Abbrechen wegen Problemen in der Lehre?

Gesperrt
kirkendall
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Abbrechen wegen Problemen in der Lehre?

Beitrag von kirkendall » 02.11.2016, 09:43

Hallo,

ich habe vor ca. einem halben Jahr mit meiner Promotion angefangen. Das Thema macht mir nach wie vor riesigen Spaß und ich habe garkein Problem damit einen Großteil meiner Freizeit dafür zu "opfern". Außerdem habe ich bereits gute Fortschritte gemacht. Schon während des Studiums, habe ich als HiWi 3 Jahre in dem Bereich gearbeitet und kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen.

Das Problem ist, dass ich laut Promotionsordnung 2 Lehrscheine brauche. In meinem Fall bedeutet das Übungsgruppen zu leiten. Dies fällt mir enorm schwer, da vieles von dem Stoff neu für mich ist. Studiert habe ich nämlich Chemie, bin jetzt jedoch bei den Physikern gelandet und fürchte dass ich schlicht und einfach nicht intelligent genug bin. Es ist ungewohnt viel Mathematik für mich und es fällt mir oft schwer den Gedankengängen der Physiker zu folgen. Möglicherweise ist das auch eine Gewohnheitssache, aber auf jeden Fall fühle ich mich extrem Unwohl vor Leuten zu stehen und denen etwas zu erklären in dem Wissen, dass jeder von ihnen besser dafür geeignet wäre. Ganz zu schweigen davon, dass es den Studenten gegenüber unfair ist.

War jemand schon mal in einer ähnlichen Situation?
Ich fände es schade die Promotion deswegen abzubrechen, andererseits ist die Lehre ja auch ein wichtiger Teil davon.

Anzeige:

Phia123
Beiträge: 1145
Registriert: 20.01.2015, 10:39
Status: verteidigt
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von Phia123 » 02.11.2016, 12:58

Hallo,
du hast das Chemie-Studium geschafft und bist dabei zu promovieren. Mangelnde Intelligenz können wir als Grund für deine Probleme wohl eher ausschließen :D
Es hört sich für mich so an als hättest du wenig Selbstvertrauen. Vielleicht ist auch das ein Grund warum du dich unwohl fühlst vor anderen zu sprechen.
Denk immer daran, dass jeder einmal Berufsanfänger war und jeder sich erst einmal einarbeiten muss.
Denk zum Beispiel an die Kassierer im Supermarkt wenn diese ihren ersten Tag haben. Sie sind sehr langsam und unbeholfen. Das heißt ja nicht gleich, dass sie eine motorische Störung haben. Mit der Zeit werden sie schneller und routinierter. Und ich glaube das könnte evtl. eine Sache sein, die du dir selbst nicht einräumst: Zeit um sich zu orientieren und einzuarbeiten.
Vielleicht hast du aber auch gar keine Lust dich in den Bereich Physik einzuarbeiten. Das Thema liegt dir nicht und innerlich widerstrebt es dir dich in die Denkweise und Arbeitsweise von Physikern einzufuchsen. Wie bist du im Bereich Physik gelandet? Gibt es eine Möglichkeit auf lange Sicht in den eher chemischen Bereich zu wechseln?
Wenn du Lust hast dich einzuarbeiten: Gibt es vielleicht Seminare in der Physik die du auch als Doktorand besuchen könntest? Viele Doktoranden belegen noch nebenbei Seminare, z.B. auch um sich in einen anderen Bereich einzuarbeiten.
Vielleicht waren ein paar Denkanstöße dabe, vielleicht liege ich auch mit allem falsch.
Ich wünsche dir viel Glück und Vertrauen in dich selbst auf deinem Weg in den Beruf :blume:
Viele Grüße

Nachtrag: Bleibst du nur für die 2 Scheine im Physik-Bereich?

flip
Beiträge: 1030
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 20 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von flip » 02.11.2016, 13:02

Du hast zwei Mögichkeiten:

1) Du versuchst dein fehlendes Wissen zu überspielen. Damit läufst du Gefahr, dass du in Sachen Mathematik von den Physikern ma leben getestet wirst und daher deine Ahnungslosigkeit offen legst. Leider durchblickst du das dann zu spät. Damit bist du dann bei allen unten durch. Und auch bei den folgenden Studi-Generationen.

2) Du spielst mit offenen Karten und sagst, dass du Chemiker bist, es während der Promotionsphase üblich ist, dass auch fachfremde in dieser Disziplin arbeiten/forschen (Interdisziplinär) und es daher auch zu dieser Übungskonstellation kommen kann. Solltest du also in einigen, mathematischen Fragestellungen nicht sofort eine Antwort wissen, dann ist das dieser Tatsache geschuldet. Wenn einer also einer bessere Erklärung weiß, darf er es gerne auch den anderen mitteilen.
Natürlich sagst du das nicht direkt am Anfang bei der Vorstellung, sondern beim Besprechen einer besonders schweren Übungsaufgabe. Und du lässt in keiner Situtation Zweifel aufkommen wer die Übungszettel am Ende korrigiert, damit also am längeren Hebel sitzt.

praktikum
Beiträge: 317
Registriert: 13.02.2016, 05:35
Status: abgeschlossen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von praktikum » 02.11.2016, 18:20

Ich gebe Dir einen heißen Tipp:
Biete Seminare an!

Bei Seminaren kannst Du zumindest Themen vorgeben, in denen Du Dich einigermaßen wohlfühlst. Auf die Art und Weise findest Du vielleicht sogar Leute, die später ihrer Bachelor oder Masterarbeit bei Dir schreiben.

Als Doktorand würde ich keine Übungen anbieten, deren Inhalt ich nicht verstehe.

Zwonk
Beiträge: 7531
Registriert: 28.04.2013, 14:13
Status: Dr. Zwonk
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von Zwonk » 02.11.2016, 19:41

@kirkendall: Vielleicht habe ich es übersehen - aber sagt denn die Promotionsordnung, dass Du Lehrerfahrung in der Physik brauchst? Wenn nicht, kannst Du nicht bei den Chemikern nachfragen, ob Du da Deine Lehrerfahrung holen kannst?

Vollkornpizza
Beiträge: 189
Registriert: 06.07.2013, 23:17
Status: Verteidigt
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: Abbrechen wegen Problemen in der Lehre?

Beitrag von Vollkornpizza » 02.11.2016, 23:16

Hallo,

wenn ich dich richtig verstanden habe, ist es so, dass jede/r DoktorandIn irgendwelche Lehre übernehmen muss und dass ihr die verschiedenen Veranstaltungen dann zugelost habt? Ich würde dann zunächst mit den anderen sprechen. Vielleicht geht es ja jemandem ganz ähnlich, der/die gerne eine Chemieübung abgeben möchte.

Falls es für dieses Semester keinen Ausweg mehr gibt, setz dich einfach in die dazugehörige Vorlesung. Ich denke, wenn man auch die Vorlesung besucht, sollte die Übung einigermaßen leichter fallen.

Dem Rat (2) von Flip schließe ich mich dennoch an.

Viele Grüße

VP

kal-el
Beiträge: 57
Registriert: 08.07.2014, 19:03
Status: angefangen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Abbrechen wegen Problemen in der Lehre?

Beitrag von kal-el » 08.11.2016, 22:30

Ich weiß, was Du meinst. Ich musste bei mir am Lehrstuhl plötzlich eine Vertiefung als Basismodul lehren, von der ich noch NIE vorher gehört habe. Und ehrlich: das erste Semester ging so schief, dass mich die Studenten aus der der Zeit jetzt noch bei facebook dissen....
Mein Fehler:
ich hatte da keine Lust drauf und habe es einfach nicht passend vorbereitet. Ich wollte es als unnahbarer Dozent durchziehen, ging aber nicht. Warum? Weil ich keinerleie Hintergrundwissen hatte. Jetzt muss ich den Scheiss aber schon im dritten Semester machen und mittlerweile habe ich in den sauren Apfel gebissen und mir die Grundlagen angeeignet, fange an, mein citavi dahingehend zu füllen, frage mal bei Kollegen nach.

Deshalb mein Tip:
1. Unterricht super strukturieren, erst machen wir das, dann das.... VIEL Material vorbereiten
2. Vorlernen, vertikal und horizontal.

Bezüglich Lehre an sich: an den meisten Unis gibt es Qualitätsagenturen etc., die Kurse in Hochschuldidaktika anbieten. Auch das solltest Du machen.

3. Seh´ die Studenten auch als Ressource, sowohl fachlich als auch sozial-interaktional.

flip
Beiträge: 1030
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 20 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von flip » 09.11.2016, 14:41

praktikum hat geschrieben:Ich gebe Dir einen heißen Tipp:
Biete Seminare an!

Bei Seminaren kannst Du zumindest Themen vorgeben, in denen Du Dich einigermaßen wohlfühlst. Auf die Art und Weise findest Du vielleicht sogar Leute, die später ihrer Bachelor oder Masterarbeit bei Dir schreiben.

Als Doktorand würde ich keine Übungen anbieten, deren Inhalt ich nicht verstehe.
Sorry, aber was ist das denn für ein Beitrag/Vorschlag?
Eine Professur ist an ein bestimmtes Lehrdeputat gebunden, dass Vorlesungen und Seminare einschließt. Jetzt wird dir als Doktorand vom Professor eine bestimmte Vorlesung zugeordet und du sagt dann: "Ach ne, ich mache lieber Seminare. Das liegt mir eher und da fühle ich mich wohler mit. Aber danke, dass Sie mich berücksichtigt haben."

Mhm.

kirkendall
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Abbrechen wegen Problemen in der Lehre?

Beitrag von kirkendall » 16.11.2016, 11:48

Danke für die vielen Tipps. In der Promotionsordnung steht tatsächlich nicht explizit,dass die Lehrerfahrung im Bereich Physik gesammelt werden muss. Jetzt habe ich aber die Übungsgruppe schon übernommen und ein Rückzieher wäre nur noch peinlicher.
Also zieh ich's einfach durch. Auf Facebook bin ich zum Glück nicht, deswegen ist auch kein cybermobbing zu erwarten.
Mittlerweile läufts auch etwas besser...bin zwar immer noch sehr unsicher beim Reden, aber so bin ich nun mal. Der Haken ist die enorme Menge an Zeit die mir dadurch für mein eigentliches Projekt verloren geht, was sehr schade ist.

So langsam verstehe ich, warum viele Prof's so mies gelaunt sind. Ist nachvollziehbar, wenn man einfach nicht zu seiner Forschung kommt

praktikum
Beiträge: 317
Registriert: 13.02.2016, 05:35
Status: abgeschlossen
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Abbrechen. Probleme in der Lehre

Beitrag von praktikum » 22.11.2016, 16:54

flip hat geschrieben:
praktikum hat geschrieben: Sorry, aber was ist das denn für ein Beitrag/Vorschlag?
Ein ehrlicher Beitrag! Viele Lehrstühle betreiben für Jahre/Jahrzehnte Vorlesungen mit gleichem Titel. Der Prof kann den Stoffinhalt dann meistens blind an die Tafel schreiben und ist um die Routine sehr froh. Dann wird nichts mehr riskiert und der wissenschaftliche Nachwuchs kann sich an Seminaren austoben. Da besteht für den Prof ein geringes Risiko, im Gegensatz zu einer großen Vorlesung. Da kann eine Menge schief gehen, falls man die Kontrolle abgibt.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass zwei oder drei Doktoranden auf einem Seminar absitzen, um damit ihre Stunden abzustottern. Mit irgendetwas fängt man eben an! Das bedeutet dann in der Regel sehr gute Betreuung für die einzelnen Studenten. Davon haben sie wesentlich mehr, als das irgendein Amateur eine Hauptvorlesung veranstaltet.

Gesperrt
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag