Vorstellungsgespräch Probleme

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Alexlein
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Vorstellungsgespräch Probleme

Beitrag von Alexlein » 11.08.2016, 18:15

Hallo, ihr Lieben

Ich hatte mich auf einige Promotionsstellen beworben. Zu einer, zu der ich eingeladen wurde, konnte
ich wegen Krankheit nicht fahren (es gab keine Ausweichtermine) und zu einer war ich im Interview,
das ich als ziemlich "durchwachsen" empfand. (gleich mehr dazu) Jetzt bin ich wieder zu einem Interview
eingeladen worden und nun bin ich aufgrund der negativen Erfahrung etwas verunsichert:
Bei dem Interview, das ich hatte, saßen mir 5 Leute gegenüber. Während ich 4 davon als wohlwollend
und interessiert an mir und meinem Thema erlebte, empfand ich ausgerechnet den potentiellen DV als
"schlecht". Seine Fragen, aber auch Ausdrucksweise, gaben mir innerhalb von Minuten das Gefühl, mein
Thema sei irrelevant. Ich habe beschrieben, dass der und der Ansatz neu seien, dass ich bisher so und so
weit in der Fragestellung gekommen wäre (weil bereits meine M.A. Arbeit als eigenständige Forschungsleistung
eingeschätzt worden war und ich darin Vorarbeit leisten konnte), dass ich allerdings darüber hinaus nur
prognostizieren könne, weil dies ja eben das Forschungsvorhaben sei. Wie gesagt, die anderen Mitglieder
schienen mir größtenteils folgen zu können, aber der DV stellte immer wieder Fragen, als würden wir uns
im Kreis drehen.
Nun ja, jetzt frage ich mich, wie viel in so einem Interview sonst "gebohrt" wird. Ganz ehrlich, ich weiß
wirklich nicht wie ich so antworten soll, als hätte ich die Diss bereits geschrieben. Im Nachhinein habe ich
mich bei der Stelle gefragt, warum ich überhaupt eingeladen worden war, wenn der DV es eh als sinnlos
vermarktete...
Wenn ihr mir etwas von euren Erfahrungen mitteilen könntet, wäre das echt hilfreich.

Vielen lieben Dank,
Alex

Zwonk
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Re: Vorstellungsgespräch Probleme

Beitrag von Zwonk » 11.08.2016, 22:46

Moin Alex,

die subjektive Motivation hinter solchen Fragen ist naturgemäß von außen schwer zu beurteilen. Und zu allem Überfluss unterscheiden sich die Vorstellungsgespräche für Promotionsstellen doch etwas von denen für Stellen in der Wirtschaft. Trotzdem - ich würde da nicht die Flinte ins Korn werfen und mir zwei Dinge überlegen:

1. Das Gegenüber suggeriert, das Promotionsvorhaben wäre gar nicht so neuartig und innovativ: Naja, das kann doch durchaus dazu dienen, mal zu gucken, wie überzeugt der angehende Doktorand von dem Vorhaben ist. Wenn sich rausstellt, dass der bei jeder Gegenrede gleich sein ganzes Promotionsprojekt umschmeißt, dann ist eine erfolgreiche Promotion mittelfristig eher nicht zu erwarten. Man muss schon damit leben können, dass es Leute gibt, die den eigenen Ansatz nicht für genial halten und wer den Anspruch erhebt, mit seiner Diss bei niemandem in der Scientific Community anzuecken, der wird kaum jemals einreichen können...

2. Fragen zum möglichen Ergebnis: Auch solche Fragen können Sinn ergeben, denn trotz allem hat man ja bei Beginn seiner Forschung zumindest eine vage Idee, worauf das ganze hinauslaufen könnte. Wirklich vollkommen ziellose Forschung der Form "ich mache mal irgendwas und gucke, was dabei rauskommt" dürfte wohl kaum finanziert werden. Fragen in diese Richtung könnten also darauf abzielen zu schauen, ob Du in der Lage bist, irgendeinen Rahmen für Deine Forschung anzugeben, also irgendeine Eingrenzung dessen, was zu erwarten ist. Man wird also im Vorstellungsgespräch kein Endergebnis haben wollen, sondern einfach Dein Vermögen testen, im wissenschaftlichen Bereich realistische Annahmen zu treffen. Wenn in der Praxis dann alles anders kommt, bricht einem das nicht das Genick, aber eine gewisse Positionierung ist schon notwendig.

Richard
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Re: Vorstellungsgespräch Probleme

Beitrag von Richard » 12.08.2016, 08:10

Wahrscheinlicher ist, dass die Stelle bereits für einen Buddy eingeplant war, man deshalb die Bewerbung gar nicht wollte und deshalb rein rechtlich das Vorstellungsgespräch führen müsste, weil eben die Einstellungsvoraussetzungen vorlagen. Wenn bei einem solchen Gespräch Fragende in den "etwas" penetranten Modus umschalten, dann bedeutet dies zu 95%, dass die Person eine bessere Qualifikation als der Buddy hat, den man einstellen will. Eine solche besser qualifizierte BewerberInn muss man loswerden, also für belastbare Sachgründe sorgen, damit man die Bewerbung entsorgen kann ohne Gefahr zu laufen Probleme zu bekommen. Und genau dann kann man dokumentieren, die "Sachfragen" sind nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Natürlich ist der Buddy nicht in dieser Art gefragt worden, ist klar. Und wer schon eine sehr gute MA platziert hat, der sollte auch die Fragen zur Forschung inhaltlich beantworten können. Darum geht es aber gar nicht, sondern das Nachbohern und die Art der Fragen dient einzig und alleine dazu, die Bewerber auszusortieren. Eine ganz dreckiges Spiel ist das in vielen Fällen. Hier wurde ja auch die persönliche Art und die Weise der Fragestellung erwähnt. Und genau dies zeigt, dass es eigentlich nur um das Aussortieren von unliebsamen Bewerbern geht. Wäre man wirklich an sachgerechten Fragen interessiert, dann könnte man diese ja auch in einer anderen Art und Weise stellen und braucht nicht in den permanenten Stressmodus gehen. Sicherlich hat der Buddy eine andere Behandlung erfahren, ist bekannt mit dem Entscheider oder hat schon unter ihm gedient bzw. sich bei ihm angedient.
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Alexlein
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Re: Vorstellungsgespräch Probleme

Beitrag von Alexlein » 12.08.2016, 14:08

Danke für eure Antworten!

@Zwonk: Ja, so wie du es auslegst, kann ich es verstehen und würde es auch erwarten. Ich kann
nur sagen, dass - aus MEINER Perspektive - ich diesbezüglich völlig befriedigend geantwortet habe.
Das Gebohre des DV ging aber darüber hinaus, und da...

@Richard: ...wirst du wahrscheinlich den richtigen Riecher haben.
Es war wirklich ein Gespräch, bei dem ich mit dem Rücken zur Wand stand, wie man so schön sagt,
und mich am Ende nur fragte, warum ich überhaupt eingeladen worden war (einmal quer durch
Deutschland reisen dafür...). Naja.

Wenn schon nichts anderes, dann kann ich wenigstens die Erfahrung rausziehen, wie ein
"hartes" Gespräch gefürt wird. Ich hoffe trotzdem, dass das nächste sinnvoller verläuft.

Liebe Grüße und danke

Doc-Wolfi
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Re: Vorstellungsgespräch Probleme

Beitrag von Doc-Wolfi » 14.08.2016, 13:13

Hallo Alex,
da hilft ein wenig Schicksalsergebenheit. Wenn Du von Anfang an keine Chance hast, kannst Du das Interview als Übung sehen.
Und wenn sie Dir positiv gegenüber eingestellt sind, dann machst Du das Beste daraus.
Ich finde auch, dass man merkt, ob der Gesprächspartner herausfinden will, ob man dazu passt, oder ob er herausfinden will, dass man nicht passt.

Das Nachbohren ist aber allgemein üblich, mache ich auch. Es kann sich nämlich jeder zu Hause etwas ausdenken und dann schön vorbereitet zum Besten geben. Das würde sogar gehen, wenn derjenige gar keine Ahnung vom Thema hat, wenn das Exposé von jemand anderem stammt, und der Bewerber nur wie ein Schauspieler den Experten mimt. Deshalb wird der Prof immer nachbohren, um herauszufinden, was der Bewerber weiß. Die Frage "Was ist denn nun so innovativ an Ihrer Lösung?" geht meist auch in die Richtung "Kennen Sie die aktuelle Forschung zum Thema und was fehlt Ihnen bei den anderen Werken?" Wenn er Dich ganz an die Wand gedrückt hat und gerade anscheinend nachgewiesen hat, dass Deine Idee altbacken ist, kannst Du ihn als Experten ansprechen und um Rat fragen. "Was würden Sie denn vorschlagen?" oder "Sie als Experte haben doch sicher eine Idee, was noch fehlt/ wie man aus diesem Thema etwas Innovatives machen kann?" Natürlich kann er dann immer noch kontern: "Das wäre Ihre Aufgabe", aber es kann gut sein, dass die Diskussion so in konstruktives Fahrwassser gelangt und ihr im Gespräch gemeinsam die Idee noch verbessert.

Bloß nicht unterkriegen lassen! Vor allem solltest Du das Gespräch nicht als Kampf sehen. Es ist ein Gespräch unter Experten. :-)

Wolfi

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