke. Gut zu wissen. Ich vermute dass die Eingruppierung vor allem etwas damit zu tun hat wieviel Geld fuer die Forschungsarbeit vorhanden ist? Ich kenne es eher so von der Insel der Abtruennigen im Westen und Umgebung dass es ein Stipendium geben kann, oder die Industrie eines gibt, oder man sich selber um eines kuemmert aber die Geldsumme ist immer umgefaehr dieselbe - und ziemlich knapp. Zusaetzlich kann man Veranstaltungen geben, fuer behinderte Studenten mitschreiben und mit aehnlichem Geld dazuverdienen.
Die Einstufung steigt mit den Anstellungsjahren und führt zu Gehaltssteigerungen. Wenn du es geschickt anstellst und Glück hast, wird dir bisherige Berufserfahrung vielleicht schon angerechnet und du fängst auf Stufe 2 oder 3 an. Zur Orientierung:
http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/re ... 016&zv=VBL
Den Rechner hatte ich schon gefunden. Eine hoehere Einstufung waehre echt toll. Was am Ende unten rauskommt ist echt was am Ende des Monats auf dem Konto landet? Ich kann nicht behaubten dass ich mich mit Lohnabrechnungen in .de auskenne, und sicher nicht mit oeffentlichem Dienst
Da kannst du mehr oder weniger Glück haben, also ältere Doktoranden und Chef fragen. Ich habe keine besonderen Kurse belegt, aber habe ein paar fortgeschrittenere Vorlesungen gehört. Anderswo gibt es Graduiertenschulen und jeder muss eine gewisse Zahl Kurse belegen -- das kann dann auch unangenehm sein, wenn es nur noch irrelevante Angebote gibt.
Gut zu wissen. Ich werde die kommenden Tage nochmal sehr gut auf der Uniwebsite suchen. Typisch Deutschland (sorry) ist irgendwie alles in endlosen Regeln verborgen und nicht wirklich einfach und deutlich irgendwie niedergeschrieben :blume:

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von rerx » 17.11.2016, 01:26

Flowerpotgirl hat geschrieben:
Das ist vollkommen arbeitsgruppenabhängig. Bei uns z.B. macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ein Doktorand auf 75% E13. 50% E13 oder nur einer 10h WHK-Stelle zusätzlich zum Stipendium sitzt. Von jedem wird erwartet, dass er eine Übung pro Semester hält und gelegentlich zusätzliche Aufgaben übernimmt. Das kann anderswo ganz anders sein: Also konkret nachfragen.
Danke. Gut zu wissen. Ich vermute dass die Eingruppierung vor allem etwas damit zu tun hat wieviel Geld fuer die Forschungsarbeit vorhanden ist?
Wie viel Geld da ist, wie viel Geld der Lehrstuhlinhaber für einen Doktoranden ausgeben möchte, ob er lieber zwei oder drei Doktoranden haben will, ...
Flowerpotgirl hat geschrieben: Ich kenne es eher so von der Insel der Abtruennigen im Westen und Umgebung dass es ein Stipendium geben kann, oder die Industrie eines gibt, oder man sich selber um eines kuemmert aber die Geldsumme ist immer umgefaehr dieselbe - und ziemlich knapp. Zusaetzlich kann man Veranstaltungen geben, fuer behinderte Studenten mitschreiben und mit aehnlichem Geld dazuverdienen.
Ich habe den Eindruck, dass Doktoranden in Deutschland etwas mehr als Angestellte und etwas weniger als Studenten gesehen werden als in manchen anderen Ländern. Das ändert sich vielleicht etwas dadurch, dass sie im Schnitt immer jünger werden.
Flowerpotgirl hat geschrieben:
Die Einstufung steigt mit den Anstellungsjahren und führt zu Gehaltssteigerungen. Wenn du es geschickt anstellst und Glück hast, wird dir bisherige Berufserfahrung vielleicht schon angerechnet und du fängst auf Stufe 2 oder 3 an. Zur Orientierung:
http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/re ... 016&zv=VBL
Den Rechner hatte ich schon gefunden. Eine hoehere Einstufung waehre echt toll. Was am Ende unten rauskommt ist echt was am Ende des Monats auf dem Konto landet? Ich kann nicht behaubten dass ich mich mit Lohnabrechnungen in .de auskenne, und sicher nicht mit oeffentlichem Dienst
Der Nettobetrag hängt natürlich von deinem genauen Krankenkassenbeitrag und deiner Steuerklasse ab. Eventuell kannst du auch darauf verzichten, in die VBL einzuzahlen, falls du nicht absehbar mindenstens fünf Jahre im öffentlichen Dienst angestellt bleiben willst.

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von FerdiFuchs » 17.11.2016, 09:06

rerx hat geschrieben:
Flowerpotgirl hat geschrieben: Den Rechner hatte ich schon gefunden. Eine hoehere Einstufung waehre echt toll. Was am Ende unten rauskommt ist echt was am Ende des Monats auf dem Konto landet? Ich kann nicht behaubten dass ich mich mit Lohnabrechnungen in .de auskenne, und sicher nicht mit oeffentlichem Dienst
Der Nettobetrag hängt natürlich von deinem genauen Krankenkassenbeitrag und deiner Steuerklasse ab. Eventuell kannst du auch darauf verzichten, in die VBL einzuzahlen, falls du nicht absehbar mindenstens fünf Jahre im öffentlichen Dienst angestellt bleiben willst.
Wobei der Krankenkassenbeitrag über unterschiedliche Krankenkassen hinweg einheitlich festgelegt ist (auf 15,5%) und der Rechner die Steuerklasse bereits berücksichtigt (hier I).

Zusammengefasst kann man sagen: Ja, die Angabe, die da steht, ist ziemlich realistisch für das, was am Ende rauskommt.

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von Flowerpotgirl » 17.11.2016, 10:55

Danke euch. Das hilft mir wirklich sehr. Das Vorstellungsgespraech lief gut und ich konnte alle meine Fragen loswerden. Ich habe jedenfalls einen guten Eindruck vom Prof bekommen. Bis jetzt hatte ich noch nie ein Vorstellungsgespraech wo wir beide soviel lachen mussten :lol: . Ganz so grosse Hoffnung mache ich mir nicht da der Prof scheinbar weit ueber hundert Bewerbungen bekam und im Moment am Fliessband Vorstellungsgespraeche fuehrt (keine Ahnung wieviele). Aber ich habe inzwischen woanders, eben auf der Insel eine Zusage bekommen, welche ich, wenn dieses nichts wird annehmen werde.

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von rerx » 17.11.2016, 22:08

FerdiFuchs hat geschrieben:
rerx hat geschrieben:
Flowerpotgirl hat geschrieben: Den Rechner hatte ich schon gefunden. Eine hoehere Einstufung waehre echt toll. Was am Ende unten rauskommt ist echt was am Ende des Monats auf dem Konto landet? Ich kann nicht behaubten dass ich mich mit Lohnabrechnungen in .de auskenne, und sicher nicht mit oeffentlichem Dienst
Der Nettobetrag hängt natürlich von deinem genauen Krankenkassenbeitrag und deiner Steuerklasse ab. Eventuell kannst du auch darauf verzichten, in die VBL einzuzahlen, falls du nicht absehbar mindenstens fünf Jahre im öffentlichen Dienst angestellt bleiben willst.
Wobei der Krankenkassenbeitrag über unterschiedliche Krankenkassen hinweg einheitlich festgelegt ist (auf 15,5%) und der Rechner die Steuerklasse bereits berücksichtigt (hier I).
Ähem, http://www.krankenkasseninfo.de/kranken ... trag-2016/ :wink:
Flowerpotgirl hat geschrieben:Danke euch. Das hilft mir wirklich sehr. Das Vorstellungsgespraech lief gut und ich konnte alle meine Fragen loswerden. Ich habe jedenfalls einen guten Eindruck vom Prof bekommen. Bis jetzt hatte ich noch nie ein Vorstellungsgespraech wo wir beide soviel lachen mussten :lol: . Ganz so grosse Hoffnung mache ich mir nicht da der Prof scheinbar weit ueber hundert Bewerbungen bekam und im Moment am Fliessband Vorstellungsgespraeche fuehrt (keine Ahnung wieviele). Aber ich habe inzwischen woanders, eben auf der Insel eine Zusage bekommen, welche ich, wenn dieses nichts wird annehmen werde.
Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg!

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Re: Promovieren in Deutschland

Beitrag von FerdiFuchs » 18.11.2016, 08:52

@ rerx: In der Tat, durch den Zusatzbeitrag kommt es zu einer Streuung im Prozentbereich. An dem genannten Krankenkassenvergleich kann Flowerpotgirl sich gleich orientieren, wenn die Bewerbung erfolgreich ausgeht.

@ Flowerpotgirl: Von der Beschreibung her liest sich das doch wie ein geglücktes Vorstellungsgespräch - auch von meiner Seite herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg!

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