Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

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Yaenz
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Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Yaenz » 31.01.2016, 15:39

Hallo liebes Forum!

Ich bin derzeit kein Doktorand jedoch beginne ich derzeit mit meiner Master-Arbeit, die ich - wenn alles gut läuft - im September abschließen möchte. Ich schreibe meine Arbeit im Bereich Hydrogeologie (es geht daher recht stark in den Bereich Civil-Engineering bzw. Umweltingenieurswesen hinein).
Nach meinem Abitur habe ich zunächst Zivildienst und anschließend eine Ausbildung als Medieninformatiker (3 Jahre) absolviert, bevor ich schließlich zu meinem jetzigen Studium gefunden habe. Ich bin derzeit 29 und werde, wenn ich meine Masterarbeit abgeschlossen habe 30 sein.

Ich könnte mir grundsätzlich durchaus vorstellen einen Phd zu machen, wenn es ein Thema wäre mit dem ich mich gut identifizieren kann. Momentan habe ich das Gefühl, dass ich noch etwas mehr aus meinem Studium bzw. meinem Studienfach herauskitzeln möchte. Ich würde gerne auf Summerschools gehen, neues dazu lernen etc. In der Forschung möchte ich aber im Endeffekt nicht bleiben, sondern nach dem Phd in die Wirtschaft wechseln.
Jedoch schreckt mich mein vergleichsweise hohes Einstiegsalter für einen Phd ab, denn die meisten Doktoranden an meinem Institut sind zwischen 25 und 28. Und wenn ich mit meinem Phd im Idealfall nach 3 Jahren fertig sein sollte, wäre ich 33. Manchmal lese ich im Internet, dass Arbeitgeber angeblich bei 33 oder 34 einen Strich ziehen, da man die Leute dann nicht mehr "formen" könne und man eben einfach zu alt für den ersten Job zu sein scheint.

Hat da jemand vielleicht Erfahrung dazu? Vielleicht sogar jemand aus der geowissenschaftlichen Branche?
Vorab schon mal Danke!

Hella
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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Hella » 01.02.2016, 17:12

Hallo Yaenz,

bei der Frage wann man zu halt ist für einen Einstieg in die Wirtschaft gibt es noch eine Menge anderer Faktoren, die berücksichtigt werden müssen:
- Du hast geschrieben, dass du eine Ausbildung gemachgt hast. Hast du im Anschluss an deine Ausbildung noch weiter gearbeitet? Kannst du deine Erfahrung aus Ausbildung und ggf. Arbeit für dein anvisiertes Tätigkeitsfeld nutzen?
- Hast du während deines Studiums gearbeitet, am besten in einem Bereich, der auch für AG aus der Wirtschaft nützlich ist?
- Hast du gute Kontakte zu Leuten, die schon in die Wirtschaft gegangen sind, aber aus deinem Studienfeld stammen?
- Hast du Forschungsarbeiten in deinem Studium gemacht, die für AG interessant sein könnten?
- Hast du die Möglichkeit, deinen Doktor in einem Thema bzw. in Kooperation einer für dich interessanten Firma zu schreiben?

Das alles lässt das Alter nur zu einem Nebenaspekt werden.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.

Amalia
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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Amalia » 01.02.2016, 18:37

Lieber Yaenz,
ergänzend zu Hella möchte ich noch sagen:
Vielleicht bekommt man manchmal eine Stelle wegen seines Alters nicht, aber man bekommt einen Job ganz sicher nicht wegen seines Alters. Kein Personaler sagt: „Sie sind 24? Sie bekommen den Job. Wir haben genau einen 24-jährigen gesucht.“
Nach meinem Eindruck ist das Alter ein Kriterium, das Jobanfänger heillos überschätzen und das beim Lebenslaufvergleichen unter Studenten eine viel zu große Rolle spielt.
Du bist älter als der typische Absolvent, entscheidend für die Jobsuche werden Deine Fähigkeiten und Dein Netzwerk sein, Dein Alter ist, wenn überhaupt nur ein Nebenkriterium. Ich habe beispielsweise gerade eine Studentische Hilfskraft eingestellt, die älter ist als ich selbst (und mein Abschluss liegt schon ein paar Jährchen zurück). Aber der Studi kannte sich mit einem Programm sehr gut aus, diese Fähigkeit haben wir gesucht und da ich auch nicht den Eindruck habe, dass er mir Probleme macht und mich nicht als Chefin akzeptiert, nur weil ich jünger bin, hat er den Job bekommen.

Wenn Du Lust hast, zu promovieren tu es und nutze die Zeit um ein Netzwerk in Deiner Wunschbranche zu knüpfen, dann klappt es nach der Promotion auch mit dem Jobeinstieg.

Alles Gute!
A.

histosowi
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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von histosowi » 02.02.2016, 14:23

Hallo,
ergänzend möchte ich hierzu noch beitragen, daß es mittlerweile eine steigende Anzahl an Arbeitgebern gibt, die neue Maßstäbe an die Beurteilung von Bewerbern legen. So werden bei solchen Unternehmen, um jegliche Diskriminierung zu vermeiden, den Personalentscheidern die Bewerbungsunterlagen in teilgeschwärzter Form übergeben; geschwärzt werden Angaben zu Geschlecht, ALTER, Herkunft und Aussehen (Fotos), so sollen ausschließlich die Fähigkeiten und Qualifikationen der Bewerber bewertet werden :)

Prionprotein
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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Prionprotein » 03.02.2016, 12:23

Bei dem Alter kommt es auch darauf an, wie es zustande gekommen ist: Überdurchschnittlich lange Studienzeiten, vielleicht ein Studienabbruch und Studienwechsel, einfach nur ein Jahr auf einer Insel in der Südsee abgehangen ;-) oder eben durch Ausbildung, Wehrdienst, Erziehungszeiten usw. Älter werden durch eine Promotion ist sicher keine Verschlechterung. Aber mehrere Jahre ohne Erfolg rumdoktorn ist blöd .... (Du kannst ja meinen Thread zu diesem Thema mal lesen).
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Tu was du wirklich willst!

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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Sebastian » 03.02.2016, 21:29

Auch noch ein Votum von mir:
Ich glaube (und kenne es auch so aus dem nicht-wissenschaftlichen Bereich), dass es nicht auf die Zahl ankommt, sondern auf die Schlüsse, die man aus der Jahreszahl und den zugehörigen Geschichten ziehen kann:
Es ist ein Unterschied, ob man "über sein Studium" so alt geworden ist und zugleich beim Arbeitgeber der Eindruck entsteht, man habe "nie richtig gearbeitet" oder "planlos herumstudiert", dann ist nicht das Alter das Problem.
Und auf der anderen Seite: Wer mit gutem Gründen und vielleicht Erschwernissen sein Ziel nicht aus dem Auge verloren hat, belegen kann, dass er zu "richtiger Arbeit" fähig ist (im Team, mit Zeit- und Kostendruck und sauberem Umgang mit Hierarchien und Geldgebern), dem sieht man nach, wenn er aus für einen Arbeitgeber nachvollziehbaren Gründen etwas länger braucht.

Gründe die man subjektiv nachvollziehen kann ("Mußte da raus", Schicksalsschlag im familiären Umfeld), sind allerdings noch lange nicht für jeden (Arbeitgeber) ebenso plausibel. Das macht es schwer, zu beurteilen, in welche Kategorie einen andere wohl einordnen.

Gruß
Sebastian

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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von Dell » 04.02.2016, 19:27

In der Forschung möchte ich aber im Endeffekt nicht bleiben, sondern nach dem Phd in die Wirtschaft wechseln.
Dann würde ich auch keinen PhD machen, außer der PhD ist auch in der Wirtschaft in diesem Fachgebiet häufig als Abschluss vorzufinden.

Zum Thema "Alter": Man sollte das nicht unterschätzen, gerade da sich das neue Promotionsalter von 30 langsam Richtung Mitte 20 verjüngt. Spielt wohl weniger eine Rolle wenn man direkt nach der Promotion als "Fachmann" und "Chef" oder in einer sehr eigenverantwortlichen Stelle (Arzt, Jurist, Gruppenleiter etc) einsteigt. Für "Entry-Level" Stellen als Junior/Trainee fällt man wohl eher sofort raus, und bei Sachbearbeiter Stellen müsste man wohl als 33-34 + PhD mit jemanden mit 30 und 5+ Jahren Berufserfahrung konkurrieren (und wohl einen Chef finden der auch promoviert und etwas älter ist. Der 30-Jährige ohne Dr. sucht sich wohl lieber wieder einen jüngeren ohne Abschluss der ihn übertrifft)...

Mir wurde bei Vorstellungsgesprächen auch von mehreren Seiten bereits gesagt, dass ich altersmäßig (unter 30) gut reinpasse, da es ihnen wichtig ist, dass die Leute vom Alter und Stellung gestaffelt sind um die Aufgaben und "Karriereleiter" langfristig abzudecken (also nicht alle zu ähnlichen Zeiten in Rente gehen et).

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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von histosowi » 05.02.2016, 06:25

Dell hat geschrieben: Mir wurde bei Vorstellungsgesprächen auch von mehreren Seiten bereits gesagt, dass ich altersmäßig (unter 30) gut reinpasse, da es ihnen wichtig ist, dass die Leute vom Alter und Stellung gestaffelt sind um die Aufgaben und "Karriereleiter" langfristig abzudecken (also nicht alle zu ähnlichen Zeiten in Rente gehen et).
Da haben sie dich aber hübsch veräppelt :D
Leute werden nicht mehr eingestellt, um Aufgaben und Karriereleiter langfristig abzudecken; das gibt es in der Wirtschaft überhaupt nicht mehr. Dafür ist die Fluktuation viel zu hoch und das wissen die Personaler genau. Wer bleibt denn heute noch von der Ersteinstellung bis zur Rente in der selben Firma? Wenn einem ein Personaler sagt, daß man altersmäßig gut reinpassen würde, dann ist das Alter anscheinend auch das einzige, was positiv aufgefallen ist. Entscheidend ist es, von der persönlichen Qualifikation gut reinzupassen, da ist das Alter weniger relevant, es sei denn, der Bewerber steht kurz vor der Rente :lol:

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Re: Einschätzung zu Alter und Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Beitrag von zombie777 » 06.02.2016, 15:24

Amalia hat geschrieben: entscheidend für die Jobsuche werden Deine Fähigkeiten und Dein Netzwerk sein, Dein Alter ist, wenn überhaupt nur ein Nebenkriterium.
Mir wurde damals beim Assessment (GIZ) direkt gesagt, dass ich für eine Junior-Stelle zu alt war (genauer gesagt wurde das als Frage formuliert: "Sind Sie nicht zu alt dafür?"). Ich war 30 und promoviert, die anderen BewerberInnen um 25-27, haben nicht promoviert. Ich sage nicht, es ist immer so, für manche Leute spielt das aber leider eine Rolle.

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