DFG und Zweitstudium - Probleme?

JenniferS
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DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von JenniferS » 12.07.2016, 20:55

Liebe Forenmitglieder,

ich bin momentan Doktorandin in der Anglistik. Nach einer Teilzeitstelle an der Universität beginnt nun ein DFG-Projekt, in dem ich in 3 Monaten eine Doktorandenstelle (65%) antrete. Hierzu habe ich eine Frage:
Ich habe offiziell ein "Doppelstudium". Einerseits bin ich Promotionsstudentin in unserem universitären Graduiertenkolleg, andererseits bin ich in einem Master-of-Education Studiengang eingeschrieben. Diesen Masterstudiengang betreibe ich als "Plan-B", da eine wissenschaftliche Karriere bekanntermaßen sehr unsicher ist. Alle KollegInnen und Beratungszentren haben angeraten, einen "Notfallplan" zu erarbeiten, falls das mit der wissenschaftlichen Laufbahn nicht klappt. Mit dem Master könnte ich notfalls Lehrerin werden - dies wäre mein Alternativplan. Momentan belege ich hier pro Semester 1-2 Veranstaltungen - wenn überhaupt.
Nun zu meiner Frage: Könnte das "nebenberufliche" Lehramtsstudium Probleme mit der Doktorandenstelle des DFG-Projekts bereiten? Ich will keinesfalls den Eindruck erwecken, dass ich die Doktorandenstelle nur "halbherzig" wahrnehme. Ich würde in der Zeit des DFG-Projekts keine oder nahezu keine Veranstaltungen machen -- dies ist zeitlich wohl auch kaum realisierbar. Aber ich würde sehr gerne in dem Master eingeschrieben bleiben, weil der Studiengang einen hohen NC hat, den ich nicht mehr ohne weiteres bestehen würde.
Wie schätzt ihr meine Situation ein? Für meine Betreuungsdozenten ist das kein Problem - aber wie sieht es mit der DFG aus? Erfährt die DFG in irgendeiner Form von meinen Immatrikulationsdaten? Der Datenabgleich von Universität und DFG bezüglich Immatrikulationsdaten ist mir unbekannt. Gehe ich ein zu großes Risiko ein?
Ich würde meinen "Plan B" nur ungern aufgeben, weil mir die Unsicherheit der akademischen Karriere, gerade als Frau (mit eventuellem Kinderwunsch etc.), große Sorgen bereitet.

Ich bin für jeden Ratschlag dankbar!
Jennifer

itsme
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von itsme » 12.07.2016, 21:57

JenniferS hat geschrieben:Gehe ich ein zu großes Risiko ein?
Erstmal gaaanz tief durchatmen. :wink:

Nein, du gehst kein zu hohes Risiko ein.

Ich empfehle immer, auch die wissenschaftlichen Arbeitgeber "nur" als Arbeitgeber zu betrachten, ohne diese ganze moralische Überfrachtung von wegen "Bin ich undankbar, wenn ich wegen einer halben, befristeten Stelle nicht ständig vor lauter Rührung mit Pipi in den Augen rumlaufe, denn immerhin darf *pipiausdenaugenwisch* ich ja in der WISSENSCHAFT!!! arbeiten?".

Die DFG gibt der Uni Geld, die Uni gibt dir dafür eine 65%-Stelle, du bist deswegen arbeitsvertraglich verpflichtet deine Arbeitsleistung der Uni für das DFG-Projekt zu 25 1/2 h/Woche zur Verfügung zu stellen. Was du in deiner "Freizeit" machst, geht die Uni zwar etwas an (denn du bist verpflichtet Nebentätigkeiten, dazu gehört auch ein Studium, anzuzeigen), kann aber von der Uni oder der DFG nicht bestimmt werden. Damit kann dir niemand einen Strick drehen, denn du hast das Recht deine berufliche Entwicklung so zu planen, wie es deinen Lebensvorstellungen entspricht - so lange es eben nicht mit deinen Pflichten ggü. deinem AG kollidiert. Damit kannst du auch ohne Weiteres Lehrveranstaltungen besuchen, ganz zu schweigen davon, dass du die Immatrikulation aufrecht erhalten kannst.

Bei der DFG ist es üblich, 65%-Stellen zu geben, wobei die 65% Arbeitszeit tatsächlich voll in das Projekt fließen sollen. Eine etwaige Qualifikation soll in der "Freizeit" stattfinden, wird also nicht von der DFG vergütet. In der Regel sollte die Diss also neben dem Projekt angefertigt werden, aber der zügige Abschluss der Diss liegt ja auch in deinem Interesse. Arbeitsvertraglich schuldest du "denen" nichts als deinen Einsatz im Rahmen deiner Arbeitszeit.

Alles Gute! :blume:

algol
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von algol » 12.07.2016, 22:19

Gehört ein Studium wirklich zu "Nebentätigkeiten"??
Nebentätigkeiten im Sinne von Nebenjob ist genehmigungspflichtig durch den AG, wobei das bei Teilzeitstellen schwer abgelehnt werden kann. Es sei denn man jobt bei der Konkurrenz.
Aber ein Studium?? Das wäre mir neu, dass man das angeben müsste.

itsme
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von itsme » 12.07.2016, 22:53

http://forum.oeffentlicher-dienst.info/ ... f=8&t=3339

Besonderheit des ÖD bzw. des Tarifvertrag Wissenschaft.

Nebentätigkeiten (im ÖD) sind grundsätzlich nur anzeige-, nicht genehmigungspflichtig (auch wenn Unis gerne auf das Formular "Genehmigung" schreiben und den Vorgesetzten gegenzeichnen lassen ...). So lange man unter der maximalen erlaubten Arbeitszeit bleibt, kann der AG es nicht verbieten. Anzeigen muss man aber alles, auch Tätigkeiten ohne Entgelt. Kommt an den Unis vermutlich auch nicht selten vor, weswegen man so wahrscheinlich sicherstellen will, dass die wöchentliche Arbeitszeit nicht überschritten wird.

JenniferS
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von JenniferS » 13.07.2016, 12:37

Vielen Dank für deine Anwort itsme! Was du schreibst, macht Mut! Besonders dein gesundes, abgeklärtes Verhältnis zum meist verklärten Arbeitgeber Universität.

Aber ist denn ein Studium anzeigepflichtig, wenn ich den "normalen" TV-L Vertrag bekomme (ohne Sonderregeln aus Teil B, wie im Link beschrieben).
Nach dem Schaubild unserer Uni, wäre beispielsweise selbst eine unengeltliche "wissenschaftliche Tätigkeit" weder genehmigungs- noch anzeigepflichtig. Auch ein Studium ist ja eine wissenschaftliche Tätigkeit. Siehe:

[Edit Sebastian 21.07.2016: URL auf Wunsch der Userin entfernt]

Bei wem müsste ich die Nebentätigkeit denn anzeigen - also wer würde davon erfahren: Erhält das nur ein unbekannter Sachbearbeiter vom Land / der Universität? Oder der Dekan/ meine Fakultät? Mein Doktorvater? Ich möchte auf keinenfall, dass das mit dem Masterstudium die Runde in unserer Fakultät macht. Es gab mal eine Kollegin, die nebenberuflich eine Ausbildung zum Coach/Mediatorin gemacht hat, und viele (gerade die Professorenschaft) haben darüber gelästert und an ihr wissenschaftliches Engagement gezweifelt. Da kamen leider echt unverschämte Sprüche. Deswegen bin ich so vorsichtig, weil ich das in meinem Fall vermeiden will - gerade weil ich das Studium ja nur sehr minimal studieren werde.

MfG
Jennifer

JohnvanConnor
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von JohnvanConnor » 13.07.2016, 13:21

Über die Formalitäten weiß ich nicht wirklich etwas, aber ich würde es überhaupt nicht angeben. Was soll schon passieren? Glaubst Du, da wird eine DFG-Taskforce eingesetzt, die Leuten nachjagt, die heimlich ein Zweitstudium absolvieren? Im Zweifelsfall zählt ja immer das, was man tatsächlich macht; also: eingeschrieben sein ist sicher kein Problem, sofern man Dir nicht nachweisen kann, mehr als 35% der Arbeitszeit tatsächlich für das Zweitstudium aufzuwenden.
Wenn Du Lästerungen befürchtest, würde sich vielleicht eine klassische Flucht nach vorn anbieten, also z.B. einfach mal nebenbei erwähnen, dass Du ein paar Kurse aus dem "Master of Education" besuchst, um später mal eine bessere Professorin zu werden (Stichwort: Lehre) - oder evtl. lassen sich auch inhaltliche Überschneidungen mit dem Promotionsthema finden/konstruieren? Grundsätzlich würde ich es eher runterspielen und jedenfalls nicht von einer "beruflichen Alternative" oder so reden, sondern einfach von Zusatzqualifikation.

itsme
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von itsme » 13.07.2016, 15:58

Ich würde auf Nummer sicher gehen und es anzeigen.

Arbeitsrecht kann tückisch sein. Das Problem ist Folgendes: Weil es nicht ein einzelnes "Arbeitsgesetzbuch" gibt, wo alles drin steht, was irgendwie zum Thema Arbeitsrecht relevant sein könnte, fischen alle beim Thema im Trüben. Vieles ist gar nicht explizit erlaubt oder verboten, sondern es hat sich nur noch kein Gericht damit befasst.

Das beste Beispiel ist das Befristungsunwesen: Die Unis sind jahrelang davon ausgegangen, dass ihre Befristungspraxis auch in den Auswüchsen durch das WissZeitVG gesetzlich gedeckt ist. Jetzt gab es aber einige erfolgreiche Klagen und nun sind'se bass erstaunt, weil selbst die gewogensten Arbeitsrichter nicht der Auffassung waren, dass den Unis nicht zuzumuten sei, ihre Mitarbeiter wenigstens für ein paar Jahre statt wenige Monate zu beschäftigen. Du weisst nicht, wo die Reise mit dir und der Uni noch hingeht (z.B. wenn du dann doch noch während der Projektlaufzeit in Elternzeit gehen möchtest), deswegen würde ich - und ich hab in dem Punkt echt Lehrgeld bezahlt - drauf achten, dass jeder i-Punkt auf jedem Formular genau mittig, exakt 0,3 mm über dem I sitzt.

Das Schaubild bezieht sich auf Beamte (s. Dateiname), da sind die Nebentätigkeitsregeln andere, weil die ja in einer "besonderen" öffentlich-rechtlichen Beziehung zu ihrem Dienstherrn stehen. Im schlimmsten Fall hast du ein überflüssiges Formular ausgefüllt, dass dann eben zu den Akten gelegt wird und nie wieder von Belang ist.

Wg. Ansprechpartner: Ich musste (entgeltliche) Nebentätigkeiten immer bei dem zuständigen Kollegen in der Personalverwaltung "anzeigen". Bei uns mit dem besonderen "Kniff", dass sie die Unterschrift des Vorgesetzten wollten. Ist sicher nichts, weswegen man einen Prozess vorm Arbeitsgericht vom Zaun brechen möchte, ist aber vermutlich nicht ganz rechtens. Denn was hätten sie tun können, wenn ich die Unterschrift einfach weggelassen hätte? Die Nebentätigkeitsgenehmigung verweigern geht ja schlecht. Ich würde einfach mal gucken, ob es so ein Formular bei euch gibt und wer darauf unterschreiben muss. Wenn es wirklich nur eine Anzeige ist, dann erfährt ausser dem Kollegen in der Verwaltung niemand davon.

JenniferS
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von JenniferS » 13.07.2016, 17:35

Ich finds unglaublich, dass die Nebentätigkeitsverordnung für Beamte laxer bzw. liberaler ist als für Angestellte. Die Beamte sitzen doch in festen Satteln, ich hingegen muss mich noch auf Jahre hin qualifizieren/bewähren. Immer wird von allen Seiten gefordert, "breit aufgestellt" zu sein und sich viele Wege offen zu halten, aber faktisch ist das doch nur schwer realisierbar.

Ich habe das Formular meiner Uni gefunden - und leider ist dort die Kenntnisnahme des Fachbereichs nötig. D.h. ich stehe vor einem Dilemma. Entweder zeige ich es nicht an, dann besteht womöglich ein Risiko für mich, oder ich zeige es an, und verliere an Reputation. Denn ich "meine es ja nicht wirklich ernst, mit der wissenschaftlichen Karriere".

Was passiert denn, wenn es raus kommt? Muss mir nicht erst nachgewiesen werden, dass ich die Projektarbeit vernachlässigt habe?

Doc-Wolfi
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von Doc-Wolfi » 13.07.2016, 19:22

JenniferS hat geschrieben:Immer wird von allen Seiten gefordert, "breit aufgestellt" zu sein und sich viele Wege offen zu halten, aber faktisch ist das doch nur schwer realisierbar.
Wer sagt das? Ich dachte, man müsse immer schon gewusst haben, dass man sich mit einem bestimmten Spezialthema beschäftigen will (schon als kleiner Knirps in Windeln) und danach bei "Jugend forscht" schon dieses Thema bearbeitet haben und so weiter. Also, ich bin breit aufgestellt und würde nicht behaupten, dass Generalisten in Deutschland höher angesehen sind als Leute, die immer nur dasselbe Thema gemacht haben. In meinem Lebenslauf werden immer einige Tätigkeiten je nach Zweck herausgelöscht, damit es nicht zu bereit aussieht! Das glaubt einem ja auch keiner, dass man sich mit mehr als einem Thema auskennt.
JenniferS hat geschrieben: Ich habe das Formular meiner Uni gefunden - und leider ist dort die Kenntnisnahme des Fachbereichs nötig. D.h. ich stehe vor einem Dilemma. Entweder zeige ich es nicht an, dann besteht womöglich ein Risiko für mich, oder ich zeige es an, und verliere an Reputation. Denn ich "meine es ja nicht wirklich ernst, mit der wissenschaftlichen Karriere".

Was passiert denn, wenn es raus kommt? Muss mir nicht erst nachgewiesen werden, dass ich die Projektarbeit vernachlässigt habe?
Hä??? Fortbildung war doch noch nie kriminell. Ich kenne sogar Leute, die auf einem anderen Gebiet promovieren als sie studiert haben, und die werden vom Doktorvater dazu gezwungen, in seinem Fach noch neben der Doktorarbeit her einen zweiten Master zu machen.

Viele Grüße,
Wolfi

JenniferS
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Re: DFG und Zweitstudium - Probleme?

Beitrag von JenniferS » 14.07.2016, 11:10

Doc-Wolfi hat geschrieben:
JenniferS hat geschrieben:Immer wird von allen Seiten gefordert, "breit aufgestellt" zu sein und sich viele Wege offen zu halten, aber faktisch ist das doch nur schwer realisierbar.
Wer sagt das? Ich dachte, man müsse immer schon gewusst haben, dass man sich mit einem bestimmten Spezialthema beschäftigen will (schon als kleiner Knirps in Windeln) und danach bei "Jugend forscht" schon dieses Thema bearbeitet haben und so weiter. Also, ich bin breit aufgestellt und würde nicht behaupten, dass Generalisten in Deutschland höher angesehen sind als Leute, die immer nur dasselbe Thema gemacht haben. In meinem Lebenslauf werden immer einige Tätigkeiten je nach Zweck herausgelöscht, damit es nicht zu bereit aussieht! Das glaubt einem ja auch keiner, dass man sich mit mehr als einem Thema auskennt.
JenniferS hat geschrieben: Ich habe das Formular meiner Uni gefunden - und leider ist dort die Kenntnisnahme des Fachbereichs nötig. D.h. ich stehe vor einem Dilemma. Entweder zeige ich es nicht an, dann besteht womöglich ein Risiko für mich, oder ich zeige es an, und verliere an Reputation. Denn ich "meine es ja nicht wirklich ernst, mit der wissenschaftlichen Karriere".

Was passiert denn, wenn es raus kommt? Muss mir nicht erst nachgewiesen werden, dass ich die Projektarbeit vernachlässigt habe?
Hä??? Fortbildung war doch noch nie kriminell. Ich kenne sogar Leute, die auf einem anderen Gebiet promovieren als sie studiert haben, und die werden vom Doktorvater dazu gezwungen, in seinem Fach noch neben der Doktorarbeit her einen zweiten Master zu machen.

Viele Grüße,
Wolfi
Die Forderung nach der breiten Aufstellung ist in meinen Erfahrungen aus Berufungskommissionen gegründet. Hier wird die "eierlegende Wollmilchsau" gesucht, einerseits eine klare Spezialisierung auf ein eingegrenztes Themengebiet, anderseits die Fähigkeit, das Fach in voller Breite lehren zu können. Beides soll durch zahlreiche Publikationen offenkundig werden.
Was ich aber eher meinte, ist die Reaktion auf „gestrandete“ PD'ler, die keine Berufung erreicht haben. Hier wird meist im Gestus der reinen Selbstverschuldung räsoniert "er hätte ja auch noch einen anderen Plan fokussieren müssen" resp. "man kann doch nicht nur auf die Professur setzen".

Liebe Grüße
Jennifer

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