Dissertation wird nie fertig

Peterklose123
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Dissertation wird nie fertig

Beitrag von Peterklose123 » 18.10.2016, 22:07

Hallo zusammen,

da ich von Kollegen gelegentlich von diesem Problem gehört habe und sich allmählich das Gefühl einstellt, dass es bei mir ähnlich laufen könnte, wollte ich einmal einen Thread hierzu eröffnen...

Scheinbar scheint ein häufiges Problem bei der Erstellung der Diss zu sein, dass der Doktorvater nie mit dem Ergebnis zufrieden ist, immer wieder neue Ideen hat, welche zusätzlichen Aspekte noch in die Thesis eingebaut werden könnten usw., bis der Doktorand nach jahrelangem mühsamen Arbeitens frustriert aufgibt. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Die Durchfallquoten bei Promotionen sind ja verschwindend gering, aber ist die "Dunkelziffer" evtl. viel höher, weil eine hohe Anzahl von Dissertationen gar nie eingereicht wird?

Ich bin nun keiner, der schnell aufgibt, und ich weiß auch, dass eine Diss nun mal einen langen Zeitraum in Anspruch nimmt. Und die Arbeit daran macht ja auch Freude - nur sollte es natürlich trotzdem irgendwann zu einem Ziel kommen. Aber bei jedem Gespräch mit meinem DV kommen immer wieder neue Aspekte hoch, die man aus seiner Sicht noch zusätzlich erheben und auswerten könnte; dazu stimmt er sich auch immer wieder mit anderen Profs ab, von denen auch jeder wieder eigene Ideen hat. Allmählich habe ich das Gefühl, es ist ein Fass ohne Boden. :stressed:

Habt ihr ähnliche Erfahrungen? Und wie geht ihr damit um? Irgendwann einfach die neuen Vorschläge ignorieren, blind einreichen und hoffen, dass er mich bestehen lässt, obwohl ich seine Vorschläge ignoriert habe? Wobe ich davon ausgehe, wenn ich irgendwann sage, dass ich nun einreiche, er sowieso sagen würde, dass ich die Arbeit erstmal noch weiter ausbauen soll, bevor er sie liest...

Vielen Dank für eure Einschätzungen hierzu.

Viele Grüße

Peter

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FerdiFuchs
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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von FerdiFuchs » 19.10.2016, 08:01

War bei mir in Ansätzen ähnlich. Bei uns ist es (zum Glück) üblich, dass der Betreuer vor der offiziellen Abgabe die Arbeit zumindest schonmal grob gegenliest - und zwar durchaus mehrfach. Da ich in diesem Prozess bemerkt habe, dass von den meisten "aufploppenden" Ideen des Betreuers in der nächsten Feedback-Runde schon keine Rede mehr war, habe ich mich drauf besonnen, sie einfach gepflegt zu ignorieren - wenn etwas wirklich wichtig gewesen wäre, wäre er schon drauf zurück gekommen. War bei mir nicht der Fall, der Betreuer hat die dritte Version absegnet und später mit einer doch recht erfreulichen Note bewertet.

Wenn ihr keine solche Tradition des "Gegenlesens" habt, wird es natürlich schwieriger. Vielleicht kannst du sie einführen?

Meggy
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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von Meggy » 19.10.2016, 08:59

Ich denke, erstmal ist das durchaus der Normalfall, dass ein einigermaßen engagierter Betreuer selbst auch (immer wieder) Ideen generiert und die sondiert haben möchte. Das ist durchaus legitim. Ebenso legitim ist es aber imho auch, dass man als Doktorand lernt sich da entsprechend abzugrenzen und die Dinge realistisch (!) einzuschätzen - zB wenn es wie vom Vorschreiber erwähnt eher so erkennbare spontane Laune-Ideen sind. Oder Themenbereiche, die eine ganz eigene Arbeit ausmachen könnten, ergo zu komplex sind um "mal so" mit einzufließen. Oder Dinge, die man selbst schlicht in seiner eigenen Arbeit nicht sieht/für richtig erachtet. Denn letztlich ist es DEINE Qualifikationsarbeit. Klar mag es auch Betreuer geben die das insofern ausnutzen, dass sie drohen/Druck machen dass man das umsetzen muss da sie die Arbeit sonst nicht annehmen. Dann sollte man sich aber vielleicht eher nach einem vernünftigen Betreuer umsehen. Im Normalfall wird einem keiner einen Strick daraus drehen wenn man nicht alles - sofern man es eben auch begründen kann - ohne hinterfragen umsetzt. Bei manchen Betreuern wäre das tatsächlich dann eine Endlosschleife ala "machen Sie X mal rein", "X muss unbedingt raus", "X sollte rein", "eigentlich passt X nicht zum Kontext"... :wink:

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von daherrdoggda » 19.10.2016, 10:06

Das lief bei mir so lang, bis mir die Fakultät aufs Dach gestiegen ist und eine Abgabefrist festgesetzt hat - dann ging alles ganz schnell ;)

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von flip » 19.10.2016, 12:14

Schließe mich Meggy an. Deine Diss, deine Entscheidung.
Was du von den ganzen Vorschlägen einarbeitest obliegt dir. Aber du musst in der Lage sein, auch eine Grenze zu ziehen.

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von Papierturm » 19.10.2016, 17:59

In unserem Institut gab es ein Promotionsbuch, in welchem jeder, der fertig wurde, über seinen Weg berichtete und Tipps gab.

Ich gab nur zwei Tipps:
1. Regelmäßige Datensicherung!
2. Sein eigenes Ding durchziehen.

Letzteres genau wegen dem, worum es hier geht. Ich bin nach einer Weile auf "Tauchstation" gegangen, habe mein eigenes Ding durchgezogen, und dann erst zum Ende hin wieder Rückmeldungen vom Betreuer geholt. So wurde ich doch verhältnismäßig zügig fertig.

Grund für mich war, dass mir immer wieder Scheibchen draufgelegt wurden, dann auch mal die ganze Konzeption groß ergänzt wurde, und so weiter und so fort. Nach ca. einem Jahr war mir klar, so werde ich nie fertig.

Leider wurden viele Freunde und Bekannte, welche da nicht irgendwann eigene Linien zogen, zum großen Teil nicht fertig. Stichwort "Dunkelziffer".

Lange Rede wenig Sinn, Abgrenzung hilft!

(Und Datensicherungen.)

praktikum
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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von praktikum » 24.10.2016, 23:30

Unter Dunkelziffer kann man natürlich die Massen an Leuten verstehen, welche einfach abbrechen. Viele von denen haben sich niemals offiziell angemeldet, sondern waren Studenten, Externe, Mitarbeiter, etc.

Der Betreuer hat manchmal gar nicht die Situation des Doktoranden im Blickfeld. Stattdessen läßt man in Einzeltreffen die Ideen sprudeln und hört sich gerne selber reden ;)
Manche Betreuer tun dies vorsätzlich, weil sie dem Gegenüber so Arbeit zuschieben können. Das kommt besonders bei Bachelor- oder Masterstudenten zum tragen.

Sobald diese Zusatzideen aber zu zeitaufwendig werden, sollte man sich eine gezielte Vermeidungsstrategie zurecht legen. Das kommt auf die Situation vor Ort an. Beispielsweise kann man die Erweiterungen im Gespräch auf die Zeit nach der Abgabe schieben, beispielsweise in Form eines Artikels. Wichtig hierbei ist die eigene Zeitplanung bis zur Abgabe.

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von Dell » 25.10.2016, 02:50

Klar, Brainstorming und Ideen entwickeln ist der interessante Teil für den Betreuer und Doktoranden. Und es gibt immer mehr was man machen könnte, aber dafür gibt's ja dann nachfolgende Doktoranden... Die sollen ja auch nicht arbeitslos sein :lol:
Ernsthaft: wenn du schon 3+ Jahre dabei bist und es immer noch in der 'Entwicklungsphase' steckt, wäre es nicht unangebracht mit dem Betreuer einen Termin zu machen um die Thesis abzustecken und einen angepeilten Abgabetermin auszumachen. Wenn man sich erstmal auf einen Zeitplan geeinigt hat wird es auch dem Betreuer bewusster, dass dein Vorhaben zeitlich begrenzt ist und der Input zielführender werden muss.

daherrdoggda et al: Würde ich gut finden, wenn Promotionsvorhaben nur noch mit offizieller Einschreibung als Doktorand möglich wären (dann gäbe es endlich auch mal bessere Statistiken zu den Promotionsvorhaben), mit verbindlichen Betreuungszusagen und Verpflichtungen (z. B. Bereitstellung eines Arbeitsplatzes, Geldmittel für Weiterbildungen/Konferenzen) die Betreuer und Doktorand eingehen, und etwas mehr Struktur wie z.B. festgelegte Verfahrensdauer (z.B. Mindestens 3, maximal 5 Jahre Vollzeit oder pro rata). 2. 'Mentor' der das Verfahren 'überwacht', Monitoring des Fortschritts durch die Fakultäten (z.B. jährliche Präsentationen/Berichte), u.ä.

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von Peterklose123 » 25.10.2016, 22:12

Hallo zusammen,

danke für die vielen und interessanten Rückmeldungen.

Wir haben auch Feedback-Runden vor der offiziellen Einreichung, und genau das ist m.E. das Problem, da bei jedem Gespräch neue Ideen kommen, und somit die offizielle Einreichung gefühlt nie stattfinden kann.

Was mir schwer fällt abzuschätzen, wann ich die Grenze ziehen kann und wann nicht. Mein DV ist auf dem Standpunkt, es ist alles meine Entscheidung, und beurteilen wird er das Ergebnis am Schluss. Er macht nur Vorschläge, die ich umsetzen kann, aber nicht muss. Das ist einerseits ja gut und auch richtig so, anderseits schwingt immer zwischen den Zeilen mit "Wenn du es nicht umsetzt, wirst du schon sehen, was bei der Beurteilung passiert".

Weiß nicht, ob ich mir den Unterton einbilde, oder ob es wirklich so gemeint ist. Aber darum fällt es mir ein wenig schwer festzulegen, wann ich im Sinne einer einigermaßen zügigen Fertigstellung auf die Umsetzung von Vorschlägen/Ideen verzichten kann und wann es so gewichtige Anmerkungen sind, dass ich sie in jedem Fall beherzigen muss.

Nun ja, mal sehen, wie es weitergeht.

Viele Grüße

Peter

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Re: Dissertation wird nie fertig

Beitrag von praktikum » 25.10.2016, 23:21

Peterklose123 hat geschrieben: Was mir schwer fällt abzuschätzen, wann ich die Grenze ziehen kann und wann nicht. Mein DV ist auf dem Standpunkt, es ist alles meine Entscheidung, und beurteilen wird er das Ergebnis am Schluss. Er macht nur Vorschläge, die ich umsetzen kann, aber nicht muss. Das ist einerseits ja gut und auch richtig so, anderseits schwingt immer zwischen den Zeilen mit "Wenn du es nicht umsetzt, wirst du schon sehen, was bei der Beurteilung passiert".
Man muss als Doktorand tatsächlich selber entscheiden, wo man die Themengrenze zieht. Da zählt im Zweifelsfall die Qualität in der Ausarbeitung vor der Quantität an Themen.

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