Wie viel Hilfe in der Abschlussarbeit?

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Wie viel Hilfe in der Abschlussarbeit?

Beitrag von iomeii » 21.05.2016, 18:38

Hallo alle zusammen,

ich habe eine Frage, von der ich hoffe, dass ihr Doktoranden sie beantworten könnt. Ich hoffe, es ist nicht schlimm, dass ich selbst keiner bin und trotzdem hier schreibe.

Ich verfasse aktuell meine Abschlussarbeit samt empirischem Anteil. Meine Frage: Wie viel Hilfe ist dabei erlaubt? Sich mit Außenstehenden austauschen und deren Meinung zu meinem Modell etc. einholen? In Onlineforen Meinungen einholen oder selbsterstellte Dinge vorstellen und um Meinungen dazu fragen? Bei Researchgate oder in Onlineforen nach evtl. passenden Papern fragen?

Genauer: Bspw. braucht man für einen Fragebogen ja Skalen. Eine, die ich brauche, gab es nicht. Also hab ich eine ähnliche gefunden und diese umgeschrieben. Die umgeschriebene habe ich dann im Forum präsentiert und gefragt, ob sich diese eignet bzw. ob die Leute denken, dass sie eben gut ist. Daraufhin kam als Antwort "Ja", sie fänden es gut, wie ichs umgeschrieben habe und damit soll ich mal zu meinem Betreuer gehen. Habe ich natürlich gemacht, er fands auch gut und so darf ich die nun verwenden. Ich habe die Skala selbst umgeschrieben, ohne Hilfe, halt nur um Meinungen dazu gefragt.

Oder: Ich hab mich auf Rat von Forenmitgliedern bei Researchgate angemeldet und dort gefragt, ob jemand passende Skalen kennt oder zumindest Paper, die ähnliche Skalen enthalten. Daraufhin kamen auch Antworten. Geholfen haben sie mir nicht, aber ist es generell erlaubt, danach zu fragen oder muss man alles selbst finden? Zu einer inhaltlichen Sache habe ich auch gefragt, ob jemand Paper dazu kennt. War aber nichts dabei, was für mich relevant hätte sein können. Selbstverständlich hätte ich alle Paper selbst gelesen, meine Texte selbst geschrieben und natürlich korrekt zitiert.

Auch habe ich mich mit einem Forenmitglied sehr gut über meine Arbeit ausgetauscht, erzählt, was mein Thema ist, welche Schwierigkeiten ich habe und ihm auch mein Modell geschickt, damit er weiß, was ich meine. Inhaltliche Tipps hat er mir eigentlich nicht gegeben. Wir haben uns nur mal über meine Argumentationen in der Arbeit unterhalten und ich habe erzählt, was ich so plane, welche Theorien ich nutzen möchte usw. Das fand er alles gut und hat mir dann noch zwei inhaltliche Ergänzungen zu einer Theorie genannt. Diese werde ich aber nicht in meine Arbeit aufnehmen, da sie nicht von mir stammt. Außerdem klang das auch total unlogisch für mich.

Oder: In meinem Fragebogen muss ich mehrere Szenarien erstellen, so dass jeder Teilnehmer dann nur eins zu sehen bekommt. Ich war mir nicht mehr sicher, wie viele Szenarien ich brauche (bzw. doch das wusste ich, aber irgendwie war ich mir nicht sicher, ob meine Faktorkombinationen dann dafür auch richtig waren). Daher hab ich anhand eines fiktiven Beispiels (inhaltlich anders als die in meiner Arbeit) zwei unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten selbst entworfen (einmal 10 und einmal 12 Szenarien) und dann im Forum gefragt, ob jetzt das Beispiel mit den 10 oder mit den 12 richtig sei. Als dann die Antwort kam, 12 sei richtig (so wie ich es mir dachte), hab ich nach meinem eigenen fiktiven Beispiel dann mein richtiges Beispiel erstellt.

Ist es also erlaubt, sich über solche Dinge zu vergewissern und rückzuversichern? Ich habe keine inhaltlichen Änderungen übernommen und werde das auch nicht tun. Mir ist es sehr wichtig, in der Arbeit richtig zu zitieren, nicht zu plagiieren etc., umso mehr Angst habe ich aber auch, etwas falsch zu machen, weil einem immer eingebläut wird, Vorsicht, nicht plagiieren usw.

Danke für eure Antworten!

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itsme
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Re: Wie viel Hilfe in der Abschlussarbeit?

Beitrag von itsme » 22.05.2016, 09:37

iomeii hat geschrieben: Ist es also erlaubt, sich über solche Dinge zu vergewissern und rückzuversichern? Ich habe keine inhaltlichen Änderungen übernommen und werde das auch nicht tun. Mir ist es sehr wichtig, in der Arbeit richtig zu zitieren, nicht zu plagiieren etc., umso mehr Angst habe ich aber auch, etwas falsch zu machen, weil einem immer eingebläut wird, Vorsicht, nicht plagiieren usw.
Zunächst mal finde ich es sehr gut, dass du dir diese Gedanken machst, genauso wie ich beeindruckt bin, dass du schon für deine Abschlussarbeit (Master?) einen solchen Aufwand betreibst und dir bewusst fundierte Rückmeldungen holst. Meiner Einschätzung nach ist jede einzelne Frage, die du der "scientific community" gestellt hast, gerechtfertigt und kaum als Plagiat und unerlaubte Hilfeleistung einzustufen, zumal du dir ja - nach deiner Aussage - nur Anregungen geholt hast, die du dann auch noch hinterfragt und geprüft hast. In der Regel gibt es Begleitseminare oder Kolloquien, wo "work in progress" diskutiert werden kann. Falls das von deinem Betreuer nicht angeboten wird oder du eingehender diskutieren möchtest, ist es völlig legitim, sich die Rückmeldungen extern zu holen. Dabei ist es egal, ob es sich um persönliche Rückmeldungen (z.B. am Rande einer Konferenz) oder virtuelles Feedback handelt. Gute Forschung ist kolloborativ und genau das machst du.

ABER (jetzt kommt das große "Aber!") ich finde, dass du sehr kleinteilig und engmaschig fragst. Bei den Beispielen, die du genannt hast, entsteht bei mir der Eindruck, dass du dich für wirklich jeden Zweifelsfall und jede offene Frage rückversicherst, so dass du tatsächlich kaum noch autonome Entscheidungen triffst, sondern alles erstmal zur Diskussion stellst, um auf Nummer sicher zu gehen. Das ist kein wissenschaftliches Fehlverhalten, aber es entspricht auch nicht ganz dem Sinn des wissenschaftlichen Arbeitens. Manchmal muss man es auch aushalten, etwas nicht von außen bestätigt oder hinterfragt zu bekommen, damit es eben noch eine wirklich eigenständige Leistung ist. Um es ganz offen zu sagen: Wenn du versuchst auf eine bestmögliche Bewertung hinzuarbeiten, dann kann diese Strategie nach hinten losgehen, denn zumindest ich würde (wenn ich die Gutachterin wäre), das zum Abzug bringen, genauso wie ich bei der Bewertung negativ berücksichtige, wenn der Student sehr häufig die Sprechstunde in Anspruch genommen hat, um die Arbeit sehr kleinteilig zu besprechen. Ist aber nur meine Einschätzung aufgrund deines Postings - der Betreuer deiner Arbeit kann das ganz anders sehen.

Doc-Wolfi
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Re: Wie viel Hilfe in der Abschlussarbeit?

Beitrag von Doc-Wolfi » 26.05.2016, 21:23

Diskussionen gehören unbedingt zur wissenschaftlichen Arbeit dazu. Einer allein kann ganz schrecklich irren, aber die Weisheit der Crowd wurde in der Wissenschaft schon immer genutzt, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Wichtig ist aber natürlich immer, die Quellen anzugeben. Auch wenn Dir jemand in einem Forum schreibt "Ich hab wo dies und das mal gelesen, weiß aber nicht mehr wo...", dann solltest Du trotzdem nach der Quelle forschen und nachher die Schuld fürs Nichtzitieren nicht auf den Diskussionspartner schieben.
Man kann sich auch Hilfe bei der Rechtschreibkorrektur holen oder jemanden die Arbeit Probe lesen lassen. Wenn man Glück hat, macht das der Betreuer. In mancher Danksagung steht aber auch die Großmutter oder die Lebenspartnerin als Korrekturleserin drin.
Alle wesentlichen Arbeiten der wissenschaftlichen Arbeit muss man aber schon selbst machen. Die anderen beraten, aber die Entscheidung für eine bestimmte Methode trifft man selbst.
Viele Grüße, Wolfi

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