Perfektionismus

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Agnes_von_Prag
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Perfektionismus

Beitrag von Agnes_von_Prag » 12.03.2016, 11:04

Hallo Forum!
Ich wollte euch um eine Rückmeldung bitten, da mich mein Perfektionismus plagt.
Grundsätzlich würde ich mich als ziemlich fleißiger und engagierter, aber auch als perfektionistischer Mensch beschreiben. Ich bin jetzt gerade im Schreibprozess und merke aber, dass ich nicht alles unterbringen kann, da ich schon über 2.000 Fußnoten geplant habe. Ich hab einen Überblick über die Dinge und ertappe mich oft, dass ich auf weiterführende Literatur verweise, die ich lediglich überflogen habe. Ich weiß, dass da nichts mehr Weltbewegendes drinstehen wird und ich hab meine Thesen. Es ist nicht so, dass ich sie nie angeschaut habe, aber ich fürchte, dass ich mich verzettle, wenn ich alles ganz, ganz, ganz genau mache. Also ist Pragmatismus angebracht. Andererseits.. Was ist, wenn ich irgendwas übersehe?
Wie macht ihr das?
Danke euch
Agnes

Twinkies
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Re: Perfektionismus

Beitrag von Twinkies » 12.03.2016, 23:22

Hallo Agnes,

2.000 Fußnoten klingen sehr viel, das sind dann, je nachdem wie lange die Arbeit wird, zwischen 5-10 Fußnoten pro Seite. Das wird, nicht nur vom visuellen Standpunkt, extrem unübersichtlich. Es ist hilfreich, beim Verfassen des Textes an die Leser_innenfreundlichkeit zu denken. Was geht in dir vor, wenn du in einem Buch blätterst, und jede Seite besteht zur Hälfte aus Fußnoten? Das stört den Lesefluss erheblich, und man fragt sich dann schon, wozu die Zusatzinfo, wenn sie für den Haupttext scheinbar nicht relevant genug ist.

Generell gilt die Regel: was relevant ist für deine Arbeit, für das Kapitel, kommt in den Text; Fußnoten werden gesetzt, um z.B. auf weiterführende Literatur zu verweisen, um etwas zu spezifizieren, was nicht direkt für deinen Text "relevant" ist aber du denkst dass die Zusatzinfo wichtig ist, etc. Das kann natürlich je nach Fachbereich variieren.

Du kannst in deiner Dissertation, oder einem Buch generell, nie alles unterbringen. Das ist ja auch die Herausforderung bei dem Erstellen der Diss, dass du dein Thema abgrenzt. Deine Diss soll kein Sammelsurium oder Überblickswerk an aller zu dem Thema irgendwie interessanter Literatur sein. Was die Angst, etwas zu übersehen, angeht: es ist eigentlich gar nicht möglich, alles je Geschriebene zu einem Thema gelesen zu haben. Dass du dich mit den für dein Thema wichtigen Werken auseinander gesetzt hast, sollte aus deiner Arbeit schon hervorgehen. Wieso sollte Literatur, aus derer du weder zitierst, oder sonstwie für deine Argumentation nutzt, für deine Arbeit relevant sein?

Geh noch mal alle deine Fußnoten durch, und frag dich bei jeder:
1. Zitierst du aus der angegebenen Literatur (direkt oder indirekt)?
2. Hat die Information aus der Fußnote Relevanz für deine Argumentation?
3. Ist die Information aus der Fußnote wichtig, um zu verstehen, was du an dieser Stelle in deinem Text schreibst?
Wenn du eine der Fragen mit "ja" beantwortest, frag dich in deinem nächsten Schritt, ob die Info aus der Fußnote nicht vielleicht besser in den Haupttext gehört. Wenn du keine der Fragen mit "ja" beantworten kannst, dann kannst du die Fußnote vermutlich rauslöschen. Diese "Liste" ist jetzt natürlich nicht unbedingt vollständig, du musst da für dich Prioritäten setzen.

Aelius
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Re: Perfektionismus

Beitrag von Aelius » 17.03.2016, 19:35

Ich kenne dieses Problem in ähnlicher Weise und zwar in Bezug auf meine MA-Arbeit. Hatte dort auch einige Fußnoten zuviel gehabt, die man sich im Nachhinein hätte sparen können. Denn meine Gutachter meinten dann , dass die wesentlichen Informationen in den Haupttext gehören und nicht in die Fussnoten. Ich denke sie haben damit recht (aber hinterher ist man immer schlauer als davor). Für meine Diss habe ich mir vorgenommen, jedenfalls keine wesentlichen Infos in die Fußnoten zu packen, sondern die in Haupttext einfließen zu lassen. Das ist dann auch besser für die Übersichtlichkeit. Ich kann es also auch so empfehlen wie meine Vorredner. Zu viele Fußnoten gefährden die Lesefreundlichkeit einfach, obwohl ich das irgendwie nachvollziehen kann.

Jucy
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Re: Perfektionismus

Beitrag von Jucy » 19.03.2016, 08:17

Moin,

mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar, was das, was du beschreibst, mit Perfektionismus zu tun hat. Es klingt eher "nach nicht einschätzen können, was eigentlich wichtig ist" und nach einem fehlenden roten Faden. Vielleicht hilft es dir, wenn du dich von dem Begriff Perfektionismus verabschiedest und deinem Problem eine andere Überschrift gibst, dann fällt es evtl. auch einfacher, sich von Fußnoten zu trennen (damit du nicht das Gefühl hast, mit weniger Fußnoten wäre es gleichzeitig weniger perfekt).

Alles Gute :blume:
jucy

Agnes_von_Prag
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Re: Perfektionismus

Beitrag von Agnes_von_Prag » 28.03.2016, 14:51

Hallo!
Ihr habt mir mit euren Rückmeldungen extrem geholfen.
Jucy, du hast Recht. Das ist gar kein Perfektionismus, sondern mir fehlt einfach der rote Faden. Den bin ich jetzt suchen gegangen und es geht mir wieder besser. Danke euch!
Ja es stimmt, man kannn nicht alles reinpacken... Leider...

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