Nach kurzer Zeit unglücklich in externer Promotion - Wie weiter vorgehen?

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Nach kurzer Zeit unglücklich in externer Promotion - Wie weiter vorgehen?

Beitrag von T-Hamster » 07.09.2016, 11:34

Hallo liebe Community,

auch wenn ich weiß, dass sich schon einige der Threads mit dem Thema beschäftigt haben, muss ich dennoch mein "Problem" hier einmal einstellen. Ich würde mich über Euer Feedback sehr freuen und hoffe auf Eure Erfahrungen und Tipps.

In aller Kürze vorweg:
Seit 2 Monaten bin ich als Ingenieur-Doktorand in einem großen und sehr renommierten Unternehmen ABC angestellt (jeder kennt ihn, garantiert). Und dennoch fühle ich mich so schlecht mit der mir gegebenen Thematik... Und bin derzeit krankgeschriebenen, was eindeutig auf die Stelle zurückzuführen ist... Aktuell sondiere bereits neue Stellenangebote...

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Wie kam es dazu?

Mein Studium verlief supererfolgreich und im Frühsommer dieses Jahres habe ich meinen Abschluss mit Top-Note gemacht. In Hausarbeiten und meiner Abschlussarbeit hieß es von meinen Betreuern und auch dem Prof immer nur, sie hätten "noch nie einen Studenten gesehen, der sich so schnell einarbeitet, so zielstrebig ist und präzise Zusammenhänge erkennt, so umfassend Sachverhalte betrachtet und so belastbare Arbeiten vorgelegt hatte". Aus einer meiner Hausarbeiten habe ich auf Initiation meines Betreuers sogar eine Veröffentlichung geschrieben... Es hieß von überall: "Du musst promovieren!". Und das Forschen macht mir auch großen Spaß.

Dann trat Anfang des Jahres mein Betreuer einer Studienarbeit an mich heran, der mittlerweile in besagtem Unternehmen ABC arbeitet. Er hat sich voll reingehängt und mehr oder weniger "extra für mich" eine Doktorandenstelle bei Firma ABC beantragt, die auch genehmigt wurde. Das hat mir natürlich sehr geschmeichelt - ein großes Unternehmen wirbt um mich. Auch das Produkt, an dem ich arbeiten soll, ist superzukunftsweisend. Mein gesamtes Umfeld (Freunde, Familie, Universitätsbetreuer, ...) meinten alle: "Wow, ABC schafft extra für Dich eine Stelle? Das musst Du machen, ist eine Superchance! Du schaffst das sowieso!"
Ich hatte noch ein paar andere Bewerbungen geschrieben mit durchaus guter Erfolgsquote (6 Bewerbungen, 4 Gesprächseinladungen, 3 Zusagen). Besonders bei einer Firma hatte ich ein gutes Gefühl, habe aber zugunsten von ABC abgesagt.

Tja, und hier liegt der Hase im Pfeffer...
Die Thematik/Themenfeld wurde natürlich grob vorher abgesprochen mit ABC - eine bestimmte Art von Berechnung soll ich durchführen.
Hatte ich zwar noch nie gemacht und es liegt auch komplett außerhalb meiner Vertiefungsrichtung aus dem Studium, aber ich dachte: "Hey, da kommst Du schon rein, Du bist doch ein cleveres Kerlchen...". Firma ABC hat mir meiner Universität auch gleich eine Betreuungsvereinbarung geschlossen und es war alles geritzt. Nun bin ich mitten drin und mir wurde gezeigt, worum es genau gehen soll. Jetzt sitze ich jeden Tag davor und mit jedem Paper, das ich zu der Thematik lese, steigt in mir der Widerwille, DIESES Themenfeld zu bearbeiten...

Ich kann es schwer beschreiben, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, aber die Thematik ist mir so fremd. Als hätte ich Astrophysik studiert und soll jetzt Quantenphysik machen (an alle Physiker: Bitte nicht persönlich nehmen ;-) ) Meine Kreativität, Motivation und die Freude, die ich von früher kenne, die sind einfach wie weggeblasen. Auch der innere Wille, es durchdringen zu wollen (wie früher) ist weg... Auch wenn ich weiß, dass einiges sicherlich "Einarbeitungsschwierigkeiten" sind, wundert es mich doch, dass sich mein Innerstes so sehr dagegen stemmt...

Ich habe die letzten Wochen lang intensiv versucht, "reinzukommen" und mich mit der Thematik anzufreunden:
Literatur lesen, mit Kollegen sprechen, Ideen zu sammeln, mich in die Software einzuarbeiten. Mein Kopf weiß auch, dass die Softwaretools nicht so schwer zu verstehen sind und dass ich die Sachzusammenhänge, Gleichungen usw. verstehen kann. Intellektuell ist es definitiv keine Überforderung. Ich will nicht aufgeben und versuche hineinzukommen, aber in den letzten zwei Wochen haben sich schon körperliche Symptome bemerkbar gemacht (Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Rückenschmerzen, Magenprobleme, Konzentrations- und Erinnerungsschwäche,...)

Mit meinem Betreuer habe ich auch mehrfach gesprochen, aber mehr als Sätze wie "Du musst wissen, was Du untersuchen willst", "Du musst eben wissen, wie Du vorgehen willst" kommt nicht heraus... Meinen Doktorvater sehe ich aufgrund der Entfernung (>450 km) nur alle paar Monate. Und, was soll er auch sagen? "Sie müssen eben den Gefallen an der Sache finden?"

Ich habe das Gefühl, dass ich gegen mein Inneres arbeite. Sowas kann doch nicht normal sein?! Sollte ich nicht jetzt gerade vor Euphorie sprudeln? Ich merke, ich will promovieren und forschen, aber ich kann es nicht einfach auf Knopfdruck und in jedem Themengebiet...
Eigentlich geht's mir supergut, bloß möchte ich eigentlich inhaltlich zurück zu meinem alten Themenfeld. Dort will ich promovieren ...

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Mein Problem:
So wie es derzeit läuft, geht's nicht weiter. Das alleine sagt mir schon mein Körper gerade. Und so wird mein Projekt "Promotion" auch nicht zum Erfolg führen. Was tun? Die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit und auch mein Betreuer ist ein cooler Typ. Die Firma ist echt top und von außen betrachtet ist es eine Superchance... Und auch die Stelle super, bloß eventuell nicht für mich? Ich merke einfach, in der Thematik werde ich nicht glücklich.

Aktuell habe ich bereits zwei neue Bewerbungen rausgeschrieben (im 'alten' Themenfeld).
Parallel zum Studium habe ich noch eine Art "Fernstudium"-Zusatzkurs angefangen, der noch bis Oktober geht.
In meinen Bewerbungen sage ich, dass ich mich aktuell auf den Zusatzkurs konzentriere und für danach einen Job suche...
Meine aktuelle Stelle gibt's in meinem Lebenslauf einfach nicht. Wie sähe das auch aus, nach 2 Monaten kündigen? Wie versagt und weggelaufen...

Der große Fehler war, dass das Thema "über meinen Kopf hinweg" fixiert wurde und ich es 'blind' auf Rat meines Umfelds (und weil ich mich so geschmeichelt gefühlt habe) angenommen habe. So etwas würde ich nicht nocheinmal machen. Stattdessen erst einmal "normal" im Themenbereich selbst arbeiten (z. B. als wiss. MA o. ä.) und wenn ich eine eigene Idee zur Dissertation habe, dann die nächsten Schritte (DV finden, Exposé, ...) einleiten.

Mir geht's echt schlecht mit der Situation ... Wie schätzt Ihr das ein? Was würdet Ihr machen?

Beste Grüße und Danke vorab!

T-Hamster

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Eva
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Re: Nach kurzer Zeit unglücklich in externer Promotion - Wie weiter vorgehen?

Beitrag von Eva » 07.09.2016, 14:35

Ich finde, du hast deine Situation schon sehr gut analysiert. Es wirkt für mich auch so, als hättest du dich schon entschieden, das derzeitige Thema definitiv aufzugeben (was ich für eine gute Idee halte, nach dem, was du schreibst). Was mich aber wundert: Im Moment scheint es für dich nur die Optionen "mit dem ungeliebten Thema bei ABC weitermachen" oder "ABC verlassen und mit neuem Thema woanders neu starten" zu geben. Gibt es denn nicht die Möglichkeit, mit deinen Vorgesetzten bei ABC zu sprechen und das Thema zu wechseln, aber im Unternehmen zu bleiben? Wenn die so überzeugt von dir sind, werden sie dich vielleicht nicht einfach so ziehen lassen, sondern dir etwas Neues anbieten bzw. dich selbst etwas vorschlagen lassen. Hast du das geprüft?

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