Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

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reiclu
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Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von reiclu » 04.02.2016, 10:34

Hallo liebes Forum. Ich bin im Begriff eine Doktorarbeit in der Orthopädie anzufangen - leider habe ich da aber noch so einige Zweifel. Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.

Die Doktorarbeit hat sogut wie keinen Bezug zur Medizin, sie ist eine reine Lehrforschungsarbeit (über Medizinstudenten wie diese besser lernen können) Nun meine Frage: Ist eine solche Arbeit überhaupt möglich/anerkannt wenn sie ja sogut wie keinen Bezug zur Medizin hat?

Zum ganzen Thema E-Learning gibt es schon zahlreiche Studien und Forschungsprojekte. Die einzige "Neuerkenntnis" wäre dann die Andwendung dieser Methoden im Praktikum der Orthopädie. Reicht das aus ? Und ist eine so kleine Studienteilnehmerzahl (50Studenten) überhaupt representativ?


MFG & Danke schonmal für eure Hilfe

chily
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von chily » 04.02.2016, 11:04

Was sagt denn dein Doktorvater/deine Doktormutter dazu? Ist das nicht das einzige, was zählt?
Was machst du, wenn hier jemand sagt "ja ja, das passt schon" - verlässt du dich dann drauf?

Liebe Grüße!

flip
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von flip » 04.02.2016, 12:31

reiclu hat geschrieben: Zum ganzen Thema E-Learning gibt es schon zahlreiche Studien und Forschungsprojekte. Die einzige "Neuerkenntnis" wäre dann die Andwendung dieser Methoden im Praktikum der Orthopädie. Reicht das aus ? Und ist eine so kleine Studienteilnehmerzahl (50Studenten) überhaupt representativ?
Nein. Unter 100 Teilnehmen braucht man in der Forschung erst garnicht ansatzweise anzufangen. Da aber gefühlt 95% der Medizin-"Dissertationen" dieses Problem aufweisen bzw. keinen Mehrwert aufweisen (reine Literaturarbeit, falsches Handling mit Ergebnissen/Methoden,keine Erfahrung mit wissenschaftlichen Arbeiten, usw.) würde ich mir keine Sorgen machen.

itsme
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von itsme » 05.02.2016, 13:20

@reiclu: Ich finde es gut, dass du dir diese Gedanken machst und möchte dich ermutigen, auf dein Bauchgefühl zu hören.

Die medizinische Dissertation ist im Vergleich zur wissenschaftlichen Dissertation traditionell mit einem geringeren Anspruch versehen, was vermutlich durch den längeren Ausbildungsweg bei Medizinern mehr als ausgeglichen wird. Trotzdem sollte man nicht zu stark darauf bauen, dass man sich in der Medizin den Dr.-Titel schnell abholen kann, wenn man nur irgendwas abgibt. In der Schweiz gab es z.B. vor ein paar Jahren einen Skandal um medizinische Promotionen, die von einem Abgeordneten der SVP betreut wurden (zum Googlen: Christoph Mörgeli). Die Doktoranden hatten an dem von ihm geleiteten medizinhistorischen Institut Transkripte von älteren Texten angefertigt, mit nur geringer Eigenleistung. Sie hatten darauf vertraut, dass ihr Betreuer schon einen angemessenen Rahmen vorgeben würde, aber das ist eben nichts, worauf man immer vertrauen kann. Es geht ja nicht nur darum, den Titel zu bekommen, sondern du willst dich doch sicher damit auch Jahre später noch wohlfühlen. Im schlimmsten Fall fällt dir das noch Jahre später auf die Füße und deine Arbeit wird als Beispiel für den geringen Standard medizinischer Dissertationen durch die Presse gezerrt. Ein Alptraum, den man sich gerne ersparen möchte. Ganz davon abgesehen, dass Forschen auch Spaß machen kann und ich mich traue zu sagen, dass du dich durch die Arbeit quälen wirst, wenn du jetzt schon keinen Mehrwert erkennen kannst. Es werden auch sehr gute und innovative medizinische Dissertationen geschrieben, weswegen es doch sicher einen Mittelweg gibt, zwischen dem Pragmatismus der Medizin als Ausbildungsberuf für Ärzte und dem wissenschaftlichen Anspruch der akademischen Medizin. Davon abgesehen: Ich persönlich checke immer das Dissertationsthema eines behandelden Arztes und halte ein einschlägiges Thema für ein wichtiges Qualitätssignal. Jetzt hast du noch die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, vielleicht bringt es ja was, sich mal zu erkundigen, ob es nicht auch andere Themen gäbe.

reiclu
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von reiclu » 06.02.2016, 19:03

Hallo, vielen Dank für die hilfreichen Antworten!

Dann hätte ich allerdings noch eine letzte Frage generell zu Doktorarbeiten, da das bei uns im Semester gerade kursiert:
Es wird behauptet dass man an großen Häußern/Uni-Kliniken nur mit einer "Experimentellen DA" genommen wird, evtl. noch mit einer sehr guten klinischen Studie. Mit allem "darunter" muss man gar nicht erst kommen und kann sich nur an kleineren Krankenhäusern bewerben oder ne eigene Praxis aufmachen... Ich halte das für etwas überspitzt, aber ist vielleicht doch etwas wahres drann?

Habt ihr eventuell schon Erfahrungen damit gemacht oder von solchen Fällen gehört?

LG

itsme
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von itsme » 07.02.2016, 08:58

reiclu hat geschrieben: Es wird behauptet dass man an großen Häußern/Uni-Kliniken nur mit einer "Experimentellen DA" genommen wird, evtl. noch mit einer sehr guten klinischen Studie.
Im Fall von Universitätskliniken halte ich das durchaus für zutreffend. Die Verflechtungen zwischen den Universitätskliniken und den Universitäten sind groß (z.B. sind die Chefärzte idR Lehrstuhlinhaber mit entsprechenden Verpflichtungen in Forschung und Lehre), da liegt es nahe, Mitarbeiter zu bevorzugen, die schon wissenschaftlich gearbeitet haben. Es handelt sich ja nunmal auch um ein Signal, mit dem der Doktorand zu erkennen gibt, in welche Richtung die Reise für ihn gehen soll: Mehr in die praktische oder mehr in die akademische Richtung? Gerade weil medizinische Dissertationen heterogener sind als wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten, sagt der Grad selbst weniger aus und die inhaltliche Schwerpunktsetzung spielt eine größere Rolle. Damit erfüllt die Dissertation in der Medizin in etwa die Rolle der Diplomarbeiten oder Master-Thesen in anderen Disziplinen, wo es mit einem hoch anwendungsorientierten, praktischen Thema auch schwieriger wird, eine wissenschaftliche Laufbahn anzuschließen.

Green Goddess
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von Green Goddess » 07.02.2016, 12:36

itsme hat geschrieben:... Gerade weil medizinische Dissertationen heterogener sind als wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten, ...
You made my day! :blume: :blume: :blume:

praktikum
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Re: Wird das überhaupt als medizinische DA anerkannt?

Beitrag von praktikum » 13.02.2016, 06:00

Hallo!
reiclu hat geschrieben: Zum ganzen Thema E-Learning gibt es schon zahlreiche Studien und Forschungsprojekte.
Es gibt genügend fachfremde Lehrstühle, welche sich intensiv mit E-Learning beschäftigen, siehe 'Informatik - KI - E-Learning' oder Pädagogik. Diese Menschen können sich vor Ort gegenseitig unterstützen und beraten, bzw. zeitraubende Stolperfallen vermeiden. Als Mediziner steht man da eher allein auf weiter Flur. Das wird durch ein paar Besuche in anderen Fachbereichen nicht kompensiert.

Sollte es dann Probleme mit dem Prof geben, war die ganze Einarbeitung umsonst. Das Thema bringt Dich beruflich nicht voran und vor Ort wird die DA wahrscheinlich keinen anderen Prof interessieren.

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