Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

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Pusteblume
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Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Pusteblume » 03.04.2016, 12:01

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bin neu hier und habe mich angemeldet, weil ich mir gute Ratschläge und Austausch mit Personen in der gleichen Situation in den folgenden Monaten (und vielleicht auch bis zur erfolgreichen Abgabe der Doktorarbeit) wünsche :-)

Ich habe meinen Master abgeschlossen und plane eine (zunächst externe) Promotion, das grobe Thema und die Betreuung sind gefunden. Aber jetzt arbeite ich am Exposee, dass ich für die Einschreibung (wird vom Promotionsausschuss begutachtet) und alle weiteren Schritte (Stipendienbewerbung etc.) benötige.

Dabei hakt es gerade bei mir: Und zwar muss ich innerhalb der nächsten zwei Wochen mein Exposee umschreiben und dem recht praktischen Thema einen theoretischen Rahmen verpassen, und ich fühle mich damit etwas überfordert. Rein inhaltlich könnten sich "Biopolitik" und Foucaults Machtverständnis eignen, aber ich weiß nicht genau wie ich das am besten angehe. Um viel Primär- und Sekundärliteratur zu lesen fehlt mir die Zeit, und es geht ja erst einmal nur um das Exposee. Zudem frage ich mich, ob ich nicht lieber noch andere Theorien in Betracht ziehen sollte. Zuletzt fehlt mir eine Idee davon, wie ich die Einbettung am besten begründen soll. :| Im habe schon ziemlich lange online nach Beispielen / Ratschlägen gesucht und fürchte, ich überdenke das Ganze gerade zu sehr. Aber vielleicht hat hier ja jemand einen Ratschlag, oder kennt sich besonders gut mit Foucault aus, das wäre auch fantastisch ;)

LG und danke schon einmal! Pusteblume

Doc-Wolfi
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Re: Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Doc-Wolfi » 03.04.2016, 18:17

Hallo Pusteblume,
ich würde an deiner Stelle doch mal Primär- und Sekundärliteratur lesen und selbst etwas schreiben, statt im Internet nach passenden Mustertexten zu suchen. Bei der Doktorarbeit geht es nämlich tatsächlich darum, mal etwas Eigenes zu machen und sich als Experte in ein Thema einzuarbeiten. Kopieren geht da nicht mehr. "Keine Zeit" verstehe ich auch nicht. In zwei Wochen kann man ziemlich viel lesen.
Sorry für die klaren Worte!
Wolfi

Pusteblume
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Re: Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Pusteblume » 03.04.2016, 18:37

Hallo Wolfi,

danke für die Antwort - vielleicht habe ich mich in dem kurzen Post nicht ganz klar ausgedrückt. Ich habe bereits viele Stunden an einem Exposee gearbeitet, zahlreiche Literatur gewälzt und dem Betreuer auch schon eine fertige Version eingereicht. Die Rückmeldung war eben, dass er noch einen theoretischen klassischeren Rahmen empfiehlt, weil das Thema bereits relativ neu/speziell ist und er so bessere Chancen beim Promotionsausschuss sieht. Jetzt bin ich unsicher, wieviel Raum ich Foucault in meinem Exposee geben soll. Deine Empfehlung wäre also, auf jeden Fall die Originalquellen jetzt schon durchzugehen? Da ich zurzeit Vollzeit arbeite, finde ich zwei Wochen dafür schon sehr wenig Zeit...

LG Pusteblume

Pusteblume
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Re: Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Pusteblume » 03.04.2016, 18:40

Achso und Mustertexte habe ich natürlich nicht gesucht und auch nichts kopiert :shock: Ich habe vielmehr generelle Informationen dazu gesucht, inwieweit beim Exposee der theoretische Rahmen in der Tiefe erläutert wird. Vielleicht ein Beispiel: Ich habe mittlerweile ziemlich viel über Kritik an Foucaults Machtkonzept bzw. dessen Anwendung in der Forschung gelesen und frage mich, ob ich das im Exposee schon thematisieren/entkräften soll oder ob das nicht schon über das Ziel hinausschiesst.

Twinkies
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Re: Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Twinkies » 03.04.2016, 19:51

Hallo Pusteblume,

vorab: ich bin keine Sozialwissenschaftlerin, mit Foucault und seinem Machtbegriff kenne ich mich einigermaßen aus. Es ist natürlich etwas schwer, ohne dein Thema zu kennen dir zu raten, wie du es am besten theoretisch einbettest. Aber ganz generell gilt: aus deinem Exposé sollte hervorgehen, warum die von dir gewählte Theorie(n) zu deinem Thema passen. Eine Theorie auf ein Thema "anzuwenden" ist sowieso nie ganz möglich. D.h., auch wenn Foucaults Theorie zur Biopolitik (so wie jede andere Theorie) natürlich nicht 100% in der Praxis funktioniert bzw. funktionieren kann - daher ja auch "Theorie" - so heißt das nicht, dass seine Thesen nicht nutzbar sind für dein praktisches Thema. Die Theorie ist nicht da, um das, was du erforscht, zu "erklären", sondern um dein Thema in einen größeren, strukturellen Kontext zu setzen. Foucaults Theorie zeigt bestimmte strukturelle Zusammenhänge in sozialen und politischen Systemen auf, bestimmte (Macht-) Mechanismen, und wie diese in einem spezifischen System ("westliche Gesellschaft" z.B.) funktionieren. Die Theorie soll dir also helfen, das was du erforscht, in einem Meta-Kontext, der über deinen speziellen Fokus hinausgeht, zu positionieren. Sie soll dir helfen, bestimmte Beobachtungen die du machst, mithilfe spez. theoretischer Konzepte und Begriffe zu verstehen.

Das heißt also in Bezug auf dein Exposé: beim theoretischen Rahmen erklärst du zunächst die relevantesten Konzepte und Ideen der Theorie, soweit sie für dein Thema relevant sind. In einem zweiten Schritt erklärst du, weshalb Theorie X am besten geeignet ist für dein Thema. Du kannst natürlich auch mehr als eine Theorie/Theoretiker für deine Arbeit nutzen! Um beim Beispiel von Foucault zu bleiben: du schreibst dann bspw., warum Foucaults Biopolitik Theorie geeignet ist für dein Thema, und kannst dann anführen, dass du dennoch Theorie Y hinzuziehst, da Theorie Y da ansetzt, was Foucault vernachlässigt. Du musst keine komplette Kritik an Foucaults Theorie üben im Exposé, da das ja nicht der Fokus deiner Arbeit ist. Auf Schwachstellen in seiner Theorie kannst du insofern hinweisen, als dass du mit zusätzlichen Theoretiker_innen arbeitest, weil Foucault an dem und dem Punkt Defizite oder Schwachstellen hat.

Wenn dein Betreuer schon meinte, dass du einen klassischeren theoretischen Rahmen wählen sollst, und du denkst dass Foucault da geeignet ist, dann nimm ihn ruhig in dein Exposé auf. Foucault geht ja irgendwie immer. Im Exposé sollte aber tatsächlich dein Projekt im Vordergrund stehen, und Foucault (+ ggf. andere theoret. Ansätze) sollten lediglich für die theoret. Einbettung deines Themas eine Rolle spielen - aber definitiv nicht im Vordergrund stehen.

Pusteblume
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Re: Theoretische Einbettung bei soz.-wiss. Exposee

Beitrag von Pusteblume » 03.04.2016, 22:07

Twinkies, danke danke danke! Das hat echt weitergeholfen :)

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