Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

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Alexlein
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Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von Alexlein » 30.04.2016, 22:10

Hallo, ihr Lieben

Ich bin hier die ganz Ahnungslose, ich hoffe, ihr seht mir das nach.
Ich habe in ein paar Tagen das Interview für eine von 5 ausgeschriebenen DFG-Promotionsstellen auf 65%.
Aus verschiedenen Gründen halte ich meine Chancen für nicht ganz so schlecht, mache mir aber trotzdem
Gedanken:
1) Was wird bei so einem Interview abgefragt? Weiterführende Sachen aus dem Exposé?
2) Kann ich auch Fragen stellen? Zu Arbeitszeiten und Bezahlung? (Falls jemand von euch das weiß:
Es ist eine 65% Stelle, laut Tarifvertragsrechner müsste mir bei Steuerklasse 1 etwa 1400 Euro netto bleiben
- kann das sein?? Ich lese immer überall was von 1100 Euro - der Unterschied macht schon was her.)
3) Ganz lapidar, aber dennoch ein Fragezeichen für mich: Begrüßt man die Kommission (wie viele sitzen
da normalerweise?) mit Handschlag oder stellt man sich nur auf Distanz vor?
Ich habe so ein Vorstellungsgespräch noch nie gehabt und hoffe, mich vorher noch etwas orientieren und
an Selbstbewusstsein gewinnen zu können.

Vielen Dank für eure Antworten!

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flip
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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von flip » 01.05.2016, 04:53

1) Es kann hier niemand in den Prof sehen, der dir die Fragen stellt.

2) 1100€ ist eher 50%. Du hast es doch in online Rechner eingegeben, warum zweifelst du daran?!

3) Ja, Selbstbewusstsein scheint allgemein dein Problem zu sein. Nicht böse gemeint. Lass es einfach auf die zukommen. Niemand hier weiß, wer alles bei deinem Gespräch anwesend sein wird, was für Fragen gestellt werden, was von dir verlangt wird, usw. Diese Situation musst du alleine meistern. Und es gibt keine Patentlösung dafür. Aber das Gute an der Sache: Es ist machbar. :) Denk nicht so viel darüber nach, bleibt ganz du selbst und bleib sachlich. Dann klappt es auch.

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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von FerdiFuchs » 01.05.2016, 09:24

Zu 1: Die Fragen sind generell immer unterschiedlich. Neben speziellen Fragen, die sich auf dein Exposé beziehen werden, gibt es jedoch einige "Klassiker", die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit kommen werden. Darunter:
  • Erzählen Sie uns doch einmal etwas über sich selbst.
  • Warum wollen Sie promovieren?
  • Warum wollen Sie *bei uns* promovieren?
  • Bei uns ist es üblich, dass Doktoranden sich an der Lehre beteiligen. Wären Sie dazu bereit? Wie würden Sie ein eigenes Tutorium/Seminar gestalten?
Zu 2: Eigene Fragen zu stellen ist nicht nur möglich, sondern in der Regel sogar erwünscht. Dadurch vermittelst du, dass du die Dinge proaktiv angehst und dir eigene Gedanken machst. Idealerweise sollten deine Fragen nicht nur Formalien betreffen wie die Vergütung, sondern auch so elementare Dinge wie z.B. den Stil der Betreuung: "Wie sieht eine typische Promotion bei Ihnen aus? Gibt es regelmäßige Betreuungsgespräche? Ein regelmäßiges Kolloquium? Wie wird mein erster Tag bei Ihnen aussehen? Besteht die Möglichkeit, meine Forschung auf Konferenzen vorzustellen?"

Zu 3: Selbstbewusstsein entsteht durch Erfahrung. Da du am Anfang deiner wissenschaftlichen Karriere stehst, werden deine Gesprächspartner vermutlich nachsichtig mit dir sein, wenn du noch nicht mit der Abgeklärtheit eines alten Hasen auftrittst.
Generell hilft es, wenn du deine Antworten auf eventuelle Fragen schon zurechtgelegt und einstudiert hast. Dein Exposé hast du idealerweise schon anderen fachkundigen Menschen vorgestellt, z.B. Kommilitonen, und kannst daher schon mögliche Fragen deiner Gesprächspartner antizipieren.
Zuletzt geändert von FerdiFuchs am 01.05.2016, 09:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von FerdiFuchs » 01.05.2016, 09:38

Achja, konkret zu 3: Üblicherweise begrüßt man alle Anwesenden per Handschlag. Bei Vorstellungsgesprächen, bei denen ich bis jetzt dabei war, waren es zwischen einem (nur Prof) und fünf Vertretern (Prof, drei Doktoranden aus Arbeitsgruppe, Vertreter des Personalrats).

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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von Alexlein » 01.05.2016, 10:00

Danke, für eure Antworten, das hilft mir!

Ja, ich zweifel oft an mir, aber ich kann durchaus selbstbewusst und seriös auftreten, das habe ich schon
oft getan, nur bin ich DAVOR immer ziemlich nervös und ängstlich etwas falsch zu machen. Sobald ich
drin bin, geht es :)

Dann werde ich mal allen die Flosse reichen und hoffen, dass ich nicht vor Nervosität schwitze, hehe... :mrgreen:

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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von Geuer » 01.05.2016, 12:33

Ich hatte vor 1,5 jahren auch ein klassisches Bewerbungsgespräch auf meine jetzige 65%-DFG-Stelle und bin genommen worden. Vielleicht ein kleiner Erfahrungsbericht:

Mein Weg zur Bewerbung von meinem alten Wohnort hat knapp 700km betragen - also einmal quer durch Deutschland. Ich bin daher einen Tag vor dem Gespräch hin, hab aus Geldgründen in einem 10-Leute-Zimmer im Hostel übernachtet und bin dann zum Gespräch am nächsten Tag. Ich war sehr aufgeregt, gerade auch des weiten Weges wegen. Am Ende haben wir uns etwa 1h unterhalten - gegenüber saßen mein DV und der Kollege, mit dem ich am künftigen Projekt arbeiten sollte. Ich glaube an der prinzipiellen Kompetenz hat da schon keiner mehr gezweifelt (konnte man ja über meine Noten und Uniabschluss sehen). Es ging viel mehr um meine Motivation, gegenseitige Sympathie, gleiche fachliche Interessengebiete etc.. Es war eher ein angeregtes Gespräch zwischen allen Parteien, bei auch ich natürlich wissen wollte, was GENAU da jetzt eigl. am Lehrstuhl gemacht wird (das war online nicht adäquat ersichtlich) und hab dementsprechend nachgefragt. Die spezielle Thematik und Ausrichtung war mir neu, nur allgemein kannte ich mich im Themenbereich aus (und fand es super spannend). Natürlich ging es dann auch grob um Pläne der Diss und auch kurz um meine MA-Arbeit. Besonders bei ersterem war ich aber sehr offen, da ich keinen genauen Plan hatte. Mein Glück war, dass für die Stelle diese fachliche Offenheit geschätzt wurde. Damit konnte ich mein Thema schlussendlich flexibel anpassen. Weil mir das persönlich wichtig war, hab ich ganz am Ende auch explizit nach Vergütung und Arbeitszeit gefragt. Ich glaube da haben beide kurz komisch geguckt. Tja, bei so einer teuren Stadt wie hier (grauenhafter und überteuerter Wohnungsmarkt) will man aber schließlich nicht mehr abhängig von den Eltern sein wie während des Studiums. ;) Und ja: 65% sind netto etwa 1400€.
Am Ende des Gesprächs hatte ich schon das Gefühl, dass meine Interviewer relativ angetan waren (hatte sowas bei Bewerbungsgesprächen aber schon öfter und wurde dennoch nicht genommen, daher hab ich diesmal darauf basierend keine Hoffnung geschürt). Da es bei mir nicht nur "einfach so" um eine Stelle ging, sondern eine mögliche Zusage auch an einen (schnellen) Umzug durch die ganze Republik gekoppelt war, habe ich zwar mein fachliches Interesse verdeutlicht, aber auch gemeint, dass ich mir natürlich auch noch einen Eindruck von Stadt und Leuten machen muss (bin dafür auch noch zwei Nächte länger geblieben), was beide verstanden haben und wir daher auch noch schön über die Stadt plaudern konnten. Irgendwie hatte ich damals die Einstellung: Ich finde es super interessant, muss aber auch selbst noch schauen, ob ich bereit bin, diesen großen Schritt für eine Promotionsstelle zu gehen. Damit konnte ich mir ganz viel Druck nehmen, da ich auch nicht traurig gewesen wäre, in meiner alten Heimat zu bleiben. Und so hab ich es einfach auf mich zukommen lassen. Hab auch nicht wirklich damit gerechnet, genommen zu werden.
Ein bis zwei Wochen später kam dann die Zusage. Daraufhin hab ich nochmal drei Nächte drüber geschlafen und mit meinem jetzigen DV telefoniert und ganz offen über alles sprechen können. Dabei hab ich schon gemerkt, dass er sehr unterstützend, hilfreich und verständnisvoll ist und ich mir die Chance, die er mir bietet, einfach nicht entgehen lassen kann. Wiederum zwei Wochen darauf bin ich schon umgezogen. Also viel Glück gehabt. Ist auch ein super Team hier. Aber das ist, wie schon oft gesagt, von Uni zu Uni, Fachbereich zu Fachbereich, Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe verschieden. Hätte mein DV so gewirkt wie einige Dozenten aus meiner alten Uni, wäre ich auch bei einer Zusage nicht umgezogen...

Alexlein
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Re: Vorstellungsgespräch Fragen über Fragen

Beitrag von Alexlein » 02.05.2016, 00:28

@Geuer

Danke für deine ausführliche Antwort! Bei mir ist es sehr ähnlich, auch etwa 550km und im Fall einer Zusage
muss ich praktisch adhoc umziehen (keine Ahnung wie ich das machen soll, da ich auch noch zwei Hunde
habe und somit die Wohnungssuche sehr erschwert ist, aber darüber zerbreche ich mir den Kopf,wenn es so
weit sein sollte...). Das Kolleg-Thema passt zu mir wie die Faust aufs Auge und etwa 7 Fellows des Kollegs
habe ich in meiner MA-Arbeit zitiert, auch den tatsächlichen Leiter des Kollegs vor Ort... Außerdem habe ich
das unverschämte Glück, dass der Präsident meiner Universität (war auch mein Hauptprüfer)
persönlich ein Empfehlungsschreiben für mich dahin geschickt hat (durfte ich nicht lesen... würd gern wissen, was drinsteht...).
Und vielleicht wiegt noch meine Schwerbehinderung mit rein, was ich jetzt eher als jämmerlich empfinde, aber
man ist ja gezwungen diese anzugeben... (auch wenn ich's natürlich lieber nicht als Kriterium sehen würde)
Und ich habe vorher noch ein anderes Vorstellungsgespräch an einer anderen Uni für den Job einer Studiengangskoordinatorin...
Der wäre ziemlich gut bezahlt und näher und wäre was für die Zukunft, weil das noch ne Weile mit
der Qualitätssicherung und Akkreditierung von Studiengängen laufen wird... aber ich wollte eigentlich immer promovieren.
Ich versuche gerade nicht den Kopf darüber zu verlieren, erstmal beide Interviews überleben und dann schauen,
wer mich noch so haben will :D

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